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Sale A166 Lot 146 - 16 September 2013 10:00 to 16 October 2013 10:00

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Lasker Schüler, Else, Dichterin (1869-1945). Umfangreiche Korrespondenz mit dem Zürcher Kaufhausdirektor Hugo May. 20 eigenhändige Briefe, 35 eigenhändige Postkarten, 2 Gedicht-Manuskripte sowie 6 maschinenschriftliche Briefe, jeweils mit Unterschrift. Dazu zwei eigenhändige, kolorierte Federzeichnungen. Ferner 3 Durchschläge von Briefen Mays an Lasker-Schüler sowie 3 Briefe Dritter. Zürich und Ascona, 1933-1938. Ein Grossteil der Stücke ist gelocht, teilweise kl. Buchstabenverluste.
Eine neu zu erschliessende Quelle für Lasker-Schülers Leben im Schweizer Exil. Die in prekären materiellen Verhältnissen lebende und immer wieder mit den Auflagen der Fremdenpolizei konfrontierte Dichterin fand in den beiden Direktoren des Zürcher Kaufhauses Brann, Hugo May und Kurt Ittmann, zwei unermüdlich engagierte Unterstützer, die den finanziellen und administrativen Rahmen ihrer Existenz mit Zuwendungen, Bürgschaften und Fürsprache bei den Behörden sicherten. Gleichzeitig scheint vor allem Hugo May, der Adressat der vorliegenden Schriftstücke, auch eine grosse Bedeutung als Zuhörer und Leser für die weitgehend isolierte und von ihrem Publikum getrennte Exilantin gehabt zu haben. Für die anhaltende Fürsorge Mays bedankt sich die Dichterin darüber hinaus mit Widmungen, Gedichten und Zeichnungen. "Man wird scheu, man wird traurig vereinsamt. Ich hoffe aber nicht ehrlos, da ich Ihre erlösende, mich augenblicklich erlösende Botschaft annahm. Nie wird der blaue Jaguar eine solche Tat vergessen! Nie im Leben!" (3.8.34). - Die Diktion der Briefe und Karten wechselt immer wieder zwischen sorgfältig formulierten und ausgeführten Stücken und solchen, denen die Unrast und die fehlende Souveränität angesichts der täglichen Zumutungen deutlich anzumerken und im Schriftbild anzusehen ist. Immer wieder versucht Else Lasker-Schüler, die Initiative zurück zu erlangen, sich über Lesungen und Buchverkäufe wieder auf eigene Füsse zu stellen, nur um am Ende erneut auf den treuen Freund angewiesen zu sein. - Zu den Dankesgaben der Dichterin gehören zwei kolorierte Zeichnungen: "Der Häuptling und seine Söhne" (22 x 13,5 cm., montiert) und "Hâdassâh und ihre drei Männer" (29,5 x 21 cm.). Jeweils eigenh. bezeichnet u. signiert. - Ein bedeutendes, sicher noch einige Erkenntnisse für die Forschung bereithaltendes Konvolut.
CHF 20 000.- / 25 000.-
€ 16 670.- / 20 830.-