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Lot 3410 - A203 PostWar & Contemporary - Donnerstag, 01. Dezember 2022, 14.00 Uhr

ULRICH RÜCKRIEM

(Düsseldorf 1938–lebt und arbeitet in Irland)
Ohne Titel. 1977.
Stein, gespalten, 4-teilig.
133 × 37 × 37 cm.

Provenienz:
- Galerie Tschudi, Glarus.
- Bei obiger Galerie im Jahr 1990 erworben, Privatsammlung Schweiz.
- Durch Erbschaft an den heutigen Besitzer, ebenfalls Privatsammlung Schweiz.

Der deutsche Bildhauer Ulrich Rückriem hat sich in seinem plastischen Werk dem Prinzip der „formbildenden Teilung“ verschrieben. Das bedeutet, er wählt im Steinbruch Steine aus, spaltet diese mit klassischen Steinmetz-Werkzeugen und setzt die so entstandenen Einzelteile wieder zusammen. Er fasst den Ablauf wie folgt zusammen: spalten, schneiden, schleifen und polieren.

Seine Eingriffe sind vergleichsweise minimal, denn als gelernter Steinmetz verfügt er über ein profundes Verständnis für das Material, dessen Eigenschaften und geologische Beschaffenheit. Fast wie Zeichnungen erscheinen die Bruchstellen auf der Oberfläche der Skulpturen. Sie beschreiben eindrücklich den Umgang mit dem Stein und sind Zeugen der Ereignisse, die zum jetzigen Zustand geführt haben.

Rückriem geht es nicht um die Schaffung einer neuen Skulptur, sondern er arbeitet mit dem Stein und lässt ihm die Möglichkeit, auf die Behandlung mit Werkzeugen „selbstständig zu reagieren“. Für den Künstler besitzen Steine eine autonome Kraft, die wiederum mit den von ihm hervorgerufenen Veränderungen im Gleichgewicht stehen müssen. Trotz der Schwere des Materials strahlen seine Werke eine unglaubliche Ruhe- und Mühelosigkeit aus.

Auf den ersten Blick scheint Rückriems Oeuvre eindeutig dem Minimalismus zugehörig. Tatsächlich aber bewegt es sich im Spannungsfeld zwischen der amerikanischen Minimal Art und der expressiven, europäischen Kunsttradition des 20. Jahrhunderts. Die eine gibt sich distanziert und die Urheberschaft des Künstlers wird fast bzw. vollständig negiert. Die andere zeichnet sich durch die physische Auseinandersetzung mit dem Stein aus und die Assoziation des archaischen. primitiven schafft eine gesellschaftliche und kulturelle Verbindung.

Die vorliegende Skulptur aus dem Jahr 1977 vereint all diese Elemente und ist somit ein herausragendes Beispiel für Rückriems Werk.

CHF 15 000 / 25 000 | (€ 15 460 / 25 770)

Verkauft für CHF 22 260 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr