Lot 3214* - A174 Gemälde des 19. Jahrhunderts - Freitag, 18. September 2015, 17.00 Uhr

ALBRECHT ADAM

(Nördlingen 1786–1862 München)
Das Gefecht bei Pápa am 12. Juni 1809. 1844.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert und datiert: A Adam. 1844.
124,5 × 180 cm.

Gutachten:
Dr. Ulrike von Hase-Schmundt (in Kopie vorhanden).

Provenienz:
- 1841 von Maximilian 2. Herzog von Leuchtenberg (1817–1852) anlässlich seiner Vermählung 1839 mit Maria Nikolajewna, der ältesten Tochter des Zaren Nikolaus I., für den Palast in St. Petersburg direkt beim Künstler als Teil eines Gemäldeszyklus von insgesamt 16 Arbeiten zu den Schlachten seines Vaters, Eugène de Beauharnais (1781–1824), in Auftrag gegeben.
- 1844 Fertigstellung dieses Gemäldes.
- Durch Erbfolge an Maximilians Sohn, Nikolaus Maximilianowitsch bis 1891.
- Durch Erbfolge an dessen Söhne Nikolaus Nikolajewitsch (1868–1928), 9. Herzog von Leuchtenberg, 5. Fürst Beauharnais und Georg Nikolajewitsch (1872–1929), 10. Herzog von Leuchtenberg.
- Durch letzteren Übersiedlung des Gemäldezyklus 1905 aus Russland nach Schloss Seeon, Oberbayern.
- Verkauf des Leuchtenberg-Gemäldezyklus anlässlich der Auktion 1935.
- Schweizer Kunsthandel.
- Kunsthandel Schneider, Frankfurt.
- Privatbesitz, Deutschland.

Literatur:
- Soldan, Sigmund (Hrsg.): Das Werk der Künstlerfamilie Adam - 82 Reproduktionen nach den Originalen der Maler Albrecht Adam, Benno Adam, Emil Adam, Eugen Adam, Franz Adam, Julius Adam. Text Hyazinth Holland, Nürnberg 1892, Nr. 30.
- Von Hase-Schmundt, Ulrike (Hrsg.): Albrecht Adam und seine Familie. Zur Geschichte einer Münchner Künstlerdynastie im 19. und 20. Jahrhundert, Ausstellungskatalog, Münchner Stadtmuseum, 23.10.1981–15.1.1982, S. 45.
- Papi, Riccardo: Eugène und Adam. Der Prinz und sein Maler. Der Leuchtenberg-Zyklus und die Napoleonischen Feldzüge 1809 und 1812, Berlin 2012, S. 210-215.

Am 9. April 1809 hatte Österreich dem Französischen Kaiserreich den Krieg erklärt, in der Hoffnung, dass Napoleon Bonaparte und seine Truppen in Spanien gebunden seien. Dies sollte sich als Fehleinschätzung herausstellen und endete mit der Niederlage und dem Frieden von Schönbrunn am 14. Oktober 1809, bei dem Österreich politisch zur Anpassung an Frankreich gezwungen wurde und territoriale Einbussen auf sich nehmen musste. Auf dem Nebenkriegsschauplatz setzte Napoleon seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais, seit 1807 Vizekönig von Italien, als Oberbefehlshaber der französisch-italienischen Truppen ein. Bereits 1796/97 hatte dieser Napoleon auf dessen italienischem Feldzug und an der Expedition nach Ägypten als Adjutant begleitet. Eugène war der erste Sohn Josephines, der späteren Gemahlin Napoleon Bonapartes, der Kaiserin Frankreichs, aus deren ersten Ehe mit dem französischen General Alexandre Vicomte de Beauharnais. Nach dem Einmarsch Erzherzog Johann von Österreichs in Italien, erlitt Eugène de Beauharnais am 16. April 1809 bei der Schlacht von Sacile im Norden des Landes zunächst eine Niederlage, konnte die feindlichen Truppen allerdings in der Schlacht von Raab am 14. Juni 1809 in Ungarn letztendlich strategisch nachhaltig schlagen. Die Schlacht bei Raab gilt als Schlüsselereignis für den siegreichen Kriegsausgang Frankreichs, bei der es Erzherzog Johann nicht gelungen war, mit seiner österreichischen Hauptarmee zusammenzutreffen, während Eugène rechtzeitig auf Napoleon und seine Hauptarmee stiess und sich mit dieser gegen die feindlichen Truppen zusammenschliessen konnte. Die hier angebotene, äusserst detailliert gemalte, grossformatige Panoramaansicht des Schlachtenmalers Albrecht Adam zeigt das zwei Tage zuvor sich ereignende Gefecht nahe der ungarischen Stadt Pápa am 12. Juni 1809. Adam, der ab Herbst 1809 zum Hofmaler Eugène de Beauharnais ernannt wurde, begleitete den Vizekönig bereits während dieser Schlachtenzüge. Das Gemälde zeigt den Beginn des Gefechts mit dem ungebremsten Enthusiasmus der französischen Kavallerie zum Angriff. Dargestellt sind rechts im Vordergrund französische Chasseurs à Cheval des 7. Regimentes, davon zwei bis drei des Eliteeskadrons (mit zylindrischer Pelzmütze und roten Epauletten). Eugène de Beauharnais zu Pferd findet sich im Mittelgrund rechts am Bildrand mit Zweispitz vor einer Offiziersgruppe, die im Pulverdampf verschwindet. Im Hintergrund rechts lassen sich im zweiten Bilddrittel badische leichte Dragoner mit Raupenhelmen erkennen. Bei den Österreichern im Vordergrund lassen sich verschiedene Husarenregimente erkennen: eine Gruppe des 2. Husarenregimentes sowie ein weiteres Regiment, bei dem es sich vermutlich um das 12. Husarenregiment Palatinal handelt. Der Pistolenschütze sowie der Gefangene rechts im Bild dürften hierzu gezählt werden. Sie tragen kornblumenblaue Uniform und den schwarze Tschako (siehe Gutachten S. 1). Mit einem zusammenhängenden Gemäldezyklus der Schlachten des Eugène de Beauharnais sollte sich Albrecht Adam allerdings erst zweiunddreissig Jahre später, 1841, beschäftigen. Eine Serie in Öl folgte im Auftrag seines 2. Sohnes, Maximilian 2. Herzog von Leuchtenberg im Anschluss an dessen Vermählung im Jahre 1839 mit Maria Nikolajewna, der ältesten Tochter des Zaren Nikolaus I. Albrecht Adam sollte die siegreichen Schlachten des Eugène de Beauharnais in den Kriegen von 1809 und 1812 in 16 Ölgemälden darstellen, die für den prachtvollen Mariinski Palast in St. Petersburg, den der Zar von J. A. Stackenschneider errichten liess, bestimmt waren. Keiner wäre besser für diesen Auftrag gewählt worden als Albrecht Adam, da dieser nicht nur einer der anerkanntesten Schlachtenmaler jener Zeit war, sondern als Hofmaler des Eugène de Beauharnais als Zeitzeuge die napoleonischen Schlachten begleitete und in Skizzen dokumentiert hatte. 1841 vertraglich festgelegt, sollten innerhalb von acht Jahren insgesamt 16 Bilder im Format von ca. 125 x 180 cm angefertigt und jährlich mindestens zwei an den Auftraggeber zugestellt werden. Die ersten sieben Bilder sollten die Schlachten um 1809 zeigen, weitere sieben diejenigen von 1812, die letzten beiden den Rückzug von Russland und ein Gefecht bei Magdeburg. Bis zum frühen Tod des Herzogs Maximilian, 1852, waren 12 Bilder entstanden, die folgende Stationen thematisieren: Feldzug von 1809: 1.) Schlacht bei Caldiero, 30. April 1809, 1842 fertiggestellt (heute in einer Privatsammlung) 2.) Schlacht bei Piave in Oberitalien, 8. Mai 1809, 1842 fertiggestellt (heute in einer Privatsammlung) 3.) Erstürmung von Malborghetto in Oberitalien, 18. Mai 1809, 1843 fertiggestellt (heute Heeresgeschichtliches Museum, Wien) 4.) Schlacht bei Tarvis, 18. Mai 1809, 1843 fertiggestellt (Kunsthandel, Deutschland) 5.) Gefecht von St. Michael an der Mur in Kärten, 24. Mai 1809, 1844 fertiggestellt (Kunsthandel, Deutschland) 6.) Gefecht bei Pápa, 12. Juni 1809, 1844 fertiggestellt (das hier angebotene Gemälde) 7.) Schlacht bei Raab, 14. Juli 1809, 1845 fertiggestellt (heute in einer Privatsammlung) Feldzug von Russland 1812: 8.) Schlacht von Ostrowno 26. Juli 1812, 1846 fertiggestellt (heute Historisches Museum Bischofszell, Schweiz) 9.) Schlacht von Ostrowno 27. Juli 1812, 1845 fertiggestellt (Kunsthandel, Deutschland) 10.) Schlacht bei Witebsk, 27. Juli 1812, 1846 fertiggestellt (Kunsthandel, Deutschland) 11.) Schlacht bei Borodino, 7. Sepember 1812, 1849 fertiggestellt (heute Historisches Museum Bischofszell, Schweiz) 12.) Rückzug der französischen Armee aus Russland, November 1812, 1854 fertiggestellt (Kunsthandel, Deutschland) Bemerkenswert ist bei diesem hier angebotenen Werk mit der Schlacht von Pápa die Loslösung des Künstlers von traditionellen barocken Darstellungsformen des Kriegsgeschehens. Während zuvor der Bildaufbau in der Regel vom Feldherrenhügel im Vordergrund und dem Protagonist prominent dominiert wird, hat sich Adam hiervon gelöst und zeigt das Geschehen in einer breit angelegten Panoramaansicht. Dies fordert besondere Kenntnisse über historische und geographische Gegebenheiten, bei der die detailgetreue Wiedergabe der einzelnen Uniformen und Schlachtenformationen zu berücksichtigen waren. In der Tat unternahm Adam 1841 und 1842 mehrere Studienreisen an die Piave und nach Raab zusammen mit seinem besonders begabten zweiten Sohn, Franz (1815-1886), um vor Ort Skizzen zur Landschaft zu erstellen. Eine Zusammenarbeit Albrecht Adams mit seinen drei Söhnen Benno (1812-1892), Franz und Eugen (1817-1880), die sich ebenfalls der Malerei widmeten und mit denen er in München ein Atelier unterhielt, ist belegt (siehe Hase-Schmundt, 1981, S. 56). Denn auch sein jüngster Sohn Eugen bereiste Papa im Jahre 1844, wie aus Briefen an den Bruder Benno belegt ist, und er dürfte bei der Landschaftsgestaltung des hier angebotenen Gemäldes nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Mit der Versteigerung des Schlachtenzyklus im Jahre 1935, die die Nachkommen der Familie von Leuchtenberg aus finanziellen Nöten veranlassten, wurden die Gemälde ause

CHF 130 000 / 180 000

€ 114 040 / 157 890

Verkauft für CHF 204 500 (inkl. Aufgeld)
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