Lot 3234 - A197 Impressionismus & Moderne - Freitag, 02. Juli 2021, 17.00 Uhr

LYONEL FEININGER

(1871 New York 1956)
Die kleine Försterei. 1922.
Aquarell und Tusche auf Papier.
Unten links signiert: Feininger, unten mittig betitelt: die kleine Försterei, und unten rechts datiert: 28. VI. 22.
27,5 × 31,2 cm.

Die Authentizität des Werks wurde von Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York/Berlin, bestätigt, New York, 29. März 2016. Es ist im Archiv unter der Nummer 1379-03-29-16 registriert.

Provenienz:
- Atelier des Künstlers.
- Emma Ritter, Oldenburg, direkt vom Künstler als Geschenk erhalten.
- Karl Schwoon, Oldenburg, als Geschenk von Obiger erhalten.
- Privatsammlung USA.
- Schweizer Privatsammlung.

Die hier angebotene Zeichnung "Die kleine Försterei" entsteht in Lyonel Feiningers Zeit am Bauhaus in Weimar. Dort war der Künstler 1919 von Walter Gropius als erster Meister der neugegründeten Schule berufen worden. Zudem stammt die erste Veröffentlichung des Bauhauses, eine Mappe mit 12 Holzschnitten, ebenfalls aus Lyonel Feiningers Hand. Während seiner gesamten Bauhauszeit – ab 1926 dann in Dessau – verbringt der Künstler viel Zeit auf dem Thüringer Land, studiert die dortigen Ortschaften, die Architektur und die Natur.

Unsere Zeichnung "Die kleine Försterei" wird ebenfalls auf einer der Erkundungstouren Feiningers im Weimarer Umland entstanden sein. Mit zarten Konturen aus Tusche skizziert der Künstler eine Lichtung umrahmt von grossen Tannen, auf der sich eine kleine Försterei befindet. Charakteristisch für Feiningers Stil wirkt das Aquarell als Füllfarbe seiner Darstellungen weich und zaghaft und die Ränder der Umrisse verschwimmen gar. Feininger selbst erklärt über seine Arbeitsweise, dass er in Aquarell vollkommen das ausdrücken könne, was er darzustellen vermöge (Lyonel Feininger, in: Ruhmer 1961, S. 9). Selten überträgt er deshalb bereits vollendete Aquarellarbeiten in die Ölmalerei. Im Fall des hier angebotenen Werks hat jedoch eine mediale Übersetzung in anderer Reihenfolge stattgefunden. So fertigt Feininger bereits 1920, zwei Jahre vor unserer Zeichnung, das Ölbild "Die kleine Försterei" an. Während die Masse des Gemäldes variieren und einige wenige farbliche Veränderungen zu beobachten sind, ist unsere Zeichnung mit dem Vorgängerbild in Ölfarbe auf inhaltlicher Ebene identisch. Eberhard Ruhmer erklärt hinsichtlich Feiningers Faszination für die Aquarelltechnik: "Da nun ein geheimnisvoller Zusammenhang besteht zwischen der Technik und dem vom Künstler gewählten Gegenstand, scheint mir in den zarten, zurückhaltenden und vergleichsweise anspruchslosen Lösungen der Aquarelle das vielleicht entscheidende Moment Feiningerscher Kunstabsichten seine adäquateste und vollkommenste Realisierung gefunden zu haben" (Ruhmer 1961, S. 9).

CHF 60 000 / 80 000

€ 56 070 / 74 770