Lot 3325* - Z31 PostWar & Contemporary - Freitag, 09. Dezember 2011, 17.00 Uhr

BOTERO, FERNANDO

(Medellin 1932 - lebt und arbeitet in Pietrasanta, Paris und New York)
Cane. Um 1980.
Bronze mit Schwarzbrauner Patina.
Unten am Sockel signiert und nummeriert: Botero, Exemplar 4/6.
40 x 30 x 22 cm.

Mit einer handschriftlichen Bestätigung der Authentizität von Fernando Botero (Rückseite eines Fotos), 15. September 2003. Provenienz: - Privatsammlung Holland. Jeder Muskel ist angespannt, mit erhobenem Kopf und Schwanz steht der Hund fest auf allen vier Pfoten und blickt den Betrachter freundlich, mit hängender Zunge, an. Er scheint in seiner Bewegung erstarrt, wartend auf Ereignisse oder einen Befehl seines Herren, um die nächste Bewegung mit hoher Dynamik auszuführen. Wir erkennen die Skulptur sofort als Wiedergabe eines Hundes, doch ist es auf keinen Fall eine naturalistische, anatomisch genaue Wiedergabe des Tieres. Fernando Botero ist berühmt für seine Figuren von üppigen Ausmassen und sinnlicher Qualität der Form. Als Bildhauer wie als Maler hat er diesen für ihn so typischen Stil entwickelt und neben Personen und Stillleben auch immer wieder Tiere in sein Repertoire aufgenommen. Das harte, eigentlich unbiegsame Material verwandelt Botero meisterhaft in die geschmeidige Figur eines Hundes mit voluminöse Rundungen. Der Hund, den Botero Anfang der 80er Jahre geschaffen hat, besticht zudem durch seine Ausstrahlung, eine geheimnisvolle Ruhe geht von ihm aus. Diese Ruhe erzeugt der Künstler nicht zuletzt durch die Wiedergabe der erstarrten Bewegung, der Hund hält sogar beim Zungeausstrecken inne. Gekonnt spielt Botero mit der Ambivalenz der Erstarrung und der Spannung, die durch die perfekte und glänzende Oberflächenstruktur noch unterstützt wird. Mit Humor und Ironie stellt Botero seinen Cane vor und es liegt am Betrachter dieses sinnliche und beindruckende Werk zu interpretieren und die Freude des Künstlers an der Darstellung nachzuempfinden. Der kleine Cane mit seinem bestechenden Charme könnte ein Wachhund nach dem Vorbild der Tempelhunde oder nur ein kurz vor dem Absprung stehender Haushund, wofür das Halsband sprechen würde, sein. Schon seit seiner Kindheit fühlt sich Botero zu den Tieren hingezogen, er ist mit ihnen aufgewachsen und sein Vater reiste als Handelsvertreter mit dem Pferd durchs Land. Tiere haben in seinen Gemälden ebenso wie in seinen Plastiken einen hohen Stellenwert. Neben seiner persönlichen Affinität zu Tieren und der daraus resultierenden Freude an deren Wiedergabe, steht Botero mit der Schaffung von Tierplastiken in einer lang zurückreichenden kunsthistorischen Tradition. Schon in prähistorischer Zeit entstanden Tierplastiken, die vorwiegend als Kultobjekte genutzt wurden, die ägyptische Religion hatte mehrere Tiergötter, zu deren Ehren zahlreiche Skulpturen angefertigt wurden. Griechische und Römische Tierskulpturen dienten als Tempelwächter und Architekturdekoration. Die Tierdarstellungen halten sich in den Jahrhunderten und bleiben bis ins 20./21. Jahrhundert erhalten. In Europa des 19. Jahrhunderts gibt es ganze Malerschulen, die sich der reinen Tierdarstellung gewidmet haben, so wie der Münchner Heinrich Zügel oder Otto Dill. Bekannt für seine Tierplastiken in Bronze ist der deutsche Bildhauer August Gaul. Die ruhigen, schweren, abstrahierten und geschmeidigen Formen der ägyptischen Tierplastiken sowie die anthropomorphen Steinskulpturen der frühen amerikanischen Kulturen sind sicherlich Boteros Vorbilder, doch haben die Tierskulpturen des Künstlers ihre ganz einzigartige und individuelle Ausdruckskraft. Seine Hunde, Katzen, Pferde und Vögel sind Teile seiner eigenen umfassenden Fantasiewelt und entsprechen dem humorvollen Lebenssinn den Meisters: "I never sculpt from a model. My sculpture, like my painting, is mostly a product of my imagination." (Sulivan, E., Botero, NY, 1986, S. 131) Anfang des Jahres 1953 reist Botero von Bogota nach Paris, um dort die Moderne und Zeitgenössische Kunst Europas kennen zu lernen. Enttäuscht über die Kunst, die er im Musée d'Art Moderne sieht, zieht es ihn in den Louvre, wo er die Werke der Alten Meister studiert und kopiert. Er lernt hier mehr über die Perspektive, Formenvielfalt und Körperlichkeit als bei seinen Studien an der Akademie. Später im Jahr 1953 reist er dann mit seinem Freund Irragarri nach Florenz und schreibt sich in die Accademia San Marco ein, um Frescomalerei zu studieren. Sein täglicher Weg führt ihn in die Uffizien und hier erkennt er mit Begeisterung die Qualität der italienischen Meister der Renaissance. Er ist fasziniert von der Klarheit, der geheimnisvollen Ruhe, dem schattenlosen Licht und der geometrischen Anordnung der Körper in den Werken von Pietro della Francesca. In Florenz entscheidet er sich für seinen eigenen Malstil: es ist die Figurative Malerei nach den Vorbildern der Alten Meister und nicht der Weg in die Abstraktion der Modernen Kunst. Zurück in Bogota verarbeitet er die Eindrücke und Erkenntnisse aus Europa und arbeitet intensiv an seinem Stil. Ein Schlüsselerlebnis in dieser Entwicklung ist seine Mandolinenzeichnung von 1957, hier zeichnet er das Instrument mit einem sehr kleinen Klangloch, viel zu klein für die richtigen Proportionen der Mandoline. Durch diese Veränderung der Perspektive erscheint die Mandoline monumental. Später bei der Betrachtung verschiedene Fresken von Giotto erkennt Botero eine ähnliche Verschiebung in den Proportionen. Giotto malte die Hände und Füsse der Figuren im Vergleich zu Ihren Körpern viel zu klein. Aufgrund dieser beiden Erlebnisse entwickelt er seine typischen Botero Figuren - voluminös und sinnlich und jenseits von jeglicher anatomisch richtigen Proportion. Es sind eben Figuren, die rein seiner Imagination entstammen. Neben der Malerei beginnt Botero ab den 1960er Jahren auch plastische Werke zu kreieren. Seine schlechte finanzielle Situation erlaubt es ihm jedoch noch nicht in Bronze zu arbeiten, so dass er mit Acrylmasse und Sägespänen experimentiert. Erst mit dem Umzug nach Paris im Jahr 1973 und einer besseren finanziellen Voraussetzung durch den Verkauf seiner Bilder, greift er die Arbeit an plastischen Werken wieder auf. Bronze wird zu seinem Lieblingsmaterial und so entstehen die ersten Bronzeskulpturen zu Beginn der 80er Jahren in Italien. Das plastische Werk des Künstlers darf man nicht als Nebenprodukt der Malerei ansehen, es ist vielmehr die Fortsetzung der künstlerischen Vorstellungen Boteros. Er schafft die Skulpturen mit einem hohen Mass an technischer Perfektion und mit der sinnlichen Formenvielfalt, die auch seine Gemälde auszeichnen. Ein beeindruckendes Beispiel dieser plastischen Umsetzung ist die vorliegende Skulptur.

CHF 320 000 / 420 000

€ 280 700 / 368 420

Verkauft für CHF 360 000 (inkl. Aufgeld)
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