Lot 3032 - A215 Schweizer Kunst - Freitag, 28. November 2025, 14.00 Uhr
AUGUSTO GIACOMETTI
(Stampa 1877–1947 Zürich)
Abstraktion nach einer Glasmalerei im Musée Cluny, Paris. 1899.
Mischtechnik auf Papier.
Verso signiert, bezeichnet und datiert: Augusto Giacometti Glasmalerei im Musée Cluny 1899.
16,5 × 18,5 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Hildy und Ernst Beyeler, Basel (verso bezeichnet).
- Schweizer Privatsammlung.
Ausstellungen:
- Chur 1981, Augusto Giacometti. 1877–1947. Pionier der abstrakten Malerei, 20.6.–13.9.1981, Nr. 389 (verso mit Etikett).
- Basel 2001, Ornament und Abstraktion, Fondation Beyeler, 10.6.–23.9.2001, Nr. 47 (verso mit Etikett).
Literatur:
- Hans Hartmann: Augusto Giacometti. Pionier der abstrakten Malerei. Ein Leben für die Farbe, Chur 1981, S. 206, Nr. 389 (mit Farbabb., S. 60).
- Ausst.-Kat. Ornament und Abstraktion, Riehen 2001, S. 105, Nr. 47 (mit Abb.).
- Michael Egli, Denise Frey und Beat Stutzer: Augusto Giacometti. Catalogue raisonné, Hrsg. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich 2023, Bd. I, S. 95, mit Abb.-Nr. 1.
Dieses Pastell gehört zu den Schlüsselwerken im Œuvre von Augusto Giacometti und markiert einen bis heute oft unterschätzten Wendepunkt in der Entwicklung der modernen Abstraktion. Nach bisherigem Kenntnisstand gelangte der Künstler mit diesem Blatt erstmals zu einer vollständig ungegenständlichen Bildauffassung, die keine motivischen Bezüge mehr erkennen lässt, und schuf damit seine erste Farbabstraktion. Entstanden während seines Studiums an der Pariser École Guérin, bezieht sich das Werk auf mittelalterliche Glasfenster im Musée de Cluny, deren figürliche Vorlage Giacometti in ein Gefüge aus farbigen, unregelmässig geschwungenen Feldern überführt. Die linearen Strukturen sind aufgelöst, die Motive nicht mehr erkennbar. Statt einer mimetischen Wiedergabe entwickelt Giacometti eine matrixartige Komposition, die auf den Prinzipien seines Lehrers Eugène Grasset beruht, dessen Lehre auf der Harmonie von Farbwerten und Flächen gründet.
Er selbst fasste die Farbe als reine Lichterscheinung auf, deren Leuchtkraft sich von der Materialität löst und eine fast spirituelle Wirkung entfaltet. Die "Abstraktion nach einer Glasmalerei im Musée de Cluny" steht somit am Beginn einer künstlerischen Befreiung der Farbe. Sie wird nicht mehr Mittel der Darstellung, sondern Trägerin von Struktur und Ausdruck.
Wie Beat Stutzer hervorhebt, liegt die Bedeutung dieses Werkes darin, dass Giacometti bereits 1899 eine Form von Abstraktion entwickelte, der kaum etwas Vergleichbares an die Seite zu stellen ist. Michael Egli betont, dass diese Blätter nicht als blosse Studien entstanden, sondern als bewusste Reflexion über die ästhetischen Möglichkeiten von Licht und Farbe.
Als 2012 das Museum of Modern Art in New York die Ausstellung "Inventing Abstraction 1910–1925" zeigte, wurde Giacometti als einziger Schweizer Künstler in den Kreis der Pioniere der ungegenständlichen Kunst aufgenommen. Im kunsthistorischen Kanon gilt der Beginn der Abstraktion meist als um 1910 einsetzend, mit den frühen nichtfigurativen Werken von Kandinsky, Kupka oder Delaunay. Vor diesem Hintergrund erscheint Giacomettis Pastell von 1899 als ausserordentliche Vorwegnahme dieser Bewegung. Mehr als ein Jahrzehnt vor der offiziellen Herausbildung der Abstraktion schuf er eine der frühesten bekannten Farbabstraktionen überhaupt.
Dass die wahre Innovationskraft dieser frühen Arbeiten bis heute kaum beleuchtet wurde, hängt wohl auch damit zusammen, dass Giacometti seine abstrakten Blätter lange unter Verschluss hielt. Er entzog sie dem Blick seiner Zeitgenossen, da er befürchtete, sie könnten seine symbolistischen Werke kompromittieren. Erst 1913 zeigte er in der Kunsthalle Basel drei dieser Farbstudien, mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Entstehung.
Das vorliegende Pastell ist nicht nur ein Dokument von Giacomettis Auseinandersetzung mit der Glasmalerei, sondern zugleich ein frühes Zeugnis für den Aufbruch zu einem neuen Bildverständnis in der Moderne. Es zeigt, wie der Künstler aus der mittelalterlichen Formensprache zu einer universellen Farbkomposition fand, die Licht, Bewegung und Geist vereint. Mit dieser Arbeit, einem Werk von herausragender Bedeutung, bietet sich die seltene Gelegenheit, ein Blatt zu erwerben, das Giacomettis visionäre Rolle als Pionier der Abstraktion auf eindrückliche Weise belegt.
Er selbst fasste die Farbe als reine Lichterscheinung auf, deren Leuchtkraft sich von der Materialität löst und eine fast spirituelle Wirkung entfaltet. Die "Abstraktion nach einer Glasmalerei im Musée de Cluny" steht somit am Beginn einer künstlerischen Befreiung der Farbe. Sie wird nicht mehr Mittel der Darstellung, sondern Trägerin von Struktur und Ausdruck.
Wie Beat Stutzer hervorhebt, liegt die Bedeutung dieses Werkes darin, dass Giacometti bereits 1899 eine Form von Abstraktion entwickelte, der kaum etwas Vergleichbares an die Seite zu stellen ist. Michael Egli betont, dass diese Blätter nicht als blosse Studien entstanden, sondern als bewusste Reflexion über die ästhetischen Möglichkeiten von Licht und Farbe.
Als 2012 das Museum of Modern Art in New York die Ausstellung "Inventing Abstraction 1910–1925" zeigte, wurde Giacometti als einziger Schweizer Künstler in den Kreis der Pioniere der ungegenständlichen Kunst aufgenommen. Im kunsthistorischen Kanon gilt der Beginn der Abstraktion meist als um 1910 einsetzend, mit den frühen nichtfigurativen Werken von Kandinsky, Kupka oder Delaunay. Vor diesem Hintergrund erscheint Giacomettis Pastell von 1899 als ausserordentliche Vorwegnahme dieser Bewegung. Mehr als ein Jahrzehnt vor der offiziellen Herausbildung der Abstraktion schuf er eine der frühesten bekannten Farbabstraktionen überhaupt.
Dass die wahre Innovationskraft dieser frühen Arbeiten bis heute kaum beleuchtet wurde, hängt wohl auch damit zusammen, dass Giacometti seine abstrakten Blätter lange unter Verschluss hielt. Er entzog sie dem Blick seiner Zeitgenossen, da er befürchtete, sie könnten seine symbolistischen Werke kompromittieren. Erst 1913 zeigte er in der Kunsthalle Basel drei dieser Farbstudien, mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Entstehung.
Das vorliegende Pastell ist nicht nur ein Dokument von Giacomettis Auseinandersetzung mit der Glasmalerei, sondern zugleich ein frühes Zeugnis für den Aufbruch zu einem neuen Bildverständnis in der Moderne. Es zeigt, wie der Künstler aus der mittelalterlichen Formensprache zu einer universellen Farbkomposition fand, die Licht, Bewegung und Geist vereint. Mit dieser Arbeit, einem Werk von herausragender Bedeutung, bietet sich die seltene Gelegenheit, ein Blatt zu erwerben, das Giacomettis visionäre Rolle als Pionier der Abstraktion auf eindrückliche Weise belegt.
CHF 30 000 / 50 000 | (€ 30 930 / 51 550)
Verkauft für CHF 44 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.