Lot 1016* - A138 Möbel, Porzellan & Dekoration - Mittwoch, 20. September 2006, 10.00 Uhr

TAPISSERIE,

wohl Audenarde, Ende 17. Jh.
Darstellung der Auferweckung des Lazarus; stehender Christus, vor ihm die Schwestern Martha und Maria, umgeben von Getränke und Speisen bringenden Frauen und Männern. H 257 cm, B 418 cm.

Provenienz: Aus deutschem Besitz. Feine Tapisserie mit kräftigen, leuchtenden Farben. Lazarus, Bruder von Maria und Martha, war ein Freund Jesu. Als Jesus erfuhr, dass Lazarus gestorben war, weinte er über dessen Tod. Als Jesus nach vier Tagen nach Bethanien kam, wurde Lazarus von ihm von den Toten auferweckt (Johannes-Evangelium 11, 1-45). Lazarus nahm danach am Festmahl im Haus von Simon dem Aussätzigen teil. Es kamen viele Leute, um den Geretteten zu sehen (Johannes-Evangelium 12, 1-3). Von Lazarus spricht auch Jesu Gleichnis vom "reichen Mann und armen Lazarus" (Lukas-Evangelium 16, 19-31). Audenarde gehörte während des gesamten 17. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Zentren für die Herstellung hochwertiger Tapisserien; zeitgenössische Quellen belegen zahlreiche Werkstätte, welche eine Vielzahl von Tapisserien für die vorwiegend ausländische Klientel fertigten. Die bedeutendste Werkstatt war jene des François de Moor (1608-1685), der sich vor allem als exzellenter Verkäufer von Tapisserien einen Namen machte. 1668 besetzten französische Truppen die Stadt Audenarde, was den Handel mit Frankreich markant erleichterte, da so die Importsteuern wegfielen. Als 1687 die Stadt wieder unter niederländische und spanische Herrschaft geriet, wurden die Geschäfte schwieriger. In den folgenden Jahrzehnten, geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen, zogen viele Entwerfer, Zeichner und Handwerker in eine andere Stadt - Tournai, Brüssel, Gand oder Gouda. Lit.: G. Delmarcel, La Tapisserie flamande du XVe au XVIIIe siècle, Brüssel 1999; S. 281-285 (Angaben zur Entwicklung der Werkstätte in Audenarde).

CHF 20 000 / 30 000

€ 18 690 / 28 040

Verkauft für CHF 20 000 (inkl. Aufgeld)
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