Lot 3203 - A191 Impressionismus & Klassische Moderne - Freitag, 06. Dezember 2019, 16.30 Uhr

HENRI-THÉODORE FANTIN-LATOUR

(Grenoble 1836 - 1904 Buré)
Nature morte aux abricots. 1869.
Öl auf Leinwand.
Oben links signiert und datiert: Fantin 69.
26 x 30 cm.

Wir danken Brame & Lorenceau für die Bestätigung der Authentizität des Werkes, Paris, 9. Oktober 2019.

Provenienz:
- Mr. und Mrs. Edwin Edwards, London.
- Thomas Wallis & Son, London.
- F. & J. Tempelaere, Paris.
- Groesbeek, Amsterdam.
- Privatsammlung Hamburg, 1926 Umzug in die Schweiz und durch Erbschaft an die heutigen Eigenümer.

Literatur: Madame Fantin-Latour: Catalogue de l'Œuvre complet de Fantin-Latour, Floury, Paris, 1911, S. 47, Nr. 334.

Henri Fantin-Latour nimmt in der französischen Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine sehr interessante und eigenständige Position ein. Von ihm stammt das in Kunstgeschichtsbüchern sehr häufig reproduzierte Gruppenbildnis "Un atelier aux Batignolles". Er porträtiert darin die wichtigsten Künstler der damaligen Avantgarde, wie unter anderen die Impressionisten Renoir, Monet und Bazille, welche sich um den an der Staffelei sitzenden Édouard Manet versammeln. Obschon Fantin-Latour mit diesen Malern eng befreundet ist und 1863 am Salon des Refusés teilnimmt, beteiligt er sich an keiner der sieben Impressionisten-Ausstellungen und kritisiert diese eigenmächtige Vorgehensweise seiner Malerkollegen. Trotzdem setzt er sich mit deren Neuerungen auseinander und findet seine eigene Antwort. Fantin-Latour malt nicht draussen, sondern bleibt dem Atelier treu; er verbindet das Studium der Alten Meister mit dem Realismus Courbets sowie den neuen Farbtheorien, die auf Eugène Delacroix zurückgehen. Da er auch Elemente sowohl der Romantik als auch des Symbolismus in seine Werke miteinschliesst, entsteht eine einzigartige Bildsprache. Er mildert die naturalistische Präzision und Härte durch eine starke Betonung von Lichteffekten, was ihn stilistisch in die Nähe der Impressionisten rücken lässt. Vor allem sind es seine Stillleben, die ihn zunächst in England und später weltweit berühmt machen.

Das hier an der Auktion angebotene Stillleben entsteht im Jahr 1869. Im Mai des gleichen Jahres verlobt sich Fantin-Latour mit Victoria Dubourg, die er 1866 am Salon kennen gelernt hat. Anlässlich der Verlobung schenkt er ihr ein Stillleben, welches sich heute im Musée Grenoble befindet (Nature morte dite de fiançaille – à Mme. Fantin-Latour, WVZ Nr. 325; Abb.1). Dieses gilt heute als eines seiner wichtigsten Stillleben. Es ist ähnlichen Formats wie das unsrige und zeigt ein Arrangement von Blumen, einem Glas Wein und – was eher selten ist – einen Teller mit Erdbeeren.

Die ersten Eigentümer des vorliegenden Gemäldes sind das in London lebende Sammlerpaar Edwin und Elizabeth Ruth Edwards. Für Fantin-Latour sind seine Verbindungen nach England sehr wichtig. 1858 lernt er James McNeill Whistler kennen und gründet zusammen mit Alphonse Legros die sogenannte "Société des trois". Ab dem folgenden Jahr wird er mehrere Male London besuchen. Hier lernt er auch den wohlhabenden Juristen und Kunstsammler Edwin Edwards und dessen Frau kennen. Er ermutigt ihn Landschaftsmaler und Radierer zu werden. Es entsteht eine Freundschaft, und das Sammlerpaar erwirbt mehrere Stillleben von Fantin-Latour. Sie empfehlen auch Freunden in London zu kaufen, was schliesslich zum bis heute anhaltenden, internationalen Erfolg von Fantin-Latours Stillleben führt.

CHF 50 000 / 80 000

€ 43 860 / 70 180