Lot 3404* - A215 Post-War & Contemporary - Donnerstag, 27. November 2025, 14.00 Uhr
LEE UFAN
(Haman-gun 1936–lebt und arbeitet u.a. in Paris)
Silence. 2006.
Acryl auf Leinwand, Stein.
Auf dem Keilrahmen mit der Archivnummer der Galerie m Bochum: m 7003.
Leinwand 227 × 182,5 cm.
Stein 45,5 × 64 × 52 cm.
Abstand zur Wand 77 cm.
Stein 45,5 × 64 × 52 cm.
Abstand zur Wand 77 cm.
Gutachten:
Provenienz:
- Privatsammlung Deutschland, in obiger Galerie 2006 erworben.
Ausstellung:
Lee Ufan ist ein bedeutender zeitgenössischer Künstler und Denker, der 1936 in Korea geboren wird und seit den 1970er-Jahren international wirkt. Er ist Mitbegründer der japanischen Mono-ha-Bewegung, die sich in Abgrenzung zur westlichen Moderne formiert. Mono-ha, auf Deutsch "Schule der Dinge", versteht Kunst nicht als Ausdruck individueller Kreativität oder emotionaler Befindlichkeit, sondern als ein Wechselverhältnis von Materialien, Raum und Wahrnehmung. Lee Ufan bringt in seiner Arbeit Philosophie, Poesie und Stille in ein subtiles Gleichgewicht. Seine Werke zeigen eine tiefe Verwurzelung im östlichen Denken, insbesondere im Zen-Buddhismus und Daoismus. Sie stellen eine radikale Herausforderung an das westliche Verständnis von Kunst als Schöpfung.
In seinem Schaffen verzichtet Lee Ufan weitgehend auf traditionelle Vorstellungen von Komposition, Inszenierung und künstlerischer Handschrift. Stattdessen legt er Wert auf die Begegnung zwischen Materialien – etwa Papier, Leinwand, Eisen, Stein oder Glas – und deren räumliche Wirkung. Das Werk entsteht im Dialog, nicht im Diktat. Materie wird nicht geformt, sondern positioniert. So entsteht eine poetische Spannung zwischen Präsenz und Leere, zwischen Aktion und Zurückhaltung.
Ein zentrales Kapitel in seinem Werk bilden die Leinwandarbeiten, insbesondere die Serien "From Line" und "From Point", die in den 1970er-Jahren entstehen. In diesen Serien experimentiert Lee Ufan mit rhythmisch gesetzten Pinselstrichen, die jeweils mit einem einzigen, immer schwächer werdenden Zug auf die Leinwand aufgetragen werden. Die Zwischenräume, das Nicht-Gemalte, gewinnen ebenso an Bedeutung wie die sichtbare Spur. In späteren Arbeiten wie der Serie "Correspondence" steigert sich diese Haltung: Wenige Pinselspuren auf monochromen Leinwänden zeigen ein Maximum an Reduktion, ein Minimum an Intervention und öffnen dadurch den Raum für kontemplative Erfahrung.
Ein besonders eindrucksvolles sowie seltenes Objekt, das Lee Ufans Konzept der Präsenz und Leere im Raum beispielhaft verkörpert, ist unser vorliegendes Werk. Es besteht aus einer grossformatigen weissen Leinwand und einem einzelnen runden Stein, der in geringem Abstand davor am Boden liegt. Die Leinwand ist vollkommen weiss bemalt, rein und still. Ein weisser Bildraum, der nicht als Fläche, sondern als geistiger Resonanzraum fungiert. Der Stein, unbearbeitet und schwer, liegt scheinbar beiläufig, aber mit grosser Bedachtsamkeit positioniert im Raum. Dieses Arrangement lässt sich als eine Art stilles Gespräch zwischen Natur und Geist, zwischen Objekt und Wahrnehmung deuten. Es stellt keine Szene dar, sondern eröffnet einen Zustand. Die weisse Fläche fordert keine Interpretation, sondern bietet eine Öffnung. Der Stein ist nicht Symbol, sondern steht wie eine Tatsache da. Ein Element der Welt, das mit dem Raum, dem Licht und der Gegenwart der Betrachtenden interagiert. Die Spannung zwischen der flachen, leeren Wand und dem materiellen Volumen des Steins erzeugt ein intensives Gefühl von Gegenwärtigkeit.
Lee Ufan schafft mit minimalen Mitteln ein Werk, das nicht nur gesehen, sondern erlebt werden will. In Stille, mit Aufmerksamkeit und Respekt vor dem, was ist.
In seinem Schaffen verzichtet Lee Ufan weitgehend auf traditionelle Vorstellungen von Komposition, Inszenierung und künstlerischer Handschrift. Stattdessen legt er Wert auf die Begegnung zwischen Materialien – etwa Papier, Leinwand, Eisen, Stein oder Glas – und deren räumliche Wirkung. Das Werk entsteht im Dialog, nicht im Diktat. Materie wird nicht geformt, sondern positioniert. So entsteht eine poetische Spannung zwischen Präsenz und Leere, zwischen Aktion und Zurückhaltung.
Ein zentrales Kapitel in seinem Werk bilden die Leinwandarbeiten, insbesondere die Serien "From Line" und "From Point", die in den 1970er-Jahren entstehen. In diesen Serien experimentiert Lee Ufan mit rhythmisch gesetzten Pinselstrichen, die jeweils mit einem einzigen, immer schwächer werdenden Zug auf die Leinwand aufgetragen werden. Die Zwischenräume, das Nicht-Gemalte, gewinnen ebenso an Bedeutung wie die sichtbare Spur. In späteren Arbeiten wie der Serie "Correspondence" steigert sich diese Haltung: Wenige Pinselspuren auf monochromen Leinwänden zeigen ein Maximum an Reduktion, ein Minimum an Intervention und öffnen dadurch den Raum für kontemplative Erfahrung.
Ein besonders eindrucksvolles sowie seltenes Objekt, das Lee Ufans Konzept der Präsenz und Leere im Raum beispielhaft verkörpert, ist unser vorliegendes Werk. Es besteht aus einer grossformatigen weissen Leinwand und einem einzelnen runden Stein, der in geringem Abstand davor am Boden liegt. Die Leinwand ist vollkommen weiss bemalt, rein und still. Ein weisser Bildraum, der nicht als Fläche, sondern als geistiger Resonanzraum fungiert. Der Stein, unbearbeitet und schwer, liegt scheinbar beiläufig, aber mit grosser Bedachtsamkeit positioniert im Raum. Dieses Arrangement lässt sich als eine Art stilles Gespräch zwischen Natur und Geist, zwischen Objekt und Wahrnehmung deuten. Es stellt keine Szene dar, sondern eröffnet einen Zustand. Die weisse Fläche fordert keine Interpretation, sondern bietet eine Öffnung. Der Stein ist nicht Symbol, sondern steht wie eine Tatsache da. Ein Element der Welt, das mit dem Raum, dem Licht und der Gegenwart der Betrachtenden interagiert. Die Spannung zwischen der flachen, leeren Wand und dem materiellen Volumen des Steins erzeugt ein intensives Gefühl von Gegenwärtigkeit.
Lee Ufan schafft mit minimalen Mitteln ein Werk, das nicht nur gesehen, sondern erlebt werden will. In Stille, mit Aufmerksamkeit und Respekt vor dem, was ist.
CHF 40 000 / 70 000 | (€ 41 240 / 72 160)
Verkauft für CHF 181 250 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.