Lot 3046 - A192 Gemälde Alter Meister - Freitag, 19. Juni 2020, 14.00 Uhr

PIETER DE HOOCH

(Rotterdam 1629–nach 1683 Amsterdam)
Musizierende Gesellschaft in einem Interieur. Nach 1680.
Öl auf Leinwand.
68,5 × 82,5 cm.

Provenienz:
- Privatsammlung Jan de Kommer, Amsterdam.
- Auktion Sammlung Jan de Kommer, De Winter Yver, Amsterdam, 15.4.1676, Los 14.
- Sammlung Pieter Oets, Amsterdam.
- Auktion Sammlung Pieter Oets, Amsterdam, 31.1.1791, Los 14 (mit falschen Abmessungen).
- Privatsammlung Wubbels.
- Privatsammlung Thoma Hamlet, 1829–1834.
- Privatsammlung G. Cornwall, Legh, 1867.
- Kunsthändler P. de Boer, Amsterdam, 1937.
- Privatsammlung Niederlande, 1944.
- Privatsammlung P. Kraaij, Hattem (verso mit Etikett).
- Auktion Sammlung P. Kraaij, Christie's, London, 24.11.1961, Los 75.
- Kunsthändler Galerie Sanct Lucas, Wien, 1962.
- Auktion Christie's, London, 10.4.1970, Los 36.
- Privatsammlung Holstein.
- Privatsammlung C. Mumenthaler.
- Schweizer Privatbesitz.

Ausstellungen:
- wohl British Institution, London, 1829, Nr. 154 (als Leihgabe der Sammlung T. Hamlet).
- wohl British Institution, London, 1867, Nr. 103 (als Leihgabe der Sammlung T. Hamlet).

Literatur:
- Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten Holländischen Maler des XVII. Jahrhunderts, 1907–1928, Bd. I, Esslingen/Paris 1907, S. 514, Nr. 142.
- Peter Sutton: Pieter de Hooch, Oxford 1980, S. 117–118, Nr. 154, mit Abb.

Dieses Gemälde von Pieter de Hooch, welches eine bemerkenswerte Provenienz aufweist, zeichnet sich durch eine für den Künstler charakteristische Komposition eines gehobenen, bürgerlichen Interieurs mit Figurenstaffe aus: Im Vordergrund links kniet eine junge Dame neben einem Weinkrug. Am Tisch hinter ihr sitzt ein zu ihr gewandter Herr, der eine Flöte hält. Die Dame rechts neben ihm am Tisch singt zur Guitarre, die der hinter ihr, in der rechten Bildecke stehende Mann spielt.

Durch die geschickte Staffelung der Bildakteure schafft de Hooch eine diagonale Komposition, die den Blick des Betrachters gekonnt durch das Geschehen führt. Das offene Fenster in der linken Bildhälfte gibt dabei den Blick auf einen Hof mit einer Statue frei und beleuchtet die Szene durch das einfallende Sonnenlicht. Eine vergleichbare Komposition befindet sich im Philadelphia Museum of Art (siehe Abb. 1).

Über die künstlerische Prägung Pieter de Hoochs ist bekannt, dass er unter anderem bei Nicolaes Berchem (1620–1683) lernte. Seine frühen Interieur Darstellungen aus den beginnenden 1650er-Jahren, die sich noch auf die anekdotischen Handlungen der dargestellten Figuren konzentrieren, belegen auch den Einfluss Gerard ter Borchs (1617–1681). Die reife Phase des Künstlers um 1658 zeichnet sich dann durch jene raffinierte Raumkonstruktionen aus, die charakteristisch für das Oeuvre de Hoochs werden sollten: Meist mehrere, unterschiedlich beleuchtete Raumpartien wohlhabender Wohnhäuser, die oft von einem dunkleren Ton bestimmt und stets orthogonal zur Bildfläche angeordnet sind, werden zur Kulisse lebendigen Treibens und vermitteln gleichzeitig ein Gefühl von intimer Häuslichkeit. Entgegen der allegorisch-moralischen Andeutungen, die bezeichnend für die bürgerlichen Interieurs dieser Zeit sind, legt de Hooch den Fokus nicht etwa auf die sematischen Bedeutungen des Dargestellten, sondern vielmehr auf die kompliziert strukturierten Räume und Lichteffekte, die derart den Bildfindungen des Johannes Vermeer (1632–1675) nahestehen, der ebenso grosses Interesse an Raumgestaltung und Lichtführung hatte.

Wenngleich über das Verhältnis von Vermeer und de Hooch nichts bekannt ist, muss davon ausgegangen werden, dass beide sich wechselseitig aufeinander bezogen. Anders jedoch als Vermeer malte de Hooch ganzfigurige Szenen mit einem grösseren Abstand zum Betrachter, sodass diese als Ausdruck der neuen, gesellschaftstragenden Bedeutung des häuslichen Lebensraums gewertet werden können.

Wir danken Ellis Dullaart für die Aufnahme des Gemäldes in das Archiv des RKD, Den Haag.

CHF 50 000 / 70 000

€ 43 860 / 61 400

Verkauft für CHF 85 700 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr