Lot 3042 - A190 Gemälde Alter Meister - Freitag, 27. September 2019, 14.00 Uhr

PETER BINOIT

(Köln 1590–1632 Hanau)
Glasvase mit Blumenstrauss, Maikäfer, Schnecke und anderen kleinen Insekten.
Öl auf Holz.
33,8 × 24 cm.

Gutachten: Ingvar Bergström, 2.7.1989.

Provenienz:
- Auktion Christie's, London, 21.4.1989, Los 51.
- Galerie Leegenhoek, Paris, 1989.
- Schweizer Privatbesitz.

Literatur:
Gerhard Bott: Die Stillebenmaler Soreau, Binoit, Codino und Marrell in Hanau und Frankfurt 1600–1650, Hanau 2001, Kat. Nr. WV.B.9, S. 198, mit Abb.

Dieser farbenfrohe und qualitätsvolle Blumenstrauss in einem Noppenglas zeigt eine Vielfalt an unterschiedlichen Blüten, darunter Rosen, Tulpen, Kornblumen, Akeleien, Schlüsselblumen und zwei Rispen mit Maiglöckchen. Zur Linken der Vase findet sich ein Maikäfer sowie eine Rosenrispe und eine Schnecke zur Rechten.

Ingvar Bergström, der das Stillleben 1989 im Original untersucht hatte, bezeichnet dieses als ein attraktives und charakteristisches Werk von Pieter Binoit und datiert es um 1615.

Prof. Gerhard Bott führt dieses Gemälde in seinem Werkverzeichnis der Frankfurter und Hanauer Stilllebenmaler unter den eigenhändigen Arbeiten Pieter Binoits auf und reiht es in eine Serie von fünf weiteren Stillleben, die einen üppigen Blumenstrauss in einem Noppenglas zeigen. Das früheste Stillleben dieser Gruppe, heute in der Narodni Galerie in Prag (Öl auf Holz, 28,5 x 21,6 cm, in: Bott, ebd., WV.B.12, S. 199), ist 1613 datiert.

Über die Anfänge des 1590 in Köln geborenen Peter Binoit und dessen spätere Übersiedlung nach Frankfurt ist wenig bekannt. Das früheste erhaltene Stillleben ist eine auf Kupfer gemalte Porzellanvase mit Blumen, das mit seinem Monogramm und der Datierung versehen ist: P/B Fe 1611/ (Öl auf Kupfer, 48 x 32 cm, Hessisches Landesmuseum, Darmstadt, in: Bott, ebd., WV.B.1, S. 196). Es ist nicht geklärt, ob dieses Gemälde im Atelier des in Hanau anerkannten Meisters Daniel Soreau (1586–1619) entstand, denn urkundliche Hinweise, die den Aufenthalt Binoits in Frankfurt belegen, sind erst aus der Zeit nach Soreaus Tod überliefert. Am 15. Februar 1627 heiratete Binoit in Hanau Sarah Soreau, die Nichte Soreaus.

Binoit musste allerdings bereits vor seiner Heirat in Hanau zu Ansehen gelangt sein, denn am 7. September 1623 wurde „Peter Benoi, ein Malergesell“ bei einer Taufe in der reformierten Kirche der Altstadt Hanau als Pate für Maria Neidhart, Tochter des Schneiders Hector Neidhart, eingetragen (Bott, ebd., S. 25). Aber auch der Künstler selbst belegt seinen Aufenthalt in Frankfurt in dem Gemälde einer Porzellanvase mit Blumen im Hessischen Landesmuseum (Öl auf Holz, 110 x 87 cm, in: Bott, ebd., WV.B.14, S. 200), welches er signiert und datiert und auf den Entstehungsort hingewiesen hat: "P. Binoit.Francfort 1620".

Wie schon seine Vorgänger Joris Hofnagel (1542–1600), Jacob Kempener (Anfang 17. Jh. tätig) und Georg Flegel (1566–1638) verwendet Peter Binoit in seinen Gemälden Blüten, die in unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, um die Vielfalt der Blumenpracht vor Augen zu führen. Bei der Komposition des frühesten Blumenstilllebens von 1611 und bei späteren Gemälden, wie auch bei unserer Darstellung, greift Binoit auf druckgrafische Vorlagen zurück, die in Frankfurt in dieser Zeit erschienen waren. So finden sich in den Kupferstichen von Jacob Hoefnagel (1573–1630) "Architeypa Studiaque Pagtris Georg II Hoefnagel II", die nach Originalen seines Vaters Joris Hoefnagel gestochen wurden, ähnliche üppige Blumensträusse in Vasen, die alle symmetrisch arrangiert zu sein scheinen. Ingvar Bergström bezeichnet dieses Arrangement als „radial composition“, dass sich als Besonderheit der Blumenmalerei in Frankfurt und Hanau identifizieren lässt (Ingvar Bergström: Flower-Pieces of Radial Composition in European 16th und 17th Century Art, in: Album Amicorum J.G. van Gelder, Den Haag 1973, S. 22ff.).

Der hier angebotene, gut erhaltene Blumenstrauss, der durch seine feine Malweise und leuchtende Farbigkeit zu den qualitätsvollen Werken Peter Binoits zählt, lässt sich stilistisch und kompositorisch in diese frühe Zeit einstufen.

CHF 80 000 / 120 000

€ 74 770 / 112 150

Verkauft für CHF 61 300 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr