Lot 1814* - A172 Silber & Porzellan

EMPIRE DECKELTERRINE IN ORIGINALEM FUTTERAL,

Paris, 1797-1809. Meistermarke Antoine Boullier.

Auf einem kreisrunden und steil ansteigenden Fuss mit umlaufendem Fries. Rundform mit glatter Wandung und zwei seitlichen Griffen, fein ausgearbeitet in Form zweier weiblicher Köpfe. Diese umgeben von Weinranken und Getreideähren. Im Innern Einsatz, der Form der Terrine folgend. Der Rand des Deckels und der Terrine begrenzt von einem feinen Godronrand. Der nahezu flache Deckel wird von einem Schwan bekrönt, der aus einem muschelähnlichem Oval emporsteigt. Im Innern des Deckels graviertes Monogramm "PC". Originales Lederfutteral mit zwei Schnallen und Griff. H der Terrine 31 cm, D 26,5 cm, 3735 g.

Provenienz: - 1797 in Auftrag gegeben für die Ausstattung des Château de Cheverny, Frankreich. - 1960 Wechsel in Privatsammlung. Bis heute noch nie auf dem Kunstmarkt angeboten. Von Antoine Boullier (Meisterrecht ab 1775) sind heute nur einige erhaltene Goldschmiedearbeiten bekannt. Er wurde an der "École Royale Gratuite de Dessin" in Paris ausgebildet und erhielt für seine qualitätvollen und meisterlichen Arbeiten im Jahre 1774 den "Grand Prix" der Schule. Später fertigte er ein umfangreiches Toilettenservice für die polnische Magnatenfamilie Potocki und arbeitete für den Russischen Hof. Einzelstücke aus der Hand Boulliers zählen zu den Sammlungen der Eremitage, des Musée du Louvre und des Metropolitan Museum of Art. Laut einem Artikel des Journal de Paris vom 3. Januar 1779, in dem über die Goldschmiedeobjekte Boulliers in Form einer Ausstellungsbesprechung mit grossen Lob berichtet wurde, ist auch von den ausgestellten Werken Boulliers die Rede, unter ihnen "des pots à oille de forme antique, garnis de leurs plateaux, des flambeaux formant girandoles, etc." Dieser Vermerk ist insoweit interessant, da es sich bei der in der Auktion angebotenen Deckelterrine um einen solchen sog. "pot à oille" handelt. Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts feierte diese neue Gefässform grosse Erfolge auf den europäischen Tafeln. Als Maria Theresia von Spanien im Jahre 1660 Ludwig XIV ehelichte, brachte sie einen typischen spanischen Fleischeintopf, die "olla", mit nach Frankreich und im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden hier jegliche Fleischeintöpfe als "oille" bezeichnet. So zählten die sog. "pot à oille" bald zu den wichtigsten Bestandteilen eines Speiseservices und gehörten somit zum Repertoire von Goldschmieden, aber auch Porzellanmanufakturen. Auch wenn diese Form also als äusserst beliebtes und verbreitetes Sujet gelten muss, so zeichnet sich dieser "pot à oille" doch durch seine besonders geradlinige Gestaltung in hoher qualitativer Ausführung aus. Eine nahezu identische Arbeit Boulliers, jedoch mit Unterschieden im Knauf des Deckels, befand sich bis in die 1950er Jahre in der Sammlung Puiforcat und wurde 1955 im Auktionskatalog der Galerie Charpentier Paris unter der Nummer 77 abgebildet (vgl. Auktionskatalog Galerie Charpentier, Orfèvrerie Civile Francaise de Paris et de Province, 7. Dezember 1955). Zu einem Verkauf der umfangreichen Sammlung kam es jedoch nie, vielmehr konnten die Objekte von den Musées Nationaux angekauft werden, wo sie sich bis heute mehrheitlich erhalten haben.

CHF 12 000 / 15 000

€ 11 110 / 13 890