Back to the lot list  

Enquiry    Bid & Track

Sale A166 Lot 231 - 29 March 2014 10:00

English translation is not yet available. Please check back later.

Dürer, Albrecht.
Sammelband mit den drei theoretischen Hauptwerken in den deutschen Ausgaben.
I. UNderweysung der messung, mit dem zirckel un[d] richtscheyt, in Linien ebnen unnd gantzen corporen... in truck gebracht, im jar. M.D.XXv. Mit zahlreichen teilweise ganzseitigen Holzschnitt-Figuren im Text sowie 2 etwa halbseitigen figürlichen Holzschnitten. Nürnberg, [Hieronymus Andreae,] 1525. [89] Bll. (ohne das letzte weisse). Kollation: A-N6 O-Q3.

II. Etliche underricht, zu befestigung der Stett, Schlosz, und Flecken. Mit grossem Wappenholzschnitt u. 20 teilweise gefalt. Textholzschnitten. Zusätzlich eingebunden der grosse, immer fehlende Holzschnitt "Belagerung einer Festung". Nürnberg, [Hieronymus Andreae,] 1527. 26 (10 gefalt.) Bll.

III. Hierin(n) sind begriffen vier bücher von menschlicher Proportion. Mit zahlreichen, teilweise ganzseitigen Textholzschnitten. Nürnberg, H. Formschneider (Andreae) für Dürers Witwe, 31. Okt. 1528. 132 (4 gefalt.) nn. Bll. Kollation: A-M6 N4 O5 P-S6 T4 V6 X5 Y5 Z6.
Folio. Blindgeprägtes Schweinsleder der Zeit.

I. VD 16 D 2856 - Bohatta 1 (1a) - Dodgson I, 265 - Meder 285, 1 A - Ornamentstichkat. Berlin 4607 - Carter-Muir 54 - DSB IV, 259f. - Stillwell Science 161. - Der ausserordentlich seltene Erstdruck der Ersten Ausgabe mit den bei Bohatta angegebenen Unterscheidungsmerkmalen. - Hier mit den beiden Klebekorrekturen auf Blatt c5 (verso) und K1 (recto), sowie den 2 Einschlagstreifen mit Holzschnitten auf Blatt P4 (verso) und Q1 (recto).

II. VD 16 D 2854 - Bohatta 12 - Dodgson I, 343 - Hollstein VII, 284 u. S. 258 - Cockle 766 - Meder XXVII - Jähns 785. - Vgl. Fairfax-Murray 151 u. Fowler 527 (2. Ausg.) - Dritter Druck der ersten Ausgabe, bzw. nach Bohatta 2. Ausgabe, erkenntlich an dem Wort "monat" im Kolophon, aber wie der Erstdruck datiert. - Ohne das Erratabl., das zu diesem Druck nicht mehr erschien. - Das wichtigste deutschsprachige Werk zur Fortifikation. Wohl nicht in erster Linie auf italienische Eindrücke oder Schriften zurückzuführen, sondern angeregt durch die 1519 von Dürer gemeinsam mit Willibald Pirckheimer beobachtete Belagerung der Feste Hohenasperg. Ausserdem war das Vordringen der Türken auf dem Balkan und im Mittelmeerraum der konkrete Anlass für die Abfassung des Werkes - wie Dürer selbst im Vorwort ausführt. (Vgl. Eva-Maria Seng, Stadt-Idee und Planung, München u. Berlin 2007, S. 174-177). - As well as summarizing the science of fortification it contains some of Dürer's chief architectural work. Many of his ideas were put to use..." (DSB). - Mit dem fast immer fehlenden, grossen Holzschnitt "Belagerung einer Festung", von zwei Stöcken gedruckt. - Meder 242. - Dieser bis an die schwarze Einfassungslinie beschnitten.

III. VD 16 D 2859 - Bohatta 17 - Garrison-Morton 149 - NLM/Durling 1295 - Stillwell Science 622. - Erste Ausgabe von Dürers Hauptwerk. - "Im Gegensatz zu Alberti, einem durch und durch theoretischen Kopf, war Dürer durch und durch Künstler (,inwendig voller Figur'), dessen Proportionswerk folglich von vornherein illustriert geplant war, obwohl pure Tabellen für den im Titel bezeichneten Zweck ausgereicht hätten. So wurde Dürers Buch das erste Opus seiner Art mit Abbildungen, deren Quantität und Qualität in vergleichbaren Werken nie wieder erreicht wurden." (Hinz, S. 6).

Schönes Exemplar in einem wahrscheinlich Wittenberger Einband (Paul Thiel?; vgl. Haebler I, 443, 5). Mit der Rolle „Salvator – David – Paulus – Johannes'.


Albrecht Dürer schrieb gegen Ende seines Lebens drei grosse Abhandlungen, die seiner künstlerischen Praxis ein theoretisches Fundament geben und die Welt nördlich der Alpen mit den jüngsten technologischen Errungenschaften der Renaissance bekannt machen sollten. Messkunst, Festungsbau und die Proportion des menschlichen Körpers erhielten mit diesen Arbeiten eine - besonders für Nordeuropa - völlig neue Grundlage und wurden sogleich zur Inspirationsquelle für ganze Generationen von Naturwissenschaftler, Künstlern, und Städteplanern. Gleichzeitig etablierte Dürer mit seinen Studien quasi im Alleingang die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache. Damit nicht genug: In ihrer Gestaltung, der meisterhaften Abstimmung von Typographie und Illustration, können Dürers Werke auch und vor allem als Meilensteine der europäischen Buchkunst gelten.

Sie belegen insgesamt in eindrucksvoller Weise die vielfältigen Ambitionen und Fähigkeiten ihres Urhebers. Umso mehr mag es erstaunen, dass der Wissenschaftsautor Albrecht Dürer bis heute noch sehr im Schatten des Künstlers steht.
"Ursächlich dafür dürfte indes weniger ein Desinteresse an der nicht unpopulären [...] Thematik als der reflexartige kunsthistorische Vorbehalt sein, der Künstler habe seine kostbare Schaffenszeit im Übermasse einem letztlich unkünstlerischen Gegenstand gewidmet. [...] Darüber hinaus scheint der Umstand, dass Dürers Buch als einziges beziehzungsweise erstes aller bedeutenden Kunst- und Künstlerschriften der Renaissance originär im Druck erschienen war, dem Bedürfnis nach einer modernen Edition im Wege gewesen zu sein; denn das Original repspektive dessen diverse Nachrdrucke standen und stehen schliesslich immer zur Verfügung. Während die in ihrer Epoche ungedruckten Schriften und Projekte etwa Albertis und Leonardos (oft mehrfach) ediert und kommentiert vorliegen, verharrt Dürers Opus magnum nach wie vor im Status von 1528." (Berthold Hinz in der Einleitung zu seiner kommentierten Neuausgabe des Proportionswerkes von 2011).

Der vorliegende Band gibt nun also die Gelegenheit, das gesamte Panorama von Dürers Wissenschaft vereint und in der Abfolge des Erscheinens in Augenschein zu nehmen. Sind schon die einzelnen Traktate heute äusserst selten, gilt dies für eine komplette Suite natürlich in ganz besonderem Masse.

Provenienz: Das Exemplar stammt aus der berühmten Sammlung des englischen Architekten und Designers Charles Robert Ashbee (1863-1942) und trägt dessen Leder-Exlibris auf dem Innendeckel. Es fand in den 1970er Jahren seinen Weg in Schweizer Privatbesitz und wird nun erstmals seit fast vier Jahrzehnten wieder angeboten.

CHF 120 000.- / 200 000.-
€ 100 000.- / 166 670.-