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Lot 1193* - A148 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 26. März 2009, 10.00 Uhr

KLEINER MITTELTISCH MIT "VERRE EGLOMISE"-EINLAGEN,

Louis XVI, Schweden um 1800/20.
Holz kanneliert und beschnitzt mit Blattwerk und Zierfries sowie eingelegt mit feinem "verre églomisé"; auf dunkelblauem Fond Pfeilköcher, Vasen, Blätter und Zierfries. Rechteckige, weiss/grau gesprenkelte und randgefasste Marmorplatte auf gerader Zarge mit fein gedrehten kannelierten Säulenbeinen mit Rundfüssen und ebonisiertem Rechtecksockel. 82x51x82 cm.

Provenienz: Aus einer englischen Sammlung. Schweden litt politisch und kulturell unter den Folgen der napoleonischen Kriege. König Gustaf IV. wurde entthront und ins Exil geschickt. Napoleon und Zar Alexander I. stellten den Frieden wieder her. Nach langen Streitigkeiten bezüglich der Erbfolge wurde schliesslich Jean-Baptiste Bernadotte, Marshall unter Napoleon und Prinz von Ponte Corvo, zum Kronprinz Carl Johan gewählt und somit Nachfolger des Königs. Sein passioniertes Wesen und seine Beliebtheit erweckten in Schweden das Interesse für französische Kultur. Der Empire-Stil wurde aus Frankreich übernommen, der späte schwedische Stil Gustafs geriet immer mehr aus der Mode. Die verschiedensten Materialien und Designs wurden verwendet. Der Stil Louis XVI und der Directoire-Stil fanden in Schweden hohen Anklang und wurden vor allem auf die Möbel übertragen. Die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum beeinflussten massgeblich das Möbel-Design, vor allem von Konsolen und Armleuchtern, die mit strengen reinen Linien ausgeführt wurden und sich in ihrer Form direkt von der römischen und griechischen Antike ableiten liessen. Dies ist auch bei dem detailliertem Zierfries auf dem hier abgebildeten Mitteltisch zu erkennen. Eine ähnliche Konsole befindet sich in der Halle von Elghammar in Schweden. Der General Curt von Stedlingk (1746-1837), schwedischer Botschafter unter Gustaf III in St. Peterburg, kaufte 1804 das palladisch inspirierte Haus in Elghammer. "Verre églomisé" ist die französische Bezeichnung für eine spezielle Art der Hinterglasmalerei mit Lackfarben. Eine Vorform des Eglomisierens war bereits in der Spätantike bekannt. Der Begriff "églomisé" wurde vom Namen des Pariser Kunsthändlers und Rahmenerzeugers J.B. Glomi (gest. 1786) abgeleitet, der die Technik vor allem anwandte, um Rahmen von Bildern und Spiegeln zu verzieren. In großem Umfang wurde das Eglomisieren im 19. Jahrhundert betrieben, um Schilder herzustellen. Von dieser Technik kennt man drei verschiedene Arten: 1. das Hintermalen von Glas mit Lacken, wobei die Ornamente und Darstellungen im Lack ausgespart oder ausgekratzt werden. Die freien Stellen unterlegt man dann mit spiegelnder glatter oder zerknitterter Gold- bzw. Silberfolie. Schriftzüge werden im Allgemeinen nicht ausgespart, sondern freigekratzt. Bei Glasbechern erfolgt der Schutz der Verzierungen gewöhnlich durch ein eingesetztes zweites Glas. Rahmen mit Glaseinsätzen haben die Rückwand des Rahmens als Schutz. 2. Silhouettierte Darstellungen aus Gold- oder Silberfolie werden auf die Rückseite eines Glases aufgebracht und das Umfeld lackiert. Für die Binnenzeichnungen auf den Folien werden Radiernadeln verwendet. 3. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden häufig bereits vorher bemalte Folien an der Rückseite eines Glases aufgebracht. Das Aussehen entspricht dem einer Eglomise-Malerei. Die Herstellung ist aber einfacher, weil nicht in Hinterglasmalerei gearbeitet werden muss, sondern wie bei einer herkömmlichen Malerei vorgegangen werden kann. Lit.: H. Groth, Neoclassism in the North - Swedish furniture and interiors 1770-1850, New York 1990; S. 172.

CHF 25 000 / 45 000 | (€ 25 000 / 45 000)

Verkauft für CHF 36 000