Lot 1042 - A146 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 18. September 2008, 10.00 Uhr

KOMMODE,

Louis XV, von M. FUNK (Mathäus Funk, 1697-1783), Bern um 1760.
Nussbaum und -wurzelmaser gefriest sowie mit Reserven eingelegt. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen. Ausserordentlich feine Bronzebeschläge und -sabots. Profilierte "Oberhasli"-Platte. Innen mit altem Kattunpapier ausgeschlagen. 116x63x89 cm.

Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Bedeutende Kommode von hoher Qualität in sehr gutem Erhaltungszustand, ein meisterhaftes Beispiel für die hohe Ebenistenkunst des M. Funk, der die Formensprache französischer Luxusmöbel auf eigenständige Weise übernahm - man beachte die elegant geschweifte Form, die markante Zarge, die hohen, feinen Beine, die Furnierwahl und vor allem die hervorragenden Bronzebeschläge. Letztere finden sich z.B. auch an Lackmöbeln von M. Criaerd (Mathieu Criaerd, Meister 1738) oder P. Roussel (Pierre Roussel, Meister 1745). Eine Lack-Kommode von M. Criaerd mit identischen Bronzebeschlägen war Bestand der Sammlung Rossi in Turin und wurde bei Sotheby's London am 8.3.1999 (Katalognr. 727) verkauft. Nahezu identische Kommoden wurden in unser Dezember-Auktion 2003 (Katalognr. 1044), Juni-Auktion 1999 (Katalognr. 1070) und November-Auktion 1996 (Katalognr. 1069) verkauft. M. Funk stammte aus einer berühmten Berner Kunsthandwerker-Familie. Seine etwa acht Jahre dauernde Gesellenzeit als Ebenist verbrachte er unter anderem in Frankfurt am Main und Paris; 1724 kehrte er nach Bern zurück, wo er von der "Burgerkammer" die Erlaubnis erhielt, in der Stadt als "kunstreicher Ebenist und Vergolder" Wohnsitz zu nehmen. Ein Jahr später heiratete er die Tochter eines Tuchmachers und Färbers, Maria Magdalena Wäber. Zusammen mit anderen Familienmitgliedern, Johann Friedrich - Bildhauer und -schnitzer - und Daniel Beat Ludwig - Uhrmacher -, führte Mathäus Funk in Bern eine florierende Werkstatt, die im gesamten deutschsprachigen Raum für herausragende Werke bekannt war und nicht nur Einzelstücke, sondern auch ganze Hauseinrichtungen lieferte; man denke an das sog. "Blaue Haus" in Basel. Funks Notorietät lässt sich auch daran erkennen, dass in seiner Werkstatt Gesellen aus verschiedenen Regionen des deutschen Reiches und aus Schweden arbeiteten. Die Technik zur Herstellung der Kattun-Buntpapierart stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde aus dem sog. "Zeugdruck" übernommen (der Begriff "Kattun" bedeutet Baumwolle - "cotton"). In mehreren Vorgängen wurden Blumenmotive oder geometrische Muster mehrfarbig auf das Papier gedruckt. Die Gemeinsamkeiten zwischen Tapeten und Buntpapier sind beim Kattun-Papier besonders deutlich; manchmal wurden ausgemusterte Druckmodelle aus der Tapetenherstellung übernommen und wiederverwendet. Kattunpapiere und Herrnhuter Kleisterpapiere gehören zu den am häufigsten verwendeten Buntpapierarten zwischen 1750 und 1800. Lit.: H. von Fischer, Die Kunsthandwerker-Familie Funk im 18. Jahrhundert, Bern 1961. Ibid., Fonck à Berne, Bern 2001.

CHF 50 000 / 90 000

€ 46 730 / 84 110

Verkauft für CHF 50 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr