Lot 1035* - A152 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 25. März 2010, 10.00 Uhr

PRUNK-HALLENSCHRANK "FLORA UND CUPIDO",

Barock, Braunschweig um 1720/30.
Nussbaum, -wurzelmaser und heimische Fruchthölzer profiliert und fein eingelegt mit graviertem Elfenbein; sitzende Flora und Cupido unter Baldachin und allsehendem Auge, Füllhörnern, Kartuschen, Voluten, Blumen und Blätter sowie Spruchbänder "Weil ich bin mit starcker Lieb umgeben, so sage ich dir, Cupido, spanne deinen Bogen, die Pfeil ich dir will geben, und kürze mir mein Leben" bzw. "Ich verlache dich mit deinem Lieben, da durch du verlieren willst dein Leben, ein bessres Lieben hab ich erwehlt, welches mir, ganz samfft zufrieden stellt." Rechteckiger Korpus mit gestuftem und vorkragendem Kranz auf hohem, zweischübigem Sockel mit gequetschten Kugelfüssen. Architektonisch gegliederte Front mit kassettierter Doppeltüre zwischen 2 Pilastern mit korinthischen Kapitellen. Grosses Eisenschloss. Fehlstellen. 245x85x235 cm.

Provenienz: Privatsammlung, Deutschland. Bedeutender Schrank von perfekter Qualität und Einlegearbeit. Die wichtigsten Auftraggeber für Ebenisten im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert waren die welfischen Häuser in Braunschweig und Hannover. Sie förderten die Kunstschreiner in erheblichem Masse, indem sie ihnen zahlreiche Aufträge zur Möblierung des ab 1665 gebauten Schlosses Herrenhausen erteilten. Nach der Berufung des Kurfürsten Georg Ludwig auf den englischen Thron wurde Braunschweig Hauptsitz der welfischen Herrscher, dies vor allem durch die Übersiedlung von Herzog von Wolfenbüttel zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Für ihn wurden verschiedene Möbel gefertigt, wie zum Beispiel ein Schreibschrank mit Elfenbein- und Messingeinlagen in Boulle-Technik mit der Darstellung mythologischer Figuren auf der Frontseite (heute im Schloss Wolfenbüttel ausgestellt). In den 1720er Jahren wurde für die Herzogin ein reich intarsiertes Kabinett gefertigt, das die gleichen Elfenbein- und Messingeinlagen besitzt (ebenfalls ausgestellt im Schloss Wolfenbüttel). Diese Einlegearbeiten finden sich wieder an Tischplatten und vor allem auch an Kleiderschränken. Ab 1685 wurde der Kleiderschrank in Braunschweig als Meisterstück gefordert. Ein solcher wurde für die Herzogin Luise Christine geliefert (heute Bestand des Hannoverianischen Kestner-Museums). Die prachtvolle Ausführung solcher Prunkmöbel, die qualitativ hochwertigen Furnier- und Elfenbeineinlagen und die eigenständige, klassische Formgebung mit dem eleganten Kranz machen diese als museale Möbel zu bezeichnenden und von den Vorstellungen des Hofes geprägten Schränke zu perfekten Beispielen des nordwestdeutschen Hochbarocks. Lit.: G. Ehret, Deutsche Möbel des 18. Jahrhunderts - Barock, Rokoko, Klassizismus, München 1986; S. 76-82. H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels - Spätbarock und Rokoko, München 1970; II, S. 53-63 (Abb. 94-97, verschiedene Schränke und Entwurfszeichnungen). G. Nagel, Möbel, Augsburg 1985; S. 102 (Abb. 134, ein Erfurter Meisterschrank) und S. 86 (Abb. 86, ein Braunschweiger Meisterschrank). W. Schwarze, Antike deutsche Möbel, Wuppertal 1975; S. 51 (ein dem sächsischen Raum zugeschriebener Schrank).

CHF 20 000 / 30 000

€ 18 690 / 28 040

Verkauft für CHF 23 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr