Lot 451 - A168 Bücher - Samstag, 29. März 2014, 10.00 Uhr

GRIECHENLAND -

Peytier, [Eugène]. Album des befreiten Griechenlands und der französischen Morea-Expedition. Mit 63 Original-Aquarellen, 6 Sepia- und 11 Bleistiftzeichnungen.
Ca. 1829-1833 (wenige Arbeiten offenbar etwas später). Verschiedene Formate (zwischen 10,8 x 14,5 u. ca. 32,5x50 cm.). Jeweils montiert auf ingesamt 36 Trägerkartons. Diese gebunden in HLdr. des spät. 19. Jahrhunderts mit goldgepr. Rückentitel. 48 x 63,5 cm. (Kapitale etw. lädiert, vord. Innengelenk gebrochen, Block vom Einband gelöst).

Ein bedeutendes Zeugnis der griechischen Revolution als eines europäischen Ereignisses. Die sogenannte Morea-Expedition war der französische Beitrag zum Kampf der Griechen gegen die Osmanische Herrschaft und verband auf zeittypische Weise militärische Operation mit wissenschaftlicher Forschung und Landeserschliessung. Vorrangiges militärisches Ziel war eine Schwächung des Einflusses des Osmanischen Reiches nach der Schlacht von Mesolongi 1825. Eine Flotte mit Franzosen, Engländern und Russen hatte bereits die Schlacht von Navarino 1827 geschlagen, als im Juli 1828 ein französisches Expeditionskorps mit rund 13.000 Soldaten unter Nicolas-Joseph Maison auf dem Peloponnes (Morea) landete. Es zwang die osmanischen Truppen unter Ibrahim Pascha bereits durch die Konvention vom 7. September zur Einschiffung. Im Gefolge der Truppen, die noch bis 1833 im Land blieben, reisten zahlreiche Gelehrte, Ingenieure und Künstler, die sich vor allem der naturwissenschaftlichen, geographischen und archäologischen Erforschung des gerade befreiten Landes widmeten. In diesem Zusammenhang ist das vorliegende Album ein Schlüsseldokument der wissenschaftlichen wie künstlerischen Aneignung des Peloponnes durch die Europäer. Es dokumentiert den Zustand des Landes, vor allem seiner archäologischen Stätten, zum Zeitpunkt der Befreiung. Die grossartigen, gemäldehaften Aquarelle von hohem künstlerischen Rang zeigen dabei sowohl griechische Altertümer wie byzantinische Kirchen und Klöster, jeweils eingebettet in lichtdurchflutete, romantische Landschaften von hohem Reiz. Als genuiner Ausdruck der europäischen Griechenlandbegeisterung, des Philellenismus jener Zeit, nehmen sie im kulturellen Gedächtnis des Landes einen wichtigen Platz ein. So widmete die Griechische Staatsbank dem vorliegenden Album ein 1971 publiziertes Faksimile, dass zudem den Kontext seiner Entstehung eingehend darstellt. - Ein Exemplar dieses in kleiner Auflage hergestellten, nur äusserst selten im Handel auftauchenden Bandes ist unserem Album beigelegt. Jean-Pierre-Eugène-Félicien Peytier, der Schöpfer der vorliegenden Arbeiten, war als Vermesser ein wichtiger Akteur innerhalb der Expedition. Seine eigentliche Aufgabe bestand darin, eine Karte des Peloponnes zu erstellen, die 1832 publiziert werden sollte. Daneben nutzte er die Gelegenheit, ein Bild der historischen Überlieferung jener archäologischen und architektonischen Relikte zu entwerfen, wie er sie vorfand. "With Peytier it is a topographer who is at work, a scientist who has been trained to observe, to measure and to depict faithfully whatever he sees, a man for whom accuracy always comes first. The artist in him bows to the scientist, but the art comes through in his flowing line his strong colour sens, seen at its best in his rendereing of the Byzantine brickwork patterns, and his discreet humor." (S. A. Papadopoulos, in: The Peytier Album, 1971, S. 19). Neben den grossformatigen Ansichten fertigte Peytier auch einige Trachten- und Uniformstudien an. Die letzten Arbeiten unseres Albums dokumentieren offenbar etwas spätere Reisen Peytiers, die ihn nach Konstantinopel und Smyrna, schliesslich bis nach Ägypten führten. - Zustand: Wenige Trägerkartons mit kl. Randläsuren oder Ausbrüchen, die Aquarelle und Zeichnungen durchweg in hervorragendem Erhaltungszustand. - Provenienz: Stephen Vagliano Collection, Schweizer Privatbesitz.

CHF 300 000 / 400 000

€ 280 370 / 373 830

Verkauft für CHF 384 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr