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Lot 3243* - A186 Gemälde des 19. Jahrhunderts - Freitag, 28. September 2018, 16.00 Uhr

ARNOLD BÖCKLIN

(Basel 1827–1901 San Domenico bei Fiesole)
Die heilige Katharina. 1880.
Öl auf Holz.
44 x 29 cm.

Provenienz:
- Sammlung Friedrich Bruckmann Verlag, München, 1898.
- Sammlung Adolf Sabor, Frankfurt am Main, 1901.
- Sammlung Martha Sabor, Frankfurt am Main, 1914.
- Kunsthandlung Galerie Paffrath, Düsseldorf, 1929.
- Deutsche Privatsammlung.

Ausstellung:
- Akademie-Ausstellung von Werken Arnold Böcklins zur Feier seines 70. Geburtstages, Königliche Akademie der Künste, Berlin, 2.12.1897–16.1.1898, Nr. 61.
- Ausstellung Böcklin – Lenbach, Frankfurter Kunstverein, 19.7–30.9.1914, Frankfurt am Main 1914, Nr. 34.
- Arnold Böcklin (1827-1927). Ausstellung zur Feier des 100. Geburtstsjahres, Kunsthalle Basel, 10.4-6.6.1927, Basel 1927, Nr. 112.

Literatur:
- Ausst. Kat. Akademie-Ausstellung von Werken Arnold Böcklins zur Feier seines 70. Geburtstages., Königliche Akademie der Künste, 2.12.1897–16.1.1898, Berlin 1897, Kat. Nr. 61.
- Jordan, Max: Arnold Böcklin zum 70. Geburtstag. In: Deutsche Kunst, Jg. 2, Nr. 1, 1897, S. 1–4.
- Ausst. Kat. Ausstellung von Werken Arnold Böcklins, veranstaltet zur Feiern seines 70. Geburtstages, Kunsthalle und Kunstverein zu Hamburg, Februar 1898, (2. Auflage), Hamburg 1898, Kat. Nr. 27.
- Schmid, Heinrich Alfred, Verzeichnis der Werke Arnold Böcklins, München 1903, Nr. 301.
- Woermann, Karl: Von Apelles zu Böcklin und weiter. Gesammelte kunstgeschichtliche Aufsätze, Vorträge und Besprechungen, Bd. 2., Esslingen am Neckar 1912, S. 157–158.
- Ausst. Kat. Böcklin - Lenbach, Frankfurter Kunstverein, 19.7–30.9.1914, Frankfurt am Main 1914, Kat. Nr. 34.
- Ausst. Kat. Arnold Böcklin (1827–1927). Ausstellung zur Feier des 100. Geburtstsjahres, Kunsthalle Basel, 10.4–6.6.1927, Basel 1927, Kat. Nr. 112.
- Andree, Rolf: Arnold Böcklin. Die Gemälde, Basel 1998, Nr. 348, S. 424 (mit Abb.).

Arnold Böcklins unverkennbare mystische Ästhetik zeichnet den 1827 in Basel geborenen Künstler als einen der grössten Symbolisten des auslaufenden 19. Jahrhunderts aus. Sein ausgeprägtes malerisches Talent wird früh erkannt und gefördert: der junge Böcklin studiert an der Kunstakademie Düsseldorf und befreundet sich in dieser Zeit mit seinem Schweizer Kommilitonen Rudolf Koller (1828–1905). Studienreisen durch Europa ermöglichen ihm die Begegnung mit Meisterwerken des niederländischen Barocks und der italienischen Romantik. Insbesondere die Farbgebung der Gemälde Peter Paul Rubens (1577–1640) beeindruckt Arnold Böcklin, wenngleich er auch die Begeisterung für mythologische Fabelwesen mit dem grossen Meister der barocken Malerei teilt.

Durch Camille Corot (1796–1875) und Gaspard Poussin (1615–1675) wird sein Interesse an der naturalistischen Landschaftsmalerei bestärkt, sodass sich Arnold Böcklins eigener und auch eigenwilliger Stil inmitten dieser kontrastierenden Einflüsse herausbildet: Die bildthematische Vielfalt, die sich durch sein Gesamtwerk erstreckt, zeugt jedoch davon, dass sich Arnold Böcklin keiner stilistischen Prägung unterordnen liess. Allegorische Bildprogramme behaupten sich neben atmosphärisch geladenen „Seelenlandschaften“, und auch sakrale Bildthemen bilden Teil seiner vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem Bildmotiv als Bedeutungsträger.

Das hier zur Auktion gebotene Werk „die heilige Katharina“ steht exemplarisch für die zuletzt erwähnte Kategorie: Es zeigt die Heilige im klassischen Porträtformat, deren gesenkter Blick am Betrachter vorbei zum Ehering führt. Das bedächtige Antlitz ist keine Seltenheit im Œuvre Böcklins. In seiner Bilderfolge „Villa am Meer“ (1863–1878) wird die stimmungsvolle Paysage jeweils durch eine vordergründig platzierte Staffagefigur ergänzt, die mit ähnlich in sich gekehrtem Ausdruck, Einblick in das kontemplative Innenleben suggeriert. Noch deutlicher zeichnet sich eine Parallele zu dem lauschenden Ausdruck einer Dryade aus dem Gemälde der „Frühlingsabend“ (1879) ab. In diesem Vergleich wird auch deutlich, dass Böcklin zur naturalistischen Darstellung der Heiligen greift. Ihr rötlich-lockiges, leicht zerzaustes Haar blickt an der Stirn aus dem Schleier hervor. Es ist ein fast bäuerlicher Anblick, der sich darbietet, wären nicht der Nimbus und der Goldring, die auf den Heiligenstatus und die Identität der Katharina verweisen. Der Goldring steht sinnbildlich für ihre Vermählung mit dem christlichen Glauben. Der Überlieferung nach, habe sie im Traum einen Antrag von Jesus Christi erhalten. Diese visionäre Erfahrung hat sich folglich im Attribut des Ringes symbolisch manifestiert. Die Darstellung des Nimbus hingegen ist im Werke Böcklins singulär. In keinem anderen Gemälde verdeutlicht er eine sakrale Figur mithilfe des Heiligenscheins. Wollte Böcklin in besonders einprägsamer Form die Tugend der Patronin hervorheben? Die gesteigerte Auseinandersetzung mit dem Tod, die sich vor allem auch im Bildnis der „Toteninsel“ anschaulich präsentiert, könnte ein weiterer Anhaltspunkt für die Thematisierung des ungebrochenen Glaubens sein. 1880 markiert demnach auch das Jahr, in dem Böcklins Vater stirbt und der Künstler sich erneut zur Kur physischer Gelenkleiden und depressiver Stimmung auf die Insel Ischia begibt. Die biografischen Bezüge bleiben an dieser Stelle jedoch nur spekulativ. Letztlich, ist es ja auch eben jener, nicht ganz aufzuschlüsselnde Charakter des Werkes, der „die heilige Katharina“ in den mystisch geprägten Kanon der zeitlosen Werke Arnold Böcklins einordnet.

CHF 25 000 / 35 000 | (€ 25 000 / 35 000)

Verkauft für CHF 20 900 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr