Lot 1524 - A156 Silber & Porzellan - Montag, 28. März 2011, 14.00 Uhr

SELTENE WANDFLIESE, URBINO, UMKREIS FRANCESCO XANTO AVELLI DA ROVIGO, URBINO, UM

1536. Majolika Fliese mit historischer Szene aus der Persischen Geschichte über König Kambyses II. von Persien, Sohn des Kyros dem Grossen, beim Versuch den Ammon Tempel in der Oase Siwa zu plündern. Die Szenerie zeigt Kambyses, links im schwarzen Umhang, und sein Heer, im Begriff den Tempel Ammons 'Teplum Amonis' zu überfallen, als ein Sandsturm die Männer überwältigt, eine Fahne mit 'Persii' beschrieben. auf einer Sockelleiste eine titulierende italienische Inschrift, nummeriert ‚No 18'. 30 x 27,5 cm. In schwarz gefasstem Holzrahmen. Stark restauriert.

Provenienz: Privatbesitz, Zürich. Kambyses II. (Regierungszeit 529 - 522 v. Chr.) ist der älteste Sohn Kyros II, König von Persien. Er war erster persischer Herrscher in Ägypten, nachdem er 525 v.Chr. der 26. Dynastie der Pharaonen ein Ende gesetzt hatte. 200 Jahre persische Herrschaft in Ägypten sollten folgen. Als Diktator galt er als wahnsinng und grausamer Herrscher. Herodot berichtet, dass Kambyses das heilige Orakel von Siwa mit 50000 Mann plündern wollte, da es den Niedergang des Königs prophezeit hatte. Bevor er und sein Heer jedoch ihr Ziel erreicht hatten, wurden sie von einem riesigen Sandsturm überrascht. Zyklen von Istoriato Majolikafliesen sind äusserst selten. Insgesamt sind nur 30 Exemplare bekannt, die Szenen aus dem Trojanischen Krieg und in zwei weiteren Folgen die frühe Geschichte des Perserreiches illustrieren, nach Justinians ‚Epitome' und der verlorenen ‚Universalgeschichte' von Trogus Pompejus. Timothy Wilson und Johanna Lessmann haben die verschiedenen Fliesenfolgen mehrfach in der Literatur besprochen. Francesco Xanto Avelli, einem der bedeutendsten und interessantesten Maler Urbinos, konnte Johanna Lessmann 22 Fliesen aus zwei verschiedenen Perserzyklen zuschreiben, die sich heute in verschiedenen Museen oder Privatsammlungen befinden und katalogisiert wurden: Herzog Anton Ulrich Museum, Braunschweig (mit 2 Stücken und 2 Kriegsverlusten, die fotografisch überliefert sind), Louvre, Paris (2), Auktion Christie's 1884 (2), Nationalmuseum Warschau (2), Stiftung Fürst-Pückler Museum, Schloss Branitz (8), italienischer Privatbesitz (1) und 3 verschollene Fliesen ehemals aus der Sammlung Sprovieri, Italien. Die bekannten Fliesen tragen Folgenummern zwischen 1 und 39. Lessmann stellte erhebliche Unterschiede in Stil und Qualität fest, was auf mehrere Maler schliessen lässt. 15 der Fliesen tragen allerdings diverse Signaturen von Francesco Xanto Avelli. Die hier vorgestellte noch unbekannte Fliese ‚No. 18' würde einen Teil der Lücke der noch fehlenden Fliesen aus dem ersten Zyklus, zwischen 15 und 19 füllen. Lessmann vermutet aufgrund ihrer Untersuchungen, dass dort die Geschichte König Kyros im Kampf gegen Tomyris bzw. Kambyses und die Eroberung Ägyptens dargestellt wäre. Die heute verschollene Folgekachel No.19 (Lessmann, S.69, Abb. 9, S.80, Kat Nr. 11) behandelt den Tod des Kambyses, die Ermordung des Mergis und die Einsetzung des Horopastes zum König. Damit dürfte diese Fliese mit grösster Wahrscheinlichkeit aus diesem Zyklus stammen. Bildaufbau, der Malstil aus dem Umkreis Xantos, die Schriftleisten mit der Beschreibung der jeweiligen Szene, Nummerierung und Masse sind entsprechend. Vgl. Timothy Wilson, Italian Renaissance Ceramics. British Museum Collection, 2009,I , Kat. 159; Johanna Lessmann, Bildfliesen von Francesco Xanto Avelli zur Geschichte Persiens, Keramos 2004/186, S. 61-85.

CHF 15 000 / 25 000

€ 14 020 / 23 360

Verkauft für CHF 70 800 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr