Lot 3021* - Z23 Schweizer Kunst -

GIACOMETTI, GIOVANNI

(Stampa 1868 - 1933 Glion)
Garten im Fühling. 1911.
Öl auf Leinwand.
Unten links monogrammiert: GG. Verso auf der Leinwand bezeichnet: Giovanni Giacometti. 1911 Stampa.
70,5 x 65,8 cm.

Provenienz: Privatsammlung Schweiz. Ausstellungen: - Zürich, 1912, Moderner Bund, Kunsthaus Zürich, 7. - 31.7.1912. - München, 1913, Amiet und Giacometti. VI. Kollektiv-Ausstellung, Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München, 14. - 30.4.1913. Literatur: - Müller, Paul / Radlach, Viola: Giovanni Giacometti 1868-1933. Werkkatalog der Gemälde, Bd. II-2, Zürich 1997, S. 580 und 581, Nr. 1911.28. - Registro dei Quadri, Nr. 1A, S. 95, Nr. 192, in: Müller, Paul / Radlach, Viola, (op.cit.) Garten im Frühling gehört zu einer Reihe von Gartenbildern mit Bäumen, die Giovanni Giacometti um das Jahr 1910 gestaltete. Während seines künstlerischen Schaffens griff er das Baummotiv im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder auf, z.B. in Winter im Garten von 1909 (versteigert bei Koller im Juni 2007) oder in Cigliegi in fiore (von 1911, in Privatbesitz). Was unser Bild gegenüber diesen reinen Gartenansichten allerdings auszeichnet, sind die mit wenigen Strichen angedeuteten beiden Frauenfiguren. Weit davon entfernt als reine Staffage zu fungieren, bietet insbesondere die rechte, in Rückenansicht gezeigte Figur mit dem kleinen Kind interessante Deutungsmöglichkeiten. Mit Fioritura, dem Bildnis einer jungen Mutter mit Kind unter einem blühenden Baum (Chur, Bündner Kunstmuseum) brachte Giacometti 1900 seiner in zahlreichen Briefen bezeugten Sehnsucht nach einer Frau und Familie zum Ausdruck. Sie sollte sich durch die Ehe mit Annetta Stampa noch im selben Jahr und der Geburt der gemeinsamen Kinder Alberto (1901), Diego (1902), Ottilia (1904) und Bruno (1907) auf das Glücklichste erfüllen. Seine Familie bildete fortan eines seiner wichtigsten Motive. Mit der Rückenfigur in Garten im Frühling mag Giacometti auf sein früheres Werk Fioritura anspielen. Und schliesslich stehen Mutter und Kind und die blühende Pracht des Frühlingsgartens in Giacomettis Gemälde für das Erwachen der Natur und für das Leben schlechthin. Einen waren Farbenrausch aus intensiv grünen, violetten und weissen Tönen setzte Giacometti dicht an dicht nebeneinander, um die abertausende Blüten im Kronenbereich des das Gemälde beherrschenden Baumes zu gestalten. Stilistisch ist in diesen bewegten, wellenartigen Pinselstrichen der oberen Bildhälfte das Vorbild Vincent van Goghs erkennbar, mit dessen Werk Giacometti einige Jahre zuvor vertraut wurde und das einen tiefen Eindruck bei ihm hinterliess. Als leuchtend hellblauen Kontrast setzte Giacometti einen Gartenzaun in die untere Bildhälfte, der diesen statisch abschliesst und in der Bildmitte einen optischen wie realen Eingang in den Frühlingsgarten gewährt. Hier löst sich Giacometti von dem Divisionismus seines Lehrers

CHF 350 000 / 450 000

€ 327 100 / 420 560

Verkauft für CHF 480 000 (inkl. Aufgeld)
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