Lot 469* - A170 Bücher - Samstag, 20. September 2014, 10.00 Uhr

SCHREIBMEISTERBÜCHER -

Neudörffer, J. [d. J.] u.a.
Kurtze ordnung unnd Kunstliche furweisung mancherlai unnd der furnembsten Hauptschrifftenn. Daraus dann ain ieder die Fundament der Zierlichen schrifften leichtlich begreiffen mag. Deutsche Handschriften auf Pergament. 3 Bände. Von mehreren Händen mit dunkelbraunen u. schwarzen Tinten (1 Seite in Rot) in verschiedenen Schriften kalligraphiert u. teilw. goldgehöht, 5 Bll. mit später aufmontierter farb. Initiale.
Nürnberg 1570[-1637]. Quer-kl.-4° (17 x 24 cm). [10]; [8]; [6] Bll., [2] Bll. Papier angebunden. Moderne Maroquinbände mit blindgepr. Rückentiteln.

Vgl. Linke-Sauer 14 & 154 - Ornamentstichkat. Bln. 5223-58. u. Thieme-B. XXV, 405. - Schönes Schreibvorlagenbuch von Johann Neudörffers gleichnamigen Sohn (1543-1581), der die Schreib- und Rechenmeistertradition seines Vaters fortsetzte und ebenfalls ein herausragender Kalligraph war. Die 3 Bände bildeten ursprünglich ein zusammenhängendes Werk und wurden offenbar erst in neuerer Zeit getrennt. Es enthält Schriftmuster für Fraktur, Kanzlei, Kurrent, Kursive, Versalien etc., als Texte fanden Auszüge aus Briefen, Urkunden und Erlassen sowie aus biblischen, historischen und moralischen Büchern Verwendung. Während die Schreibvorlagen des ersten Bandes (bis auf die letzte Seite) wohl alle von Neudörffer selbst stammen, rühren die späteren Kalligraphien von anderen Schreibmeistern her. Mehrere Blätter sind signiert, darunter die Einträge von Christoph Baltzer (Balthasar), Jacob Hafemann, Cornelis de Meyer, Paul Rentorff und Johann Silvius. Ein mit roter Tinte kalligraphiertes Blatt trägt das Monogramm "AGN", das wohl für Andreas Gundelfinger, Nürnberg, steht. Der aus Ulm stammende Gundelfinger (?-1605) ist als Architekt, Schreib- und Rechenmeister nachweisbar, im August 1569 wurde er Bürger der Stadt Nürnberg. - Zwei Blätter sind mit "Georgius Peschelius" signiert. Der Kalligraph Georg Peschel aus Dresden war bisher nur durch zwei handschriftliche Schreibmeisterbücher von 1571 bekannt. "Besondere Erwähnung verdient noch die obersächs. Schreibmeisterschule. Einer ihrer bedeutendsten Meister, wahrscheinlich der früheste, (war) Georg Peschel" (LGB III, 235). Der letzte datierte Eintrag ("1637") trägt die Signatur "Ryverding". Das Schlussblatt und auch die beiden angebundenen Papierblätter sind mit Federproben von Rentorff beschrieben. - Etwas fingerfleckig, teilw. leicht geknittert, stellenw. etwas braunfleckig. Ein beigebundenes Vorsatzblatt aus dem ursprünglichen Einband trägt den Besitzvermerk "Daniel Helbich von Würzburg Ao. 1578".

CHF 8 000 / 12 000

€ 7 480 / 11 210

Verkauft für CHF 15 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr