Lot 121* - A174 Sammlung italienische Buchmalerei - Freitag, 18. September 2015, 13.30 Uhr

MAESTRO DELLE EFFIGI DOMENICANE Florenz, ca. 1340

Blatt aus einem Antiphonar mit der Initiale V und der Figur des Evangelisten Johannes. Pergament 495 x 355 mm (Bildinitiale 115 x 115 mm).

Provenienz:
- Castelfiorentino, Pieve dei Santi Ippolito e Biagio.
- 1960 New York, Mortimer Brandt.
- 1996 Paris, Les Enluminures.
- Von dort in den heutigen Besitz gelangt

Bibliographie: - Richard Offner, A Critical and Historical Corpus of Florentine Painting, III/VII Florenz 1957, S.70.
- Miklòs Boskovits, A Critical and Historical Corpus of Florentine Painting,III/IX, Florenz 1984, S. 287. Les Enluminures, Kat. 5, Paris 1996, S. 18.
- Friedrich G. Zeileis, Più ridon le carte (3.ed.), Rauris 2014, S. 210- 211.

Das vorliegende Blatt mit der Initiale V und der Figur des jungen Evangelisten Johannes leitet die Respons der Nokturn am Feiertag des Evangelisten Johannes (27. Dezember) ein: Valde honorandus est beatus Johannes... Der als blonder Jüngling dargestellte Evangelist Johannes scheint zwischen der innerem gelben Rahmung des Buchstabens und dem Buchstabenkörper selbst zu stehen und hebt sich vom intensiven Lapislazuli des Grundes ab. Das quadratische Initialfeld mit Goldgrund wird von einer Dreifachrahmung aus Gelb Blau und Rot umsäumt. Der Blick des jungen Evangelisten ist nach rechts gerichtet und drückt sein meditatives Wesen aus. Bereits zum Zeitpunkt der Erstpublikation durch Richard Offner (1957) war das korrekt dem Meister der Effigi Domenicane zugewiesene Blatt aus seinem originalen Kontext, aus dem heute noch in Castelfioretino befindlichen Antiphonar D (Museo di Santa Verdiana, Cor. D) aus der Pieve dei Santi Ippolito e Biagio, gerissen. Aus dem gleichen Antiphonar (Proprium de tempore und de sanctis) stammt auch ein Schwesterblatt im Cleveland Museum of Art (Wade 52.281, Abb.1) mit der Heiligen Lucia und womöglich eine Bildinitiale mit dem Heiligen Stephanus in der Lilly Library at Indiana University in Bloomington (Ricketts K 8), die beide vom gleichen Künstler gemalt sind und seinem Spätstil um 1340 zuzuordnen sind. Dieser ist gekennzeichnet durch Figuren, die sich im Unterschied zu den hageren etwas nervösen und besorgt wirkenden Akteuren seiner früheren Werke (vgl. in diesem Katalog Nr. 120) nun durch ein grösseres Körpervolumen und breitere, und etwas entspannter wirkende, von einem sanften, verschmitzten Lächeln begleitete Gesichtszüge auszeichnen. Zugleich ist die Farbpalette des Künstlers zündender geworden. Dieser späte Trend im Werk des Meisters der Effigi Domenicane, der ähnlich auch für seine Madonna in der Chiesa del Cuore Immacolata di Maria in Ortimino (Montespertoli) zu erkennen ist, dürfte wohl mit den Tendenzen von Bernardo Daddis Spätwerk zusammenhängen, deren aulischen, sanften Erscheinungsbildern sich auch die zeitgleiche Buchmalerei nicht entziehen konnte. Diese Tendenz ist auch im Werk des mit Jacopo del Casentino in Verbindung gebrachten Buchmalers zu erkennen, der unseren Künstler bei der Illuminierung der Chorbücher aus SS. Ippolito und Biagio in Castelfiorentino (Cor. A, E) unterstützt hatte. Der hier in Rede stehende Buchmaler war im Panorama der florentinischen Buchmalerei um 1325-1350 eine der grossen Persönlichkeiten und zeichnete sich durch eine aussergewöhnliche Originalität in der Bildfindung und bildlichen Umsetzung der thematischen Vorgaben besonders aus. (vgl. dazu auch Kat. 120).

CHF 24 000 / 30 000

€ 21 050 / 26 320

Verkauft für CHF 48 500 (inkl. Aufgeld)
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