Lot 3025* - A190 Gemälde Alter Meister - Freitag, 27. September 2019, 14.00 Uhr

PIER FRANCESCO DI JACOPO FOSCHI

(1502 Florenz 1567)
Madonna mit Kind und dem Johannesknaben.
Öl auf Holz.
109 × 85 cm.

Provenienz:
- Sammlung Michael Voggenauer, Köln, 1979.
- British Railway Pension Fund, bis 1994.
- Auktion Sotheby's, London, Sammlung British Railway Pension Fund, 7.12.1994, Los 28.
- Europäischer Privatbesitz.

Ausstellung:
Als Leihgabe im Detroit Institute of Arts, 1982–1994 (Leihgabe des British Railway Pension Fund).

Literatur:
Apollo, Juli 1979, S. 70, mit Abb.

Das hier angebotene Gemälde von musealer Qualität ist zu Pier Francesco di Jacopo Foschis Hauptwerken zu zählen. Foschi, der in der Forschung weitgehend unbekannt war bis der Kunsthistoriker Roberto Longhi ihn 1953 wiederentdeckte, gilt heute als einer der führenden florentinischen Maler des 16. Jahrhunderts. Als Sohn des Botticelli-Schülers Jacopo Foschi (1463–1530), lernte er bis 1530 in der Werkstatt Andrea del Sartos (1486–1530).
Wohl entstanden zwischen 1530 und 1540, ist dieses qualitätsvolle und sehr gut erhaltene Werk in jene Schaffensphase zu datieren, in der der Künstler insbesondere mit und unter Jacopo da Pontormo (1494–1557) arbeitete.
Während Foschis künstlerischer Stil in seinen frühen Werken massgeblich von der Malweise seines Lehrmeisters Andrea del Sarto geprägt war, gibt er in dieser Zeit die deskriptiv-narrativen Elemente zugunsten einer Betonung des Mystisch-Religiösen auf und schematisiert seine Kompositionen zunehmend, wovon auch das hier angebotene Gemälde zeugt:

Die im Dreiviertelprofil dargestellte Madonnenfigur befindet sich im Zentrum der Komposition. In ein blassrotes Gewand gehüllt, mit einem gelben Schleier um ihre Schultern drapiert, lenken ihr gesenkter Blick und ihr leicht s-förmig geschwungener Körper die Aufmerksamkeit hinab zum Jesuskind. Auf ihrem blauen Mantel ruhend, hält sie zärtlich dessen Arm. Die Füsse des Jesuskindes leiten den Blick weiter zur linken unteren Bildecke und somit zum Johannesknaben, dessen Kopf sich zur Madonna hebt und zurück in die obere Bildhälfte deutet. Dort öffnen zwei Engel, die Maria dicht zur ihrer Rechten und Linken flankieren, den grünen Vorhang und geben den Blick auf die innige Szene frei.

Stilistisch dem Manierismus verpflichtet, erscheint der Bildraum durch die ineinandergreifende Anordnung der Figuren dicht komprimiert; die wohl rhythmisierte Komposition der Blicke, Hände und geschwungenen Körper schaffen gleichzeitig lebhafte Dynamik. Der gezielte Einsatz von Farben und das zarte Inkarnat der Figuren runden diese meisterhafte Darstellung ab.

Während die länglichen Figuren Erinnerungen an Michelangelo (1475–1564) wachrufen, wirken Foschis Kompositionen in dieser Schaffensperiode insgesamt strenger und konstruierter als zuvor. Sie erinnern derart ebenfalls an die Malerei des Fra’Bartolomeo (1472–1517) und nehmen bereits Bildkonzepte der Gegenreformation vorweg.

Pier Francesco di Foschi malte für einflussreiche Auftraggeber zahlreiche Altarbilder und Fresken im wirtschaftlich wie künstlerisch florierenden Florenz. Unter diesen die Auferstehung (1537), Verklärung Christi (um 1545) und die Unbefleckte Empfängnis (um 1545) für die Kirche S. Spirito. Die Fresken im Oratorium der Villa Rosselli del Turco entstanden etwa zur gleichen Zeit.
Ebenso war Foschi an Kollektivaufträgen der Medici beteiligt. Etwa bei der Ausmalung der Villa Careggi unter Jacopo Pontormo sowie der Festdekoration für die Hochzeiten von Cosimo I. mit Eleonora von Toledo (1539) und Francesco de'Medici mit Johanna von Österreich (1565).
1564 zählte er – unter anderem zusammen mit Agnolo Bronzino (1503–1572) und Giorgio Vasari (1511–1574) – zu den Gründungsmitgliedern der Kommission für die geplante Accademia delle Arti del Disegno, für die er bis zu seinem Tod mit hohen Ämtern betraut wurde.
Vincenzo Borghini, der Hofliterat der Medici, benannte ihn 1565 als einen der wichtigsten Florentiner Künstler neben Bronzino, Vasari und Michele Torsini (1503–1577).

Das Gemälde ist in der Fotothek der Fondazione Zeri unter der Nr. 34276 archiviert.

CHF 400 000 / 600 000

€ 373 830 / 560 750