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Sale A166 Lot 177 - 29 March 2014 10:00

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MANUSKRIPTE - Brevarium. Lateinische Handschrift auf Pergament. In brauner Tinte, mit 36 (davon 1 figürl.) grossen Initialen und reicher floraler Blattbordüre in Gold und Farben, sowie hunderten Initialen in Rot und Blau. Wohl Ferrara, um 1470. 507 fols. Blattgrösse 136 x 92 mm, Schriftspiegel 85 x 60 mm. 2 Spalten à je 31 Zeilen auf vorgezogenen Linien. Roter Samteinband auf Holzdeckeln über 4 Bünden mit ziselierter Messing-Schliesse (etwas berieben, im Schnitt leicht fleckig).
Sehr schöne liturgische Handschrift.

Minimal gebräunt, stellenweise leichte Stockflecken. Fols 35-38 mit Braunfleck, Fol 1 mit rückseitig rest. Fehlstellen., Fol 2-7 (Kalender) mit kl. Wurmgang (minimaler Textverlust). Insgesamt in sehr guter Erhaltung.

Das Breviar ist ein typisches Beispiel der ferraresischen Buchmalerschule im Umkreis der Bibel des Borso d' Este. In dieses Projekt, wohl das schillerndste, das von der Renaissance Hofkunst auf uns gekommen ist, teilten sich die verschiedensten Exponenten der norditalienischen Buchmalerei, die alle zu den führenden Kräften der norditalienischen Buchkunst zu zählen sind.
Dieser Befund stützt sich auf den für die ferraresische Buchkunst um 1460 typischen Bordürenschmuck mit reichen, Blüten und Goldperlen besetzten Filigrantrauben innerhalb des typischen Kolorits in Grün, Lila und Blau.

Der Figurenstil der einzigen historisierten Bildiniitiale A mit der Anbetung des Kindes durch die heilige Jungfrau, die den Vespergesang zu Weihnachten Apparuit benignitas et humilitas salvatoris nostri Die einleitet verbindet sich stilistisch mit der Kunst des Taddeo Crivelli. Die Jungfrau unseres Breviars lässt sich, was ihre Typologie betrifft, mit der von Taddeo Crivelli gemalten "Maria der Verkündigung" im zusammen mit Guglielmo Giraldi um ca 1469 illustrierten Studentenbuchs ("Gualenghi-D' Este Hours") in der Sammlung des John Paul Getty Museum in Los Angeles (Ms. Ludwig IX 13, fol.3v) vergleichen.

Eine Datierung vorliegenden Breviars nach 1450, die sich allein schon aus stilkritischen Gründen aufdrängt, ist gesichert durch das Figurieren im liturgischen Kalender des erst 1450 kanonisierten Bernhardins von Siena. Allein die Aufnahme des franziskanischen Observanten in den liturgischen Kalender gleich wie das spezielle Gewicht, das dem Heiligen Franziskus gegeben wurde, dem man gleich mehrere Male gedenkt (Geburt, Stigmata, Oktave des Franziskus), lässt darauf schliessen, dass dieses Breviar für ein Franziskanerhaus in der Umgebung Ferraras oder Mantuas geschaffen wurde.
Das vorliegende Breviar dürfte deshalb wohl gegen 1470 von einem anonymen ferraresischen Buchmaler aus dem Umkreis des Buchmalerateliers von Taddeo Crivelli für ein Haus des Franziskanerordens illustriert worden sein.

Prof. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich

CHF 70 000.- / 90 000.-
€ 58 330.- / 75 000.-