Lot 3029 - A215 Schweizer Kunst - Freitag, 28. November 2025, 14.00 Uhr
GIOVANNI GIACOMETTI
(Stampa 1868–1933 Glion)
Panorama in Bregaglia. Um 1902.
Öl auf Karton.
Unten links monogrammiert: G.G.
28 × 106,5 cm.
Provenienz:
- Schweizer Privatsammlung.
Ausstellungen:
- Winterthur, Lausanne und Chur 1996/97, Giovanni Giacometti 1868–1933, Kunstmuseum Winterthur; Musée cantonal des Beaux-Arts; Bündner Kunstmuseum, 1.9.–24.11.1996; 8.3.–1.6.1997; 20.6.–14.9.1997, Nr. 63; Nr. 71.
- Chur 2021, Giovanni Giacometti. Die grossen Panoramen, Bündner Kunstmuseum, 5.6.–29.8.2021.
Literatur:
- Ernst Scheidegger und Bruno Giacometti: Das Bergell. Heimat der Giacometti, Zürich 1994, mit Abb. auf Umschlagrückseite.
- Dieter Schwarz: Giovanni Giacometti. Leben und Werk, Zürich 1996, S. 63 (mit Abb.).
- Ausst.-Kat. Giovanni Giacometti 1868–1933, Lausanne 1997, S. 71 (mit Abb).
- Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, Bd. II-1, S. 193, Nr. 1902.11 (mit Abb.).
- Stephan Kunz, Paul Müller und Cordula Seger: Giovanni Giacometti. Die grossen Panoramen, Zürich 2021, S. 65 (mit Abb.).
Die Jahrhundertwende markiert für Giovanni Giacometti eine Zeit tiefgreifender Umbrüche und prägender Erfahrungen, die entscheidend für die Entwicklung seines Stils, seines Werks und seines Lebens werden sollten.
Im Herbst 1897 entwirft Giovanni Segantini die Idee eines monumentalen Alpenpanoramas in Rundform für die Weltausstellung in Paris. Das Projekt begeistert zunächst Hoteldirektoren und Tourismusverantwortliche im Engadin. Nur wenige Tage nach der Vorstellung bei potenziellen Investoren unternehmen Segantini und der einige Jahre jüngere, von ihm nachhaltig beeindruckte Giacometti eine ausgedehnte Wanderung von Maloja über Zuoz auf den Schafberg und zur Diavolezza. Auf dieser Reise entstehen zahlreiche Skizzen, die später als Studien für das geplante Panorama dienen sollten.
Bereits im Frühjahr 1898 scheitert das ambitionierte Vorhaben jedoch an den ausufernden Kosten. Segantini beschliesst, das Konzept zu reduzieren, und schafft mit dem Alpentriptychon eines seiner Hauptwerke. Giacometti greift zur gleichen Zeit auf die während der gemeinsamen Wanderung entstandenen Studien zurück, als er von Anna von Planta den Auftrag erhält, für ihr Chalet in St. Moritz-Bad ein vierteiliges Panorama des Engadins zu malen.
Es folgen weitere Auftragsarbeiten – unter anderem für das Maloja Palace, für Postkarten und Buchillustrationen –, die Giacometti zunächst aus finanzieller Not annimmt, die ihn aber zugleich in seiner malerischen Entwicklung voranbringen.
Ende September 1899 stirbt mit Giovanni Segantini Giacomettis großes Vorbild. Nur wenige Monate später verliert er auch seinen Vater. Im Auftrag von Segantinis Erben vollendet Giacometti das unvollendete Gemälde "Le due madri" und beschliesst, nach einer Phase der Unsicherheit, in seiner Heimat, dem Bergell und dem Engadin zu bleiben. Er setzt Segantinis künstlerisches Vermächtnis – die Malerei der Bergwelt – in eigener, zunehmend selbstständiger Weise fort.
Davon zeugt bereits das eindrucksvolle Selbstbildnis im Schnee von 1899, das ein neues Selbstvertrauen erkennen lässt. Nach Segantinis Tod beginnt für Giacometti eine künstlerisch überaus produktive Zeit. Er löst sich allmählich vom strengen Divisionismus seines Lehrers und entwickelt – unter dem Einfluss van Goghs und des Jugendstils – eine eigene, lichtdurchflutete und harmonische Bildsprache.
Ein intensiver Austausch mit dem Sammler Oskar Miller, mit Ferdinand Hodler und dem Jugendfreund Cuno Amiet fällt ebenso in diese Jahre wie die Heirat mit Annetta Stampa am 4. Oktober 1900 und die Geburt der Kinder Alberto, Diego und Ottilia.
Das hier angebotene, wunderbare und vergleichsweise kleinformatige Bergeller Panorama, entstanden um 1902, gehört in diese Schaffensphase. In diesem Werk zeigt sich, wie Giacometti ausgehend von der Darstellung der Berge in seiner unmittelbaren Umgebung und unter dem Nachhall von Segantinis Divisionismus eine eigene, harmonische Formensprache entwickelt. Schon früh erkennt Giacometti, dass er das Licht der aufgehenden oder untergehenden Sonne als Träger des Geistigen begreifen und darstellen muss, um die Landschaft in reine Malerei zu überführen. Das naturalistische Sujet der Landschaft verwandelt er in ein über die sichtbare Wirklichkeit hinausgehendes, transzendentes Kunstwerk.
Im Herbst 1897 entwirft Giovanni Segantini die Idee eines monumentalen Alpenpanoramas in Rundform für die Weltausstellung in Paris. Das Projekt begeistert zunächst Hoteldirektoren und Tourismusverantwortliche im Engadin. Nur wenige Tage nach der Vorstellung bei potenziellen Investoren unternehmen Segantini und der einige Jahre jüngere, von ihm nachhaltig beeindruckte Giacometti eine ausgedehnte Wanderung von Maloja über Zuoz auf den Schafberg und zur Diavolezza. Auf dieser Reise entstehen zahlreiche Skizzen, die später als Studien für das geplante Panorama dienen sollten.
Bereits im Frühjahr 1898 scheitert das ambitionierte Vorhaben jedoch an den ausufernden Kosten. Segantini beschliesst, das Konzept zu reduzieren, und schafft mit dem Alpentriptychon eines seiner Hauptwerke. Giacometti greift zur gleichen Zeit auf die während der gemeinsamen Wanderung entstandenen Studien zurück, als er von Anna von Planta den Auftrag erhält, für ihr Chalet in St. Moritz-Bad ein vierteiliges Panorama des Engadins zu malen.
Es folgen weitere Auftragsarbeiten – unter anderem für das Maloja Palace, für Postkarten und Buchillustrationen –, die Giacometti zunächst aus finanzieller Not annimmt, die ihn aber zugleich in seiner malerischen Entwicklung voranbringen.
Ende September 1899 stirbt mit Giovanni Segantini Giacomettis großes Vorbild. Nur wenige Monate später verliert er auch seinen Vater. Im Auftrag von Segantinis Erben vollendet Giacometti das unvollendete Gemälde "Le due madri" und beschliesst, nach einer Phase der Unsicherheit, in seiner Heimat, dem Bergell und dem Engadin zu bleiben. Er setzt Segantinis künstlerisches Vermächtnis – die Malerei der Bergwelt – in eigener, zunehmend selbstständiger Weise fort.
Davon zeugt bereits das eindrucksvolle Selbstbildnis im Schnee von 1899, das ein neues Selbstvertrauen erkennen lässt. Nach Segantinis Tod beginnt für Giacometti eine künstlerisch überaus produktive Zeit. Er löst sich allmählich vom strengen Divisionismus seines Lehrers und entwickelt – unter dem Einfluss van Goghs und des Jugendstils – eine eigene, lichtdurchflutete und harmonische Bildsprache.
Ein intensiver Austausch mit dem Sammler Oskar Miller, mit Ferdinand Hodler und dem Jugendfreund Cuno Amiet fällt ebenso in diese Jahre wie die Heirat mit Annetta Stampa am 4. Oktober 1900 und die Geburt der Kinder Alberto, Diego und Ottilia.
Das hier angebotene, wunderbare und vergleichsweise kleinformatige Bergeller Panorama, entstanden um 1902, gehört in diese Schaffensphase. In diesem Werk zeigt sich, wie Giacometti ausgehend von der Darstellung der Berge in seiner unmittelbaren Umgebung und unter dem Nachhall von Segantinis Divisionismus eine eigene, harmonische Formensprache entwickelt. Schon früh erkennt Giacometti, dass er das Licht der aufgehenden oder untergehenden Sonne als Träger des Geistigen begreifen und darstellen muss, um die Landschaft in reine Malerei zu überführen. Das naturalistische Sujet der Landschaft verwandelt er in ein über die sichtbare Wirklichkeit hinausgehendes, transzendentes Kunstwerk.
CHF 300 000 / 500 000 | (€ 309 280 / 515 460)
Verkauft für CHF 792 800 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.