Lot 3414 - Z39 PostWar & Contemporary - Samstag, 05. Dezember 2015, 14.00 Uhr

RICHARD PAUL LOHSE

1902 - 1988
Gruppe von acht Quadraten mit vier Rechtecken. 1957/1976.
Acryl auf Leinwand.
Verso signiert: Lohse.
60 x 60 cm.

Wir danken Frau Johanna Lohse James für Ihre wissenschaftliche Unterstützung. Das Werk wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog der Richard Paul Lohse Stiftung aufgenommen. Provenienz: Privatsammlung Schweiz. Ausstellung: - Laupheim 1979, Zürcher Konkrete Kunst. Kunstverein Laupheim, 30.November - 22. Dezember 1979. - Köln 1981, Allianz. Galerie Teufel, 29. Mai - 15. August 1981. - Zürich 1982, Ausstellung zum 80. Geburtstag Richard Paul Lohses. Galerie Renée Ziegler (verso mit dem Etikett). "Jeder Tag ist gleich wie der andere im Kampf für die konstruktive Kunst. Das bedeutet schreiben, malen, schreiben, malen." (zit.: Lohse, Richard Paul, in: Holz, Hans Heinz (hrsg.), u.a.: Lohse lesen, Zürich 2002, S. 43). Richard Paul Lohse wird 1902 in Zürich geboren und nimmt nach einigen Gelegenheitsjobs 1918 eine Lehre als Reklamezeichner bei der Werbeagentur Max Dalang an. 1930 verlässt Lohse das Atelier, führt jedoch seine grafische Arbeit fort und macht sich als Grafiker und Buchgestalter einen Namen. 1937 gründet er die "Allianz, Vereinigung moderner Schweizer Künstler" mit Leo Leuppi. Im darauf folgenden Jahr organisiert er mit Irmgard Burchard, seiner kurzzeitigen Ehefrau, die Londoner Ausstellung "20th Century German Art", eine Antwort auf die Ausstellung "Entartete Kunst" in München. Kurze Zeit später lernt er Ida Alis Dürner, seine Lebensgefährtin und zukünftige Ehefrau, kennen, die, wie er der gleichen politischen Überzeugung ist und sich auch dem Widerstand verschreibt. In den 1940er Jahren kommt der Erfolg in der Malerei und 1961 werden seine Werke im Stedelijk Museum, Amsterdam, ausgestellt. Zehn Jahre später erhält Lohse den Sikkens-Preis, vertritt die Schweiz an der Biennale di Venezia und bekommt 1973 den Kunstpreis der Stadt Zürich verliehen. Als Maler ist Lohse Autodidakt und wendet sich anfangs kubistischen und expressiven Meistern zu. In den 1920er und Anfang der 30er Jahre sind seine Werke noch vorwiegend spätkubistische Landschaften und Stillleben. Erst in den späten 30er Jahren wird seine Formensprache mit Linien und Kurven in seinen Vogelflug-Bildern bewegter und geometrischer, bevor er dann in den 40er Jahren in der Konkreten Kunst seinen definitiven Malstil findet. Er entwickelt seine modularen und seriellen Systeme, der Ordnung und Gliederung von Quadraten und rechteckigen Elementen und Farbrelationen. Die Farbelemente und die logische, mathematische Interaktion der Farben definieren das Bild, und wie wir Grösse und Proportionen wahrnehmen. "Die Farbrelationen zwischen den Elementen reichen vom subtilen Anziehen bis zum heftigen Abstossen und evozieren ein spontanes Sehen und Erleben ganz unverhoffter Bewegungen, weil sich unsere Augen nirgendwo im Bildfeld auf kompositorische Vorgaben verlassen können (Albrecht, Hans Joachim, in: Richard Paul Lohse Stiftung (hrsg.): Richard Paul Lohse. Drucke, Ostfildern 2009, S. 34). Für Lohse ist die exakte Farbtonalität und Farbqualität von zentraler Bedeutung. Er verlässt sich nicht auf Standardtöne von Herstellern, sondern mischt und korrigiert die Farbtöne immer neu, bis sie exakt seinen Vorstellungen entsprechen. Das vorliegende Werk ist ein Modulares mit Drehung um Achsen und Zentren, eine Gruppenordnung mit 5/4 Farben und 4 assimilierenden Eckfeldern. Die acht Quadrate zusammen mit den sorgfältig platzierten Rechtecken lassen eine Drehung aus dem Zentrum heraus entstehen, sowie Bewegung von aussen nach innen. Das Ordnungsprinzip ist äusserst durchdacht, Lohse fertigt erst Konzeptionen und Platzierungen in Zeichnungen an, um diese später dann als Öl- und Acrylbilder auszuarbeiten. Die Zeitspanne zwischen Entwurf und Realisierung nimmt er in die Datierung auf, und sie wird Teil des Bildtitels. Gemeinsam mit Max Bill und Gottfried Honegger gehört Lohse zu den bekanntesten und einflussreichsten Zürcher Konkreten.

CHF 45 000 / 55 000

€ 42 060 / 51 400

Verkauft für CHF 84 500 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr