Lot 3262 - A191 Impressionismus & Klassische Moderne - Freitag, 06. Dezember 2019, 16.30 Uhr

BEN NICHOLSON

(Denham 1894 - 1982 Hampstead)
Helmos. Dezember 1963.
Relief aus Holz, bemalt.
Verso signiert, datiert und betitelt: Ben Nicholson / dec 63 / (Helmos).
78 x 78 cm.

Provenienz: Privatsammlung Schweiz.

Ausstellung: Basel 1968, Ben Nicholson, Galerie Beyeler, April - 15. Juni 1968, Nr. 36 (mit Abb.; verso mit Etikett).

1957 heiratet Ben Nicholson die junge deutsche Fotografin Felicitas Vogler. Die beiden ziehen ein Jahr später an den Lago Maggiore ins schweizerische Brissago. Dieser Umzug sowie die Heirat mit Vogler lösen eine neue Phase in Nicholsons Schaffen aus. Ihr erstes Zuhause im Dorf Ronco, außerhalb von Ascona, ist klein und der Grossteil der Werke, die dort entstehen, sind Zeichnungen. Bald beginnt er jedoch mit der Arbeit an kleinen geschnitzten Reliefs, und der Wechsel von den Werken in England ist sofort spürbar.

Inspiriert durch die Landschaft der Schweiz unternimmt Nicholson eine Neuausrichtung, weg vom Stillleben, zurück zum abstrakten Relief. Diese Reliefs betitelt er nach italienischen und griechischen Orten. Die Ortsnamen, die er dafür wählt, beziehen sich nicht etwa auf den Herstellungsort der Werke, sondern werden erst nach der Fertigstellung entschieden. Sie deuten auf eine bestimmte Atmosphäre oder eine Erfahrung hin, die Nicholson mit einem Ort verbindet und an die ihn das jeweilige Werk erinnert.

Nicholson besucht Griechenland und die Ägäis erstmals im April 1959, und in den 1960er Jahren kehrt er für drei weitere Reisen zurück. In St. Ives, Cornwall, wo sich Nicholson und Hepworth kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs niederlassen, ist Nicholson fasziniert von lokalen prähistorischen Stätten, wo sich Geschichten, Legenden, Religion und Folklore vermischen und die Gegend mit einer undefinierbaren Spannung und Geheimnissen überziehen. Seine späteren Reliefs, zu denen auch das unsrige zählt, nennt Nicholson "primitive Reliefs". Sie erinnern ihn an das Urzeitliche mit Landschaften, welche die Spuren von Jahrtausenden in sich tragen.

In „Helmos“ von 1963 setzt Nicholson eine spärliche Besetzung von formalen Elementen ein. Jede Linie, jeder Winkel und jede geometrische Form ist mit Präzision ausgearbeitet. Die exakten Linien werden chirurgisch in die vertieften Reliefschichten eingeschnitten und unterteilen das Ganze in verschiedene Trapezoide.

Das zur Auktion kommende Werk ist also ein wunderbares Beispiel für das Werk Nicholsons in den 1960er Jahren. In „Helmos“ werden Nicholsons Ambitionen mit dem Reliefmedium zu einem Werk der Zurückhaltung und Zartheit und einer ausgewogenen Komposition aus subtilen Farben zusammengefasst.

CHF 100 000 / 150 000

€ 87 720 / 131 580