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Lot 3233* - A213 Impressionismus & Moderne - Freitag, 27. Juni 2025, 16.30 Uhr

PAUL SIGNAC

(1863 Paris 1935)
Saint-Tropez, port en fête. 1895.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert und datiert: P. Signac / 95.
Verso auf dem Keilrahmen betitelt: Port en fête – Saint-Tropez.
65,5 × 81 cm.

Gutachten:
Marina Ferretti-Bocquillon, Paris, 29.4.2025.

Provenienz:
- Künstleratelier.
- Arsène Alexandre, Paris, 1902 direkt vom Künstler erhalten.
- Auktion Galerie Georges Petit, vente A. Alexandre, Paris, 18./19.5.1903, Los 60.
- F. Féneon, Paris, an obiger Auktion erworben, bis 1912.
- Galerie Bernheim-Jeune & Cie, Paris.
- Privatsammlung München, 1912 in obiger Galerie erworben (Originalrechnung vorhanden).
- Privatsammlung Deutschland, durch Erbschaft erhalten.

Ausstellungen:
- Paris 1895, Salon de l'Art Nouveau, Galerie Siegfried Bing, 28.12.1895–Januar 1896, Nr. 179.
- Paris 1896, Exposition de la Société des Artistes Indépendants, Palais des Arts Libéraux, 9.4.–26.5.1896, Nr. 1056.
- Paris 1902, Exposition d'œuvres de Paul Signac, Galerie de l'Art Nouveau (Siegfried Bing), 2.6.1902, Nr. 9 (Titel: "Bateaux pavoisés").
- Brüssel 1904, Exposition des Peintres Impressionnistes, La Libre Esthétique, 25.2.–29.3.1904, Nr. 151 (Titel "Bateaux pavoisés").
- Paris 1907, Paul Signac, Galerie Bernheim-Jeune, 21.1.–2.2.1907, Nr. 20 (Titel: "Saint-Tropez. Matin de fête"; mit Abb. der Skizze).
- Troyes 1909, Société Artistique de l'Aube, Nr. 265.
- London 1910, Manet and the Post-Impressionists, Grafton Galleries, 8.11.1910–15.1.1911, Nr. 57.

Literatur:
- Françoise Cachin: Catalogue raisonné de l'œuvre peint, Paris 2000, S. 220, Nr. 276 (mit Abb. der Skizze).
- Gustave Kahn: Les petites expositions. M. Paul Signac, in: Le Petit Bleu de Paris, 3.6.1902, S. 3.
- Laertes: La quinzaine artistique, in: La Dépêche de Toulouse, 12.6.1902, S. 1.
- Edmond Pilon: Paul Signac (chez Bing), in: Aujourd'hui, Juni–Juli 1902, S. 85.
- L'Écho de France, 2.3.1904.
- G. Denoinville: Sensations d'art (2ème série), in: Voltaire, 2.3.1904, S. 3.
- Société artistique de l'Aube, in: Le Petit Troyen, 9.10.1909.
- J.-C. Holl: La jeune peinture contemporaine, Paris 1912, S. 77.
- Marina Ferretti-Bocquillon: Paul Signac au temps d'harmonie 1895–1913, in: Signac et la libération de la couleur, Münster 1996, S. 65.

Wir danken Marina Ferretti und Charlotte Cachin für die Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Werks.

In pointilistischer Manier zaubert Paul Signac in "Saint-Tropez, port en fête" eine traumhafte Ansicht des festlich geschmückten Hafens von Saint-Tropez mit knallbunten Flaggen und im Licht vibrierenden Segeln auf die Leinwand. Im Hintergrund ist das Städtchen mit seinem berühmten Glockenturm zu sehen. Die Darstellung besticht durch eine harmonisch abgestimmte Farbgebung verschiedener Blautöne, in die gezielt Weiss, Rosa und ein paar kontrastreiche Rot-Gelbtöne eingearbeitet sind, die dem Werk eine freudige Lebendigkeit einhauchen. Die Perspektive lässt erahnen, dass die Ansicht auf einem Boot entstanden sein könnte und katapultiert die Betrachtenden mitten ins sanfte Gewässer des Hafens hinein. Das Gemälde entsteht im Jahr 1895 und gehört zu den frühesten grossformatigen Arbeiten dieser Schaffensperiode.

In Paris geboren und bis in die frühen 1890er-Jahre auch dort sesshaft, wendet sich Paul Signac im Alter von nur 18 Jahren nach einem abgebrochenen Architekturstudium vollständig der Malerei zu. Die Begegnung mit Claude Monet und Georges Seurat im Jahr 1884 bei der Organisation des ersten "Salon des Artistes Indépendants" ist für den weitgehend autodidaktisch ausgebildeten Künstler prägend. Während er Monets atmosphärische Malweise bewundert, entspricht das konstruktive, wissenschaftlich basierte Arbeiten Seurats stärker seiner eigenen Auffassung. Es folgt eine tiefe Freundschaft und ein fruchtbarer künstlerischer Austausch, der schliesslich in die später als Neo-Impressionismus bezeichnete Malerei mündet.

Seurat und Signac interpretieren den klassischen Impressionismus neu, indem die lebhafte, spontane Pinselführung der Impressionisten durch einen neuen, systematischeren Ansatz abgelöst wird. Ein Malprozess, der auf Struktur und Dauerhaftigkeit abzielt. Sie suchen nicht nur den flüchtigen Eindruck, sondern streben nach einem wissenschaftlich fundierten Verständnis von Farbe und Licht. Sowohl Signac als auch Seurat widmen sich mit grosser Leidenschaft der Erforschung farblicher Wirkungen, die auf den physikalischen Gesetzen des Lichts und den Prinzipien der Wahrnehmung beruhen. Sie sind überzeugt, dass die gezielte Kombination reiner Farbpunkte, der Pointillismus, eine besondere optische Lebendigkeit erzeugen kann. In seiner wegweisenden Schrift "D’Eugène Delacroix au néo-impressionnisme" (1899) formuliert Signac dieses Ziel als eine "vollständige Harmonie des Werkes“, die durch das ausgewogene Zusammenspiel von Kontrast, Schattierung und Leuchtkraft erreicht wird.

Nach dem frühen Tod seines Weggefährten Georges Seurat im Jahr 1891 sucht Paul Signac Abstand vom Pariser Kunstbetrieb. Die Erschöpfung, die ihn nach Jahren intensiver Arbeit und unablässigen Engagements für den Neo-Impressionismus einholt, und die Trauer wegen des Hinschieds Seurats mündet in einem Entschluss, der seine Kunst nachhaltig prägen sollte: Er verlässt Paris und macht sich im Frühjahr 1892 per Segelboot auf den Weg gen Süden.

Die Reise ist zugleich ein Rückzug und eine Suche – inspiriert unter anderem durch die Reiseliteratur von Guy de Maupassant, der das Mittelmeer als Ort der Stille, Schönheit und Erholung beschreibt. Signac segelt mit seiner Yacht "Olympia" durch Frankreichs Wasserwege bis zur Mittelmeerküste und erreicht schliesslich Saint-Tropez, damals ein kleines, ruhiges Fischerdorf, weit entfernt vom Lärm und der Hektik der Grossstadt.

Das Örtchen trifft ihn wie eine Offenbarung. In einem Brief an seine Mutter schreibt Signac begeistert von seinem neuen Zuhause: ein einfaches Häuschen inmitten von Pinien und Rosen, mit Blick auf das glitzernde Meer und eigenem Ankerplatz. Die Umgebung – das Licht, die Farben, die unberührte Natur – bietet ihm nicht nur Erholung, sondern wird zur künstlerischen Inspirationsquelle. "Glück – das ist es, was ich gerade entdeckt habe", schreibt er. Saint-Tropez wird zu seinem Zuhause und zum Zentrum seines Schaffens, zu einem Ort, an dem er seinen pointillistischen Stil weiterentwickelt: farbintensiver, lichtdurchfluteter, freier in der Komposition.

Das vorliegende Werk "Saint-Tropez, port en fête" vereint exemplarisch Signacs ausgefeilte Technik mit seiner Hingabe für die Schönheit Saint-Tropez' und ist ein wunderbares Beispiel eines frühen Werks, wo Signac bereits zu seiner eigenen, unverkennbaren Handschrift gefunden hat. Zwar ist der Einfluss Seurats noch spürbar, doch zeigt sich hier bereits jener freiere, individuelle Stil, der schliesslich zu Signacs farbexplosiven Spätwerken führt.

Das Gemälde ist im Werkverzeichnis von Cachin zwar aufgeführt, jedoch ohne Abbildung, da es dem Signac-Archiv bislang nur in Form einer kleinen Tusche-Skizze bekannt war (vgl. Abb. 1). Die nun wiederentdeckte endgültige Fassung des Gemäldes stellt somit eine bedeutende Neuentdeckung dar: Das Werk wurde zuletzt 1912 öffentlich erwähnt, als es von der Pariser Galerie Bernheim-Jeune an einen bekannten Münchner Sammler verkauft wurde, der durch geschäftliche Aufenthalte in Berlin, Paris und Belgien Kontakte zu wichtigen Kunstkreisen knüpfte. Bereits früh sammelte er französische Romantiker, Impressionisten sowie auch deutsche Expressionisten. Heute befinden sich mehrere Werke, die ursprünglich aus seiner Sammlung stammen, in öffentlichen Museen wie dem Leopold Museum in Wien oder der neuen Pinakothek in München. Das Gemälde von Signac behielt er seit dem Kauf bei Bernheim-Jeune in seinem Privatbesitz und zeigte es weder in Publikationen noch machte es der Öffentlichkeit in Ausstellungen zugänglich. Das Gemälde blieb bis heute in privatem Besitz und wird nun, nach über 110 Jahren, erstmals wieder öffentlich präsentiert.

CHF 2 000 000 / 3 000 000 | (€ 2 061 860 / 3 092 780)

Verkauft für CHF 6 177 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.