Lot 1027 - A176 Möbel & Dekoration - Mittwoch, 23. März 2016, 10.00 Uhr

PRUNK-KABINETT MIT "PIETRA DURA"-EINLAGEN,

Renaissance, Florenz um 1600/30.
Ebenholz profiliert sowie allseitig ausserordentlich fein eingelegt mit "Pietra Dura"-Plaketten; Wappen der Familie Medici, diverse exotische Singvögel, Blumen, Blätter und Zierfries. Rechteckiger Korpus mit durchbrochener Balustergalerie und Zentralbüste mit Eckvasen auf profilierter Zarge mit ersetzten Kreiselfüssen und späterer, profilierter Sockelplatte mit Bronzefüssen in Form von Putten. Architektonisch gegliederte Front mit von Lapislazuli-Säulen flankierten Zentraltüre zwischen 2 Schubladen, flankiert von je 4 doppelt kassettierten Schubladen. Inneneinteilung mit grosser Zentralschublade zwischen 2 grossen Schubladen, flankiert von je 2 kleinen Schubladen. Feine. vergoldete teils ergänzte Bronze- sowie Messingbeschläge und -applikationen. Restaurationen und Ergänzungen. Das Gestell um 1870 und H.A. FOURDINOIS (Henri Auguste Fourdinois, 1830 Paris 1907) zuzuschreiben. Holz ausserordentlich fein beschnitzt mit stilisierten Sphingen, Karyatiden und Blattwerk sowie ebonisiert. Rechteckiges, gekehltes Blatt auf profilierter Zarge mit markanter Mittelstütze und kassettierter Rückwand auf profilierter Sockelplatte mit gequetschten Kugelfüssen.
Kabinett 109x35x95 cm. Gestell 135x46x99 cm.

Provenienz:
- Die Wappenkartusche mit den "palle medicee" erlaubt die Vermutung, dass das hier angebotene Kabinett aller Wahrscheinlichkeit nach für ein Mitglied der Familie Medici gefertigt wurde.
- Aus einer europäischen Sammlung.

Ein ähnliches Prunk-Kabinett wurde in unserer September-Auktion 2011 (Katalognr. 1023) verkauft.

Ende des 16. Jahrhunderts liess der Herzog Francesco de' Medici die bedeutendsten Steinschneider seiner Zeit, die ursprünglich in Rom und Mailand tätig waren, in Florenz verpflichten. Im Erdgeschoss der Uffizien wurden sie und andere Kunsthandwerker zu einer straff organisierten "officina" zusammengeschlossen. Die rigide Struktur des Produktionswesens, kombiniert mit den innovativsten und kreativsten Entwerfern und Künstlern, führte zu einer bis anhin nicht erreichten Hochblüte. Im Bemühen, die Bildkunst nachzuahmen, entstanden Platten für Prunktische und Kabinette von höchster Qualität. Im Laufe des 18. Jahrhunderts fertigten arrivierte Maler wie G. Zocchi spezielle Vorlagen für die Florentiner Werkstätte und trugen so zum immensen Erfolg dieser Werke bei - man denke an die Platten in den Wiener Palästen und an die 4 grossen Bildplatten des Bernsteinzimmers im Katharinenpalast.

H.A. Fourdinois übernahm 1867 die väterliche Werkstatt und verlieh ihr neue Impulse. Beeinflusst von den verschiedenen Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts, war er gleichzeitig für Entwurf und Herstellung seiner Möbel verantwortlich und Schöpfer einer neuen Marketerie-Technik, dank der er König Alphonse XII von Spanien als Kunden gewann und zusammen mit seinen Mitarbeitern mehrmals ausgezeichnet wurde.

Lit.: D. Ledoux-Lebard, Le mobilier français du XIXe siècle, Paris 1989; S. 208 (biogr. Angaben). C. Payne, 19th Century European Furniture, Suffolk 1981; S. 36 (biogr. Angaben).

Lit.: N.B. Tunze, Bildkunst mit edlen Steinen - Pietre Dure, München 1998; S. 12-15 (allg. Angaben zur Entwicklung der Pietre Dure in Florenz) und Abb. 16-26 (diverse Tischplatten aus Florentiner Werkstätten).

CHF 150 000 / 250 000

€ 131 580 / 219 300

Verkauft für CHF 180 500 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr