Lot 3046 - A172 Gemälde Alter Meister - Freitag, 27. März 2015, 15.00 Uhr

LORME, ANTHONIE DE UND PALAMEDESZ., ANTHONIE

(Tournai um 1610 - 1673 Rotterdam) (Delft 1601 - 1673 Amsterdam)
Interieur einer Kirche mit Figurenstaffage. 1650.
Öl auf Holz.
Unten links schwer leserlich signiert und datiert: A. De. Lorme 1650. Unten mittig auf dem Stein bezeichnet: Hier Leyt begraven Barthomoleus du Pon / hij is gestorben des 16. Jaerhunderts Januari 1650 / en begraven Januari van het jaer.
92,5 x 125,5 cm.

Gutachten: Dr. Walther Bernt, 17.4.1968 (als Gerard Houckgeest). Provenienz: - Auktion Lempertz, Köln, 1970er Jahre. - Schweizer Privatsammlung. In einem durch Kerzenlicht beleuchteten Kircheninterieur haben sich zu nächtlicher Stunde edel gekleidete Personen, wohl Kaufleute mit ihren Familien, versammelt. Einige scheinen im Gespräch vertieft zu sein, andere bewundern die Sehenswürdigkeiten. Bei genauer Betrachtung fällt der eklektische Charakter des Kirchenraumes auf, der aus verschiedenen architektonischen Baustilen zusammengefügt ist. So weist das Mittelschiff gotische Elemente auf, während die Seitenflügel klassisch geprägt sind und im linken Vordergrund findet sich eine palastartige barocke Freitreppe mit Statuen. Diese Phantasiearchitektur wird zusätzlich durch eine mysteriöse Lichtführung geprägt, die die imaginäre Atmosphäre der Szenerie unterstreicht. Nur die Beleuchtung in der rechten Bildhälfte wirkt natürlicher und lenkt den Blick des Betrachters auf ein Grabmal, welches in zahlreichen Gemälden De Lormes zu finden ist, wie beispielsweise in dem Gemälde von 1652 im Musée des Beaux-Arts in Rennes. Nächtliche Kirchenbesuche waren im protestantischen Rotterdam um 1650 eine beliebte Aktivität und thematisieren die neue bürgerliche Nutzung der einst katholischen Kircheneinrichtungen. Noch expliziter verweist die offene und mit religiösen Motiven bemalte Orgel auf die Frage nach der Rolle katholischer Kunstgegenstände in reformierten Kirchen - ein bevorzugtes Thema bei holländischen Kunstliebhabern um 1650, welches von mehreren Architekturmalern aus der Zeit, wie beispielsweise Emanuel de Witte (1616-1691/92), aufgegriffen wurde. De Lormes Gemälde war jedoch nicht für das öffentliche Kunstpublikum bestimmt, sondern vielmehr für die private Andacht, wie die Inschrift auf dem Grabstein im Vordergrund verrät. Analog zu einem früheren Werk des Künstlers, welches 1644 datiert und H. Dullaert, einem Offizier der Stadt Rotterdam gewidmet ist (Auktion Christie's, Amsterdam, 3.11.2004, Los 23), gedenkt die hier angebotene Komposition Bartholomeus du Pon, einem 1650 verstorbenen Kaufmann von Rotterdam. Sehr wahrscheinlich wurde das Gemälde von der Familie du Pon in Auftrag gegeben, oder der Künstler hat eine bereits vorhandene Komposition durch die Inschrift auf dem Grabstein angepasst. Solche Gedenktafeln in Architekturdarstellungen waren um 1650 üblich, wie die zahlreichen Darstellungen des Grabs von Wilhelm I. von Oranien in Gemälden von De Witte, Gerard Houckgeest (1600-1661) und vielen anderen bezeugen. Anthonie de Lorme wurde um 1620 in Tournai geboren und kam um 1627 nach Rotterdam, wo er bei dem dortigen Architekturmaler Jan van Vucht lernte. Sein Frühwerk in den 1640er Jahren ist von Phantasiekirchen mit reichen Durchblicken und einer Vorliebe für künstliche Beleuchtung geprägt. Zu Beginn der 50iger Jahre tritt der reale Raum bei Tageslicht, den er in seinen Abstufungen wiederzugeben sucht, in den Vordergrund. De Lorme malt ab dann vor allem die Rotterdamer Laurentiuskirche, die er häufig, oft mit nur geringen Abwandlungen der Komposition, wiederholt. Bis zu seinem Tod ist er in Rotterdam tätig und wird auch "der Saenredam von Rotterdam" genannt. Das hier angebotene Gemälde ist im RKD, Den Haag, unter der Nummer 192073 registriert. Marijke C. de Kinkelder geht davon aus, dass die Figurenstaffage von Anthonie Palamedesz. ausgeführt wurde.

CHF 30 000 / 50 000

€ 28 040 / 46 730

Verkauft für CHF 27 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr