Lot 3752 - A193 PostWar & Contemporary - Samstag, 04. Juli 2020, 14.00 Uhr

ANDY WARHOL

(Pittsburgh 1928–1987 New York)
Lola Jacobson. 1985.
Siebdruck und Acryl auf Leinwand.
Auf der Überlappung mit den Stempeln: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts und The Estate of Andy Warhol. Zudem auf dem Keilrahmen mit der Archivnummer: P050.072.
101,5 × 101,5 cm.

Provenienz:
- Nachlass des Künstlers.
- The Andy Warhol Foundation of the Visual Arts, New York.
- Jane Holzer, New York.
- Privatsammlung New York.
- Auktion Sotheby's New York, 15.11.2000, Los 314.
- Privatsammlung Schweiz.

Am 6. August 1928 wird Andy Warhol als drittes Kind einer russischen Immigrantenfamilie in Pittsburgh geboren. Mit acht Jahren erkrankt er am Veitstanz und einer seltenen Pigmentstörung, wodurch man ihn oft für einen Albino hält. Gefesselt ans Bett entdeckt er seine Leidenschaft für Comics und Kinofilme. Von 1945 – 1949 studiert Warhol Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of Technology, wo er seinen Abschluss in Malerei und Design macht. Es zieht den jungen Warhol in den Hotspot für Kunst und Literatur – nach New York. Dort arbeitet er als Schaufensterdekorateur und wird bald zum gefragtesten Werbedesigner der Stadt. Seine ersten Zeichnungen werden 1950 in der Zeitschrift „Mademoiselle“ veröffentlicht. Mit der Designerin Suzie Frankfurt entwickelt er die drop-and-dripping Technik, bei der er mit Tusche und Tinte gemalte Motive mit Löschpapier kopiert und auf ein weiteres Blatt überträgt – eine Vorstufe zu seiner später präferierten Technik des Siebdrucks. So entstehen zahlreiche Grusskarten, Werbegeschenke, Beiträge für Magazine aber auch Kochbücher. Bei sogenannten „Colouring Parties“ lässt er Freunde und Gäste diese Werke ausmalen – auch hier schon ein Hinweis auf seine spätere serielle Produktion und die Factory.

Ende der 1950er Jahre entscheidet er sich, dem Grafikdesign den Rücken zu kehren und als Künstler zu arbeiten. Wie kein anderer vor ihm setzt er sich mit der veränderten Gesellschaft auseinander. Er sucht Alltagsgegenstände, Ereignisse, Stars und Sternchen, die in Jedermanns Leben vorkommen und für jeden eine wie auch immer geartete Bedeutung haben. Seien es Artikel des Massenkonsums, wie die bekannten Campbell´s Soup Dosen, die in den 1950er/60er Jahren in keiner Vorratskammer in den USA und England gefehlt haben, oder Prominente wie James Dean, Jacky Kennedy und Marylin Monroe, an deren Schicksal eine ganze Generationen teilgenommen hat. Meisterlich nutzt Warhol Comics, Zeitungsfotos und Bilder von Stars, Sternchen, Unfällen, aber auch von Ereignissen oder Gegenständen, und erhebt sie durch die Verwendung in seinen Kunstwerken und die zeitgleiche serielle Ausführung zu Ikonen nicht nur seiner, sondern auch unserer Zeit. Zu Beginn der 1960er Jahre beginnt er den Siebdruck für sich zu entdecken, dessen Technik ihm die Serialität, die immanent für sein Werk ist, ermöglicht. Mit der 1962 gegründeten Factory treibt er sie auf die Spitze.

1968 verübt die radikale Frauenrechtlerin Valerie Solanas ein Attentat auf Warhol. Daraufhin zieht er sich immer mehr zurück, die ehemals experimentelle Factory verschreibt sich zunehmend der Kommerzialisierung seiner Kunst. Durch das Erlebte und den späteren Tod seiner Mutter erhält das Thema Tod Einzug in Warhols Werk. Zudem bekommen Porträts, auch Auftragsporträts, einen immer grösseren Stellenwert. Am 22. Februar 1987 stirbt Andy Warhol. Noch zu Lebzeiten hat er die Andy Warhol Foundation of Visual Arts ins Leben gerufen, die neben der Familie einen Grossteil seines auf über 100 Millionen US-Dollar geschätzten Vermögens bekommt. Heute erstellt die Foundation das umfassende Verzeichnis seiner Werke.

1962 hat Warhol seine erste Einzelausstellung in der Ferus Gallery in Los Angeles mit seiner Serie von „Campell’s Soup“ Gemälden. Er ist sowohl auf der documenta 4 1968 mit seinen „Ten Marilyns“ vertreten als auch auf der documenta 6 (1977) und 7 (1982). Unzählige Gruppen- und Einzelausstellungen ehren das Werk des Amerikaners; 2020 zeigt das Museum Ludwig Köln, dass Dank des Sammlerehepaars Peter und Irene Ludwig die grösste Warhol Sammlung ausserhalb der USA sein Eigen nennt, in Kooperation mit der Tate Modern in London eine umfassende Retrospektive Andy Warhols.
Andy Warhol hat die Kunst des 20. Jahrhunderts revolutioniert, indem er sich vom klassischen Begriff der Bildenden Kunst abwendet, das Alltägliche und Triviale zur Kunst erhöht und auch dem Kommerz einen hohen Stellenwert einräumt.

Porträts finden sich in Andy Warhols Oeuvre von den Anfängen bis hin zu seinem Spätwerk. „Teen Stars“ von 1963 ist die erste Serie, in der er sich ausschliesslich dem Porträt widmet. Zu dieser Folge gehören u.a. Porträts von Warren Beatty und Natalie Wood, den Jungstars des amerikanischen Kinos. Kurz darauf folgen die ersten Porträts von Marilyn Monroe, die zu den Ikonen seines Oeuvres gehören.
Allen Porträts gemein ist die Verwendung von Vorlagen aus Zeitschriften oder auch Polaroids (vor allem in den späteren Gemälden) und das schier endlose Experimentieren mit Farbkombinationen und Serialität – so gibt es z.B. Elvis von einer Einzeldarstellung bis hin zu kontaktbögen-artigen Aufreihungen in einem Werk. Zu den prominesten Porträtierten gehören Marilyn Monroe, Elisabeth Taylor, Jackie Kennedy, Elvis Presley und Mick Jagger.

Neben den Stars will Warhol aber auch immer die Gesellschaft abbilden, und so nimmt er mit der Zeit immer mehr Auftragsporträts aus der gehobenen Gesellschaft an. Sie sind natürlich eine sichere Einnahmequelle, um das eigene ausschweifende Leben, aber auch parallel laufende Projekte zu finanzieren. Doch gleichzeitig gelingt es Warhol mit diesen zahlreichen Bildnissen auch, einen imposanten Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft abzubilden, wobei die Auftragsporträts eher die High Society abdecken und dagegen eigene Projekte wie „Ladies and Gentleman“ aus dem Jahr 1975 (Los 3862) oder „Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century“ (1980) auch die von der Gesellschaft nicht immer akzeptierten Facetten darstellen.

Das vorliegende Gemälde zeigt Lola Jacobson, die mit ihrem Mann Donald durch ihre zahlreichen wohltätigen und philantropischen Projekte, wie der Gründung des Mount Sinai Medical Center in New York bekannt und hoch angesehen war. Als sogenannte Celebrity und wohl gern gesehener Gast auf jeder Party, gehört Lola Jacobson zu den typischen Motiven für Warhols Auftragsporträts.

CHF 180 000 / 240 000

€ 168 220 / 224 300

Verkauft für CHF 207 700 (inkl. Aufgeld)
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