Lot 3008 - A152 Gemälde Alter Meister - Freitag, 26. März 2010, 15.00 Uhr

MAESTRO DELLA MADONNA DI ORTE

(tätig in Viterbo um ca. 1490-1520)
Madonna und Kind in einem Cherubimreigen.
Öl auf Holz.
Durchmesser: 73cm.

Die Jungfrau sitzt mit ihrem Kind auf einer Steinbank, die scheinbar auf einen mit Cherubim besetzten Himmelskreis gesetzt ist. Durch diesen sich wie ein Regenbogen über das göttliche Paar wölbenden Himmelskreis, eröffnet sich ein Ausblick in eine weite Wiesenlandschaft, durch die ein Fluss seinen Weg gefunden hat. Mit ihrem sanften Blick scheint die Muttergottes die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen zu wollen, dem sich hingegen ihr Sohn, wie seine abwendende Kopfneigung und sein etwas fragender, leicht verlegener Blick vermuten lässt, wiederum entziehen möchte. Vorliegender Renaissance Tondo ist ein charakteristisches Produkt der Perugino-Nachfolge und diente der privaten Andacht einer wohlhabenden Bürgerfamilie. Solche Rundbilder gehörten in der Renaissance zum Mobiliar des gehobenen Bürgerstandes und erfreuten sich einer besonderen Beliebtheit. Um die grosse Nachfrage nach solchen Produkten zu sättigen, kamen dafür oftmals gerade die Werkstätten der Kleinmeister zum Zuge, die derartige Rundbilder in grösserer Zahl als Routineprodukte herstellten. Doch nicht selten wuchsen Künstler wie Botticelli, Ghirlandaio und Perugino selbst bei dieser Aufgabe über sich hinaus und schufen dabei wahre Meisterwerke. Wie erwähnt, nimmt das hier vorliegende Rundbild - sowohl bezüglich der Typologie als auch figural - unmittelbar Bezug auf Peruginos Kunst, weshalb ausser Frage steht, dass es sich dabei um die Arbeit einer umbrischen Werkstätte handelt. In der Tat lässt sich die Idee des von einem Cherubimreigen eingefassten Rundbildes auf künstlerische Konzepte Peruginos zurückführen, wie sie sich in analoger Form für die Darstellung Gottvaters (z.B. Rom, Sixtinische Kapelle: segnender Gottvater bei der Taufe Christi, 1482) und ähnlich auch für Madonnenbilder realisiert finden. Es sind vor allem Peruginos Werke der 1480er Jahre, die für unseren Maler stilbildend gewesen sein müssen. Doch seine Peruginorezeption ist nicht unmittelbar, sondern bereits interpretiert, über die Vermittlung der Werkstatt des aus Viterbo stammenden Antonio da Viterbo, detto "il Pastura" geschehen, wo sich unser Maler künstlerisch formiert haben muss. Zweifellos handelt es sich hier um ein charakteristisches Werk des anonymen, aus Pasturas Werkstatt hervorgegangenen Malers, der nach einem Madonnenbild des Museo Diocesano in Orte (Maestro della Madonna di Orte) benannt wird (vgl. dazu F. Todini, La Pittura Umbra dal Duecento al primo Cinquecento, Mailand 1989, Abbildungen 1256-1261). Eben dieses Bild in Orte wiederholt, was die Personenkonfiguration angeht, mehr oder weniger exakt den Bildvorwurf unserer Tafel. Eine annähernd identische Replik unseres Rundbildes, die sich bloss durch kleinere Motivwechsel in den Posen unterscheidet, hat sich in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen in Berlin (Nr. 148) erhalten. Der Umstand, dass unser Rundbild wohl zu den früheren Arbeiten des Maestro della Madonna di Orte zu zählen ist, die eine besondere nähe zu Pastura erkennen lassen und in erster Linie im Zeichen einer Auseinandersetzung mit Peruginos Werk um 1480-1490 standen, lässt vermuten, dass es noch im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts gegen 1500 gemalt wurde. Wir danken Professor Gaudenz Freuler für diesen Katalogeintrag.

CHF 50 000 / 70 000

€ 46 730 / 65 420

Verkauft für CHF 49 000 (inkl. Aufgeld)
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