Lot 3013* - A198 Gemälde Alter Meister - Freitag, 01. Oktober 2021, 14.00 Uhr

JOHANN KREUZFELDER

(1577 Nürnberg 1632)
Bildnis einer Dame. 1626.
Öl auf Leinwand.
Oben rechts datiert und monogrammiert: 1626 JC (ligiert).
79 × 63 cm.

Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert war die Kunst der Niederlande das dominierende Vorbild der Nürnberger Porträtmaler. Mit Nicolas Neufchâtel (1525/27–1573) und Nicolaus Juvenel d. Ä. (vor 1540–1597) hatten sich gleich zwei prominente, niederländische Künstler in der Reichsstadt niedergelassen. Unter ihrem Einfluss fand die hochentwickelte Antwerpener Bildnismalerei Eingang in die lokale Porträtmalerei und verhalf dieser zu einer neuen Blüte. Die Schüler Juvenels gehörten zu den erfolgreichsten und gefragtesten Porträtmalern der Stadt. Johann Kreuzfelder, Sohn eines Nürnberger Goldschmieds, absolvierte 1593 bis 1597 seine Lehrzeit bei Juvenel. 1603 schuf er die grossformatige Gedächtnistafel der Familie Behaim in der Sebalduskirche. 1612 und 1617 porträtierte er die Nürnberger Ratsherren, danach war er u.a. für die Grafen von Oettingen und Hohenlohe-Langenburg als Porträtmaler tätig. Bereits seit Nagler (Monogrammisten, Bd. 2, 1860, S. 82) wird ihm von der Forschung das Monogramm „JC“ (für Johann Creutzfelder) zugewiesen.

Das 1626 datierte Gemälde zeigt eine Frau in mittlerem Alter im Brustbild vor grauem Grund. Ihr Oberkörper und Kopf sind leicht nach links gewandt, ihr aufmerksamer Blick ist zum Betrachter gerichtet. Die Dame trägt ein schwarzes, mit zahlreichen Stickereien verziertes Gewand, ihr Haupt ziert ein entsprechendes Barett, unter dem die Haare zu einem Zopf geflochten auf den Rücken fallen. Charakteristisch für Kreuzfelder ist die Zartheit seiner Malweise, besonders zu erkennen im weich modellierten Inkarnat der Porträtierten oder den feinmalerisch gestalteten weissen Spitzenbesätzen der üppigen Halskrause und der Ärmelaufschläge. Eine prächtige, vielgliedrige Goldkette deutet auf den hohen sozialen Status der Porträtierten ebenso wie die mit Steinen besetzte, seitlich gegürtete Börse und die juwelenreichen Fingerringe. Bemerkenswert ist der Ring am rechten Zeigefinger, der ein Allianzwappen präsentiert, das auf den verheirateten Status der Frau deutet. Da sich die Dame nach links wendet (und nicht, wie bei Einzelbildnissen üblich, nach rechts), existierte vielleicht ein zugehöriges Bildnis ihres Ehemannes. Das Wappen mit Helmzier in der rechten Bildecke konnte bisher nicht identifiziert werden.

Obwohl Kreuzfelder als Porträtist in den Quellen mehrfach bezeugt ist, haben sich im Vergleich zu seinem Zeitgenossen und Kollegen Lorenz Strauch (1554–1630) nur sehr wenige Bildnisse mit Signatur erhalten. Ein monogrammiertes Herrenbildnis von 1623 befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (Bildnis des Georg Volckamer von Kirchensittenbach, Inv.-Nr. Gm 715), ein weiteres signiertes Herrenporträt im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg (Bildnis eines Mannes von 1623, Inv.-Nr. G 112). Auf einem Gemälde der Kunstsammlung der Stadt Nürnberg (Fembohaus, Porträt des Bartholomäus Viatis, 1614), das stilistisch und malerisch dem Frauenporträt sehr nahesteht, konnte nach einer 2010 erfolgten Restaurierung erstmals auch die ausgeführte Signatur „Johanes Creutzfelder Nornberg Pinxit“ nachgewiesen werden.

Wir danken Judith Hentschel für die Bestätigung der Eigenhändigkeit anhand einer Fotografie und für diesen Katalogeintrag.

CHF 8 000 / 12 000

€ 7 480 / 11 210