Lot 3018 - A152 Gemälde Alter Meister - Freitag, 26. März 2010, 15.00 Uhr

SÜDLICHE NIEDERLANDE, 16. JAHRHUNDERT

Weite Landschaft mit der Bekehrung des Heiligen Hubertus.
Öl auf Holz.
72 x 78 cm.

Provenienz: - Kunsthandel Böhler & Steinmeyer, Luzern. - Schweizer Privatsammlung, von obigem erworben. Dieses sehr gut erhaltene Landschaftsgemälde ist ein besonders qualitätsvolles und bemerkenswertes Beispiel der frühen flämischen Landschaftsmalerei, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine grosse Blüte erfuhr. Darstellungen, wie die hier angebotene, waren geschätzte Sammlerobjekte in ganz Europa, vor allem in Italien, wo sie als Verbildlichung der von Plinius und anderen antiken Gelehrten beschriebene Landschaft der Antike verstanden wurden. Die Erfindung der selbständigen Landschaftsmalerei in Flandern verdanken wir Joachim Patinir (c. 1480 - 1524), der diese Gattung zu einer Blüte brachte. Spätestens ab 1515 soll Patinir von seiner Heimat an der Maas nach Antwerpen umgesiedelt sein, wo er sich auf kleinformatige Landschaften spezialisierte, bei denen die Figuren eine sekundäre Rolle eingenommen haben. Seine Landschaften kennzeichnen sich durch eine grosse Weite und sind bahnbrechend, da sie erstmals die Landschaft als Hauptmotiv in der Malerei manifestieren. Bis dahin war sie nur als Hintergrund eingesetzt. Patinir verstarb im Jahre 1524 und seine Neuheit wurde durch die nachfolgende Generation fortgesetzt. Zu dieser zählten Lucas Gassel, Cornelis Massys, Jan van Amstel und Herrie met de Bles, die alle als Landschaftsmaler grossen Erfolg hatten. Aufgrund der schnellen Entwicklung der Landschaftsmalerei und der grossen Nachfrage wurden auch Werkstätten gegründet, wo die Anfertigung der Gemälde nach Spezialisierungsgrad aufgeteilt wurde. Unsere Tafel ist aufgrund der unterschiedlichen Ausführungsart der Landschaft und der Staffage deutlich als eine Werkstattproduktion zu identifizieren. Als Terminus post quem für die Entstehung kann Dürers Besuch in Antwerpen 1520/1 genannt werden, da die Hundestaffage von dessen Stich des Verlorenen Sohns abgeleitet ist. Solche Zitate passen in die damalige Euphorie nach Dürers Besuch, wo man bemüht war jegliche Motive Dürers, die in der Werkstatt vorhanden waren, umzusetzen. Das Thema des Heiligen Hubertus kann möglicherweise auch direkt auf die Dürermanie zurückzuführen sein, und lag in Form seiner Radierungen zur gleichen Thematik vor. Zu dieser Entwicklung passen auch die Gemälde im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg (Inv. Nr. WAF 717, Öl auf Holz, 58 x 75 cm) und die grosse Leinwanddarstellung (117,8 x 147,5 cm), die zuletzt bei Christie's London am 21.4.1989 als Los 22 versteigert wurde (siehe Fotografien im Archiv des RKD, Den Haag). Die Landschaft des hier angebotenen Gemäldes folgt den Charakteristiken Patinirs, wie bei den Gemälden mit dem Hieronymus im Louvre und im Prado (Gibson, W: Mirror of the Earth, in: The World Landscape in Sixteenth Century Flemish Painting, 1989, Nr. 1.18 und 1.19) zu sehen ist. Kennzeichnend ist der grosse Felsen in der Mitte, der die Landschaft dominiert, ebenso wie der weite Blick rechts. Gibson weisst darauf hin, dass dieser Landschaftstypus im Vergleich zu Patinirs anderen Ansichten am einflussreichsten war. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden Landschaften wie diese Tafel mit dem Begriff Weltlandschaften bezeichnet. Mit diesem Begriff wird der enzyklopädische Charakter der Landschaft betont, die mit ihren unterschiedlichen Ansichten und ihrer Vielfältigkeit die gesamte Schönheit der sichtbaren Welt umfasst. Dr. Marina Aarts

CHF 150 000 / 200 000

€ 140 190 / 186 920

Verkauft für CHF 150 000 (inkl. Aufgeld)
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