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Lot 1315* - A148 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 26. März 2009, 10.00 Uhr

ANRICHTE MIT "PIETRA DURA"- UND "PIETRA PAESINA",

Louis XIV-Stil, die Plaketten teils aus dem 17./18. Jh., das Möbel aus einer Pariser Meisterwerkstatt, um 1840/70.
Ebenholz profiliert, die "Pietra Dura"- und "Pietra Paesina"-Plaketten mit Landschaften, Gebäuden und geometrischen Motiven. Rechteckiger Korpus mit vorstehendem Blatt auf bogenförmig ausgeschnittener Zarge mit Vierkantfüssen. Architektonisch gegliederte, bastionsförmige Front mit 3 Türen zwischen markanten Pilastern. Ausserordentlich feine, matt- und glanzvergoldete Bronzebeschläge und -applikationen in Form von Rosetten, Girlanden, Blättern und Zierfries. In feinen, profilierten Bronzestab gefasste "Vert de Mer"-Platte. 180x52x123 cm.

Provenienz: - Ehemals P. Hayem, Paris. - Aus einer amerikanischen Sammlung. Hochbedeutende Anrichte von bestechender Qualität und Eleganz; sie orientiert sich in der Grundstruktur an florentinischen Kabinetten aus der Renaissance. Ein Kabinettschrank von ähnlicher Grundstruktur, die "Pietra Dura"-Einlagen mit Singvögeln und Blumen ist Bestand der Sammlungen der Eremitage in St. Petersburg und abgebildet in: N.B. Tunze, Bildkunst mit edlen Steinen - Pietre Dure, München 1998; S. 19 (Abb. 11-13). Ende des 16. Jahrhunderts liess der Herzog Francesco de' Medici die bedeutendsten Steinschneider seiner Zeit, die ursprünglich in Rom und Mailand tätig waren, nach Florenz verpflichten. Im Erdgeschoss der Uffizien wurden sie und andere Kunsthandwerker zu einer straff organisierten "officina" zusammengeschlossen. Die rigide Struktur des Produktionswesens, kombiniert mit den innovativsten und kreativsten Entwerfern und Künstlern, führte zu einer bis anhin nicht erreichten Hochblüte. Im Bemühen, die Bildkunst nachzuahmen, entstanden Platten für Prunktische und Kabinette von höchster Qualität. Im Laufe des 18. Jahrhunderts fertigten arrivierte Maler wie G. Zocchi spezielle Vorlagen für die Florentiner Werkstätten und trugen so zum immensen Erfolg dieser Werke bei - man denke an die Platten in den Wiener Palästen und an die 4 grossen Bildplatten des Bernsteinzimmers im Katharinenpalast. In den 1620er Jahren begann die eigentliche Entwicklung der bislang wenig bekannten Steintechnik der "pietra paesina". Sie ist in ihrer Struktur sehr auffällig und stellt, in feine Platten geschnitten, oft bergige Landschaften oder Flusstäler dar. Der Kalkstein aus Albanien wurde vor allem zur Darstellung von Berglandschaften verwendet, der "Arno Lineato" für weite Flusslandschaften. Diese Steinplatten wurden damals mit "Pietra Dura" und teils bemalten Steinplatten zu einem ungemein lebendigen Gesamtbild kombiniert und waren in den Jahren um 1650/80 sehr beliebt. Die hier angebotene Anrichte ist ein meisterhaftes Beispiel für die Beliebtheit des Marmors und der "Pietre dure" in jener Zeit. Zahlreiche adlige Kunstmäzene reisten auf ihrer "Grand Tour" durch Italien, sahen die Werke der lokalen Ateliers und liessen sich dafür begeistern; sie kauften sehr viele Dekorationsobjekte und Möbel mit Stein und schrieben Berichte über ihre Reisen, wie auch der französische Astronom und Mathematiker Jérôme de Lalande, der 1769 in seinem "Voyage d'un français en Italie" erzählt:"...un marbrier très intelligent nommé Antonio Minelli (...) fait des tables de 170 sortes de marbre, qui ont huit palmes de long sur quatre de large, qui sont bordées de fleur de pêcher, sorte de marbre très agréable à la vue (...). Ce même marbrier a fait une table en pièces rapportées dans le goût des pierres dures de Florence, qui ne vaut que 50 sequins, elle a été faite pour Monsieur Cotel de Grand-Maison (...)." Der Adlige Begeret de Grancourt schrieb: "Nous avons dîné chez Monsieur de Breteuil, ambassadeur de Malte, très amateur et curieux des arts de toute espèce. Il possedait des marbres précieux et pierres qu'il a été porté de rassembler depuis quinze ans." Die Beliebtheit der Kabinette für Kuriositäten und Sammlerobjekte wie Münzen und Steine förderte den Aufschwung von Marmor und Pietra Dura zusätzlich. König Gustaf III. von Schweden schenkte dem Prince de Condé 1774 ein "meuble de minéralogie" zur Aufbewahrung seiner Mineraliensammlung. Lit.: N.B. Tunze, Bildkunst mit edlen Steinen - Pietre Dure, München 1998; S. 12-15 (allg. Angaben zur Entwicklung der Pietre Dure in Florenz) und Abb. 16-26 (diverse Tischplatten aus Florentiner Werkstätten).

CHF 150 000 / 250 000 | (€ 150 000 / 250 000)

Verkauft für CHF 210 000