Klasse Prof. Wermers/Karstiess /Prangenberg

bis 13. Dezember 2019

In der dritten Ausstellung der Reihe KollerNOW werden Studenten aus der Bildhauerklasse von Prof. Nicole Wermers sowie Absolventen von Prof. Karstiess und Prof. Prangenberg vertreten sein: Sonja Allgaier, Thomas Breitenfeld, Daniel Huss und Keiyona Stumpf. In den unterschiedlichen Materialien – Holz, Bronze, Keramik, Glas, Fotografie – zeigt sich das kreative Potential der Bildhauerklasse. Hier dominiert der haptische Reiz in gleichem Maße wie der raumgreifende Aspekt. Das virtuose Ringen um natürlich und künstlerisch Geschaffenes spiegelt sich in allen Arbeiten wieder.

Sonja Allgaiers (*1978) Arbeiten bezaubern den Betrachter auf den ersten Blick durch das Wechselspiel zwischen dem sakral anmutenden Goldgrund und der blanken Realität der Fotografie. Dabei stellt ihre installative Präsentation eine aufmerksame Untersuchung unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit und den dahinter liegenden Strukturen dar. Wie äußert sich Wandel, die Machtverhältnisse, der Wahrheitsanspruch in unserer Gesellschaft?  

Thomas Breitenfeld (*1983) vorrangiges Material ist das Holz, welches den transformatorischen Prozess seiner Arbeitsweise sichtbar werden lässt. Die amorphen Formen der Holzskulpturen, die dynamisch aus der Wand oder dem Boden erwachsen, entstehen im Einklang mit dem Material.  Breitenfeld testet immer wieder die Grenzen des Material und dessen Beschaffenheit als Impulsgeber für den kreativen Prozess. Auch seine Bronzearbeiten faszinieren durch die sichtbaren, materialimmanenten Eigenheiten und das dem Schaffensprozess innewohnende Zufallselement.

Der Künstler und Musiker Daniel Huss (*1986) lässt seine charismatischen Figuren aus verschiedenen Elementen entstehen, lässt sie wachsen und sich entwickeln, wobei der kontrollierte Zufall eine große Rolle spielt. Gips, Holz oder Glas dienen dabei als strukturgebende Körper, wobei die rohe Materialität oft einen spannungsreichen Gegenpol zur cartoonhaften Form und poppigen Glasur bildet.

Keiyona Stumpfs (*1982) Skulpturen und Reliefs faszinieren durch ein gestalterisches Spiel von großer Komplexität. In ihrer Formensprache greift sie die wuchernde, organische Lebendigkeit der Natur auf und fängt sie in einem ornamentalen Netz aus fließenden Übergängen, glänzenden Lasuren und verschachtelten Zwischenräumen ein. Aus ihren Werken in Porzellan, Keramik und Glas erwachsen assoziative Erinnerungen an organische Formen, Mikrostukturen oder Fabelwesen. Natur und Kultur ringen um die Vorherrschaft im Raum, wobei dieser unentschiedene, dynamische Zweikampf den Betrachter stets involviert.

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KOLLERview erscheint viermal jährlich,

die nächste Ausgabe folgt im Dezember 2019

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde unseres Hauses

Im Jahr 1990 begann ich als 23jähriger Jüngling in unserem Auktionshaus zu arbeiten, das mein Vater 1958 aus dem Nichts gegründet und aufgebaut hatte. Das Vertrauen, das mein Vater mir bereits in diesen frühen Jahren entgegenbrachte, und die Freiheit, die er mir bei der Umsetzung neuer Ideen von Anfang an gewährte, waren bestimmend für unsere ganze zukünftige Zusammenarbeit. Offenheit der älteren Generation gegenüber der jüngeren und Respekt der Jungen gegenüber den Erfahrungen der Älteren – das war die auf den Punkt gebrachte Zauberformel für das weitere erfolgreiche Gedeihen unseres Auktionshauses in den folgenden Jahrzehnten. Für alle diese Jahre bin ich zutiefst dankbar!

Das Leben meines Vaters, das am 21. Juni 2019 zu Ende ging, war bis zum letzten Tag aufs Engste verwoben mit seiner Galerie Koller. Sein grösstes Interesse galt bis zum Schluss unserem Auktionshaus. Und so hätte er mir an dieser Stelle mit Sicherheit geraten, nach gebührender Danksagung auf die Höhepunkte unserer kommenden Auktionen hinzuweisen.

Die Hauptwerke unserer Altmeister-Auktion sind zwei zur gleichen Zeit entstandene, in ihrer Auffassung aber diametral verschiedene Tafeln. Das eine entstand in Florenz, das andere in Mechelen. Die Toskana und Flandern, zwei der im 15. und 16. Jahrhundert wirtschaftlich und kulturell führenden Regionen, standen in regem Kontakt und Austausch miteinander. Und dennoch sehen wir im «Narrenbildnis» des Meisters von 1537 und in der «Madonna» von Pier Francesco di Jacopo Foschi zwei Ideenwelten aufeinanderprallen. Von natürlich realistischer, der Welt zugewandter, den Betrachter regelrecht herausfordernden Art das eine – in idealisierend subtiler Komposition und Farbgebung gestalteter Manier, dem Himmlischen dienend, das andere.

Die Faszination für mechanische Perfektion und Zurschaustellung moderner Technik im 18. und 19. Jahrhundert dokumentieren einerseits eine in Paris um 1780 entstandene Skelettpendule und andererseits zwei maschinell in Seide gewobene Bücher. Deren Herstellung wurde 1878, also rund hundert Jahre nach der Produktion der genannten Skelettpendule, mit Hilfe von Tausenden von Lochkarten automatisiert. Die Programmierung von Jacquard-Webstühlen für die Herstellung detailreicher Bücher war bahnbrechend, entspricht doch ihr hochkomplexer Binärcode einem der Grundprinzipien des späteren Computers.

Mehrere italienische Tafelbilder aus dem 14. und 15. Jahrhundert und viele weitere, über sämtliche Fachgebiete verteilte Objekte stammen aus einer erlesenen Tessiner Sammlung, die ein italienischer Connaisseur während vieler Jahre liebevoll und kenntnisreich zusammengetragen hat.

Schliesslich stellen wir auch in dieser Ausgabe von KOLLERview einige Objekte und Kunstwerke vor, die wir in den letzten Monaten erfolgreich versteigern konnten.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine informative Lektüre.

Ihr Cyril Koller


MEISTER VON 1537 / FRANS VERBEECK (?)
Bildnis eines Narren. Um 1550.
Öl auf Holz.
33,9 × 24,6 cm.
Schätzung: CHF 500 000 / 700 000

Narren sagen, was Kluge denken

Vorschau auf die Auktion für Gemälde Alter Meister vom 27. September 2019

Der Narr begegnet uns als symbolträchtige Figur immer wieder in der Literatur sowie in den bildenden und darstellenden Künsten, so auch in der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Damals lieferten etwa Quentin Massys (1466–1530) oder Lucas van Leyden (1494–1533) herausragende Beispiele für dieses Sujet. Eng verwandt zeigt sich ein kolorierter Einblatt-Farbholzschnitt von Heinrich Vogtherr d. J., um 1540 (siehe Abb. unten). Der für seine sprichwörtlichen Freiheiten bekannte Hofnarr ist unter den Dargestellten die wohl ikonischste Figur, doch zeigt sich gerade in ihm der ambivalente Charakter seiner Rolle am ausgeprägtesten: Zwar hatte der Narr bei Hofe durch seine Nähe zur Macht ein vergleichsweise gutes Auskommen, fiel er jedoch in Ungnade, war die schöne Zeit vorbei, ihm drohte gar der Tod. Das Leben des Hofnarren war also immer eine riskante Gratwanderung, ein fortwährendes Vabanquespiel zwischen der Leichtigkeit des Seins und dem Absturz.



© akg-images

Das in der Altmeisterauktion vom 27. September 2019 angebotene Narrenbildnis befand sich seit 2010 als Leihgabe im Musée départemental de Flandre in Cassel. Auf ihm sind etablierte Attribute des Narren unschwer wiederzuerkennen: das gelbrote Kostüm sowie die Narrenkappe mit Eselsohren und Hahnenkamm. Der Narrenstock rechts erinnert an ‹Marotten› genannte Stabpuppen. Hier zeigt der Stabkopf das Konterfei seines Trägers, womit auf dessen Selbstverliebtheit, womöglich auch die Gottlosigkeit der Narren angespielt werden sollte. Die Darstellung vor einem schwarzen Hintergrund und der Verzicht auf einen Bildkontext konzentriert die Komposition – und damit den Blick des Betrachters – auf Mimik und Habitus des Narren. In dieser Porträtform stellt die dargebotene Arbeit eine Rarität im 16. Jahrhundert dar. Zur Entschlüsselung seiner eigenwilligen Geste gelangt man unweigerlich auf eine im Niederländischen bis heute gebräuchliche Redewendung: «iets door de vingers zien». «Etwas durch die Finger sehen» steht für den Wunsch, die Augen vor etwas zu verschliessen, etwas zu erdulden, grosszügig zu sein. Offenbar verweist der Künstler darauf, dass man anderen – und damit auch den Narren – Fehler nachsehen sollte. Die Brille gilt für gewöhnlich als Zeichen der Gelehrsamkeit. Hier steht sie vermutlich für Blendung und Betrug, denn Augengläser, wie die hier gezeigte hölzerne Bügelbrille, herzustellen, war eine technische Herausforderung. Da die Brillen nicht überall von gleichwertiger Qualität waren, galten ihre Verkäufer mitunter als Scharlatane.

Das eindrucksvolle Narrenbildnis wurde dem ‹Meister von 1537› zugeschrieben, der – zwischen 1520 und 1570 in Mechelen tätig – seinen Notnamen aufgrund einer so datierten Tafel erhielt, die die Heilige Familie darstellt. Jüngste kunsthistorische Untersuchungen legen nahe, dass es sich beim Meister von 1537 um Frans Verbeeck (vor 1530 – um 1570) handeln könnte. Auf Basis einer dendrochronologischen Untersuchung der Holztafel kann das vorliegende Gemälde auf eine Entstehungszeit nach 1548 datiert werden, die intensivste Schaffensphase Verbeecks. Verwandt sind dessen Arbeiten mit jenen von Jan Sanders van Hemessen (1500–1566) und Pieter Coeck van Aelst (1502–1550), wobei Verbeeck einen eigenen Stil entwickelte, der sich durch exaltierte Gesichtszüge, übersteigerte Posen und einzigartige Bildkompositionen auszeichnet. Seine Sujets enthalten oft satirische Charakteristiken. Chronologisch und stilistisch stellen Verbeecks Malereien eine Verbindung zwischen den Werken von Hieronymus Bosch (um 1450–1516) und Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525/30–1569) her. Auch in diesem Kontext ist das vorliegende Narrenbildnis ein exzellentes Beispiel für die hochstehende flämische Porträtmalerei des 16. Jahrhunderts.



BALTHASAR VAN DER AST
Stillleben mit Früchten in einem Flechtkorb.
Öl auf Holz.
29,7 × 52,3 cm.
Schätzung: CHF 180 000 / 280 000

Johannes – Lieblingsjünger, Hoffnungsträger und Stadtpatron

Vorschau auf die Auktion für Gemälde Alter Meister vom 27. September 2019

Innig nah beieinander und vom Künstler gekonnt im Bildraum verschränkt – so zeigen sich Maria mit dem Kind und der Johannesknabe auf einem grossformatigen Gemälde, das als eines der Hauptwerke von Pier Francesco di Jacopo Foschi (1502–1567) bezeichnet werden kann. Foschi, dessen Vater ein Schüler Botticellis war, zählte bereits zu Lebzeiten zu den gefragten und erfolgreichen Künstlern seiner Zeit, blieb hingegen der späteren kunsthistorischen Forschung weitgehend unbekannt. Erst 1953 wurde sein bedeutsames Werk vom renommierten italienischen Kunsthistoriker Roberto Longhi wiederentdeckt. Heute gilt Foschi als einer der führenden florentinischen Maler des 16. Jahrhunderts. Das qualitätsvolle und sehr gut erhaltene Werk ist in jene Schaffensphase zwischen 1530 und 1540 zu datieren, in der der Künstler insbesondere mit und unter Jacopo da Pontormo (1494–1557) arbeitete. Während Foschis künstlerischer Stil in seinen frühen Werken massgeblich von der Malweise seines Lehrmeisters Andrea del Sarto (1486–1530) geprägt war, gibt er in dieser Zeit die deskriptiv-narrativen Elemente zugunsten einer Betonung des Mystisch-Religiösen auf. Stilistisch dem Manierismus verpflichtet, erscheint der Bildraum durch die ineinandergreifende Anordnung der Figuren dicht komprimiert. Die wohlrhythmisierte Komposition der Blicke, Hände und geschwungenen Körper verleiht dem Motiv eine lebhafte Dynamik. Abgerundet wird die meisterhafte Darstellung durch den gezielten Einsatz von Farben und das äusserst zart gehaltene Inkarnat der Figuren. Vergleichbare Darstellungen zählten bereits im 15. Jahrhundert beim Florentiner Bürgertum und Adel zu den beliebten Andachtsmotiven, insbesondere weil Johannes der Täufer, hier neben dem Christuskind als Junge dargestellt, schon damals Stadtpatron von Florenz war und es bis heute geblieben ist.



THEOBALD MICHAU
Belebte Dorfszene vor weiter Landschaft.
Öl auf Holz.
42 × 62 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

MÄRKISCHE SCHULE, 1. HÄLFTE DES 15. JAHRHUNDERTS
Kreuzigungsszene.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
42 × 30,2 cm.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

Das Leiden Christi am Kreuz zählt zu den zentralen Sujets christlicher Kunst. Auf dieser aus der Epoche der Hochgotik stammenden, bisher nie veröffentlichten Bildtafel ist jener Moment festgehalten, in dem Christus kurz vor seinem Tod Maria seinen Lieblingsjünger Johannes als Sohn anempfiehlt – Weib, siehe hier: Dein Sohn und Du, sieh hier Deine Mutter. Diese Episode inszeniert der Künstler subtil: Die Muttergottes nimmt den knienden Johannes bei der Hand und hüllt ihren Mantel schützend um ihn. Hinter beiden sieht man, gleichsam als Zeuge dieses hochemotionalen Geschehens, den Heiligen Franziskus von Assisi der das Kreuz berührt. Auffallend dekorativ und nobilitierend sind der reiche Goldgrund des Himmels mit seinen eingeritzten Pflanzenranken und das faszinierend geführte Licht auf den vier Figuren, ihren Kleidern und der dunkel gehaltenen Felsenlandschaft. Die Tafel kleinen Formats aus dem frühen 15. Jahrhundert ist vermutlich in den Marken nahe Fabriano oder San Severino entstanden. «In diesen Regionen bildete sich im 15. Jahrhundert eine Bildwelt, welche den verspielten hochgotischen Stil Norditaliens, der Lombardei, der Visconti und des Veneto einerseits und die Eleganz der klassischen, plastischeren Formenwelt der Toskana andererseits zur Synthese verband» (Zitat: Prof. Dr. Gaudenz Freuler).

PIER FRANCESCO DI JACOPO FOSCHI
Madonna mit Kind und dem Johannesknaben.
Öl auf Holz.
109 × 85 cm.
Schätzung: CHF 400 000 / 600 000



SEIDENBUCH -
Lamartine, Alphonse de.
Les Laboureurs, poème tiré de Jocelyn reproduit en caractères tissés avec
license des propriétaires éditeurs, en souvenier de l'exposition de Paris 1878.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000

Vorläufer der Computertechnik

Vorschau auf die Auktion für Bücher vom 24. September 2019

Was haben die amerikanische Freiheitsstatue, die Braille-Blindenschrift, das Telefon und das elektrische Licht gemeinsam? Sie alle zählten im Jahr 1878 zu den Exponaten der 3. Weltausstellung in Paris, deren Fokus auf «Neue Technologien» gerichtet war. Neben den genannten prominenten Ausstellungsstücken gab es eine ausgesprochen exotisch anmutende Innovation zu sehen, die mit enormem technischem Aufwand umgesetzt wurde: Ein ganzes Buch sollte vollständig aus Seide hergestellt werden. Geistiger Vater und Realisator dieses visionären Projekts war der Lyoner Seidenfabrikant Joseph-Alphonse Henry (1836–1913). Es ist nicht bekannt, wie viel Zeit und fruchtlose Versuche Henry und sein Atelier unternommen haben, um an ihr Ziel zu gelangen. Fest steht: Die Herstellungskosten müssen exorbitant gewesen sein und liessen sich wohl nur durch den aussergewöhnlichen Werbeeffekt rechtfertigen, den die Pariser Weltausstellung versprach.



SEIDENBUCH -
Buchseite aus dem Livre de Prières.
Tissé sur soie d’après les enluminures
des manuscrits du XIVe au XVIe siècle.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

SEIDENBUCH -
Livre de Prières.
Tissé sur soie d’après les enluminures
des manuscrits du XIVe au XVIe siècle.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

Dieses allererste programmiert produzierte Textilbuch wurde auf einem Jacquard-Webstuhl hergestellt. Joseph-Marie Jacquard (1752–1834) entwickelte die Idee für seine Erfindung bereits 1790. Er experimentierte mit Lochkarten, um das Weben weitgehend zu automatisieren. Bis 1801 perfektionierte der Erfinder die Prozesse und konnte mit Hilfe von Tausenden Lochkarten komplexe Endlosmuster herstellen. Auf diese Weise schuf Jacquard einen Vorläufer moderner Computerprogramme.

Die gewobenen Exemplare mit Alphonse de Lamartines Gedicht ‹Les Laboureurs› waren nicht für den Handel bestimmt. Heute sind nur drei Exemplare aus dem Jahr 1878 bekannt: Das Exemplar der Bibliothèque Nationale de Paris sowie jenes des Musées des Tissus in Lyon kommen dem von uns angebotenen Exemplar – dem veritablen Prototyp («Exemplaire No1») – am nächsten, weisen jedoch keine Nummerierung auf. Ein weiteres, besonders reich verziertes Exemplar wurde später vom Comte de Paris, Philippe d’Orléans, bestellt, unter der Bedingung, dass keine weitere Kopie produziert wird. Dieses Exemplar wird im Musée Louis-Philippe du château d'Eu aufbewahrt. Gleichwohl ist ein weiteres Exemplar bekannt, das jedoch einen abgeänderten Titel trägt – mit reicher Bordüre, neuer Adresse der Atéliers J. A. Henry und mit dem eingewobenem Datum 1883.

Auf den Zehntelmillimeter genau

In unserer Auktion vom 24. September 2019 kommt icht nur das einzige in privater Hand befindliche Stück der Ur-Exemplare unter den Hammer, sondern auch der perfektionierte zweite Versuch, ein Buch zu weben: Livre de Prières. Tissé d’après les Enluminures des Manuscrits du XIVe au XVIe Siècle, Lyon 1886/87. Es wurde ebenfalls von Joseph-Alphonse Henry hergestellt und ist von bestechender Qualität; die Detailgenauigkeit dieses Buches sucht ihresgleichen. Mehr als fünfzig Versuche in einem Zeitraum von über zwei Jahren waren notwendig, um zum Erfolg zu gelangen. Die Seiten sind mit aufwendigen Bordüren ausgestattet. Der ausgezeichnet lesbare Text wird von vier Miniaturen, drei davon ganzseitig, künstlerisch gesteigert. Um die Produktion der seidenen Buchseiten zu kodieren, waren vermutlich 300’000 bis 400’000 Lochkarten nötig. Zum präzisen Weben von 400 Schussfäden pro Quadratzoll für Typografie und Abbildungen mussten Maschinenbewegungen von nicht mehr als einem Zehntelmillimeter realisiert werden! Da die Seiten nur mit einer Schauseite gewoben werden können, wurden Vorder- und Rückseiten separat gewoben, der anschliessende Prozess zum Verkleben war sehr fehleranfällig. Das Stundenbuch ‹Livre de Prières› wurde 1889 auf der Weltausstellung in Paris präsentiert.

Es sind weltweit keine weiteren Experimente in dieser aussergewöhnlichen Technik bekannt. Dass nun diese beiden überragenden technologische Meisterwerke in einer Auktion angeboten werden können, ist ein Glücksfall für Sammler, Institutionen und Museen. Neben diesem singulären Buchpaar werden zwei handschriftlich verfasste Bücher über Seidenweberei von 1855 und 1880 versteigert.



HENRI ADOLPHE SCHAEP
Nächtliche Arbeit in den Docks. 1856.
Öl auf Leinwand.
47,7 × 69 cm.
Schätzung: CHF 15 000 / 20 000

In Licht getaucht

Vorschau auf die Auktion für Gemälde des 19. Jahrhunderts vom 27. September 2019

Nachdem bereits im März mehrere Kunstwerke aus der renommierten Sammlung von Jef Rademakers bei Koller zur Versteigerung kamen, folgt nun der zweite Teil mit Werken der niederländischen und belgischen Romantik des 19. Jahrhunderts, darunter auch ‹Dorf am Fluss im Mondschein› von Theodorus Jacobus Abels (1803–1866). Mit derartigen nächtlichen Flusslandschaften, die vor allem im Spätwerk zu seinem charakteristischen Merkmal wurden, wetteiferte Abels mit den grossen Vorbildern aus dem 17. Jahrhundert, etwa jenen seines Landsmannes Aert van der Neer (1603–1677).



JEAN-BAPTISTE-CAMILLE COROT
Naples – le Mont Saint-Elme et partie de la ville. 1828.
Öl auf Papier auf Holz.
20,6 × 40,4 cm.
Schätzung: CHF 70 000 / 90 000

THEODORUS JACOBUS ABELS
Dorf am Fluss im Mondschein.
Öl auf Holz.
74,3 × 95,7 cm.
Schätzung: CHF 12 000 / 18 000

Abels Mondscheinbilder finden sich in den königlichen Sammlungen der Niederlande und Belgiens.

Abels Zeitgenosse Henri Adolphe Schaep (1826–1870) erlangte als Marinemaler grosse Bekanntheit. Daneben begeisterte er sich für in dramatisches Mondlicht getauchte Flusslandschaften, wie sein Gemälde ‹Nächtliche Arbeit in den Docks› belegt. Eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen war die von grossen Schonern befahrene Schelde zwischen Antwerpen und der Mündung in die Nordsee.

Zur September-Auktion steuert Jean-Baptiste Camille Corot (1796–1875) eine lichtdurchflutete und in Pastelltönen gehaltene Aussicht über Neapel mit Blick zum Mont Saint-Elme bei. Der Künstler sammelte 1825 bis 1828 erste Eindrücke in Italien, als er Rom und die Campagna sowie Neapel besuchte. Das vorliegende Gemälde ist eine frühe Freilichtmalerei des gebürtigen Parisers, der als einer der Wegbereiter des Impressionismus gilt. Mit besonderem Augenmerk auf die Erfassung von Licht und Atmosphäre schuf Corot bereits in seinem Frühwerk die Grundlagen für ein neues künstlerisches Verständnis der Landschaftsmalerei seiner Zeit. Seine frühen, en plein air erstellten Ölskizzen und Gemälde leben von leuchtenden Farben und flüssigem Duktus und wirkten auf die nachfolgende Künstlergeneration mit grossem Nachdruck. Die hier angebotene, vielfach ausgestellte Landschaft bei Neapel von 1828 zählte einst zur Sammlung des einflussreichen Pariser Kunsthändlers und Galeristen Paul Durand-Ruel.

Einen exklusiven Einblick in das Leben der Mönche bietet Eduard Grützners «Heimliche Studie» von 1892, die drei Geistliche beim Studium in einer Klosterbibliothek zeigt. Mit grösster Detailvielfalt ausgeführt, ist diese charakteristische Arbeit Teil einer Werkgruppe, die unter dem Titel «Mönche oder Priester bei der Lektüre und anderer Freizeitgestaltung» erschien. Der Künstler – 1886 zum Professor der Münchner Akademie ernannt und 1916 in den Adelsstand gehoben – zählt neben Carl Spitzweg (1808–1885) und Franz von Defregger (1835–1921) zu den bedeutendsten Münchner Genremalern in der Gründerzeit.

PEDUARD GRÜTZNER
Heimliche Studie. 1892.
Öl auf Leinwand.
79,5 × 60,5 cm.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000



SELTENE UND SCHÖNE PRÄZISIONS-SKELETTPENDULE
MIT DATUM, WOCHENTAG, STERNZEICHEN UND SEKUNDE
Louis XVI/Directoire, Paris Ende 18. Jh.
42 x 20 x 62 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 50 000

Technische Eleganz

Vorschau auf die Auktion für Möbel, Skulpturen, Silber und Porzellan vom 26. September 2019

Skelettpendulen vereinen in sich zwei ganz verschiedene Metiers: das der Uhrmacherkunst und das der Produktgestaltung. Im ausgehenden 18. Jahrhundert steckte die Industrielle Revolution zwar noch in ihren Kinderschuhen, doch das Interesse an faszinierender Technik wuchs rasant. Die in jener Zeit aufwändig von Hand produzierten Pendulen, wie die nun zur Auktion angebotene französischen Skelettpendule, zeigen sich weniger als raumschmückende Accessoires in aufwändig gestalteten Gehäusen wie in früheren Epochen, sondern als selbstbewusst zur Schau gestellte technische Meisterwerke. Stolz präsentierten die Manufakturen das raffinierte mechanische Zusammenspiel in den hochfeinen und präzisen gearbeiteten Uhrwerken. Das Zifferblatt war keine grosse weisse Email-Scheibe mehr, sondern auf einen Ring reduziert – damit blieb das Zentrum der Front offen und gab den Blick frei auf das bewegte Innenleben. Die meisten der wertvollen Skelettuhren dieser Zeit, so auch die hier angebotene, zeichnen sich durch eine sehr exakte Gangart aus. Eine Besonderheit dieser in Paris gefertigten Pendule ist ein Kompensationspendel, das durch Temperaturunterschiede bedingte Gangdifferenzen ausgleichen kann.



DIE VIER ERDTEILE
Meissen. Modelle J.F. Eberlein.
Um 1746 / 1763.
H 25 / 30 cm.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

PAAR BEDEUTENDE ROKOKOAPPLIKEN
Deutschland, Franken um 1765.
Holz geschnitzt und polychrom gefasst.
H 58,5 cm.
Schätzung: CHF 20 000 / 30 000

Ein Paar prachtvoller Leuchterappliken im Stil des Rokoko kann auf eine spannende Provenienz verweisen: Sechs dieser fränkischen Appliken aus der Zeit um 1765 vermittelte der renommierte Münchner Kunsthändler Karl Fischer-Böhler dem US-amerikanischen Sammlerehepaar Shaefer, das sie dem Metropolitan Museum in New York schenkte, wo sie heute ausgestellt sind. Zwei weitere Exemplare aus dieser Folge, die Fischer-Böhler für sich selbst behielt, werden nun in Zürich zur Versteigerung ausgerufen. Die beiden naturalistischen Appliken erinnern in der Feinheit ihres polychrom gefassten Schnitzwerks, aber auch in der Einzigartigkeit ihres Entwurfes an die bedeutenden, zeitgleich entstandenen Sitz- und Ziermöbel aus dem Schloss Seehof, ehemals im Besitz des Fürstbischofs von Würzburg, Adam Friedrich von Seinsheim (1708–1779). Vermutlich zählten die Leuchterappliken ebenfalls zum dortigen Interieur, das heute – ebenfalls als Schenkung der Shaefer Collection – dem Met gehört.

Frühe Beispiele aus der berühmten Meissener Manufaktur mit der Schwertermarke zählen zu den gefragtesten Stücken auf dem Markt für historisches Porzellan. Die nun angebotenen grossen Allegorien der vier Kontinente Europa, Amerika, Asien und Afrika aus der Zeit von 1745 bis 1763, gehen zurück auf Modelle, die 1745 von der russischen Zarin Elisabeth Petrowna in Auftrag gegeben wurden. Die Vorlagen für die personifizierten Darstellungen lieferte der erfahrene Porzellanmodelleur Johann Friedrich Eberlein (1695–1749). Bereits 1741 hatte Elisabeth I. umfangreiche Meissener Lieferungen vom Sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. erhalten und bestellte in den Folgejahren noch weiteres «Weisses Gold» aus der ‹Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur›, das sich heute im Besitz der Petersburger Ermitage befindet. Damit setzte sich gut etablierte Familienbande fort: Schon beide Väter – Zar Peter der Grosse und August der Starke, Kurfürst von Sachsen und nach eigenem Bekunden von der maladie de porcelaine befallen – hatten die gute Beziehung zwischen beiden Ländern gepflegt, wozu auch der Austausch diplomatischer Geschenke zählte.

RGROSSE KOMMODE "À LA GRECQUE"
Transition, Paris um 1765/70.
Signiert S. OEBEN.
Amarant und Tulpenholz eingelegt
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000



01 1 PAAR FLASCHENHALTER
Mailand 20. Jh. Meistermarke Buccellati.
In Form von Schwänen. Mit herausnehmbarem Einsatz für Flaschen.
H 28,5 bzw. 34 cm. Zus. 2960 g.
Schätzung: CHF 4 000 / 8 000

PreView

01 Das Mailänder Traditionshaus Bucellatti feiert 2019 sein einhundertjähriges Bestehen. Einer der prominenten Kunden war der Schriftsteller Gabriele D´Annunzio.



02 PETER BINOIT
Glasvase mit Blumenstrauss, Maikäfer, Schnecke und anderen kleinen Insekten.
Öl auf Holz.
33,8 × 24 cm.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000

03 ALBRECHT DÜRER
Die apokalyptischen Reiter, um 1497/98.
Holzschnitt auf Bütten.
39 x 27,5 cm. Gerahmt.
Schätzung: CHF 15 000 / 20 000

04 ORIENT -
David Roberts. Egypt & Nubia.
From Drawings made on the spot by David Roberts, R.A. 2 Teile in 3 Bänden.
London, F. G. Moon, 1846–1849.
Schätzung: CHF 25 000 / 40 000

02 Das Blumenbouquet des deutschen Malers zeigt sich zeittypisch vor dunklem Hintergrund und in beinahe fotorealistischer Manier.

03 Dürers 16 Motive umfassende «Apokalypse» sind ein Höhepunkt der europäischen Druckgrafik, die Darstellung der apokalyptischen Reiter gehört zu bekanntesten Holzschnitten überhaupt.

04 Die enzyklopädischen Darstellungen von Gebäuden und Monumenten fertigte David Roberts während seiner Nilreisen 1838 und Aufenthalten in Kairo und Alexandria 1839.

05 Das IJ war Amsterdams direkte Verbindung zum Meer. Neben Winterbildern waren dramatisch in Abendlicht getauchte Himmel Leickerts Markenzeichen.

06 De Noters Gemälde gibt nicht nur Einblick in das Alltagsleben im 19. Jahrhunderts, er verbindet die Genreszene zugleich mit Details, die das Werk mit kleinen Stillleben bereichern.

05 CHARLES HENRI JOSEPH LEICKERT
Das IJ mit Amsterdam in der Ferne.
Öl auf Holz.
30 × 40,8 cm.
Schätzung: CHF 25 000 / 35 000

06 DAVID EMIL JOSEPH DE NOTER
Kücheninterieur. 1845.
Öl auf Holz.
76,5 × 58 cm.
Schätzung: CHF 20 000 / 30 000


07 JOHANN RUDOLF BYS
Gegenstücke: Grosse exotische Seeschnecke mit Blumen und Fink /
Grosse Jakobsmuschel mit Blumen und Stieglitz. 1694.
Öl auf Leinwand. Je 44,5 × 35 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 100 000

07 Der Schweizer Bys malte unter anderem im Auftrag des Kaisers Leopold I. aus dem Hause Habsburg und für den Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn. Die Pendanthängung von Gegenstücken war in vielen privaten Sammlungen beliebt, so vermutlich auch für diese beiden Muschelstillleben.



08 NICCOLÒ DA VOLTRI (UMKREIS)
Madonna mit Kind mit den Heiligen Petrus, Paulus, Johannes d. Täufer und Antonius Abbas.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
46,4 × 33,4 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 50 000

09 SELTENE TAPISSERIE "TOBIAS MIT DEM FISCH"
Brüssel, um 1530/40.
Nach Vorbildern eines Nachfolgers von Bernard van Orley.
350 × 430 cm.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000

08 Diese kleinformatige Marienbild aus der Zeit um 1400 dürfte in Ligurien oder der Toskana entstanden sein und ursprünglich der privaten Andacht gedient haben.

09 Die Tapisserie zeigt eine Szene aus dem alttestamentarischen Buch Tobit. Tobits Sohn Tobias wird auf einer Reise vom Erzengel Raphael begleitet, der ihm hilft, seinen blinden Vater mithilfe einer Fischgalle wieder sehend zu machen.

10 Der namentlich unbekannte Meister, dessen Werke in Norditalien nachgewiesen sind, stand unter dem stilistischen Einfluss des bedeutenden Florentiner Malers Domenico Ghirlandaio. Dieses Madonnenbild brilliert durch die strenge Komposition wie auch den sublimen Duktus.

11 Seine Zeit rühmte Huysum als «Phönix der Blumen- und Fruchtmaler», weil Feinheit und Präzision seiner Gemälde unübertroffen blieben.

12 Die römischen Aristokraten schätzten den aus einfachen Verhältnissen stammenden Piancastelli als Porträtmaler wie auch als künstlerischen Berater.

10 MEISTER VON MARRADI
Madonna mit Kind umgeben von Erzengeln. Um 1500.
Tempera auf Holz.
67 × 44,5 cm.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

11 JAN VAN HUYSUM
Blumenvase in einer Nische. Um 1725-28.
Feder in Braun, schwarze Kreide, grau und braun laviert, auf leicht braunem Papier.
24,2 x 18,5 cm. Gerahmt.
Schätzung: CHF 15 000 / 20 000

12 GIOVANNI PIANCASTELLI
Gegenstücke: Emigrazione dell' Agro Romano – Partendo und Tornando.
Öl auf Holz.
59,7 × 99,8 cm / 59,1 × 99,9 cm.
Schätzung: CHF 180 000 / 250 000

PRÄCHTIGES PHÖNIX-BECKEN (2019)
China, 17./18. Jh.
H 24 cm, B 59 cm, Gewicht 22,3 kg.
Bronze mit vergoldetem Reliefdekor.
Ergebnis: CHF 4,8 Mio

4,8 Millionen für ein Weihrauchbecken

Spitzenergebnisse für asiatische Kunst

Grosser Fund im letzten Herbst! Dem Hause Koller wurde ein grosses Räucherbecken angeboten, das sich schon seit Generationen in Familienbesitz befand und dort mittlerweile als Behälter von Tennisbällen und anderem Krimskrams diente. Was die Besitzer ganz offenbar nicht ahnten: Bei dem zweckentfremdeten Gefäss handelte sich um ein bedeutendes chinesisches Weihrauchbecken, ausgeführt in der Zeit um 1700 in teilvergoldeter Bronze. Versteigert wurde dieses kapitale Exponat nun an der Asiatica-Auktion im Juni und erzielte dort den Rekordpreis von 4,8 Millionen Franken.



BUDDHA SHAKYAMUNI (2017)
Nordostindien, Pala, 8./9. Jh.
H 16,5 cm.
Bronze mit Silber- und Kupfereinlagen.
Ergebnis: CHF 1,17 Mio.

CLOISONNÉ-TELLER (2017)
China, Ming-Dynastie, 1. Hälfte 15. Jh.
D 26 cm.
Flache Rundschale mit türkisgrundigem Lotosdekor.
Ergebnis: CHF 144 000

Schon im Mai war das reich geschmückte Becken der Star der Antiquitätenmesse in Hong Kong, wo Koller es im Vorfeld der Auktion zusammen mit weiteren Highlights präsentiert hatte. An der Auktion in Zürich beteiligten sich die wichtigsten asiatischen Sammler persönlich im Auktionssaal oder via Telefon und lieferten sich einen regelrechten Bieterwettkampf um das Becken. Mehr als 30 Interessenten gaben ihre Gebote für das aussergewöhnliche Stück ab. Den Zuschlag erhielt schliesslich ein Sammler aus China, der derzeit in Bejing ein Privatmuseum einrichtet. Dabei hätte das wertvolle Stück schon in den 1960er-Jahren in einem wichtigen Museum für Ostasiatische Kunst landen können, dem die Besitzer es zum Kauf anboten. Das Museum lehnte damals dankend ab. Und auch eine Versteigerung in London in den 1970er-Jahren kam nicht zustande, weil ein dortiges Auktionshaus eine Kopie aus dem 19. Jahrhunderts vor sich wähnte. Der Transport «würde sich wohl kaum lohnen», hiess es.

Phönix und Päonien

China gilt als antike Hochburg des Bronzegusses. Hier wurde diese Technik nicht nur früh entwickelt, sondern über Jahrtausende hinweg immer weiter perfektioniert. Der für das Räucherbecken erzielte Preis von CHF 4,8 Mio. ist Rekord für ein solches Objekt, zu dem es in Bezug auf Grösse und Qualität keine vergleichbaren Stücke gibt. Seine Gestaltung ist einzigartig: Die seitlich angebrachten Köpfe zweier Phönixe, deren Schwingen in Pfingstrosen (Päonien) übergehen und das Gefäss umfassen, dienen als Henkel. Der Phönix gilt in China als Königin unter den Vögeln, die Päonie als Königin unter den Blumen. Ihre Symbolkraft durchzieht alle Sparten der chinesischen Kultur. So trägt eines der berühmtesten Opernstücke der Ming-Zeit, geschrieben von Tang Xianzu, einem Zeitgenossen von Shakespeare, den Titel «Päonien-Pavillon». Der Phönix steht zugleich für die chinesische Kaiserin, 1weshalb vermutet werden darf, dass das Becken – 60 Zentimeter im Durchmesser und 22 Kilogramm schwer – für einen kaiserlichen Palast oder Tempel geschaffen wurde. Im Fuss des Gefässes befindet sich eine Xuande-Sechszeichenmarke. Ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend, wurden solche Gefässe mit Reisasche gefüllt, in die man glimmende Räucherstäbchen steckte. China kennt seit Jahrtausenden einen ausgeprägten familiären Ahnen- und Totenkult, der seit jeher von Räucherwerk begleitet wird. Bei den damit verbundenen Zeremonien ehrte man Vorfahren und Götter, in dem man in Tempeln oder vor Hausaltären Räucherstäbchen spendete.

Der für die Weihrauchschale erzielte Preis ist der Höhepunkt in einer ganzen Reihe von Spitzenergebnissen, die Koller in jüngerer Zeit für bedeutende asiatische Kunstwerke erreichen konnte. So erzielte das Auktionshaus für eine tibetische Bronze der Gottheit Panca Raksha CHF 3,24 Mio. Eine kaiserliche Wand aus geschnitztem Holz erreichte 2017 CHF 940’000. Im gleichen Jahr konnte Koller eine Bronzeskulptur des Buddha Shakyamuni auf einem Löwenthron für CHF 1,17 Mio. verkaufen und eine kaiserlich-chinesische Bronze-Glocke wurde für CHF 1,2 Mio. in neue Hände vermittelt.

SANG DE BOEUF-VASE (MEIPING) (2018)
China, Qianlong-Marke und aus der Periode.
H 30 cm.
Vase für Pflaumenblütenzweige , überzogen mit einer dunklen Kupferglasur.
Ergebnis: CHF 102 000


01 RENÉ MAGRITTE
Les voies et moyens. 1948.
Gouache und Gold auf Papier.
40,5 × 32,8 cm.
Ergebnis: CHF 439 000

ReView

01 Mit einer an Karikaturen orientierten und von beissender Kritik durchzogenen Porträtserie provozierte Magritte 1947/48 «tout Paris».



02 PIERO DORAZIO
Mimet. 1962.
Öl auf Leinwand.
46 × 33 cm.
Schätzung: CHF 88 000

03 FERDINAND HODLER
Schreitende. Um 1910.
Öl auf Leinwand.
46,5 × 40 cm.
Ergebnis: CHF 340 000

04 MAGNUM PHOTOS
"Selection Esther Woerdehoff", 1947-2007.
Portfolio mit 15 Original-Photographien.
Blattgrösse 28 x 35,5 cm bis 40 x 50 cm (diverse Hoch- und Querformate)
Ergebnis: CHF 45 000

02 Phänomene des Lichts und der Farbe übersetzte Dorazio in energiegeladene, flirrende Kompositionen.

03 Mit Variationen symbolistisch aufgeladener Ganzfigurenbildern wie dieser tänzerisch bewegten Dame – dargestellt ist das Modell Giulia Leonardi – feierte Hodler in den Jahren um 1900 in ganz Europa grosse Erfolge. Diese Frauenfi guren wurden nicht nur zum Markenzeichen des Künstlers, sondern zu Ikonen der Schweizer Kunst der Moderne.

04 Anlässlich des 60. Geburtstags der Agentur veröff entlichte die Galer istin Woerdehoff eine Auswahl weltberühmter Magnum-Aufnahmen.

05 Mit "Abend am See mit roten Wolken“ schafft Dietrich seinen ersten Sonnenuntergang zu dem sich in den folgenden Jahren noch etwas mehr als zwanzig Bilder des gleichen Themas gesellen. Die Ausgewogenheit von Komposition und Kolorit, die Ruhe und Harmonie, welche von diesem Werk ausgehen und die sich dem Betrachter erst vor dem Original ganz erschliessen, sind umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Dietrich diese Landschaft fast gänzlich frei von Einflüssen älterer oder zeitgenössischer Kunst schuf.

06 Sisley beschreibt nicht das Drama der Natur, sondern zeigt dem Betrachter im scheinbar Gewöhnlichen das Besondere.

05 ADOLF DIETRICH
Abend am See mit roten Wolken. 1915.
Öl auf Karton.
28 × 38,5 cm.
Ergebnis: CHF 183 000

06 ALFRED SISLEY
Autour de la forêt, juin. Um 1885.
Öl auf Leinwand.
54 x 72,7 cm.
Ergebnis: CHF 800 000


07 ROBERT MANGOLD
Red with Green Ellipse / Black frame. 1988/89.
Acryl und Bleistift auf Leinwand (Diptychon).
140 x 210 cm.
Ergebnis: CHF 315 000

07 In Mangolds voluminösen Doppelbildern rücken Farbe und Material in den Raum und es entsteht über diese Ausdehnung des Bildes ins Dreidimensionale eine eigene Beziehung zum Betrachter. Der Künstler thematisiert in seinen Arbeiten den Dialog zwischen Unsicherheit und Überzeugung, zwischen Intuition und Analyse.



08 JEAN FAUTRIER
La passoire. 1947.
Öl auf Papier auf Lein- wand.
46 x 55 cm.
Ergebnis: CHF 207 000

09 OSKAR KOKOSCHKA
Ann Windfohr. 1960.
Öl auf Leinwand.
91 x 70 cm.
Ergebnis: CHF 146 000

08 Fautriers ‹art informel›-Gemälde leben vom pastosen Farbauftrag und der Konzentration auf ein isoliertes, gegenstandsloses Motiv.

09 Kokoschkas Können als Porträtist war gefragt, hier malte er die US-amerikanische Kunstsammlerin Ann Windfohr.

10 Dieser Skiläufer oberhalb von Maloja war eines der letzten Bilder, die Giacometti für seine Auftraggeberin Anna von Planta ausführte.

11 Ungezählte Künstlerinnen und Künstler waren fasziniert von der einzigartigen Landschaft der bretonischen Steilküsten, so auch Moret. In seiner Malerei verbindet er den Synthetismus der Schule von Pont-Aven mit dem Impressionismus.

12 Bugattis Bronzen – überwiegend Tierdarstellungen und Figuren wie dieser Akt – markieren den Übergang vom Jugendstil zum Art Déco.

10 GIOVANNI GIACOMETTI
Skiläufer. 1899.
Öl auf Leinwand.
65,5 × 102 cm.
Ergebnis: CHF 488 000

11 HENRY MORET
Falaises, côte de Bretagne. 1910.
Öl auf Leinwand.
64 x 79 cm.
Ergebnis: CHF 110 000

12 REMBRANDT BUGATTI
SKULPTUR "Le Réveil", um 1907.
Bronze braun patiniert.
H: 34.5 cm.
Ergebnis: CHF 195 000

13 KEITH HARING
Pop Shop I-IV. 1988.
Los von 4 Farbserigrafien. 183/200.
Variierende Darstellungsmasse auf Vélin 30,5 x 38 cm.
Ergebnis: CHF 56 000

13 Diese Folge von vier Farbserigrafien entstand in jenen Jahren, als Haring in New York seinen Pop Shop betrieb, in dem er seine eigenen Werke und Vervielfältigungen davon verkaufte. Der Stil seiner Figurenbilder, die er in grosser Zahl auch an Hauswände und Werbeflächen malte, ist unverkennbar.



14 CUNO AMIET
Die Obsternte. 1912.
Öl auf Leinwand.
103 × 115 cm.
Ergebnis: CHF 775 000

15 LOUISE NEVELSON
Cloud II. 1984.
Holz, bemalt.
84 x 115 x 6,5 cm.
Ergebnis: CHF 73 000

14 Apfeldarstellungen haben Amiet während seines ganzen Künstlerlebens beschäftigt. Viele Studien und Variationen des Themas verdichten sich im Laufe weniger Jahre bis etwa 1915 zu einer veritablen Werkgruppe, zu der auch diese grossformatige Arbeit zählt. In dieser Fassung der Obsternte ist der Künstler auf der Höhe der künstlerischen Hauptströmungen jener Epoche: des Expressionismus von Fauve und Brücke und des Kubismus. Das Werk stammt aus der Sammlung von Eugen Loeb, mit dem Amiet bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden war.

15 Die Künstlergeneration um Louise Nevelson trug mit ihren genuinen Bildfindungen zur Emanzipation der jungen US-amerikanischen Kunst von europäischen Strömungen bei.

FRANZ GERTSCH (2018)
Dominique. 1988.
Farbiger Holzschnitt. 7/18.
103 x 115 cm.
Ergebnis: CHF 168 000

Swiss Printmakers

Resultate für Schweizer Grafik

zinierende Spuren in der Kunstgeschichte vor allem der letzten rund 150 Jahre hinterlassen. Die Traditionslinie spannt sich dabei von den Holzschnitten und Radierungen eines Félix Vallotton über die Lithografien Alberto Giacomettis bis zu den Linolschnitten von Lill Tschudi und den Holzschnitten von Franz Gertsch. In ihren Werken fächert sich der schier endlose Variantenreichtum druckgrafischer Ausdrucksmöglichkeiten auf. Besonders faszinierend ist dabei, welch unterschiedliche Ergebnisse mittels der gleichen Techniken erzielt wurden: So nutzen zwar Vallotton und Gertsch die des Holzschnittes, ihre Bildwelten könnten sich jedoch kaum st ärker voneinander unterscheiden.



LILL TSCHUDI (2018)
Guards. 1936.
Linolschnitt in Rot.
Darstellung 16 x 20,2 cm auf dünnem Japan 22,5 x 28 cm.
Ergebnis: CHF 2 500

Félix Vallotton (1865–1925) bedient sich in seinen Einzelblättern und Grafikfolgen kraftvoller, flächiger Schwarz-Weiss-Kontraste, um seine signethaften Motive zu formulieren. Mit nur wenigen perfekt platzierten Schnitten in den hölzernen Druckstock gelingen ihm zeitlose Bildfindungen. Interessant ist der Kontrast der Holzschnitte zu den stilistisch völlig anders angelegten Zeichnungen und Gemälden des Künstlers

Ganz anders zeigt sich dies bei Alberto Giacometti (1901–1966), dessen Lithografien und Radierungen aufs Engste verwandt sind mit seinen Zeichnungen und Gemälden. Motivisch und im Duktus unterschieden sich die Steinzeichnungen Giacomettis nicht von seinen Unikaten auf Papier und Leinwand. Das charakteristische Oeuvre wird dominiert von Porträts, Landschaftsdarstellungen und Innenansichten des Ateliers. In dem 1969 erschienenen Buch ‹Paris sans fin› beweisen 150 von Giacometti angefertigte Abbildungen dessen ganzes Können als Steinzeichner. Die in kleiner Auflage erschienene Publikation ist ein Meilenstein der druckgrafischen Kunst des 20. Jahrhunderts.

Lill Tschudi (1911–2004), die Ende der Zwanzigerjahre an der innovativen und einflussreichen Grosvenor School of Modern Art in London studierte, sorgte vor allem mit ihren plakativen Linolschnitten für Furore. Zweifellos zählte Pablo Picasso zu jenen Künstlern, die diese Technik in der Kunst der Moderne etabliert haben. Claude Flight führte die aus dem Glarus stammende Künstlerin in die Technik des Linolschnitts ein, Wegbegleiter wie André Lhote, Gino Severini und Fernand Léger erweiterten ihren künstlerischen Horizont. Im Unterschied zu den meisten anderen ihrer Zeitgenossen hat sich Lill Tschudi vollständig auf den Linolschnitt konzentriert und nur in dieser Technik gearbeitet. Vor allem ihre Sujets der Zwischenkriegsjahre spiegeln den Zeitgeist eindrucksvoll: Ihre Motive sind geprägt vom technischen Fortschritt, von der Intensität und dem Tempo, aber auch von der Anonymität und der sich abzeichnenden Krise der ‹Roaring Twenties›.

Als zeitgenössischer Vertreter reiht sich Franz Gertsch (*1930) in diese Traditionslinie ein. Monumentale Holzschnitte nehmen in seinem Werk zweifellos eine zentrale Rolle ein. In den Jahren 1986 bis 1994 widmete sich Gertsch ausschliesslich dieser traditionsreichen Technik und stiess dabei zu völlig eigenständigen Ausdrucksformen vor. In einer bis dahin unerreichten Präzision, nicht zuletzt bei der Herstellung der zu bedruckenden Japanpapiere, ist Gertsch an die Grenzen des im Holzschnitt Machbaren gestossen und hat diesem klassischen Medium eine neue Dimension erschlossen. Sein druckgrafisches Werk ist dominiert von monochromen, formatfüllenden Porträts von Frauen aus seinem Umfeld und faszinierenden Details aus Landschaften, zu denen der Künstler einen speziellen Bezug hat. Mit einfachsten Mitteln aber in meisterlicher Ausführung verleiht Gertsch seinen Werken unvergleichliche Plastizität und Dynamik.

FÉLIX VALLOTTON (2017)
Les Trois Baigneuses. 1894.
Holzschnitt. 85/100.
Darstellung 18,3 x 11,2 cm auf Vélin 30,5 x 20 cm.
Ergebnis: CHF 9 500

ALBERTO GIACOMETTI (2019)
Autoportrait. 1963.
Lithografie. 64/75.
Darstellung 53,7 x 34 cm auf Vélin 65,4 x 50,5 cm.
Ergebnis: CHF 10 000








Gründer und Grandseigneur

Pierre Koller ist im Alter von 94 Jahren verstorben

Wer die Galerie Koller an der Rämistrasse gleich neben der «Kronenhalle» betrat, wurde vom Patron empfangen, als wäre er Stammkunde. Wer es war, fühlte sich hier stets willkommen, und wer es nicht war, ebenfalls. Denn Pierre Koller machte kaum einen Unterschied zwischen Neukunden und langjährigen Kunstsammlern, wenn er, die Arme ausgebreitet, mit einem «Bonjour, Monsieur», «Guten Tag, Madame» einem entgegenstürzte. Sein Charme war so legendär wie sein Witz, mit dem er während langer Versteigerungssitzungen die Bietenden im Saal stets bei bester Laune hielt.

Pierre Koller war ein Grandseigneur guten alten Stils, ein Kunstfreund mit einem französischen Hang zum Prunkvollen, und vor allem auch ein ausgezeichneter Verkäufer. Von Hause aus Jurist, eröffnete er im Jahr 1958 an der Zürcher Dufourstrasse eine Bildergalerie mit Spezialisierung auf «Equitation». Denn angetan hatte es dem damals 34-Jährigen die Kunst der Pferdedarstellungen. Er sollte sein Hobby zum Beruf machen. Und so erweiterte Pierre Koller zusammen mit seiner Schwester Antoinette, die 1959 zum Unternehmen stiess und einen Blick für Keramik, Silber und asiatische Kunst hatte, das Galerieprogramm rasch. 1961 erfolgte der Umzug an die Rämistrasse 8, wo bald ein stattliches Auktionshaus auf fünf Etagen entstand. International machte sich Pierre Koller einen Namen für die Expertise kostbarer antiker Möbel und Objets d'Art vor allem französischer Provenienz. Die erste Auktion führte er 1960 im Zürcher Kongresshaus durch, als sich ihm die Gelegenheit bot, einige wichtige Sammlungen, darunter eine Uhrenkollektion aus Augsburger Privatbesitz, zu akquirieren. Und so versteigerte Koller an der Rämistrasse bald regelmässig wertvolle Kunstobjekte aller Sparten und immer wieder ganze Kollektionen.

Einen Höhepunkt in Pierre Kollers Vita als Kunsthändler und Auktionator stellte 1995 die Versteigerung einer epochalen Privatsammlung von Napoleonica dar, auf welche sich Koller spezialisiert hatte. Der erste Zuschlag von über einer Million Franken in der Geschichte des Auktionshauses Koller erfolgte 1973 für ein Dora-Maar-Porträt von Picasso. Und einer der letzten unter unzähligen von Pierre Kollers Versteigerungs-Erfolgen am Auktionspult war ein Schreibtisch des berühmten Ebenisten André-Charles Boulle aus dem Jahr 1720, den er im September 2014 im hohen Alter von 90 Jahren für 3 Millionen Franken einem Privatsammler aus London zuschlagen konnte.

wuchsen rasch zu einem kleinen Imperium. 1975 entstand im Schloss Lucens in der französischen Schweiz eine Dépendance für Auktionen, die schliesslich 1980 nach Genf an die Rue de l'Athénée verlegt wurde. Mit «Koller Tiefenbrunnen» versteigerte man ab 1977 auch mittel- und tiefpreisige Kunstgegenstände. Bald erfolgte die Betreuung dieses Segments unter dem Namen »Koller West» an der Hardturmstrasse. 1991 verliess die Galerie Koller die Rämistrasse und richtete ihren Hauptsitz an der Hardturmstrasse in Zürich-West ein, als noch niemand ahnte, dass dort ein Galerien-Mekka entstehen würde. 2004 übergab Pierre Koller seinem ältesten Sohn Cyril die Geschäftsleitung des Familienbetriebs.

Bei Pierre Koller in die «Schule des Handels mit Kunst» sind nicht zuletzt zahlreiche später in Zürich bekannte Galeristen und Auktionatoren gegangen. Der Gründer des heute grössten Schweizer Auktionshauses hatte eine wichtige Schrittmacherfunktion für den Schweizer Kunsthandel inne. Am 23. Juni ist Pierre Koller im Alter von 94 Jahren gestorben.

Dieser Nachruf von Philipp Meier erschien in der NZZ vom 26. Juni 2019.








EINLADUNG ZUM KÜNSTLERGESPRÄCH

Dienstag, 16. Juli 2019 um 19 Uhr
Abendöffnung von 18 bis 21 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung:
Junge Künstler der Akademie der Bildenden Künste München

mit Andrej Auch, Jenny Foster, Stefanie Hofer, Steffen Kern, Martin Spengler und Felix Rehfeld
Absolventen und Studenten der Klasse Prof. Karin Kneffel

Ausstellung kuratiert von Dina Renninger


Ort:
Koller Auktionen München
Maximiliansplatz 20, 80333 München
Tel: +49 89 – 22 80 27 66

Ausstellungsdauer noch bis 19. Juli 2019, Öffnungszeiten Mo – Fr. 10 - 17 Uhr


Save the Date
Neue Ausstellungsreihe KOLLERNOW 2019 kuratiert von Dina Renninger
für das Auktionshaus Koller Auktionen, München

3. Ausstellung: Klasse Wermers/Karstiess/Prangenberg:
Eröffnung 10. Oktober 2019
11. Oktober – 15 November 2019





KOLLERview erscheint viermal jährlich,

die nächste Ausgabe folgt im September 2019

Als PDF lesen

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde unseres Hauses

Ferdinand Hodlers elegische Frauenfiguren sind nicht nur zum Markenzeichen des Künstlers, sondern längst zu Ikonen der Schweizer Kunst der Moderne geworden. Sie wurden in Hodlers fortwährender Suche mehr und mehr zu Schicksalsdarstellungen. Der Künstler suggeriert mit diesen Werken Empfindungen und huldigte zugleich der Unendlichkeit und dem Schönen. Hodler malte unser Titelmotiv «Die Schreitende» um 1912, auf dem Zenit seiner Künstlerkarriere. Das Bild, das Hodlers Modell Giulia Leonardi zeigt, ist eines der Lose unserer Juni-Auktion Schweizer Kunst, die einen umfassenden Überblick über die hiesige Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bietet. Kaum einer der grossen Namen fehlt.

Mit dem vierteiligen Engadin-Panorama von Giovanni Giacometti kommt ein kapitales Werk zum Ausruf. Das vierteilige Gemälde zeigt einen Rundblick vom Muottas Muragl auf die schneebedeckten Gipfel und grünen Bergtäler des Engadin – so weit das Auge reicht. Wie Hodler und Giacometti stand auch deren Zeitgenosse Cuno Amiet in der Gunst privater Kunstsammler. So erwarb der Kaufhausunternehmer und mit Amiet befreundete Eugen Loeb zahlreiche Werke des Künstlers von der Oschwand, darunter die expressive «Apfelernte in Blau und Rot».

Im Rahmen unserer Juni-Auktionen kommen auch Werke des Impressionismus und der Klassischen Moderne zum Ausruf. Hauptwerk dieser Versteigerung ist eine wunderbare Landschaft des grossen Impressionisten Alfred Sisley.

Nationale und internationale Kunst der letzten 70 Jahre versteigern wir einen Tag später in unserer Auktion PostWar & Contemporary. Deren Offerte zeigt unter anderem, wie sich die Kunst der amerikanischen Avantgarde in den Nachkriegsjahrzehnten von ihren europäischen Wurzeln und Vorbildern emanzipierte. Mit Werken von Hans Hofmann, Alfred Julio Jensen und Theodoros Stamos sowie Robert Mangold und Andy Warhol werden verschiedene Entwicklungslinien vom Abstrakten Expressionismus über den Minimalismus bis zur Pop Art sichtbar.

Vom 20. bis 25. Juni können Sie in unseren Ausstellungsräumen das umfassende Angebot unserer Hauptauktionen besichtigen, das – neben internationaler und Schweizer Kunst der letzten 200 Jahre – von Schmuck und Armbanduhren über Designobjekte und Vintage bis zur Photographie reicht. Gleichzeitig haben Sie Gelegenheit, auch alle Angebote der Koller ibid online only Auktionen in Augenschein zu nehmen. Seit 2018 versteigern wir dekorative Kunstobjekte in tieferen Preislagen online.

Ich freue mich, Sie während unserer Vorbesichtigung an der Hardturmstrasse begrüssen zu dürfen, und wünsche Ihnen eine unterhaltsame und anregende Lektüre. Unsere Expertinnen und Experten stehen Ihnen beim Kauf und Verkauf von Kunstwerken gern beratend zur Seite.

Mit herzlichen Grüssen

Ihr Cyril Koller


ADOLF DIETRICH
Abend am See mit roten Wolken. 1915.
Öl auf Karton.
28 x 38,5 cm.
Schätzung: CHF 150 000 / 200 000

In der formalen Ausgewogenheit und dem faszinierenden Kolorit erkennt man Adolf Dietrich als einen der bedeutendsten Schweizer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser Sonnenuntergang ist der erste einer ganzen Reihe, die Dietrich ab 1915 malte. Pastellstudien in der Natur folgte die Arbeit an der Leinwand im Atelier. Hier zeigt sich der Künstler völlig eigenständig und von äusseren Einflüssen unberührt.




01 ALFRED JULIO JENSEN
Temple of Numbers at Paestum. 1961.
Öl auf Leinwand.
186,5 x 136,5 cm.
Schätzung: CHF 250 000 / 350 000

Amerikanische Avantgarde nach 1945

Vorschau auf die Auktion PostWar & Contemporary vom 29. Juni 2019

Der Deutsch-Amerikaner Hans Hofmann (1880–1966), von den Nationalsozialisten als «entartet» verfemt, war nach seiner Emigration eine prägende Lehrerfigurder New York School und Impulsgeber für die erste Generation des Abstrakten Expressionismus. Seine Gouache «The Tree» (08) lebt von intensiven Farbklängen, die sein Spätwerk prägen. Der US-Kunstkritiker Clement Greenberg hielt fest: «Hofmann behandelt die Bildfläch nicht als ein trägpassives, sondern als ein empfänglich reagierendes Objekt …»



02 ROBERT MANGOLD
Red with Green Ellipse / Black frame. 1988/89.
Acryl und Bleistift auf Leinwand (Diptychon).
140 x 210 cm.
Schätzung: CHF 180 000 / 240 000

03 THEODOROS STAMOS
Hovering Yellow Sun Box. 1967.
Acryl auf Leinwand.
143 x 132 cm.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

Emanzipation von Europa

Hofmann beeinflussteeine ganze Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die – zunehmend losge-löst von den europäischen Strömungen und mit neuen Bezügen zu indigener und sogenannt «primitiver» Kunst – ihre eigenen Wege gingen. In den Verzweigungen der nordamerikanischen Bewegung findenetwa Theo-doros Stamos (1922–1997) oder Hofmann-Schüler wie Alfred Jensen (1859–1953) oder Louise Nevelson (1899–1988) genuine Formulierungen, die zur Emanzipation der jungen Kunst in den USA beitrugen. Ihnen folgten Protagonisten wie Jasper Johns oder Robert Rauschenberg, die das Bindeglied zur späteren Pop Art bildeten.23© 2019, ProLitteris, ZurichGeometrische Formen auf monochromem Grund bilden «Hovering Yellow Sun-Box» (03) des US-Amerikaners Theodoros Stamos, einem der führenden Abstrakten Expressionisten der ersten Generation. Das Motiv ist Teil der seit Anfang der Sechzigerjahre entstandenen Serie von Sun-Box-Gemälden. Alfred Jensens monumentale Arbeit «Temple of Numbers at Paestum» (01) entstand in jenem Jahr 1961, in dem ihm das Guggenheim Muse-um New York eine grosse Einzelausstellung widmete. Der Künstler mit deutsch-dänischer Abstammung wurde bekannt durch seine geometrisch-abstrakten Malereien in dickem Impasto, denen ab Ende der 1950er-Jahre vor allem Farbspektren und mathematische Zahlensysteme zugrunde lagen.

Eine ebenfalls höchst individuelle Spur legt der Minimalist Robert Mangold (geb. 1937). Sein Diptychon «Red with Green Ellipse/Black Frame» von 1988/89 (02) hat tektonischen Charakter. In ihm rücken Farbe und Material in den Raum und es entsteht über diese Ausdehnung des Bildes ins Dreidimensionale eine eigene Beziehung zum Betrachter. Die markante Diptychon-Kombination von Ellipse und schwarzem Rahmen taucht um 1990 in einer Werkgruppe auf, zu der Mangold konstatierte: «Ich wollte, dass diese fast gegensätzlichen Strukturen, die an einer Kante oder sogar nur an einem Punkt verbunden sind, ein einziges Werk ergeben. Es war dieser Kampf zwischen Trennung und Einheit, der mich interessierte.» Obwohl Mangolds abstraktes Werk Vielen als Inbegriffdes Re-duktionismus und Minimalismus gilt, erweist es sich in sei-nen Quellen und Ambitionen als komplexer. Der Künstler stützt sich vor allem auf den Dialog zwischen Unsicherheit und Überzeugung, zwischen Intuition und Analyse.


04 Der gelernte Glasmaler Polke (neue Glas- und Achatfenster im Zürcher Gross-münster, 2006–2009) gründete 1963 mit Gerhard Richter und Konrad Lueg den ‹Kapitalistischen Realismus›. Viele seiner Werke reagieren ironisch auf den etablierten Kunstbetrieb.

05 Die monumentalen Farbholzschnitte Gertschs sind nicht nur handwerklich herausragend, sondern ebenso als erstaunliche Zeugnisse seiner intensiven, ja meditativen Beschäftigung mit der Natur und ihren Geheimnissen.

04 SIGMAR POLKE
Ohne Titel. 1999.
Aquarell und Gouache auf Vélin.
70,2 x 99,7 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

05 FRANZ GERTSCH
Gräser I. 2000.
Farbiger Holzschnitt.
Schätzung: CHF 40 000 / 50 000


06 JEAN FAUTRIER
La passoire. 1947.
Öl auf Vélin auf Leinwand.
46 x 55 cm.
Schätzung: CHF 100 000 / 200 000

06 Fautriers Gemälde leben vom pastosen Farbauftrag und der Konzentration auf ein isoliertes Motiv. Der Franzose gilt als wichtigster Vertreter seines Landes in der gegenstandslosen, nicht-geometrischen ‹art informel›.

07 Im Werk des kanadischen Action-Painters Riopelle finden sich enge Bezüge zu Werken der Pariser Automatisten und Tachisten.



07 JEAN-PAUL RIOPELLE
Ohne Titel. 1958.
Öl auf Vélin auf Leinwand.
79,5 x 59 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

08 HANS HOFMANN
The Tree. 1944.
Öl und Gouache auf Vélin (doppelseitig).
73,5 x 58,5 cm.
Schätzung: CHF 35 000 / 45 000

09 Diese Gouache lebt durch den subtilen Kontrast zwischen den tiefschwarzen Balken und dem kräftigen, dazwischen aufleuchtendem Blau. Mit Gummirakeln strukturiert Soulages seine Bildfläche und legt die unter dem deckenden Schwarz liegenden Farbflächen frei. Diese in die Tiefe der Malschichten vordringende Schabtechnik dynamisiert die Bildkompositionen und fördert effektvolle Farbklänge zutage. Die auf diese Weise entstehenden Werke werden als Outrenoir-Bilder bezeichnet, also Arbeiten jenseits von Schwarz.

10 Roths Barwagen vereint in sich die vom Bauhaus geprägte Formenwelt und die bevorzugten Materialien des modernen Produktdesigns der frühen 1930er-Jahre. Vor allem die strenge Chromstahlkonstruktion verweist unmittelbar auf Möbelentwürfe von Mart Stam, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe.

11 Lichtensteins plakative, am zeitgenössischen Comic orientierten Motive der Sechzigerjahre sind zu Ikonen der Nachkriegskunst geworden.

09 PABLO PICASSO
Tête au masque. 1956.
Teller. Keramik mit Relief.
Schätzung: CHF 5 000 / 7 000

10 JEFF KOONS
Animals II. 2019.
3 Multiples. Porzellan.
Schätzung: CHF 25 000 / 30 000

11 PIERO DORAZIO
Mimet. 1962.
Öl auf Leinwand.
46 x 33 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 40 000

12 JOHANNES ITTEN
Quadrate in Bewegung. 1958.
Öl auf Hartfaserplatte.
70 x 100 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

12 Itten stellte in seiner Zeit als Bauhaus-Lehrer eine ganze Farbtypenlehre auf, in deren Zentrum das Verhältnis von Farbe und Form sowie der Farben untereinander stehen. Abstraktionen wie diese Quadrate prägen sein Werk bis in die Nachkriegszeit.



13 SIGMAR POLKE
Ohne Titel. 1999.
Tinte, Aquarell und Gouache auf Vélin.
70,2 x 100 cm.
Schätzung: CHF 80 000 / 140 000

14 ANDY WARHOL
Apple. 1985.
Farbserigrafie. 165/190.
Blattmass 96,5 x 96,5 cm
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

13 Polke beschäftige sich während Jahrzehnten mit Aquarell- und Gouachemalerei und wechselte dabei vielgestaltig und metaphorisch aufgeladen zwischen Abstraktion und Figuration.

14 1985 entstand eine Serie von zehn «Advertising»-Motiven, in denen Warhol berühmte Markenlogos – wie hier das von Apple – als Symbole des Massenkonsums nutzte.



LE CORBUSIER (CHARLES-ÉDOUARD JEANNERET)
Femme endormie. 1945.
Öl auf Holz.
24 x 33 cm.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000

Magritte provoziert Paris

Vorschau auf die Auktion für Impressionismus und Klassische Moderne vom 28. Juni 2019

René Magritte war schwer verärgert. Dem Belgier, der sich jahrelang um die Gunst seiner Künstlerkollegen und des Publikums in Paris bemühte, wurde immer wieder die kalte Schulter gezeigt. 1931 kehrte er der Stadt, die nichts weniger als die Hauptstadt des Surrealismus war, endgültig den Rücken. Doch 1948 erhielt er Gelegenheit, sich auf besondere Art zu revanchieren. In nur fünf Wochen um den Jahreswechsel 1947/48 entstehen für Magrittes Ausstellung in der Pariser Galerie du Faubourg 17 Ölgemälde und 20 Gouachen, die es in sich hatten. Basierend auf einem für Magritte neuen, schnellen und in gewisser Weise aggressiven Malstil – inspiriert von populären Quellen wie Karikaturen und Comics und durchsetzt mit stilistischen Anleihen bei Künstlern wie James Ensor und Edouard Manet, Henri Matisse und Joan Miró – entstanden innerhalb weniger Wochen knapp vierzig Werke. Die grellen, expressiven ja aufrührerischgrotesken Bilder zeitigten eine neue künstlerische Façette im OEuvre des Belgiers.



MAX ERNST
Paysage de Corbières. Um 1949.
Öl auf Holz.
33 x 23,8 cm.
Schätzung: CHF 100 000 / 150 000

OSKAR KOKOSCHKA
Ann Windfohr. 1960.
Öl auf Leinwand.
91 x 70 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

Beissender Spott

Die Werkfolge der kurzen «Période vache», zu der das im Juni von uns angebotene «Les voies et moyens» gehört, zeigt sich in einer für Magritte ungewohnten Bildsprache. Magritte nahm die Übersteigerung des Kolorits von den Fauvisten auf, um seine mit beissendem Spott durchzogenen Bilder zu malen. Mit dem unerwartet kruden Stil konterkariert der Künstler sein eigenes Werk, aber auch die Malerei der Moderne. Die Bezeichnung «Période vache», die Magritte dieser kurzen aber intensiven Schaffensphase selbst gegeben hat, sollte ironischerweise auf die Kunst der Fauvisten anspielen, die aufgrund ihrer Farbpalette und expressiven Malweise abwertend als «wilde Tiere » apostrophiert wurden. Doch im Französischen bedeutet «vache» nicht nur Kuh, sondern ebenso gemein oder böse; «vacherie» steht für einen bösen Trick.

Magritte stellte eine Ausstellung zusammen, die nichts anderes als eine Provokation für das Pariser Publikum sein musste. Durch mehr oder minder subtile Anspielungen nahm er die Hauptstädter in ihrem «bornierten Pariser Selbstverständnis als Bastion der Hochkultur» auf die Schippe und machte sich zugleich über seine französischen Künstlerkollegen lustig. «Es sind Werke von funkelnder Freiheit, in der die tollkühnsten Gedanken, die Handschrift und die Illuminierung verängstigt Lärm schlagen, wo Flegelhaftigkeit sich mit Esprit vermischt, Empörung mit Verblüffung, Gewalt mit Zärtlichkeit, Weisheit mit Jux.» (Louis Scutenaire).

Die Galerie verkaufte damals – wenig überraschend – kein einziges Werk der Schau. Sein Ziel erreichte der Künstler dennoch: Die Pariser zeigten sich entsetzt von den knapp 40 Werken, die Presse zerriss die Exposition. Alle Bilder der «Période vache» verschwanden danach für Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit, bevor sie – als modernes kunstkritisches Manifest neu bewertet – seit den 1980er-Jahren auch in Einzelausstellungen wieder gezeigt werden, etwa 2009 in der Frankfurter Kunsthalle Schirn.

RENÉ MAGRITTE
Les voies et moyens. 1948.
Gouache und Gold auf Papier.
40,5 x 32,8 cm.
Schätzung: CHF 250 000 / 400 000


ALFRED SISLEY
Autour de la forêt, juin. Um 1885.
Öl auf Leinwand.
54 x 72,7 cm.
Schätzung: CHF 700 000 / 1 000 000

En plein air mit Alfred Sisley

Vorschau auf die Auktion für Impressionismus und Klassische Moderne vom 28. Juni 2019

Vielen von Sisleys Landschaftsgemälden, so auch dem vorliegenden «Autour de la Forêt, Juin», wohnt eine tiefe Stille inne. Der Künstler beschreibt nicht das Drama von Natur und Elementen, stattdessen nimmt er den Betrachter behutsam an die Hand, entführt ihn, um ihm im scheinbar Gewöhnlichen das Besondere zu zeigen.



HENRY MORET
Les Brisants. 1898.
Öl auf Leinwand.
51 x 65 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

HENRY MORET
Falaises, côte de Bretagne. 1910.
Öl auf Leinwand.
64 x 79 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

Wie die meisten anderen Gemälde Sisleys aus dieser Zeit, entstand sicherlich auch «Autour de la Forêt» en plein air, also unter freiem Himmel. Mit den damals neuartigen Ölfarben in Tuben zog es die Künstler hinaus aus ihren Pariser Ateliers, sie eroberten sich die pittoresken Landschaften der nahen Île-de-France mit Pinsel und Leinwand. Sisleys Obsession galt dabei insbesondere der Darstellung des Himmels: «Ich fange ein Bild immer mit dem Himmel an.» Exemplarisch für Sisleys Handschrift jener Jahre ist – neben der lichten Palette – die unterschiedliche Behandlung der verschiedenen Bildpartien. Während er die sommerlichen Wolkenformationen zart lasiert, formuliert er die Pflanzen, Wege und Wiesen mit gekonnt gesetzten pastosen Pinselstrichen. Dadurch wirken Bäume, Felder und die hoch aufgehäufte Strohmiete im Vordergrund intensiver und lebendiger. Sisley hält das Flüchtige, das Atmosphärische und Substanzlose fest – als «Impressionist», der seine Begeisterung für Turner und Constable nie verleugnete

Fernab vom Zeitgeist

Bereits Anfang der 1870er-Jahre etablierte sich Sisley im Kreis der später abschätzig als «Impressionisten» oder «Intransigeants» bezeichneten Malerinnen und Maler um August Renoir und Claude Monet, Paul Cézanne, Edgar Degas und Berthe Morisot. Sisley gehörte 1873 zu den Gründungsmitgliedern der ‹Société anonyme des artistes, peintres, sculpteurs, graveurs›, deren Werke zuvor vom konservativen ‹Salon de Paris› abgelehnt wurden. An der ersten Impressionisten-Ausstellung im Atelier des Fotografen Nadar im Frühling 1874 beteiligte sich Sisley mit zwei Landschaften; im Katalog der Gruppenschau von 1882 fanden sich nicht weniger als 27 seiner Gemälde. Anschliessend zog sich der 1839 in Paris geborene Engländer mehr und mehr zurück. Dass ihn seine engen Freunde Renoir und Monet bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1899 begleiteten, dürfte ihm Trost gewesen sein. Gleichwohl erkannten nur wenige Zeitgenossen Sisleys Rang unter den Malern des Lichts – wie etwa sein Malerkollege Camille Pissarro oder der umtriebige Kunsthändler Galerist Paul Durand-Ruel an der Rue Laffitte. Erst in jüngerer Zeit widmeten sich einzelne Institutionen wie das Von der Heydt-Museum in Wuppertal, das Bruce Museum in Greenwich oder das Hôtel de Caumont in Aix-en-Provence dem «wahren Impressionisten» Sisley.

EDWARD CUCUEL
Nach dem Bade. Vor 1912.
Öl auf Leinwand.
80 x 90 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 50 000


GIOVANNI GIACOMETTI
Panorama von Muottas Muragl. 1898.
Öl auf Leinwand.
Grösse total: 67 x 510 cm
Schätzung: CHF 2 800 000 / 4 000 000

So weit das Auge reicht: Giovanni Giacomettis Engadin

Vorschau auf die Auktion Schweizer Kunst vom 28. Juni 2019

An einem Oktobermorgen des Jahres 1897 machten sich die Maler Giovanni Segantini und Giovanni Giacometti in aller Früh zu Fuss in Begleitung eines Fotografen auf den Weg nach Muottas Muragl, einem Ausflugberg mit einer Höhe von 2453 südöstlich von Samedan. Der Bergrücken, der zehn Jahre später bequem mit einer Standseilbahn – der ersten überhaupt im Engadin –, erreicht werden konnte, bietet einen atemberaubenden Ausblick über das Oberengadin mit der Engadiner Seenplatte. Grund ihres Ausflugs war das Anfertigen von Skizzen für ein gigantisches Rundgemälde, das an der Pariser Weltausstellung von 1900 präsentiert werden sollte. Segantini hatte sich ein Gesamtkunstwerk ausgedacht, das in einem Rundbau die Schönheit des Engadins nicht nur mittels der Malerei, sondern mit Versatzstücken wie Bäumen und Alpenrosen, Wasserfällen sowie Brücken evozieren und das Erlebnis mit Windmaschinen sowie Licht- und Toneffekten verstärken sollte. Giovanni Giacometti, für den der zehn Jahre ältere Segantini ein Mentor war, hatte begeistert seine Mitarbeit zugesagt, auch Cuno Amiet und Ferdinand Hodler waren als Mitschaffende vorgesehen. Das von den Fremdenverkehrsorganisationen unterstützte Projekt musste jedoch aus finanziellen Gründen aufgegeben werden. Segantini zeigte in Paris als reduziertes Projekt das Triptychon "Werden – Sein – Vergehen" (La Vita – La Natura – La Morte), wobei La Natura den Ausblick von der Segantini-Hütte etwas oberhalb von Muottas Muragl wiedergibt.



GIOVANNI GIACOMETTI
Skiläufer. 1899.
Öl auf Leinwand.
65,5 x 102 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

GIOVANNI GIACOMETTI
Adler mit Engadiner Landschaft. 1898.
Öl auf Leinwand auf Holz.
44,5 x 82 cm (Halbkreis).
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

Vier Motive für das Herzstück

Giovanni Giacometti konnte seine auf Muottas Muragl gemachten Studien für einen anderen Auftrag verwenden: Noch im Oktober 1897 bat ihn Anna von Planta, ihr Chalet in St. Moritz-Bad auszugestalten. Von den zehn Bildern, die Giacometti in der Folge malte, bildet das vierteilige Panorama von Muottas Muragl, das im Juni bei Koller Auktionen versteigert wird, das für das Esszimmer bestimmte Herzstück. Das erste Bildfeld gibt den Blick von Muottas Muragl in südlicher Richtung auf das Rosegtal wieder. Zwischen dem Piz Chalchan links und dem Piz Surlej rechts erhebt sich die schneebedeckte Sellagruppe mit den damals noch markanten Gletscherzungen des Sellaund Roseggletschers. Giacometti malte die Ansicht in der divisionistischen Stricheltechnik, wie er sie von seinem Vorbild Segantini gelernt hatte. Besonders deutlich zeigt sich dies in den Waldpartien, deren sattes Grün mit komplementärem Rot durchsetzt ist. Die Felspartien, die nicht aus stumpfem Grau, sondern aus einer reichen Palette von Gelb, Grün, Blau und Rosa aufgebaut sind, weisen den Schöpfer als Meister der Farbe aus.

Auf dem zweiten Bildfeld blickt rechts ein Hirte mit einer Herde herunter auf den St. Moritzersee mit St. Moritz und Sankt Moritz-Bad. Darüber erhebt sich das 3380 m hohe Juliermassiv und rechts davon der etwas zu massig geratene Piz Bever. Auch sonst hat sich der Maler für die Topografie in diesem Bildfeld reichlich künstlerische Freiheiten herausgenommen. So wird der St. Moritzersee von Muottas Muragl aus als diagonal liegende, nicht als horizontale Fläche wahrgenommen. Die Unterschiede zur Realität erklären sich womöglich teilweise dadurch, dass Giovanni Giacometti die Gemälde im Winter 1897/98 auf der Oschwand bei seinem Freund Cuno Amiet und nicht vor Ort ausgeführt hat. Zwar bat er Ende 1897 Giovanni Segantini um die auf Muottas Muragl gemachten Fotografien, doch ging es ihm nicht um die sklavische Wiedergabe der Wirklichkeit, denn er schrieb in einem Brief: «Als Motiv für die Komposition habe ich die Aussicht von Muottas Muragl gewählt, wenigstens was die Bergkette und die Wälder betrifft.» Eine Studie kommentierend, vermutete die Auftraggeberin Anna von Planta gar, dass Giacometti den Vordergrund ungefähr beim Hahnensee (Lej dals Chöds) unterhalb des Piz Surlej ansetzte, womit es sich bei den beiden Dörfern um Silvaplana und Champfèr handeln würde.

Der Vordergrundstreifen des dritten Bildfelds wird von einem Hirten dominiert, der die ihn umstehenden Schafe füttert. Der Blick geht nun Richtung Westen, wo am linken Rand der Piz Saluver erscheint und rechts davon der Piz Ot mit 3246 m den höchsten Punkt dieser Gegend markiert.

Das letzte Bildfeld schliesst das Panorama mit dem Blick ins Val Bever ab. Hier wird die Horizontlinie links durch den Piz Üertsch markiert, im Zentrum durch die Crasta Mora und rechts durch den Piz Blaisun und das hochaufragende Massiv des Piz Kesch. Auffallend ist das Fehlen des Fernblicks auf Silvaplanersee, Silsersee und die Bergeller Berge – ein Segment, dass man eigentlich zwischen dem ersten und zweiten Bildfeld erwartet. Die Gründe dafür sind unbekannt. Im Briefwechsel mit Anna von Planta wird ausdrücklich von vier Bildfeldern gesprochen. Eine Studie in Privatbesitz legt jedoch nahe, dass Giacometti den Blick auf die Seen zunächst vorgesehen hatte. Der Bruch im Raumkontinuum wird vom Betrachter allerdings kaum bemerkt und schadet dem einheitlichen Bildeindruck keineswegs. Giacometti gelingt dies durch das Durchziehen des Terrains im Vordergrund und durch die horizontalen Streifen der topografisch frei platzierten Seen sowie durch die symmetrisch auf das Zentrum mit dem Hirten bezogenen Schafe.

Im Dialog mit der Auftraggeberin

Die Briefe Anna von Plantas an Giacometti widerspiegeln die grosse Anteilnahme am Fortgang der Arbeiten. Es scheint, dass der Maler die Kritik der Auftraggeberin an den Skizzen bei der Ausführung der Bilder teilweise berücksichtigt hat. So schreibt sie: «Der Hintergrund von hohen Bergspitzen ist sehr hübsch, die Bergspitzen dürften aber meinem Gefühl nach ruhigere Formen haben & weniger zackig & zerklüftet sein, mehr dem Character unserer Engadinerberge entsprechend. In Bezug auf das détail des Vordergrunds, möchte ich auch nicht gar zu viele Alpenrosen wünschen. Eine oder zwei kräftige, blühen¬de Pflanzen in der untern Ecke des 4ten Feldes würden wohl genügen.» Ausserdem wünschte sich Anna von Planta Ziegen statt Schafe, doch dazu liess sich Giacometti nicht erweichen.

Wenige Jahre nach dem Panorama von Muottas Muragl hat Giacometti der Schönheit der Bündner Berge mit dem Panorama von Flims ein weiteres Denkmal gesetzt. Die dreiteilige Komposition wurde 2016 von Koller Auktionen versteigert und kann heute in der Fondation Saner in Studen bewundert werden.

Paul Müller, Co-Autor des Werkverzeichnisses Giovanni Giacometti

GIOVANNI GIACOMETTI
Ruscello alpestre. Um 1917.
Öl auf Leinwand.
61,5 x 51 cm.
Schätzung: CHF 150 000 / 250 000


CUNO AMIET
Die Obsternte. 1912.
Öl auf Leinwand.
103 x 115 cm.
Schätzung: CHF 600 000 / 800 000

Cuno Amiet aus der Sammlung Loeb

Vorschau auf die Auktion Schweizer Kunst vom 28. Juni 2019

Den Künstler Cuno Amiet (1868–1961) und den Warenhaus-Unternehmer und Kunstsammler Eugen Loeb (1877–1959) verband ab Beginn der Dreissigerjahre eine enge Freundschaft. Loeb, der wie sein Bruder Arthur eine bedeutende Kunstkollektion aufgebaut hatte – unter anderem mit Werken von Vallotton, Barraud, Varlin und Gubler, daneben Monet, Pissarro und Renoir – kaufte Dutzende Gemälde und Zeichnungen beim Künstler von der Oschwand. Amiet schätzte Loebs Sachverstand und dessen sichere Hand bei der Auswahl der Werke: «Nie möchte ich etwas bei Ihnen wissen von mir, von dem ich nicht glaubte, dass es ganz gut ist.», schrieb der Künstler dem Sammler am 19. Okt ober 1936.



CUNO AMIET
Blaue Landschaft. Um 1910.
Aquarell auf Papier.
23,5 x 29,7 cm.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000

Die Begeisterung der Loebs für Amiets Schaffen reichte so weit, dass die Brüder zum Teil von Amiet selbst wie wohl auch über den Kunsthandel aus den ganz frühen Jahren wie mit der «Obsternte» («Apfelernte in Blau und Rot») oder mit den «Häusern in der Sonne» bedeutende Werke aus vorangehenden Schaffensperioden erwarben.

«Befreiung vom Naturmalen»

Apfeldarstellungen haben Amiet während seines ganzen Künstlerlebens beschäftigt. Ab 1907 tritt das Motiv der Apfel- oder Obsternte in seine Bildwelt ein, wiederkehrende Studien und zahlreiche Variationen des Themas verdichten sich im Laufe weniger Jahre bis etwa 1915 zu einer veritablen Werkgruppe, zu der auch die vorliegende grossformatige Arbeit in Öl auf Leinwand zählt, die als «Obsternte» oder «Apfelernte in Blau und Rot» betitelt wurde. Der Mensch in der Landschaft belegt ganz offenkundig Amiets ikonografische Bezüge zu Bildern von Cézanne, Gauguin und Matisse. In der Wahl des intensiven Rots – «die hellste und zugleich tiefste Farbe, die die Idee des Reichtums zum Ausdruck bringen kann», wie der Künstler selbst konstatierte – lehnt sich Amiet an Werke von Emile Bernard an. Amiets Palette wechselt in den verschiedenen Schaffensphasen: «So müsste, allein was die Farbgebung betraf, von einer frappierenden Wandlungsfähigkeit gesprochen werden. Sie würde auch in frühern Epochen nachzuweisen sein, beispielsweise in jenen monochromen Darstellungen der Apfelernte, die, meist auf Rot abgestimmt, zu den kühnsten und eigenwilligsten Schöpfungen Amiets zählen», konstatierten die Basler Nachrichten 1961 in ihrem Nachruf auf den verstorbenen Künstler. Eberhard Grisebach sah bereits 1912 in den monochromen Motiven einen grossen «Fortschritt, eine Befreiung vom Naturmalen » und einen «Übergang zum schöpferischen dekorativen Stil». Viola Radlach stellte darüber hinaus fest, dass die vereinfachten, konturierten Silhouetten den Cloisonismus oder Synthetismus der Schule von Pont-Aven um Paul Gauguin in Erinnerung rufen.

Unsere Gemälde repräsentiert den intensiven Prozess der Bildfindung für Amiets Werkgruppe «Obsternte», der in drei monumentale Fassungen mündete, die ihrerseits bedeutende Mosaiksteine einer wichtigen Schaffensphase des Künstlers sind. Das vorliegende Motiv ragt – zusammen mit den wenigen monochrom ausgeführten – als eigenständiges Werk aus dieser Folge heraus, weil Amiets spontaner expressiver Duktus in kontrastreichem Rot/Blau hier am stärksten überzeugt. Hier ist er auf Höhe der künstlerischen Hauptströmungen jener Epoche: des Expressionismus von Fauve und Brücke und des Kubismus.

Neben diesem gelangen weitere 16 Amiet-Werke aus der Sammlung Loeb im Juni zum Aufruf, darunter das 1910 entstandene kleinformatige Aquarell «Blaue Landschaft» und die beiden späteren Landschaften «Frühlingslandschaft mit gelb blühenden Bäumen» (1938) und «Gartent(h)or» (1931).

CUNO AMIET
Gartent(h)or. 1931.
Öl auf Leinwand.
85,5 x 65,5 cm.
Schätzung: CHF 70 000 / 100 000

 



Armband- & Taschenuhren | Schmuck & Juwelen




Patek Philippe, äusserst seltener Chronograph mit Ewigem Kalender, 1998.
Platin 950. Ref. 3970 E.
Schätzung: CHF 95 000 / 140 000




Patek Philippe, sehr seltene Jumbo Nautilus, ca. 1979.
Edelstahl. Ref. 3700/1.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000




Rolex Daytona Oyster Perpetual, 2012.
Edelstahl. Ref. 116520.
Schätzung: CHF 12 000 / 18 000

 


AQUAMARIN-DIAMANT-COLLIER, wohl RAYMOND C. YARD, um 1935.
Platin und Weissgold.
Schätzung: CHF 20 000 / 30 000




DIAMANT-ARMREIF, um 1880.
Roségold und Silber.
Schätzung: CHF 180 000 / 280 00




KASCHMIR-SAPHIR-DIAMANT-OHRHÄNGER.
Weissgold 750.
Schätzung: CHF 150 000 / 200 000



 


FRANÇOIS FERRIÈRE
Trompe-l'oeil: Puttenreigen.
Öl auf Karton auf Holz.
26 x 33,5 cm.
Ergebnis: CHF 44 000

Täuschend echt – echt täuschend

Rückblick auf die Auktion für Alte Kunst vom 29. März 2019

Das Auge zu täuschen – so lautet der erklärte Vorsatz der Trompe-l’oeil-Malerei. Schon die Antike kennt solcherlei Augentrug, wie Wandmalereien in Pompeji oder der berühmte, von Plinius d. Ä. überlieferte Wettstreit zwischen Parrhasios und Zeuxis belegen. Zwar lockte Zeuxis gemäss Plinius mit falschen Trauben Vögel an, doch liess er selbst sich von einem gemalten Vorhang des Parrhasios täuschen, den er aufzuziehen versuchte. Die Renaissance belebte vieles neu, darunter auch das Trompe-l’oeil. Neben raumillusionistischen Wand- und Deckenmalereien gehörte es zum guten Ton der malenden Zunft – etwa mit sogenannten «Quodlibet»-Bildern –, hyperrealistische Darstellungen zu meistern und die Betrachter damit in die Irre zu führen. Einer der Höhepunkte dieser Mode ist Cornelius Gijsbrechts «Rückseite eines Gemäldes» von 1670.

Das vorliegende Bildwerk stellt eine ausgesprochen originelle Spielart der illusionistischen Malerei dar, wie sie vor allem in der flämischen Kunst des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert in Frankreich auflebte. François Ferrière versucht hier mit allen Mitteln, den Betrachter zu täuschen. Nicht nur durch einen illusionistischen Schattenwurf soll ein dreidimensionales Objekt vorgegaukelt werden, sondern auch durch an den Kanten unregelmässig ausgebrochenen Bildträger. Auf den ersten, vielleicht sogar auf den zweiten Blick wirkt das zweidimensionale Gemälde wie ein Fragment einer einer Steinbildhauerei oder eines Gipses im Halbrelief – ein Eindruck , ganz im Sinne des Künstlers. Die scheinbar aus dem Bildgrund herausragenden Köpfe und Körper der Putti erscheinen verblüffend plastisch, obwohl sie nur zweidimensional dargestellt sind. Ferrière gelingt hier in meisterhafter Manier die Manipulation des Publikums.




ABRAHAM VAN DIEPENBEECK
Die Rettung des Heiligen Paulus nach dem Schiffbruch.
Öl auf Holz.
34,5 x 27,5 cm.
Ergebnis: 72 500

Von der Leinwand aufs Glasfenster

Rückblick auf die Auktion für Alte Kunst vom 29. März 2019

Das in unserer März-Auktion Alter Meister vermittelte Gemälde ist eine von mehreren detailreich ausgearbeiteten Vorstudien von Abraham van Diepenbeeck (1596–1675) für die zehn Glasfenster der 1571 geweihten Dominikanerkirche St. Paulus in Antwerpen. Die um 1638 ausgeführten und inzwischen verlorengegangenen Glasmalereien thematisierten das Leben des Heiligen Paulus von Tarsus. Glasfenster von van Diepenbeeck, dessen Vater schon als Glasmaler tätig war, haben sich unter anderem in der Loretto-Kapelle des Antwerpener Karmeliterklosters und im Rathaus der Stadt erhalten. In seinen Antwerpener Jahren ab 1620 arbeitete van Diepenbeeck eng mit seinem flämischen Malerkollegen Peter Paul Rubens (1577–1640) zusammen, dessen stilistischer Einfluss in den erhaltenen Ölstudien und Zeichnungen erkennbar ist.

Das vorliegende Bildmotiv nimmt die in der Apostelgeschichte des Lukas festgehaltene Legende von Paulus’ Fahrt als Gefangener nach Rom auf. Paulus, der im Jahr 59 oder 60 dort vor das kaiserliche Gericht gestellt werden sollte, ahnte den bevorstehenden Sturm und prophezeite einen Schiffbruch: «Ihr Männer, ich sehe, dass diese Fahrt mit Leid und grossem Schaden vor sich gehen wird, nicht allein für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unser Leben.» Der Sturm kam tatsächlich und das Schiff lief auf eine Sandbank und zerschellte, doch Paulus rettete sich wie alle anderen «zweihundertsechsundsiebzig Seelen» an die nahe Nordküste der Insel Malta, vermutlich in die Salina Bay vor dem Dorf Burmarrad. Van Diepenbeeck Gemälde hält jene Szene der Pauluslegende fest, in der der kraftlose «Völkerapostel» aus den Fluten gerettet und auf sicherem Boden aufgenommen wird. In der Sammlung des Städel Museums in Frankfurt am Main befindet sich eine lavierte und gouachierte Kreidezeichnung, die das gleiche Motiv im Querformat zeigt.




HANS WEIDITZ D. J. auch als PETRARCAMEISTER bekannt
Würfelnde Landstreicher und bäuerliches Paar, um 1525-30.
Feder in Schwarz, partiell laviert, auf Bütten. Mit Bütten alt hinterlegt.
18,1 x 22 cm. Gerahmt.
Ergebnis: CHF 120 500

Mit virtuos geführter Feder

Rückblick auf die Auktion für Alte Zeichnungen vom 29. März 2019

Ländliche Szenen wie die im März versteigerte – mit den links im Bild im Würfelspiel unterbrochenen Landstreichern und dem vorbeischreitenden Bauernpaar auf der rechten Flanke – waren in ihrer Entstehungszeit ausgesprochen en vogue: «Derbe Darstellungen dieses Themas erfreuten sich, von etwa 1520 an bis über die Jahrhundertmitte hinaus grosser Beliebtheit. Kupferstich und Holzschnitt trugen zu weiter Verbreitung bei. Bilder von bäuerlichen Drolerien und Kirchweih-Rummel waren in der Nachfolge Dürers bei den Nürnberger Kleinmeistern beliebt aber auch im schwäbischen Raum gefragt.» (Fritz Koreny) Offenbar erregt das Glücksspiel der am Wegrand lagernden Vagabunden bei dem Bauernpaar Missmut, wie der auf die Würfel deutende Zeigefinger und der grimmige Blick nahelegen. Der bei einem Gehöft aufgestellte Maibaum im Hintergrund und der geschmückte Hut des Bauern verweisen womöglich auf ein Fest, das das Paar zu besuchen gedenkt. Die Zeichnung entstand in einer Epoche, in der Künstlerpersönlichkeiten wie Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer und andere die Motivwelt und ebenso die druckgrafischen Techniken revolutionierten. Die auf einem mittelgrossen Büttenbogen festgehaltene lavierte Zeichnung besticht durch die virtuos geführte Feder ihres Schöpfers. Die Zuschreibung des vorliegenden Werks erfolgte anhand von Vergleichen mit Holzschnitten von Hans Weiditz, bei denen sich zahlreiche motivische und stilistische Verwandtschaften ausmachen liessen, so etwa in den Holzschnitten zu Francesco Petrarcas «Von der Artzney bayder Glück / des guoten vnd widerwertigen. Vnnd weß sich ain yeder inn Gelück vnnd vnglück halten sol» (Augsburg, 1532). Besonders auffällig sind hier wie dort die ausdrucksstarken, bis ins Detail qualitätvoll durchgebildeten Gesichtszüge und die mit äusserster Sorgfalt ausformulierten Kleider der dargestellten Figuren. Über den um 1500 in Straßburg oder Freiburg geborenen deutschen Zeichner Hans Weiditz d. J., mitunter auch Petrarcameister genannt, ist bisher wenig bekannt. Zu wenige seiner Werke können bisher sicher zugeordnet werden. Zu den Stationen seines Schaffens dürften Augsburg, Straßburg und schliesslich bis zu seinem für 1536 nachgewiesenen Tod Freiburg im Breisgau gehört haben. Zu den für Weiditz belegten Arbeiten gilt eine Folge von Pflanzenaquarellen, die – entstandenen im Jahr 1529 und anschliessend umgesetzt in Holzschnitte – die dreibändige Ausgabe der Kräuterbücher «Herbarum vivae eicones» (Straßburg, 1530–1536) von Otto Brunfels illustrierte. Diese Aquarelle wurden 1930 in der Sammlung des Botanischen Instituts Bern wiederentdeckt.

Ein bedeutendes Schweizer Kunstmuseum hat diese Weiditz-Zeichnung für seine Sammlung erworben.




1 BRILLANT-RING, um 1960.
Platin 950.
Ergebnis: CHF 137 300

ReView

1 Bei diesem klassischen Solitaire-Modell eines Platin-Brillantringes besticht der facettierte Diamant durch seine ausgesprochen feine Qualität.

2 Adam Willaerts, dessen Familie aus Antwerpen stammte und der in London geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten Marinemaler des Goldenen Zeitalters. Ende des 16. Jahrhunderts widmete er sich im Norden der Niederlande der Genre- und Marinemalerei.



2 ADAM WILLAERTS
Flussmündung mit Galeere. 1620.
Öl auf Holz.
41,5 x 69,7 cm.
Ergebnis: CHF 84 500

3 EMAIL-DIAMANT-SAPHIR-BRACELET, DAVID WEBB, um 1960.
Gelbgold 750 und Platin 900, 114g.
Ergebnis: 28 100

3 Die originellen Frosch-Zwillinge dieses grün emaillierten, äusserst dekorativen Armreifs vom New Yorker Juwelier David Webb (1925–1975) waren eine sehr erfolgreiche Kreation.

4 Das vermutlich für einen privaten florentinischen Palazzo angefertigte Gemälde stammt von einem Schüler Lorenzo di Credis, einem der einflussreichsten Künstler der Hochrenaissance, der sich bei Leonardo da Vinci ausbilden liess.

5 Dieses Salbengefäss mit einem Frauenporträt auf der Schauseite stammt aus einer berühmten Majolikagruppe von Apothekenbehältnissen. Einige dieser so genannten Albarelli tragen die Wappen der Orsini und Colonna, zwei der einflussreichsten römischen Familien des 15. und 16. Jahrhunderts.

6 Mit seinem Motiv bezog sich Arnold Böcklin 1889 auf Peter Paul Rubens’ «Schlacht der Amazonen» (um 1680). Die dynamisch-kraftvolle Komposition lässt sich als Auflehnung der christlichen Moral gegen die entfremdete, unterdrückte Masse des Römischen Reiches interpretieren – eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen und somit ein zeitloses Phänomen.

4 TOMMASO DI CREDI
Madonna mit Kind und Johannes d. Täufer.
Öl auf Holz.
57,3 x 53,2 cm.
Ergebnis: CHF 65 300

5 MAJOLIKA ALBARELLO DES "ORSINI-COLONNA" TYPUS
Castelli d'Abruzzo, Werkstatt Orazio Pompei (1507-1589).
Um 1545-1555.
Ergebnis: CHF 13 700

6 ARNOLD BÖCKLIN
Der Kampf auf der Brücke. 1889.
Öl auf Holz.
96 x 149,5 cm.
Ergebnis: CHF 240 500

7 ZOOLOGIE
Merian Maria Sibylla.
Dissertatio de generatione et
metamorphosibus insectorum Surinamensium.
Ergebnis: CHF 132 500

7 Maria Sibylla Merian, Tochter des Bildchronisten Matthäus Merian d.Ä., begeisterte sich früh für Zoologie. 1699 bis 1701 durchreiste sie die niederländischen Kolonie Surinam und hielt die dortige Flora und Fauna in einzigartigen Aquarellen fest.

8 In einer Privatsammlung konnte dieses Gemälde des Antwerpener Manieristen de Cock wiederentdeckt werden. Es zeigt den Heiligen Antonius, der Versuchung des Weines widerstehend, der ihm von einer edlen Dame angeboten wird.


8 JAN WELLENS DE COCK
Die Versuchung des Heiligen Antonius.
Öl auf Holz.
27,7 x 37,2 cm.
Ergebnis: CHF 168 500

9 Horae B.M.V.
Stundenbuch.
Lateinische Handschrift auf geglättetem Pergament.
Ergebnis: CHF 78 500

9 Sieben grosse Miniaturen in Farbe und Gold mit reicher Bordüre, 17 fünfzeilige Prachtinitialen sowie viele zweizeilige Initialen in Gold und Farben schmücken dieses illustrierte Stundenbuch, das um 1480 für eine franziskanische Auftraggeberschaft entstanden sein dürfte.

10 Hyperrealistisches Tischgeschirr wie diese Schauterrine zierten im 18. Jahrhundert die Tafeln der Adelsfamilien; Straßburg zählte zu den Zentren der Fayence-Kunst.

11 Diese atmosphärische Darstellung einer nächtlichen Winterlandschaft mit einer Art Buvettenbetrieb stammt aus der Sammlung des TV-Produzenten Jef Rademakers, die Meisterwerke der niederländischen und belgischen Hochromantik vereinte.

12 Meissoniers skulpturales Schaffen – etwa 20 Bronzen – wurde erst nach seinem Tod entdeckt. Das Wachsoriginal dieser Darstellung Napoléons wird im Musée d’Orsay verwahrt. 180 000 Franken bedeuten einen Auktionsweltrekord für den Künstler.

10 TROMPE L'OEIL FAYENCE TERRINE IN FORM EINER SCHNEPFE
Strassburg, Periode Paul Hannong.
Um 1745-1754.
Ergebnis: CHF 32 300

11 ANDREAS SCHELFHOUT
Eisvergnügen mit "Koek-en-zopie" bei Nacht. 1849.
Öl auf Holz.
31 x 42,5 cm.
Ergebnis: CHF 90 500

12 JEAN LOUIS ERNEST MEISSONNIER (1815-1891)
Bronzefigur, "Napoléon à cheval" oder "Le voyageur", um 1900.
Bronze mit dunkler Patina.
L 59, H 48 cm.
Ergebnis: CHF 180 500





LOUISE NEVELSON
Cloud II. 1984.
Holz, bemalt.
84 x 115 x 6,5 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

Zentrum für künstlerische Nachlässe

In Zürich widmet sich eine neu gegründete Institution Nachlässen aus Kunst, Musik und Literatur

Sammlerinnen, Künstler, Musikerinnen und Schriftsteller: Alle vererben sie einmal ihre materiellen und immateriellen Werke und alle haben sie sich dabei zum Teil mit ähnlichen Fragen auseinanderzusetzen: Wer soll dereinst die künstlerischen und die kommerziellen Entscheidungen über die vererbten Werke treffen? Wie kann eine Strategie aussehen, um den künstlerischen Nachlass auch für zukünftige Generationen relevant und interessant zu halten? Wie lässt sich der finanzielle Wert eines künstlerischen Nachlasses schätzen und wie ist mit den urheberrechtlichen Besonderheiten bezüglich der immateriellen Werke in einer Nachlasssituation umzugehen? Damit diese und weitere Themenkomplexe rund um Nachlässe der Bereiche Kunst, Musik und Literatur mehr Aufmerksamkeit erfahren, haben der Rechtsanwalt Dr. Florian Schmidt-Gabain und der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Strässle das «Zentrum für künstlerische Nachlässe» (ZKN) gegründet.



Florian Schmidt-Gabain (l.) und Thomas Strässle (r.) haben
das Zentrum für künstlerische Nachlässe gegründet und
leiten es gemeinsam als Präsident und Vizepräsident.

«Das ZKN ist ein wissenschaftliches Zentrum, das Konferenzen, Seminare und Vorträge organisieren wird», beschreibt der auf Kunst- und Erbrecht spezialisierte Florian Schmidt-Gabain den Tätigkeitsbereich der neu gegründeten Institution mit Sitz in Zürich. «Indem sowohl die (Bildende) Kunst als auch die Musik und die Literatur im Fokus des ZKN stehen », ergänzt Thomas Strässle, der unter anderem Präsident der Max Frisch-Stiftung ist, «wollen wir eine fächerübergreifende Perspektive ermöglichen». Beide Gründer des ZKN unterstreichen, dass sie in ihren beruflichen Tätigkeiten ein starkes Bedürfnis nach Information und Wissen im Bereich der künstlerischen Nachlässe feststellen würden. «Um diesem Bedürfnis zu entsprechen, haben wir das ZKN ins Leben gerufen.» Neben künftigen Erblassern und Erben richtet sich das ZKN auch an weitere mit künstlerischen Nachlässen in Verbindung stehende Personen und Institutionen wie z.B. Verlage, Museen, Galerien, Restauratoren, Archive und Anwälte.

Die offizielle Eröffnung des ZKN findet am 21. November 2019 mit einer Konferenz in Zürich statt. Im Grossen Vortragssaal des Kunsthauses setzen sich die Referentinnen und Referenten unter anderem mit den Nachlässen der erst kürzlich wiederentdeckten schwedischen Pionierin der abstrakten Malerei, Hilma af Klint (1862–1944), und eines der bekanntesten Sammler der Schweiz, Emil G. Bührle, auseinander. Anmeldungen für die Konferenz können über www.zkn.ch vorgenommen werden.

Die Koller Auktionen AG verfügt über eine grosse Erfahrung bei der Bewertung und beim Verkauf von Sammler- und anderen Kunstnachlässen. Sie begrüsst deshalb die Gründung des Zentrums für künstlerische Nachlässe sehr und freut sich, dieses als Sponsorin unterstützen zu dürfen.




KOLLERview erscheint viermal jährlich,

die nächste Ausgabe folgt im Juni 2019

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde unseres Hauses

Mit Freude blicken wir auf ein erfolgreiches Auktionsjahr zurück, in dem wir in vielen von uns angebotenen Spezialbereichen nicht nur ausgezeichnete Zuschläge erzielen, sondern auch bemerkenswerte Verkaufsquoten verzeichnen durften.

Kees van Dongens «Ägypterin» ging im Juni für 1,75 Mio. Franken in eine deutsche Privatsammlung, nachdem wir dieses expressive Bildnis an Sondervorbesichtigungen in Genf, Düsseldorf, Zürich und Paris einem grossen Publikum vorstellen konnten. Und Emil Noldes 1918 entstandenes «Doppelbild (Sie seltsames Licht)» hat nach einem Bietergefecht, das schliesslich bei 1 Mio. Franken endete, sein neues Zuhause in einer bedeutenden Schweizer Kollektion gefunden (siehe S. 11).

Im März 2018 erreichten wir mit 538’000 Franken für ein Vanitas-Stillleben aus dem 17. Jahrhundert den zweithöchsten je an einer Auktion erzielten Preis für ein Gemälde von Carstian Luyckx. Für «Kiss» aus dem Jahre 1979 von John Chamberlain konnten wir im Juni den herausragenden Zuschlag von 530’000 Franken realisieren. Beide Ergebnisse illustrieren exemplarisch die viele Jahrhunderte umfassende Breite unseres Auktionsangebotes.

Zu den Tausenden Kunstwerken, die in den letzten zwölf Monaten durch unsere Hände gingen, gehörten unter anderem hervorragende Arbeiten von Lehmbruck, Boudin, Spitzweg, Dufy, Kirchner, Dix, Marquet, Renoir, Vlaminck, Chagall, Miró, Klee, Vasarely, Tobey, Warhol, Cragg, Soulages, Gertsch, Picasso, Poliakoff, Lichtenstein oder Haring bis zum Who’s who der Schweizer Malerei, das von Anker und Zünd über Hodler, Vallotton, Dietrich, Amiet, Giacometti, Segantini bis zu Itten, Lohse und Bill reichte. Dazu gesellten sich erfolgreiche Auktionen für seltene Kunstwerke aus China, für erlesene Möbel französischer Ebenisten, für Sammler-Silber, Juwelen und seltene Armbanduhren, für romanische und gotische Skulpturen sowie für Altmeister-Grafik und mittelalterliche Buchmalerei.

Vom 26. bis 29. März 2019 führen wir zum Auftakt des neuen Auktionsjahres unsere nächste Serie von Versteigerungen durch, die traditionell der alten Kunst gewidmet ist.

Im Juni 2019 folgen dann die Auktionen für Moderne und Zeitgenössische Kunst, Design, Art Déco und Jugendstil, Fashion und Sammleruhren, Schmuck und Schweizer Kunst, für die wir bis Mitte April Einlieferungen entgegennehmen. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich mit Ihrem Anliegen an unsere Spezialisten in Zürich oder an eine unserer Zweigstellen in Genf, Mailand, Düsseldorf oder München wenden. Unsere Schätzungen und Offerten im Hinblick auf unsere Auktionen sind kostenlos und unverbindlich. Allfällige Transporte und Zollformalitäten organisieren wir ebenso für Sie wie ein internationales Marketing für Ihre uns anvertrauten Kunstobjekte.

Wir freuen uns, für Sie und mit Ihren Kunstwerken arbeiten zu dürfen!

Ihr Cyril Koller


1 Jan van Noordt.
Die Begegnung von Preziosa und Don Juan
eine amouröse Szene.
Öl auf Leinwand. 131,5 x 172,5 cm.
Schätzung: CHF 100 000 / 140 000

Kunstsinniger Kurfürst, sensibler Don Juan

Vorschau auf die Auktion für Gemälde Alter Meister vom 29. März 2019

Gleich sechs verschiedene Porträts schufen Lucas Cranach d. Ä. und die Gesellen seiner wohlorganisierten Werkstatt von seinem Förderer Herzog Friedrich dem Weisen (1463–1525), Kurfürst von Sachsen, Freund der Künste und Wissenschaften. Cranach diente dem Herzog auch, indem er dessen bedeutende Sammlung von 19’000 Reliquien inventarisierte und in Holzschnitten festhielt. Das vorliegende Bildnis auf Buchenholz (Abb. 2) entstand vermutlich 1525 und damit im Todesjahr des Regenten, zuletzt öffentlich gezeigt wurde es im Jahr 1974. Und nicht nur die Cranachs und ihre Werkstatt porträtierten den kunstsinnigen Regenten, sondern auch Albrecht Dürer.



2 Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt.
Bildnis des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise.
1525. Öl auf Buchenholz. 38,7 x 25,3 cm.
Schätzung: CHF 90 000 / 120 000



3 Peter Binoit.
Blumenstillleben in einer Engobevase.
Öl auf Kupfer. 20,5 x 15,8 cm.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000

Der in Frankfurt/Main und Hanau tätige Stilllebenmaler Peter Binoit (1590/91–1632) erinnert uns mit kleinen, beinahe versteckten Zeichen an die Vergänglichkeit unseres Daseins: In seinem opulenten Blumenbouquet (Abb. 3) finden sich neben ganz frisch erscheinenden Blüten auch solche, die bereits welken. Benoits meisterhafte Komposition und Pinselführung sowie die superbe Farbigkeit hauchen dem auf Kupfer gemalten Strauss Leben ein.

Jan van Noordt (1623–1681) bezieht sich in seiner grossformatigen «Begegnung von Preziosa und Don Juan» (Abb. 1) nicht auf künstlerische Vorbilder, sondern komponiert das Motiv völlig neu. Entgegen den Frauenheld-Klischees aus den literarischen Vorlagen erhält Don Juan auf diesem vielfach publizierten Ölgemälde weiche und verletzliche Züge.

Titelbild: Hans Weiditz d. J.
auch als PETRARCAMEISTER bekannt.
Würfelnde Landstreicher und bäuerliches Paar, um 1525-30.
Feder in Schwarz, partiell laviert, auf Bütten. 18,1 x 22 cm.
Schätzung: CHF 35 000 / 55 000




4 Arnold Böcklin.
Der Kampf auf der Brücke. 1889.
Öl auf Holz. 96 x 149,5 cm.
Schätzung: CHF 250 000 / 350 000

Böcklins Kraft und Rademakers Auge

Vorschau auf die Auktion für Gemälde des 19. Jahrhunderts vom 29. März 2019

Inspiration für sein monumentales Ölbild «Der Kampf auf der Brücke» (Abb. 4) holte sich der Schweizer Arnold Böcklin (1827–1901) bei Peter Paul Rubens. Wie in dessen «Schlacht der Amazonen» (um 1618) lässt Böcklin die wilde Kampfszene auf einer Brücke stattfinden, die es ihm erlaubt, die Bildfläche in verschiedene Zonen zu trennen. Der Kampf zwischen einem wohl germanischen Stamm gegen eine mutmasslich römische Armee füllt beinahe das gesamte Format aus. Damit rückt er den Betrachter nahe an das brutale und rohe Geschehen, die Pferde im Sprung sprengen fast den Rahmen. Böcklins Darstellung lässt sich als Auflehnung der christlichen Moral gegen die entfremdete, unterdrückte Masse des Römischen Reiches interpretieren.



5 Oswald Achenbach.
Fröhliche Gesellschaft in der Campagna mit Blick auf den Vesuv.
Öl auf Leinwand. 66,5 x 95 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 40 000

6 Carl Morgenstern.
Venedig mit Blick auf den Dogenpalast und Santa Maria della Salute. 1863.
Öl auf Leinwand. 54 x 89 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

Mit Carl Morgenstern (1811–1893) ist einer der Schüler Carl Rottmanns und zugleich einer der prägenden deutschen Italianisten in der Offerte vertreten. Auf zahlreichen Reisen sammelte Morgenstern Eindrücke, die er in atmosphärisch aufgeladene Darstellungen italienischer Küstenlandschaften und Stadtansichten wandelte. Seine jetzt angebotene Ansicht von Venedig mit Blick auf den Dogenpalast und Santa Maria della Salute (Abb. 6) entstand 1863. Sie ist ein veritabler Beleg für Morgensterns herausragende Fähigkeit, das Licht des Südens auf die Leinwand zu übertragen.

Sammlung Rademakers

Einige jetzt angebotene Meilensteine der niederländischen und belgischen Romantik des 19. Jahrhunderts stammen aus der Rademakers Collection. Die Sammlung des ehemaligen TV-Produzenten Jef Rademakers umfasst mehr als hundert Gemälde der Hochromantik von überwiegend niederländischen und belgischen Meistern. Zu den etlichen Glanzstücken, die jetzt in Zürich zum Aufruf kommen, zählen «Winterlandschaft mit ‹koek en zopie› bei Nacht» (Abb. 7) von Andreas Schelfhout (1787–1870) und ein von David Emil Joseph de Noter im Jahr 1847 vollendetes Prunkstillleben (Abb. gegenüber) in Kunstkammerformat. Bei beiden Künstlern wird die Beschäftigung mit der Kunst des 17. Jahrhunderts offenkundig.

7 Andreas Schelfhout.
Eisvergnügen mit "Koek-en-zopie" bei Nacht. 1849.
Öl auf Holz. 31 x 42,5 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 40 000

8 David Emil Joseph de Noter.
Prunkstillleben. 1847.
Öl auf Holz. 28,5 x 38,2 cm.
Schätzung: CHF 20 000 / 30 000



9 Prunkkassenschrank mit kaiserlichem Wappen.
sign. Haffner Frères, 8 passage Jouffroy Paris, wohl C.G. Diehl oder G. Grohe.
Paris, um 1860. 100 x 52 x 150 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000

Virtuoses Handwerk, opulenter Dekor

Vorschau auf die Auktion für Möbel, Porzellan und Silber vom 28. März 2019

Die im 18. Jahrhundert in Norditalien und Südfrankreich perfektionierte Kunst der ‹Lacca povera› oder ‹Lacquer povera› berief sich auf asiatische Vorbilder. Chinesische und japanische Lackarbeiten gelangten in jener Zeit überaus zahlreich nach Europa und begeisterten zuerst die Handwerker und Auftraggeber in Venedig und Genua.



10 Trompe l’oeil Fayence Terrine in Form einer Schnepfe.
Strassburg, Periode Paul Hannong, um 1745-1754.
L 28, H 22 cm.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000

11 Seltene kreuzförmige Halsuhr mit Bergkristall.
wohl Conrad Kreizer, Deutschland, Ende 16. Jh.
4,5 x 3,3 x 1,7 cm.
Schätzung: CHF 60 000 / 80 000

Aus anfänglichen Nachahmungen entwickelte sich eine eigene Technik: Ausgeschnittene kolorierte Kupferstiche wurden auf Türblätter und Schubladen geklebt und dienten als Bildschmuck, nur das aufwändige Lackfinish in Sandarak-Naturharz erinnerte noch an Asien. Der figurative und florale Dekor der Aufsatz-Schreibkommode (Abb. 13) aus der März-Auktion ist exemplarisch: Vor idealisierten Landschaften geben sich die Abgebildeten vor allem den lieblichen Seiten des Lebens hin.

Ein prachtvoll dekorierter Kassenschrank von musealer Qualität und in perfekter Erhaltung kann dem in Paris tätigen Ebenisten Charles-Guillaume Diehl (1811–1885) zugeschrieben werden (Abb. gegenüber). Die handwerkliche Meisterschaft Diehls und seiner grossen Werkstatt sorgte an den Pariser Weltausstellungen von 1867 und 1878 für Furore. Die damals entstandenen Marketerie-Möbel finden sich heute in den weltweit wichtigsten Sammlungen. Der jetzt aufzurufende Prunkschrank soll im Jahr 1862 ein Geschenk der Stadt Paris an Kaiser Napoleon III. gewesen sein.

12 Schildpatt-Schmuckdose.
Basel 1714-1744. Meistermarke Hans Jakob D'Annone.
Silber, teilweise vergoldet, gegossen und graviert. Schildpatt. 12,4x9,2x8 cm.
Schätzung: CHF 6 000 / 10 000

13 Seltene Arte Povera Aufsatzschreibkommode.
Barock, Venedig, 18. Jh. 139 x 58 (92) x 238 cm.
Schätzung: CHF 100 000 / 150 000



14 M. S. Merian.
Dissertatio de generatione et metamorphosibus insectorum Surinamensium.
Den Haag 1726. / Histoire des Insectes de l'Europe, Amsterdam, 1730.
Schätzung: CHF 60 000 / 90 000



Exotische Fauna

Vorschau auf die Auktion für Bücher, Buchmalerei und Autographen vom 26. März 2019

und auf die Auktion für Zeichnungen und Aquarelle vom 29. März 2019

Das ausgehende 17. Jahrhundert war geprägt vom zunehmenden Interesse an der Natur. Maria Sibylla Merian (1647–1717) wuchs in einer künstlerisch tätigen Familie auf; ihr Vater, Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650), zählte zu den wichtigsten Bildchronisten seiner Zeit. Sie selbst interessierte sich früh für Zoologie. Dass sich Maria Sybilla Merian der Flora und Fauna der niederländischen Kolonie Surinam widmete, entsprang einer Empfehlung: Der dortige Gouverneur regte Merian dazu an, eine Forschungsreise durch den Küstenstaat zu wagen.



15 Rudolf von Alt.
Blick in ein Schlafzimmer, 1859.
Aquarell über Feder in Grau, Bleistift, weiss gehöht.
33 x 40 cm.
Schätzung: CHF 7 000 / 9 000

16 Horae Beatae Mariae Virginis.
Lateinische Stundenbuchhandschrift auf Pergament.
Wohl Flandern, um 1460.
Schätzung: CHF 70 000 / 90 000

Die in den Jahren 1699 bis 1701 vor Ort von Merian angefertigten Zeichnungen und gesammelten Objekte bildeten die Vorlagen für eine Serie von 60 Kupferstichen. 1726 veröffentlicht in ihrem opus magnum, «Dissertatio de generatione et metamorphosibus insectorum Surinamensium.» (Abb. 14 und S. 9), machten sie die Künstlerin in ihrer Heimat postum bekannt. Zwei Eigenheiten der vorliegenden Ausgabe sind erwähnenswert: Zum einen umfasst der Band die beiden Hauptwerke Merians, denn neben den Surinam-Insekten ist die ebenso berühmte Abhandlung «Histoire des Insectes de l’Europe » von 1730 eingebunden. Zum anderen hat sich das Exlibris erhalten – ein ebenfalls von Merian gefertigter Kupferstich, der auf einen Erstbesitzer aus ihrem Umfeld schliessen lässt.

Prachtvolles Stundenbuch

Aus einer ganzen Reihe wertvoller Buchpreziosen ragt ein um das Jahr 1460 in Flandern entstandenes «Livre d’heures» heraus. (Abb. 16) Geschmückt ist das Gebets- und Andachtsbuch mit 17 prachtvollen Miniaturen in Gold und Farben, acht kleineren Miniaturen sowie 32 Bordüren. Auffallend virtuos und kenntnisreich ausgeführt sind seine Architekturdarstellungen. Dieses sehr sorgfältig illuminierte Exemplar war seit knapp fünf Jahrzehnten nicht mehr im Handel und liegt in einem bemerkenswert sauberen und breitrandigen Zustand vor.

14 M. S. Merian
Dissertatio de generatione et metamorphosibus insectorum Surinamensium.
Den Haag 1726. / Histoire des Insectes de l'Europe,
Schätzung: CHF 60 000 / 90 000



17 Sylvie Fleury.
Be Amazing. 2003.
Multiple. 62/100. 20 x 30 cm.
Ergebnis: CHF 2 200

ReView

17 Die Schweizer Objektkünstlerin Fleury präsentierte ihre unmissverständliche und dennoch ironische Aufforderung «Be Amazing» bereits in verschiedenen Formen – hier im Stil eines noblen Türschildes aus Messing.

18 In expressivem Duktus, beinahe schon dreidimensional brachte Giovanni Giacometti die Farben für seine Ansicht der bis über 3000 Meter aufsteigenden Sciora-Bondasca-Gruppe auf die Leinwand und zeigt sich damit als Meister der Farbe auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Der virtuose Umgang mit Licht und Schatten der Bergwelt zwischen Malojapass und Chiavenna prägte sein Lebenswerk. Dieses Gemälde stammt aus einer Schweizer Privatsammlung, in die es durch einen Ankauf beim Künstler selbst gelangte.



18 Giovanni Giacometti.
Bergell mit Blick auf die Sciora-Gruppe. 1931.
Öl auf Leinwand. 75,5 x 80 cm.
Ergebnis: 310 000

19 Pierre Soulages.
Ohne Titel. 1973.
Gouache auf Papier auf Leinwand. 75 x 54,5 cm.
Ergebnis: 324 000

19 Diese Gouache lebt durch den subtilen Kontrast zwischen den tiefschwarzen Balken und dem kräftigen, dazwischen aufleuchtendem Blau. Mit Gummirakeln strukturiert Soulages seine Bildfläche und legt die unter dem deckenden Schwarz liegenden Farbflächen frei. Diese in die Tiefe der Malschichten vordringende Schabtechnik dynamisiert die Bildkompositionen und fördert effektvolle Farbklänge zutage. Die auf diese Weise entstehenden Werke werden als Outrenoir-Bilder bezeichnet, also Arbeiten jenseits von Schwarz.

20 Roths Barwagen vereint in sich die vom Bauhaus geprägte Formenwelt und die bevorzugten Materialien des modernen Produktdesigns der frühen 1930er-Jahre. Vor allem die strenge Chromstahlkonstruktion verweist unmittelbar auf Möbelentwürfe von Mart Stam, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe.

21 Lichtensteins plakative, am zeitgenössischen Comic orientierten Motive der Sechzigerjahre sind zu Ikonen der Nachkriegskunst geworden.

22 260 Werke von Otto Dix wurden 1937 von den Nazis als «Entartete Kunst» diffamiert. Der Künstler widmete sich fortan vorwiegend der Landschaftsmalerei. «Wintertag in Randegg» aus dem Jahr 1933 steht für diese Zeit, in der sich Dix' Maltechnik auf historische Vorbilder bezieht. Das Schweizer Museum zu Allerheiligen Schaffhausen sicherte sich den Zuschlag für dieses exemplarische Gemälde.

20 Alfred Roth.
Barwagen, Modell «1952», Entwurf 1932 für Embru.
99 x 33 x 73 cm.
Ergebnis: CHF 60 000

21 Roy Lichtenstein.
Crying Girl. 1963.
Farboffset. 43,2 x 58,4 cm.
Ergebnis: CHF 31 000

22 Otto Dix.
Wintertag in Randegg. 1933.
Mischtechnik auf Holz.
Ergebnis: CHF 170 000

23 Emil Nolde.
Doppelbild (Sie seltsames Licht). 1918.
Öl auf Leinwand. 60,6 x 56,2 cm.
Ergebnis: CHF 1 Mio

23 In Emil Noldes Porträts spiegelt sich das besondere Interesse des Künstlers an der menschlichen Seele, seine intensive Suche nach dem psychologischen Abbild seiner Gegenüber.

24Diese normannische Landschaft entsteht auf dem Höhepunkt von Dufys Karriere. Typisch für jene Schaffensphase sind sowohl der lockere, von leichter Hand geführte Duktus als auch das friedvolle, naturverbundene Motiv aus einer ländlichen Gegend im französischen Norden.


24 Raoul Dufy.
Paysage en Normandie ou Le Poirier. 1930.
Öl auf Leinwand. 60 x 73cm.
Ergebnis: 115 000

25 Adolf Dietrich.
Abendstimmung am Untersee. 1926.
Öl auf Karton. 32,7 x 42,9 cm.
Ergebnis: 480 000

25 Dietrich begab sich immer wieder auf die Suche nach einer farblichen und motivischen Übersteigerung der abgebildeten Landschaft. Abendstimmungen kommen in ihrem intensiven Kolorit dieser Intension besonders entgegen und gehören zu den eindrucksvollsten Werken des Künstlers.

26 Picasso hat seine Liebe zu Keramik bei einem Besuch der Keramikwerkstatt Madoura in Vallauris 1946 entdeckt. Mit grosser Leidenschaft schafft er zwischen 1947 und 1971 ca. 600 Werke – Alltagsgegenstände wie Krüge, Vasen, Teller und Aschenbecher, aber auch Skulpturen und Bildnisse.

27 Pablo Picasso. Tête en Forme d'Horloge. 1956. Teller. Gegossen und herausgegeben von Pierre und François Hugo. Silber. 19/20. D: 42,5 cm. Ergebnis: CHF 36 000 Auch dieser in kleiner Auflage produzierte Teller offenbart Picassos Talent, mit minimalen Mitteln Grossartiges zu schaffen.

28 Sonnenuntergänge zählen zu den bevorzugten Motiven von Vallotton. Dieses frühe, bei Honfleur entstandene Gemälde besticht durch seine exquisite Farbigkeit. Dank reduzierter Formen konzentriert sich der Blick des Betrachters auf die kühn gesetzten, beinahe unwirklich erscheinenden Farbflächen.

26 Pablo Picasso.
Hibou. 1968.
Keramik. 59/500. H: 30 cm.
Ergebnis: CHF 20 000

27 Pablo Picasso.
Tête en forme d'horloge. 1956.
Teller. Gegossen und herausgegeben von Pierre und François Hugo. Silber. 19/20. D: 42,5 cm
Ergebnis: CHF 36 000

28 Félix Vallotton.
Coucher de soleil jaune et vert. 1911.
Öl auf Leinwand. 54 x 81 cm.
Ergebnis: CHF 880 000


29 Pierre Soulages.
Eau-forte XX. 1972.
Farbaquatintaradierung. 43/100. 50 x 66 cm.
Ergebnis: CHF 23 000

29 Soulages’ reduzierte Form ist eines von mehreren Motiven einer Aquatinta-Folge, die in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre entstand. Hier wird der Einfl uss kalligraphischer Schriftzeichen aus Fernost besonders deutlich, doch anders als in seinen Outrenoir-Bildern spielt hier der Kontrast zum Schwarz nur eine Nebenrolle.

30 Mit diesem kleinformatigen Farboff setdruck zitiert Richter sein eigenes Ölgemälde «Umgeschlagenes Blatt» von 1965. Zugleich bezieht er sich auf das reizvolle Spiel zwischen Illusion und Wirklichkeit in der Malerei früherer Epochen, in dem er dem Betrachter mit seiner Darstellung etwas vortäuscht, das so gar nicht existiert.


30 Gerhard Richter.
Blattecke. 1967.
Farboffsetdruck. 593/739. 24 x 18 cm.
Ergebnis: 5 000

31 Edouard Marcel Sandoz.
Groupe de chèvres. 1937.
Bronze. H: 42 cm.
Ergebnis: 54 000

34 Tiffany Studios New York.
Twelve-Light-Lily Stehlampe. Um 1910.
Bronze und Favrile-Glas. H: 141 cm.
Ergebnis: CHF 36 000

31 Sandoz trat insbesondere als Tierbildhauer in Erscheinung, sein Oeuvre umfasst mehr als 1800 Skulpturen und 200 Porzellanmodelle. Die beiden in Bronze gegossenen Ziegen des in Basel geborenen und ab 1910 in Paris tätigen Sandoz stehen exemplarisch für seine realitätsnahen Darstellungen mit Anleihen aus Jugendstil und Art Déco.

32 Dieser exklusive Zeitmesser wurde aus Anlass des 175jährigen Gründungsjubiläums von Patek Philippe in nur 400 Exemplaren angefertigt. Ausgestattet ist die Herrenuhr mit einem hochfeinen Automatik Flyback-Chronographenwerk, sein neues Kaliber ‹CH 28-520› zeigt beispielhaft die Verbindung von Tradition und Innovation.

33 Die Amerikanerin Marcia Hafif nennt ihren unverkennbaren Stil mit abstrakten geometrischen Kompositionen und monochromen Farbfl ächen «Pop Minimal». Dieses Werk entstand während Hafi fs Jahren in Italien, jetzt hat es ein Schweizer Museum zur Ergänzung seiner Sammlung erworben.

34 Die «Twelve-Light-Lily» steht exemplarisch für die vom floral-dekorativen Jugendstil geprägte Formensprache der berühmten New Yorker Tiff any Studios.

32 Patek Philippe.
Jubiläums-Chronograph. 2015.
Gelbgold 750. Ref. 5975 J.
Ergebnis: CHF 60 000

33 Marcia Hafif.
Brown-yellow. 1963.
Acryl auf Leinwand. 140 x 140 cm.
Ergebnis: CHF 19 000


35 Pablo Picasso.
Tête de Marie-Thérèse. 19. Zustand. 1933/1961.
Kaltnadelradierung. 18/50. 31,8 x 23 cm.
Ergebnis: CHF 26 000

35 Dass Picasso auch ein grossartiger Meister der Kaltnadelradierung war, belegen viele Einzelblätter und Radierfolgen. Was sich durch Zustandsdrucke nur bei den Grafiken nachvollziehen lässt, ist die Genese seiner Motive. Durch fortwährende Bearbeitung der Kupferplatten entstehen Schritt für Schritt Motive neuen Ausdrucks.

36 Die Theodore Lux Feininger, dem jüngsten Sohn des Malers Lyonel Feininger, zugeschriebene Aufnahme dokumentiert eine der berühmten Theateraufführungen am Dessauer Bauhaus. Die abgebildeten Kostüme und das Bühnenbild stammen aus dem Sketch «Olga-Olga» der 1928 zur Aufführung kam.


36 Theodore Lux Feininger.
Aufführung Bauhaus Dessau. 1928.
Silbergelatine-Abzug. Vintage. 29,8 x 23,7 cm
Ergebnis: 13 000

37 Hermann Scherer.
Mendrisiotto. Um 1925/1926.
Öl auf Leinwand. 112 x 120 cm.
Ergebnis: 200 000

38 Hermès Paris made in France.
SAC "Birkin" 35 cm aus orangem Taurillon Clemence Leder.
2013. 35 cm.
Ergebnis: CHF 16 000

37 An diesem Bild ist der Einfluss des deutschen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner auf den Basler Künstler Hermann Scherer unschwer zu erkennen. Beide arbeiteten in Frauenkirch bei Davos gemeinsam und blieben bis zu Scherers frühem Tod befreundet. Das vorliegende Bild entstand im Tessiner Mendrisiotto.

38 Palladium Metallapplikationen. Mit Schlüssel, Schloss, Staubbeutel und Regenschutzhülle. In Originalbox. Neuwertig und in Originalverpackung.

39 Diese beiden mit feinen, weissen Naturperlen bestückten Ohrclips zitieren Jugendstilschmuck der Epoche um 1910. Jeder der Hänger ist mit vier kleinen Altschliff- sowie zehn Achtkant-Diamanten besetzt, deren Gesamtgewicht 2.20 ct. beträgt.

40 Gottardo Segantinis Farbpalette und Pinselführung lehnen sich eng an die Arbeiten seines Vaters Giovanni an. Beide widmeten sich immer wieder den Farbexperimenten des Divisionismus. Daneben einte beide Künstler die tief empfundene Verbundenheit mit ihrer Heimat, dem Engadin, das in diesem Bild über zwei seiner Oberengadiner Hausberge repräsentiert ist.

39 Naturperlen-Diamant-Ohrhänger.
Weissgold 750 und Platin 950, 25g.
Ergebnis: CHF 180 000

40 Gottardo Segantini.
Sera d'Inverno. 1919. Blick von Maloja gegen Piz Surlej und Corvatsch.
Öl auf Leinwand. 105 x 152 cm.
Ergebnis: CHF 140 000



Félix Vallotton
La Symphonie. 1897.
Holzschnitt. Probedruck. 32 x 43 cm.
Ergebnis: CHF 8 500



Eine Welt in Schwarzweiss

Félix Vallotton als Druckgrafiker

«Den knappsten Ausdruck für den grössten Inhalt.» Kein Geringerer als der deutsche Kunstpublizist Julius Meier-Graefe fasst 1898 in diesem Satz Félix Vallottons Handschrift als Grafiker zusammen. Bereits in jungen Jahren schafft es der 1865 in Lausanne geborene Vallotton, mit seinen Holzschnitten für Furore zu sorgen. Nicht zufällig befasst sich die erste Künstlermonografie über ihn ausschliesslich mit diesem Aspekt seines OEuvres. Zugleich währt die Phase der intensiven Arbeit an druckgrafischen Werken nur relativ kurz: Zwischen 1891 und 1898 entstehen rund 200 Holzschnitte und deutlich weniger Radierungen, Lithografien und Zinkografien – vornehmlich Porträts, Landschaften, Strassenbilder und Interieurs –, die damals sein Hauptbetätigungsfeld waren. Neben den freien Arbeiten schuf Vallotton eine grosse Zahl an Buch- und Magazinillustrationen sowie Karikaturen. Später sporadisch entstandene Grafiken erreichten nicht mehr das Niveau dieser frühen und enorm intensiven Schaffensphase.



Félix Vallotton.
Les Petites Baigneuses. 1893. Portfolio mit 10 Holzschnitten.
Vollständig. Je 12,5 x 16,5 cm.
Ergebnis: CHF 168 000

Félix Vallotton.
Les Petites Baigneuses. 1893. Portfolio mit 10 Holzschnitten.
Vollständig. Je 12,5 x 16,5 cm.
Ergebnis: CHF 168 000

Vallottons künstlerische Meisterschaft manifestiert sich in radikal gewählten Bildausschnitten, virtuos gesetzten Silhouetten und der ornamentalen Gesamtwirkung seiner Arbeiten. Er transformiert die Darstellung in Flächen, schöpft also unmittelbar eigene Bildwelten, die keine Abbilder sein wollen. So kommt unter anderem die zehnteilige Bildserie «Intimités» in den Jahren 1897/98 zu Papier und gilt als «krönender Abschluss seines Holzschnittwerks» (Rudolf Koella). Ähnlich meisterhaft ist die schon zuvor in Holz geschnittene Serie der «Instruments de Musique» (1896/97) und ebenso die jetzt verkaufte, frühe Holzschnitt-Folge «Les Petites Baigneuses» (1893). Zu jener Zeit kulminiert die Vallotton’sche Eigenart, sein virtuoser Umgang mit dem Flächenspiel von Schwarz und Weiss. Die Badenden strahlen dabei Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus – ganz im Unterschied zu den Interieurs der «Intimités». Dort erscheinen, spannungsvoll, wie im Rampenlicht, die zehn jeweils von einem Paar belebten Interieurs. Wie beiläufig nutzt Vallotton Hintergründe und Oberflächen für sein Spiel mit Ornamenten. «Auch diese Holzschnitte sind im Grunde nichts anderes als ein satirischer Sittenspiegel der Zeit, der maliziös aufzeigt, was sich in der Intimität bürgerlicher Salons alles abspielen konnte.» (Rudolf Koella) Vallotton feiert mit diesen Werken internationale Erfolge und wird vielfach zu Ausstellungen eingeladen.

Von der Schweiz hatte es ihn, erst siebzehnjährig, in die Metropole Paris gezogen. Sein Studium absolviert er an der privaten Académie Julian, wo er unter anderem auf Maurice Denis, Pierre Bonnard und andere trifft, die sich – gemeinsam mit Vallotton – 1889 zu ‹Les Nabis› zusammenschlossen. Vallotton war sich früh darüber im Klaren, welchen Rang der Holzschnitt in seinem Werk haben würde, als er 1892 an seinen Bruder schrieb: «Mes bois font paraît-il leur petit chemin dans le monde, et me font beaucoup connaître.» Und tatsächlich finden die in Paris entstehenden Grafiken weite Verbreitung und wirken nachhaltig auf seine Kollegen, etwa die Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff oder auch Wassily Kandinsky. Letzterer initiiert 1904 eine Ausstellung von Werken Vallottons in der Münchner ‹Phalanx›. Doch überzeugt nicht nur der Einfluss auf andere, sondern mindestens ebenso die Gültigkeit der Vallotton’schen Bildformeln als Spiegel einer Epoche: «Ist ein Stil so ungeheuer stark wie der Stil dieser Holzschnittvignetten, dann trägt er mehr als Buchillustration. Dann trägt er den ganzen Geschmack einer Zeit – einer Zukunft.» (Wilhelm Hausenstein)

Übrigens ging der Künstler nicht ganz so weit, wie Meier-Graefe ihm riet: «Vallotton hat aus dem Holzschnitt so viel gemacht, dass er getrost auf den Ehrgeiz verzichten könnte, auch als Maler zu zählen.» Vallotton bremste seinen Ehrgeiz nicht und reüssierte bis zu seinem Tod 1925 entgegen der Vermutung des Fachmanns auch als Maler.

Das in der Auktion vom 8. Dezember 2018 erzielte Ergebnis von CHF 168 000 für «Les Petites Baigneuses» bedeutet einen Auktionsweltrekord für eine Grafikfolge Vallottons.

Félix Vallotton.
Les Petites Baigneuses. 1893. Portfolio mit 10 Holzschnitten.
Vollständig. Je 12,5 x 16,5 cm.
Ergebnis: CHF 168 000



Andy Warhol.
Mickey Mouse. 1981.
Farbsiebdruck mit Diamantstaub. 63/200. 96,5 x 96,5 cm.
Ergebnis: CHF 168 000



Der Siegeszug von Mickey Mouse

Andy Warhol zeigt mit «Myths» amerikanische Ikonen der Moderne

Mit der zehnteiligen Siebdruck-Serie «Myths» von 1981 erweist sich Andy Warhol als profunder Kenner der Gesellschaft seiner Generation. Er zeigt moderne «Gottheiten» des 20. Jahrhunderts. Es sind zu Ikonen gewordene Repräsentanten einer Konsumgesellschaft, deren Inspirationsquellen vor allem die Medien und Hollywoods auf Hochtouren laufende Traumfabrik sind.



Robert J. Levin.
Andy Warhol with Myths, New York, 1981.
© Robert J. Levin.

Schon früh bewies Warhol ein untrügliches Gespür für die kraftvollen Motive seiner Zeit – Bilder, die die moderne Phantasie so vollständig erfassen, wie einst die Götter und Göttinnen der antiken Mythologie. Dabei versammelt seine Auswahl für «Myths» nicht nur vorbildliche Charaktere, sondern einen repräsentativen Querschnitt aus zwielichtigen, verwegenen, durchtriebenen, humorvollen und guten Typen, die durch Filme und Serien Berühmtheit erlangten: Mata Hari, Dracula, Superman und Santa Claus, aber auch typisch amerikanische Charaktere wie Howdy Doody, Mammy, Uncle Sam, The Wicked Witch of the West – und natürlich Mickey Mouse. Die meisten der Vorlagen stammen aus den 1940er- und 1950er-Jahren, als Warhol noch ein Kind war. Dass er sich mit einem Selbstporträt («The Shadow») wie selbstverständlich in diese prominente Folge einreiht, spricht Bände über sein Selbstverständnis

Der von Walt Disney und seinem frühen Wegbegleiter Ub Iwerks erfundene Mickey ist die weltweit wohl bekannteste Comicfigur. Am 15. Mai 1928 hat Mickey Mouse seinen ersten Auftritt im Stummfilm «Plane Crazy», im November folgt «Steamboat Willie», der bereits vertont in die Kinos kommt. Zwei Jahre später erscheint der erste Comic, der einen beispiellosen Siegeszug einleitet und Mickey Mouse zur Berühmtheit macht. Noch heute, 90 Jahre später, strahlt die «Marke Mickey Mouse» – und so wundert es nicht, dass sie um 1980 auch Andy Warhols Interesse weckte.

Filmische Wirkung

Warhol hatte einerseits einen sicheren Instinkt für Gegenstände der Alltagskultur, nahm aber wie ein sensibler Seismograph auch Ereignisse, Stars und Sternchen wahr, die seine Zeit prägten. Er unterzieht dieses «Rohmaterial» einer ganzen Epoche einer künstlerischen Metamorphose und schafft auf diese Weise neue Ikonen – nun sind es seine Ikonen. Der Farbsiebdruck erweist sich dabei als probates technisches Mittel, um schnell und effektiv zu vielfacher Repetition zu gelangen. Denkt man heute an Marilyn Monroe, hat man unweigerlich Warhols Porträtserie aus dem Jahr 1967 von ihr vor Augen. Fallen die Markennamen «Campbell’s» oder «Brillo», türmen sich im Geiste Suppendosen und Seifenboxen in Warhol-Manier auf.

Die technische bedingte Uniformität der Kompositionen hob der Künstler durch Überlappungen und Verwischungen der Vorlagen auf, was zu einer beinahe filmischen Wirkung der statischen Bilder führte. «Doch ist bei näherem Betrachten diese ‹sensation of time› genauso trügerisch wie in seinen ersten Filmen: Es handelt sich immer um die gleiche Einstellung und um die gleiche Siebdruckvorlage.» (Ernst Beyeler). Als Erwachsener erklärte Warhol, dass er eine Kulturikone wie Mickey Mouse sein wolle. Im Mickey-Mouse-Siebdruck taucht die Figur überraschenderweise das erste Mal in Warhols Werk auf. Vielleicht erhielt sie deswegen ein glamouröses Diamantenstaub-Finish.

Auktionsweltrekord

Heute ist das «Myths»-Portfolio eine der gefragtesten Werkgruppen von Andy Warhol. Das erste Mal ausgestellt wurden die zehn Motive 1981 in der Ronald Feldman Gallery in Manhattan. Um die Eröffnung dieser Schau herum begleitete der renommierte US-amerikanische Fotograf Robert J. Levin den Künstler im Auftrag des deutschen Magazins ‹Stern› und dokumentierte diese wichtige Ausstellungsstation.

Die hier abgebildete Mickey Mouse konnte an unserer Auktion vom 8. Dezember 2018 für CHF 168 500 in neue Hände vermittelt werden – ein neuer Auktionsweltrekord für diesen Farbsiebdruck.



Lina Augustin.
No key, no pressure. 2017/2018.
Acryl und Öl auf Papier.
83 x 62 cm.



KOLLERNOW 2019

Ausstellung junger deutscher Künstler der Akademie der Bildenden Künste München

Koller Auktionen startet in diesem Frühjahr eine neue Ausstellungsreihe in der Münchner Repräsentanz. Mit der neuen Ausstellungsreihe «KOLLERNOW» sollen junge Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zur bayrischen Landeshauptstadt gefördert werden.



Marc Avrel. Blinky da Vinci.
Die Waffe meines Ernstes nach K. Klapheck. 2018.
Mischtechnik.
80 x 50 x 52 cm.

Ralf Dereich.
Sculp019. 2014.
Gips, Pigment und Acryl.
37 x 36 x 36 cm.

In einem von Global Playern dominierten Kunstmarkt haben junge, Aufbauarbeit leistende Institutionen und Galerien einen immer schwierigeren Stand. Für junge Kunstschaffende wird es daher immer aufwendiger, erste Schritte in Richtung Wertschätzung und Marktetablierung zu gehen. Wie entscheidend die Möglichkeit auszustellen gerade zu Beginn einer künstlerischen Karriere ist, hat auch der New Yorker Galerist David Zwirner erkannt: Er schlug vor, junge Galerien auf den Kunstmessen finanziell zu entlasten, um ihnen künstlerische Experimente zu ermöglichen.

Neben den in Zürich stattfinden Auktionen für Zeitgenössische Kunst bietet Koller Auktionen mit «KOLLERNOW» Absolventen und Studierenden der Akademie der Bildenden Künste München die Gelegenheit, neue Werke zu zeigen. Die Kuratorin Dina Renninger lädt hierfür jeweils drei bis fünf Künstlerinnen und Künstler aus den Klassen von Prof. Markus Oehlen, Prof. Karin Kneffel und Prof. Nicole Wermers (ehemals Professur Karstiess/Prangenberg) ein.

In der ersten Ausstellung, die vom 14. März bis 12. April 2019 zu sehen sein wird, werden Marc Avrel, Ralf Dereich, Daniel Man und Lina Augustin – Absolventen und Studierende der Klasse Prof. Markus Oehlen – zu Gast sein. Mit einer spannungsgeladenen Begegnung denkbar unterschiedlicher Konzepte von Malerei, Skulptur und Zeichnung treten diese vier jungen Kunstschaffenden in einen temporären Dialog.

Marc Avrels (*1981) Verständnis des Crossover prägt sein Leben und seine Kunstwerke entscheidend. Mit grosser Radikalität und Leidenschaft verwischt er die Grenzen künstlerischer Disziplinen. Er hinterfragt, kommentiert und reflektiert aktuelle politische, gesellschaftliche, digitale und künstlerische Entwicklungen.

Ralf Dereichs (*1976) Werke entstehen durch spontane und subtile Arbeit. Kunstimmanent, sich auf malerische und bildhauerische Mittel beschränkend, entwickelt der Künstler eine Bildsprache, die universell und einzigartig zugleich ist. Seine Arbeiten eröffnen neue Bildräume und halten den Betrachter durch ihre Vielschichtigkeit und Impulsivität ständig in Bewegung.

Daniel Man (*1969) kommt aus der Graffiti-Szene, seine Arbeiten tragen bis heute die Handschrift der Streetart. Mans farbintensive und pulsierende Werke finden nicht mehr nur im urbanen Raum, sondern auch auf musealer Ebene Anklang.

Lina Augustins (*1986) Werke verbinden auf überzeugende Weise intensive Bilder mit einer einfachen und dabei eindringlichen Sprache. Poesiegeladene Bildwelten eröffnen im Zusammenklang mit Augustins Texten den Betrachtenden die Möglichkeit, eine imaginäre eigene Geschichte zu konstruieren.

Daniel Man.
Total mission. 2017.
Mischtechnik auf Leinwand.
130 x 190 cm.




LUCAS CRANACH D. Ä. UND WERKSTATT
Bildnis des sächsischen Kurfürsten
Friedrich der Weise. 1525.
Öl auf Buchenholz. 38,7 x 25,3 cm.
Ergebnis: CHF 264 000

AUKTIONSNACHBERICHT

Gemälde, Zeichnungen und Grafik Alter Meister und des 19. JahrhundertsMöbel und Dekorative Kunst – Schmuck & Juwelen – Bücher, Buchmalerei & Autographen

Auktionen in Zürich: 26. – 29. März 2019

VERKÄUFE VON ÜBER 100% DES SCHÄTZWERTS UND HOHE ZUSCHLÄGE:
DIE AUKTIONEN DER ALTEN MEISTER UND GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS BEI KOLLER

Die Auktionen der Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts bei Koller in Zürich am 29. März spielten über 100% des Schätzwertes ein. Ein Porträt seines Förderers, des sächsischen Kurfürsten Friedrichs des Weisen, von Lucas Cranach und seiner Werkstatt, erzielte stolze CHF 264‘000, was nahezu eine Verdreifachung der Schätzung darstellt. Arnold Böcklins kraftvoll-dynamischer „Kampf auf der Brücke“ wechselte für CHF 240‘000 den Besitzer.



JAN WELLENS DE COCK
Die Versuchung des Heiligen Antonius.
Öl auf Holz. 27,7 x 37,2 cm.
Ergebnis: CHF 168 000



CARL MORGENSTERN
Venedig mit Blick auf den Dogenpalast
und Santa Maria della Salute. 1863.
Öl auf Leinwand. 54 x 89 cm.
Ergebnis: CHF 72 000

Zu den weiteren Toplosen zählten eine wiederentdeckte Arbeit von Jan Wellens de Cock, die CHF 168‘000 einbrachte, und eine Arbeit von Gerrit Dou, die CHF 156‘000 realisierte. Unter den Gemälden des 19. Jahrhunderts wurden für Carl Morgensterns leuchtende Ansicht von Venedig CHF 72‘000 und für die humorvolle Darstellung eines Botanikers auf Schmetterlingsjagd von Carl Spitzweg CHF 114‘000 erzielt

Die Sammlung des niederländischen Filmemachers Jef Rademakers brachte ebenfalls sehr gute Ergebnisse, darunter CHF 90‘000 für eine nächtliche Eislaufszene von Andreas Schelfhout.

Auch die anderen Kapitel des Hauses erzielten in der Auktionswoche starke Verkaufsquoten, und in jeder Auktion wurden bedeutende Einzelzuschläge verzeichnet. Die Auktion für Bücher, Buchmalerei und Autographen vom 26. März etwa offerierte eine prächtig illustrierte Arbeit von Maria Sybilla Merian über die Insekten von Surinam, die ihre Vorverkaufsschätzung mit einem Zuschlag von CHF 132‘000 nahezu verdoppelte. Ein reich illustriertes botanisches Unikat von Johann Simon Kerner wurde – nach langem Bietgefecht – mit CHF 72‘000 für das sechsfache der Schätzung verkauft.

ANDREAS SCHELFHOUT
Eisvergnügen mit "Koek-en-zopie" bei Nacht. 1849.
Öl auf Holz. 31 x 42,5 cm.
Ergebnis: CHF 90 000



 



Ausgewählte Highlights

ARNOLD BÖCKLIN
Der Kampf auf der Brücke. 1889.
Öl auf Holz.
96 x 149,5 cm.
Ergebnis: CHF 240 000



GERRIT DOU
Eine Heringsverkäuferin mit Dienstmädchen in einer Nische.
Öl auf Holz.
46 x 36,2 cm.
Ergebnis: CHF 156 000

MARIA SYBILLA MERIAN
Dissertatio de generatione et metamorphosibus
insectorum Surinamensium.
Den Haag, 1726.
Ergebnis: CHF 132 000



 

CARL SPITZWEG
Der Schmetterlingsfänger (Botaniker). Um 1836/37.
Öl auf Leinwand.
29,8 x 24,5 cm.
Ergebnis: CHF 114 000



WEIDITZ, HANS D. J. auch als
PETRARCAMEISTER bekannt
Würfelnde Landstreicher und bäuerliches Paar.
Um 1525-30. Feder in Schwarz, partiell laviert.
Ergebnis: CHF 120 000



JEAN LOUIS ERNEST MEISSONNIER
Bronzefigur, “Napoléon à cheval” oder
“Le voyageur”, um 1900.
L 59 cm, H 48 cm.
Ergebnis: CHF 180 000



 




KOLLERview erscheint viermal jährlich,

die nächste Ausgabe folgt im März 2019

Als PDF lesen

Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Leserinnen und Leser

Die Digitalisierung hat sich zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Revolution entwickelt, wie sie die Menschheit in ihrer Geschichte nur selten erlebt hat. Und sie dauert an. Mit unseren neuen ‹online only›-Auktionen, die wir unter dem Label ‹ibid› ab November 2018 durchführen, wollen auch wir diesen zeitgemässen Weg beschreiten und diejenigen Versteigerungen, die wir bisher unter dem Namen ‹Koller West› durchgeführt haben, ins Internet transferieren. Das Angebot unserer diversen ibid-Auktionen im November und Dezember umfasst Versteigerungen in den Bereichen Vintage (mit Taschen und Accessoires von Hermès über Chanel bis Louis Vuitton), Design (Objekte u. a. von Eileen Gray, Le Corbusier oder der Mailänder Firma Danese), Silber, Wein, Gemälde, Graphik und Asiatika. Lesen Sie mehr dazu auf Seite 22. Wir freuen uns, wenn Sie ab dem 26. November in unsere neuen ibid-Kataloge schauen. Vielleicht finden auch Sie etwas, für das Sie sich per Klick engagieren möchten.

Bedeutende Kunstwerke, wertvolle Juwelen oder seltene asiatische Skulpturen werden wir weiterhin in unseren klassisch durchgeführten Saalauktionen versteigern. Besonders glücklich macht es mich, zwei der berühmten und kaum mehr auf dem Markt anzutreffenden Sonnenuntergänge von Félix Vallotton und Adolf Dietrich am 7. Dezember in ein und derselben Auktion anbieten zu dürfen (Seite 7). Mit Rudolf Koella konnten wir einen der wichtigsten Kenner der Werke Vallottons und Dietrichs gewinnen, der Sie anlässlich unserer Ausstellungseröffnung am 27. November im Rahmen eines Vortrags in die Kunst dieser beiden Ausnahmekünstler des 20. Jahrhunderts einführen wird. Melden Sie sich bitte frühzeitig an, die Platzzahl ist beschränkt.

Und schliesslich möchten wir Ihre Aufmerksamkeit in der vorliegenden 2. Ausgabe unseres KOLLERview auch auf die vielen Kunstwerke und Objekte vergangener Jahrhunderte richten, die wir 2018 ebenfalls versteigern durften (ab Seite 14). Im März 2019 werden wir wieder Auktionen mit Alter Kunst durchführen. Wir würden uns ganz besonders freuen, wenn auch Sie sich mit Ihren Einlieferungen daran beteiligen.

Ich wünsche Ihnen eine unterhaltsame Lektüre und freue mich, Sie bald in unseren Räumen oder auf unserer Webseite begrüssen zu dürfen.aa

Ihr Cyril Koller


Roy Lichtenstein.
Crying Girl. 1963.
Farboffset. 43,2 x 58,4 cm.
Schätzung: CHF 20 000 / 30 000

Kosmos hinter Schwarz

Vorschau auf die Auktionen Moderne Grafik und Zeitgenössische Kunst

am 7. und 8. Dezember 2018

Ende 2018 feiert der Maler und Grafiker Pierre Soulages, einer der Hauptvertreter der französischen Gegenwartskunst, seinen 99. Geburtstag. Gemeinsam mit dem Deutschen Hans Hartung (1904–1989) und dem Russen Serge Poliakoff (1900–1969) beeinflusste er massgeblich eine ganze Generation abstrakt arbeitender Künstler. Soulages’ frühem Interesse für prähistorische und romanische Kunst folgte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Schaffen von Rembrandt und Courbet, Cézanne und Picasso. Mit seinen Freunden Hartung und Francis Picabia beschickte er im Jahr 1947 den Salon des Surindépendants, ein Jahr später gehen seine Werke mit der Ausstellung «Französische Abstrakte Malerei» auf Tournee. Seither wird sein Werk nicht nur weltweit ausgestellt, sondern zudem vielfach international ausgezeichnet.



Pierre Soulages.
Ohne Titel. 1973.
Gouache auf Papier auf Leinwand. 75 x 54,5 cm.
Schätzung: CHF 80 000 / 240 000



Marcia Hafif.
Ohne Titel. 1963.
Acryl auf Leinwand. 140 x 140 cm.
Schätzung: CHF 8 000 / 12 000

In den Auktionen vom 8. Dezember kommt auch das 1973 entstandene Acrylgemälde «KASS-II» des aus Ungarn stammenden, durch Laszlo Moholy-Nagy unterrichteten Victor Vasarely (1906–1997) zum Aufruf, das alle Merkmale der von ihm mitgegründeten Op-Art aufweist und mit seinen räumlich erscheinendengeometrischen Strukturen die Zweidimensionalität visuell hinter sich lässt und das Sehen des Betrachters auf die Probe stellt.

Der Deutsche Luitpold Domberger gilt als Pionier und Entwickler, sein Sohn Michael Domberger als Weiterentwickler und Förderer der Siebdrucktechnik und der auf diese Weise hergestellten künstlerischen Original-Druckwerke. In der «Edition Domberger» verwirklichen sich bis heute ungezählte Künstlerinnen und Künstler. Aus der bedeutenden Sammlung Domberger stammt eine ganze Reihe von druckgrafischen Arbeiten des 20. Jahrhunderts, darunter Werke der ehemaligen Bauhäuslerin Anni Albers (1899–1994) und der US-amerikanischen Minimalisten Sol LeWitt (1928–2007) und Robert Mangold (*1937).

Alessandro Guerriero.
Unikat für Alchimia.
Schichtholz, polychrom bemalt. 147 x 28 x 174 cm
Schätzung: CHF 35 000 / 55 000




Emil Nolde.
Doppelbild (Sie seltsames Licht). 1918.
Öl auf Leinwand. 60,6 x 56,2 cm
Schätzung: CHF 600 000 / 900 000

Lebenswege in Zeiten der Verfemung

Vorschau auf die Auktion Impressionismus und Klassische Moderne

am 7. Dezember 2018

Landschaftsdarstellungen von Otto Dix (1891–1969) aus der Zeit nach 1933 verweisen auf Jahre der inneren Emigration nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland. Dix, der als einer der ersten Kunstprofessoren an der Kunstakademie in Dresden entlassen wurde, musste miterleben, wie die Nazis 260 seiner Werke systematisch aus deutschen Museen entfernten und 1937 in der berühmt-berüchtigten Münchner Propaganda-Ausstellung «Entartete Kunst» zeigten. Der Künstler, der sich selbst als Erfinder der Neuen Sachlichkeit betrachtete und dessen Werk in den Jahren der Weimarer Republik geprägt war von beissend gesellschaftskritischen Darstellungen, zog sich daraufhin auf Schloss Randegg in Süddeutschland zurück. Dort widmete er sich, durch die politischen Verhältnisse bedingt, vorwiegend der Landschaftsmalerei: «Ich bin verbannt worden in die Landschaft. Ich flüchtete hinaus in die Landschaft, malte und malte.», konstatierte er.



Otto Dix.
Wintertag in Randegg. 1933.
Mischtechnik auf Holz. 60 x 80 cm.
Schätzung: CHF 70 000 / 100 000

Christian Schad.
Angelika Herrschmann. 1947.
Öl auf mit Leinen gefasster Hartfaserplatte. 41 x 34 cm.
Schätzung: CHF 25 000 / 35 000

Das in lasierender Mischtechnik gearbeitete Bild «Wintertag in Randegg» aus dem Jahr 1933, das im Dezember zum Aufruf kommt, steht exemplarisch für diese Schaffensphase. Mit der an Altmeister erinnernden Malweise betont Dix das Atmosphärische der süddeutschen Landschaft in der Nähe von Bodensee und Hochrhein. Inspiriert wird er dabei von den Malern der Donauschule, den Romantikern wie Caspar David Friedrich sowie unverkennbar von der Landschaftsauffassung und Technik Peter Breughels d. Ä. Zugleich zeigt die Wahl des stillen Motivs seine erzwungene Abkehr vom Leben in der Grossstadt und inmitten der Gesellschaft, die sich damals so grundlegend gewandelt hatte.

Dix’ Zeitgenosse und Landsmann Emil Nolde – eigentlich Hans Emil Hansen (1867–1956), der sich 1902 nach seinem nordschleswigschen (seit 1920 dänischen) Geburtsort Nolde umbenannte – gilt als grosser Aquarellist des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1937 erlebte der bedeutende Expressionist zu seiner eigenen Überraschung und Enttäuschung die Diffamierung seiner Werke durch die Nationalsozialisten. Im Gesamtwerk Noldes nehmen Bildnisse nicht nur grossen Raum ein, in ihnen spiegelt sich zugleich das besondere Interesse des Künstlers an der menschlichen Seele. Denn Nolde ist kein Porträtist im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr auf der Suche nach dem psychologischen Abbild seiner Gegenüber, oft waren es Freunde und nahe Verwandte. Beispielhaft dafür ist das im Dezember angebotene «Doppelbild (Sie seltsames Licht)», das 1918 entstand. Die Wesenseigenschaften der dargestellten Personen führten ihn zu einer freien, allgemeingültigen Darstellung in kräftigen Farben und markanten Formen. «Die Zweiheit hatte in meinen Bildern und auch in der Graphik einen weiten Platz erhalten. Mit- oder gegeneinander: Mann und Weib, Lust und Leid, Gottheit und Teufel. Auch die Farben wurden einander entgegengestellt: kalt und warm, hell und dunkel, matt und stark.», schrieb der Künstler 1948.

Pablo Picasso
Hibou. 1968.
Vase. Keramik mit Bemalung. 59/500. H 30 cm.
Schätzung: CHF 8 000 / 12 000



Giovanni Giacometti.
Berglandschaft. 1931.
Öl auf Leinwand. 75,5 x 80 cm.
Schätzung: CHF 120 000 / 180 000

Das Drama der Landschaft

Vorschau auf die Auktion Schweizer Kunst

am 7. Dezember 2018

Das lang tradierte Genre des Landschaftsbildes erlebte fortwährende Wandlungen. Naturalistische Darstellungen mit geografisch bestimmbaren Motiven, die sich in Europa seit dem 15. Jahrhundert etabliert hatten, erfuhren in der Folge verschiedene Verzweigungen durch idealisierte Sujets, symbolisch aufgeladene Bildfindungen oder Motive, in denen das Atmosphärische den eigentlichen Bildinhalt lieferte und menschliche Empfindungen subtil spiegelte. Landschaftsmalerei vor allem des ausgehenden 19. Jahrhunderts machte sich frei von optischer und formaler Naturtreue. Die Schule von Barbizon mit ihrer Paysage intime oder die Impressionisten entdeckten die Landschaft völlig neu und massen dem Farbspektrum und analytischen Maltechniken innovative grundsätzlich andere Bedeutung zu. Mit den expressionistischen Strömungen des beginnenden 20. Jahrhunderts erhielten diese Tendenzen einen weiteren Schub, der zur nächsten Metamorphose der Landschaftsmalerei führte.



Gottardo Segantini.
Sera l'inverno. 1919
Öl auf Leinwand. 105 x 152 cm.
Schätzung: CHF 120 000 / 180 000



Adolf Dietrichs eindrückliches Seemotiv aus der Dezember-Auktion Schweizer Kunst weist verblüffende Parallelen zu Landschaftsbildern des Schweizer Künstlers Félix Vallotton (1865–1925) auf, obwohl Dietrich Vallottons Werk nicht vertraut war. Erstaunlich ist, dass beide unabhängig voneinander zu ganz ähnlichen Bildfindungen gelangten. Wie Vallotton war Dietrich auf der Suche nach einer farblichen und motivischen Übersteigerung der abgebildeten Landschaft. Für beide stand weniger die realistischeWiedergabe im Zentrum, als eine symbolisch aufgeladene Darstellung, die in ihrer Rätselhaftigkeit mitunter an Traumsequenzen erinnern und in der Bezüge zur Pittura Metafisica unverkennbar sind.

Darstellungen des Untersees im Abendlicht waren für Adolf Dietrich (1877–1957) besonders in der Mitte der 1920er- und zu Beginn der 1930er-Jahre ein bevorzugtes Bildsujet. Zwei beinahe gleichgrosse horizontale Bildfelder füllt Dietrich im Jahr 1926 mit dem Landschaftsmotiv und seiner gespenstisch exakten Spiegelung im nur leicht bewegten Seewasser. In seiner Statik wirkt das Motiv irritierend auf den Betrachter, symbolisiert doch das schwindende Licht der bereits untergegangenen Sonne den Wechsel vom Tag in die Nacht – der aber hier durch das fixierende künstlerische Motiv nie vollzogen wird. Die Zeit scheint angehalten. Hier geht es nicht um einen bestimmten Ort (in diesem Fall ein Teil des Bodensees), sondern um eine besondere Stimmung, die wiedergegeben werden soll. Dietrichs Landschaftsgemälden gingen bereits in frühen Jahren zahlreiche Pastellstudien voraus, welche die vielfältigen Lichtstimmungen des Bodensees einfingen. Expressivität und Farbigkeit der Pastelle steigern sich in den Ölbildern, was diesen zu noch mehr Dramatik und Imaginationskraft verhilft.



Rembrandt Bugatti.
Le flamant en marche. Um 1912.
Bronze schwarz patiniert. H 33,5 cm.
Schätzung: CHF 70 000 / 100 000

Lebendige Bronzen

Vorschau auf die Auktion Art Noveau & Art Déco

am 6. Dezember

Faszinierende Tierdarstellungen waren das Markenzeichen des italienischen Bildhauers Rembrandt Bugatti (1884–1916). Der Familienname Bugatti wurde weltberühmt durch die noble Automobilmarke, die der ältere Bruder Ettore etablierte. Nicht zufällig legten die Eltern auf Anraten des als Patenonkel eingesetzten Bildhauers Ercole Rosa dem Neugeborenen Jungen mit dem Namen «Rembrandt» das Künstlerische in die Wiege. In der Familie und im Freundeskreis der Bugattis fanden sich zahlreiche Künstler. Bereits der Grossvater war als Bildhauer tätig, der Vater verdiente als Möbelgestalter sein Geld; Rembrandts Onkel war kein Geringerer als der Maler Giovanni Segantini und zu den Freunden des Hauses zählte der Komponist Giacomo Pucini.



Edouard Marcel Sandoz.
Groupe de chèvres. 1937.
Bronze braun patiniert. H 42 cm.
Schätzung: CHF 45 000 / 60 000

Tiffany Studios N.Y.
«Twelve-light-lily» Stehlampe. Um 1910.
Bronze vergoldet und Favrile-Glas. H 141 cm.
Schätzung: CHF 30 000 / 40 000

Zum Bronzeguss kam der Autodidakt Rembrandt Bugatti durch die von Paul Troubetzkoy vermittelte Bekanntschaft mit dem Pariser Galeristen und Bronzegiesser Adrien-Aurélien Hébrard. Deren Expertise vertrauten bereits Edgar Degas und Auguste Rodin. Bugatti – tierliebend und bereits in jungen Jahren künstlerisch hochtalentiert sowie mit Ausstellungen und Verkäufen erfolgreich – widmete sich in den Zoologischen Gärten von Paris und später Antwerpen obsessiv dem Studium der Tierwelt. Die dort gehaltenen exotischen Wildtiere zogen Bugatti besonders an, worauf Plastiken von Elefanten, Pavianen, Kamelen, Ameisenbären, Yaks oder Kängurus und vor allem von unzähligen Raubkatzen entstanden. Der hier gezeigte, 1912 entstandene Flamingo aus der Dezember-Auktion Art Nouveau und Art Déco ist eines von rund 300 Objekten, die Bugatti zum Metier der Tierplastik beitrug, das sich in den Jahren um 1900 grosser Beliebtheit erfreute. So genannte «Animaliers» schufen Tierdarstellungen in allen denkbaren Ausformungen, Materialien und Grössen. Diese fanden nicht nur den Weg in die grossbürgerlichen Salons, sondern auch in die privaten wie öffentlichen Kunstsammlungen jener Zeit.

Anders als andere Künstler, die sich ihren Motiven vorwiegend über Handskizzen näherten, arbeitete Bugatti unmittelbar vor Ort und schuf seine plastischen Tonmodelle plein air in den Zoos, teilweise sogar in den Gehegen selbst. Bugattis künstlerisches Talent zeigt sich in realitätsnahen, dabei aber immer auch einfühlenden und individuellen Darstellungen. Bei vielen seiner Plastiken erkennt man noch die Fingerabdrücke auf den Oberflächen – «als habe er eine flüchtige Bewegung des Tieres mit beiden Händen einfangen wollen». Die nervöse Energie jener Epoche am Vorabend des Ersten Weltkriegs scheint unter den Fellen, Federn und Häuten der Tiere verborgen zu sein.

Rembrandt Bugattis zu Lebzeiten gefeiertes Werk geriet nach seinem frühen Freitod weitgehend in Vergessenheit. Nach einer bescheidenen, 1983 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gezeigten Schau, korrigierte vor allem eine umfassende Retrospektive in der Alten Nationalgalerie Berlin im Jahr 2014 diese Entwicklung. Sie zeigte Bugatti als ebenso virtuosen wie empathischen Bildschöpfer in der Tradition des 19. Jahrhunderts, dem es gelang, neben den grossen Erneurern der Form eine ganz eigene Spur in der europäischen Kunstgeschichte zu hinterlassen.

Erwin Blumenfeld
Hat Fashion, Dior, New York. 1946.
Silbergelatine-Abzug. Vintage. 33 x 26,7 cm.
Schätzung: CHF 20 000 / 30 000



Neuwertiger, limitierter Patek Philippe
Jubiläums-Chronograph. 2015.
Gelbgold 750. Ref. 5975 J.
Schätzung: CHF 40 000 / 60 000

Cartier, Bulgari und Patek Philippe

Vorschau auf die Auktionen Taschen- & Armbanduhren sowie Schmuck & Juwelen

am 5. Dezember

In der Auktion vom 5. Dezember erwartet Sie traditionell ein erlesenes, über 400 Objekte umfassendes Angebot, aus zahlreichen Diamant- und Farbedelstein-Preziosen, das sowohl High Jewellery von Chopard, Harry Winston, Bulgari und Cartier als auch Kreationen von Van Cleef & Arpels, Boucheron, Lalaounis, Vourakis oder Buccellati umfasst. Zu den herausragenden Objekten gehören ein paar Ohrhänger mit zwei grossen, tropfenförmigen Naturperlen, sowie eine aus italienischem Adelsbesitz stammende Naturperlen-Brosche der Familie Marquise Bevilacqua Ariosti.



Naturperlen-Diamant-Brosche.
Um 1900.
Silber und Roségold.
Schätzung: CHF 30 000 / 50 000

Smaragd-Fancy-Diamant-Corsage-Brosche.
Um 1950. Weissgold 750. Besetzt mit einem
kolumbianischen Smaragd-Tropfen von ca. 59.00 ct.
Schätzung: CHF 120 000 / 180 000

Ebenfalls bemerkenswert sind eine sehr dekorative Diamant-Brosche mit einem tropfenförmigen, pinkish-orangen Fancy-Diamanten von 6,93 carat und einem kolumbianischen Smaragd von ca. 59 carat als Abschluss-Pendentif, sowie ein interessanter, sammelwürdiger Diamant Oktaeder, der durch seinen seltenen Asterismus-Effekt besticht.

Harry Winston. Diamant-Bracelet, Platin 950.
Besetzt mit 10 Diamant-Tropfen, 30 Diamant-Navetten
und 220 Brillanten von insgesamt ca. 38.00 ct.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000



Panjurli Bhuta-Maske.
Indien, Karnataka, Tulunadu.
18./19. Jh. Bronze. H circa 27 cm.
Schätzung: CHF 4 000 / 6 000

Masken-Zauber

Vorschau auf die Asiatica-Auktion

am 3. und 4. Dezember

Ritualmasken spielen bei religiösen Festen in der südwestindischen Küstenregion Tulunadu bis heute eine zentrale Rolle. Aufwändig gefertigte Bronzen repräsentieren dabei nicht die populären hinduistischen Gottheiten wie Shiva oder Vishnu, sondern lokale Götter und Heroen wie Daiva und Bhuta. In theatralischen Tänzen erwecken professionelle Tänzer die verehrten Götter zum Leben. In den tranceartigen Performances der Pambada ergreifen die Gottheiten Besitz von den Tanzenden, die dann – ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten – Opfer und Wünsche annehmen, Konflikte lösen, Recht sprechen oder Kranke heilen. Neben den geweihten Masken prägen opulent ausgestattete Kostüme und teils meterhohe majestätische Aufbauten das Ritual. Hinter den expressiven Maskentänzen verbergen sich faszinierende Mythen der geografisch kleinen Region der Tulu-Kultur, die in musikalisch begleiteten Liedern während der Feste besungen werden. Sie werden an den tradierten Feiern mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Diese aufwändigen religiösen Anlässe prägen den Jahreslauf, in dem die Ritualmasken regelmässig zu ihren Auftritten kommen. Die in der Dezember-Auktion zum Aufruf kommende Panjurli-Maske aus dem 18./19. Jahrhundert zeigt den stilisierten Kopf eines Ebers, während Pilichandi-Bronzen immer die Züge eines Tigergesichts tragen.



Grosse Pilichandi Bhuta-Maske.
Indien, Karnataka,Tulu Nadu.
18./19. Jh. Bronze. H 38,5 cm.
Schätzung: CHF 5 000 / 8 000

Manjushri auf seinem Löwen.
China, 18. Jh.
Blanc de Chine. H 22,2 cm.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000

Eine sehr viel introvertierte Art der Götterverehrung wird durch eine tibetische Vajradhara-Figur aus dem 16. Jahrhundert repräsentiert: Auf einem doppelten Lotusthron sitzend, zeigt sich der reichgeschmückte, transzendente «Urbuddha» (Adhibuddha) in der Haltung des Lehrenden mit vor der Brust sich berührenden Händen. Neben den Schultern tragen zwei Lotusblüten Vajra und Ghanta, die Attribute der Gottheit. Vajradhara gilt in der tibetisch-buddhistischen Kosmologie als höchste Essenz aller Buddhas,sein Name bedeutet «Herrscher der Vajra-Wesen». Solche Figuren wurden sowohl für Tempel wie auch für den privaten Gebrauch geschaffen – als Figuren der Verehrung sowie als Gegenüber für Meditationen.


Für zwei prächtige Aufsatzschränke hat sich überliefert, sie seien für den sechzehnten und letzten Ming-Kaiser Chongzhen (1611–1644) angefertigt worden. Dies behauptete zumindest der Verkäufer Xu Shoushao, der sie 1923 dem New Yorker Bankier und Sammler Henry H. Wehrhane in Beijing anbot. Des Verkäufers Grossvater Xu Tong (1819–1900) habe sie von Kaiser Guangxu (1871–1908) erhalten, dessen Tutor er eine Zeit lang war. Diese Geschichte erfahren wir durch eine von J.C. Fitzhugh 1923 ins Englische übertragene Notiz, die dem Käufer Wehrhane mitgegeben worden war. Tatsächlich verarmten nach dem Sturz der Qing-Dynastie im Jahr 1911 zahlreiche adelige und Beamtenfamilien und veräusserten ihren wertvollen Besitz. Die Schränke sind jedenfalls von bester Qualität und typisch für die Lackwerkstätten von Yangzhou, die diesen Stil mit verschiedenfarbigen Steineinlagen, sogenannten «100-Schätze-Einlagen», in der späten Ming-Dynastie zur Meisterschaft brachten. Stücke dieser handwerklichen Güte gelangen nur äusserst selten auf den Markt.

Paar prächtige Aufsatzschränke.
China, späte Ming-Dynastie.
Gesamthöhe 173 cm.
Schätzung: CHF 120 000 / 180 000



Carstian Luyckx
Memento Mori Stillleben.
Öl auf Leinwand. 73,5 x 92,5 cm
Ergebnis: CHF 538 000

Tod und Teufel

Rückblick auf die Auktionen Alter Meister im Jahr 2018

Phantastische Darstellungen nehmen in der bildenden Kunst der beginnenden Neuzeit eine herausragende Rolle ein. Verschiedene bildkünstlerische Motivwelten befassen sich mit dem Übergang vom Diesseits ins Jenseits, der ungewissen Transition vom Leben zum Tod. Themen wie die «Versuchung des Heiligen Antonius», Darstellungen des Fegefeuers oder der das Weltenende ankündigenden Apokalyptischen Reiter, Abbildungen des Jüngsten Gerichts aber auch Vanitas-Gemälde boten den Künstlern die Möglichkeit, über den etablierten Motiv- und Figurenkanon hinauszugehen und in neuartige Bildwelten vorzudringen. Symbolisch aufgeladen, fanden vor allem ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert Tod und Teufel, das Böse und Verdorbene und die Sünden als personifizierte Allegorien oder in Form phantastischer Mischwesen, Gnome und Monster Einzug in die Gemälde, Holzschnitte und bildplastischen Arbeiten. Solcherlei Szenen hoben die Allgegenwart des Todes in die Bildkunst und konfrontierten die Betrachtenden auf völlig neue Weise mit ihrer eigenen Vergänglichkeit..



Albrecht Dürer.
Die apokalyptischen Reiter
Um 1497/98. Holzschnitt. 39,6 x 28 cm.
Ergebnis: CHF 54 000

Hieronymus Bosch (Nachfolger um 1550)
Nächtliche Landschaft mit der Versuchung des Hl. Antonius.
Öl auf Holz. 45 x 57 cm.
Ergebnis: CHF 200 000

Eine der zentralen Figuren in diesen Bilderzählungen ist der als Begründer des christlichen Mönchstums geltende Heilige Antonius oder Antonius der Grosse. Während seines langen Wüstenaufenthalts, so berichten die Quellen, wurde er immer wieder von quälenden Visionen heimgesucht, die ihn von seinem asketischen Leben in der Einsiedelei abzubringen suchten. Demnach begegnete und widerstand Antonius dem Teufel in Gestalt eines Knaben und einer verführerischen Frau und musste darüber hinaus die körperlichen Qualen dämonischer Bestien über sich ergehen lassen. Die zahlreich überlieferten Darstellungen der Versuchung – von frühen Fresken aus dem 10. Jahrhundert und Buchmalereien über Gemälde von Hieronymus Bosch und Matthias Grünewald bis zu Arbeiten von Max Ernst – gehen auf schriftliche Überlieferungen, vor allem die Vita Antonii des Euagrios von Antiochia, zurück. Auch in der Literatur fand Antonius’ schweres Schicksal Widerhall, etwa im Werk von E. T. A. Hoffmann oder Gustave Flaubert. Sie belegen eindrucksvoll, wie innig Antonius als standhafter Mann Gottes (theios aner) verehrt wurde.


Die Bildende Kunst kennt eine ganze Reihe emblematischer Vanitas-Symbole, die auf die Vergänglichkeit alles Irdischen verweisen, die den Betrachter daran erinnern sollen, dass nicht er über Leben und Tod bestimmt: Der Totenschädel und leblose Schneckengehäuse, leere Gläser oder inszenierte Ruinen nehmen das Thema noch vergleichsweise eindimensional auf, während etwa der Spiegel oder der Papagei (als Symbole der verwerflichen Eitelkeit), Masken (die für die Abwesenheit ihres Trägers stehen) oder Spielkarten (die stellvertretend die Hinwendung zum sinnlosen Zeitvertreib symbolisieren) komplexere Zusammenhänge abbilden. Im Kunstkontext blieb der Unterschied entscheidend, den man zwischen dem trügerischen Zeichen unmittelbarer Sinnlichkeit und dem zu deutenden indirekten religiösen Symbol machte.



Majolika «Ghirlanda di Frutta».
Florenz, Werkstatt Della Robbiat, wohl 15./16. Jh.
D 62 cm/41 cm/11 cm.
Ergebnis: CHF 118 000

Kunstwerke im Dialog

Rückblick auf die Auktionen Möbel, Silber und Porzellan

«Der wahre Sammler ist ein Künstler, im Quadrat. Er wählt Bilder und hängt sie an die Wand. Mit anderen Worten: Er malt sich eine Sammlung.» So urteilte der Konzeptkünstler und Dadaist Marcel Duchamp und beschrieb damit zugleich einen noch jungen Trend heutiger Privatsammlungen. Die Geschichte des Sammelns kennt die eklektische Vielfalt fürstlicher Wunderkammern ebenso wie den Numismatiker, der nach Vollständigkeit seiner Kollektion strebt. Heutige Kunstkäuferinnen und Kunstkäufer entscheiden oft in einem ganz eigenen Modus und erwerben solche Stücke, die mit den bereits vorhandenen in einen Dialog treten, die eine eigene Geschichte in sich tragen und die Geschichten der Sammlung fortschreiben. Dabei sind Grenzüberschreitungen nicht verpönt, sondern geradezu gesucht: Epochen, Stile und Sparten begegnen sich und entfachen damit eine ganz subjektive Debatte. Klassizismus trifft Bauhaus, Barock begegnet Midcentury, Möbel suchen Bilder, Edelmetalle finden ihr Pendant im Porzellan. Eine solche innere Osmose gelingt vor allem dann, wenn sich die Kunstwerke auf Augenhöhe begegnen. Der Sammler hebt die Objekte seiner Begierde aus dem Fluss der Zeit und auch aus ihrem Kontext; zugleich entsteht ein neuer Kontext, der dem Kunstwerk neue Entfaltung erlaubt. Die Objektfülle der Wunderkammer mag dabei Pate stehen, wichtiger als das Anhäufen von Kuriositäten und Preziosen sind aber die Authentizität der Objekte und ihre individuelle Eigenart. Jede Trouvaille darf für sich stehen, korrespondiert aber zugleich mit ihren Nachbarn. Bei der Gelegenheit entsteht auch ein niederschwelliger Zugang für andere – «Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.»



Jagdhorn / Olifant
Elfenbein. Portugal.
Wohl um 1480. L 40 cm.
Ergebnis: CHF 95 000

Als zentrales Element in gleich mehreren dieser Stilrichtungen und künstlerischen Techniken des 19. Jahrhunderts tritt das Licht auf denkbar unterschiedliche Weise in Erscheinung. William Turner (1775– 1851) und John Constable (1776–1837), die beiden herausragenden englischen Landschaftsmaler ihrer Epoche, beeinflussten mit ihrer Freilichtmalerei die folgende Künstlergeneration, insbesondere die Schule von Barbizon. Wie eng technischer Fortschritt und künstlerische Entwicklung damals miteinander verknüpft waren, lässt sich vor allem am Einfluss der Fotografie auf die bildende Kunst ermessen. Mit der bahnbrechenden Entdeckung des fotografischen Prinzips und den Erfindungen zur Haltbarmachung der dabei entstehenden Bilder – ab 1834 durch Talbot auf Papier, ab 1839 in Daguerreotypien – öffneten sich auch völlig neue Horizonte für die Malerei, man denke an die farbanalytischen Gemälde der Divisionisten um George Seurat (1859–1891).


Prunkvergoldet wie die Konsole zeigt sich auch ein eindrücklicher Pokal in Form eines Segelschiffes der ebenfalls in neue Hände vermittelt werden konnte. Entstanden ist das dekorative Kunstobjekt ein Jahrhundert vor der Konsole, geschaffen hat es der Nürnberger Goldschmiedemeister Esaias zur Linden (von 1609 bis 1632 tätig). Zur Linden, der ursprünglich aus Zürich stammte und dort auch seine Lehre absolvierte, fertigte dieses aufwändig bis ins letzte maritime Detail ausgeformte Trinkgefäss vermutlich für einen Auftraggeber, der seinen Reichtum und gesellschaftlichen Rang über solche Preziosen nach aussen darzustellen wusste. Ein ebenfalls von zur Linden gestaltetes Trinkschiff zählte zur berühmten Sammlung Yves Saint Laurent. Und auch die grossen, auf kunsthandwerkliche Meisterstücke fokussierten Museen wie die Ermitage oder das Victoria and Albert Museum zählen zur Lindens prunkvolle Schiffs- und Traubenpokale zu ihren Kollektionen

Grosse Konsole «à la coquille». Régence.
Aus einer Pariser Meisterwerkstatt, um 1710/20.
Eiche durchbrochensowie beschnitzt und vergoldet.
Ergebnis: CHF 78 000



Félix Ziem.
«Fête de l'Assomption, dans le bassin».
Öl auf Leinwand. 67 x 82 cm.
Ergebnis: CHF 86 000.

Das Säkulum der Umbrüche

Rückblick auf die Auktionen Gemälde des 19. Jahrhunderts im Jahr 2018

Künstlerische Epochen waren bis in die Zeit um 1800 vor allem eine Reihung sich abwechselnder Stile. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde diese evolutionäre Entwicklung zunehmend von einem Stilpluralismus abgelöst, bei dem gleichzeitig verschiedene künstlerische Haltungen nebeneinander um die Gunst des Publikums buhlten. Die Kunst jener Zeit trug Widersprüche in sich, zeigte sich – wie die Industrielle Revolution jener Jahrzehnte – schnelllebig und in vielerlei Gestalt, nicht selten auch disharmonisch. Bildende Kunst fächerte sich in verschiedene «Ismen» und Stile auf, die nicht mehr nur nacheinander, sondern parallel existierten: Vom Klassizismus und Biedermeier über die romantischen Strömungen bis zum Realismus und Naturalismus, Historismus und Impressionismus. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert setzten Nachimpressionisten, Symbolisten und nicht zuletzt der Jugendstil eigene künstlerische Prämissen. Dazwischen öffneten sich zahlreiche Nischen für Verzweigungen dieser Hauptströmungen.



Carl Spitzweg.
Vor der Stadt. 1875–80.
Öl auf Holz. 16 x 30 cm.
Ergebnis: CHF 68 000

Eugène Louis Boudin.
Ansicht der Maas bei Dordrecht. 1884.
Öl auf Leinwand. 46,5 x 65,3 cm.
Ergebnis: CHF 118 000

Als zentrales Element in gleich mehreren dieser Stilrichtungen und künstlerischen Techniken des 19. Jahrhunderts tritt das Licht auf denkbar unterschiedliche Weise in Erscheinung. William Turner (1775– 1851) und John Constable (1776–1837), die beiden herausragenden englischen Landschaftsmaler ihrer Epoche, beeinflussten mit ihrer Freilichtmalerei die folgende Künstlergeneration, insbesondere die Schule von Barbizon. Wie eng technischer Fortschritt und künstlerische Entwicklung damals miteinander verknüpft waren, lässt sich vor allem am Einfluss der Fotografie auf die bildende Kunst ermessen. Mit der bahnbrechenden Entdeckung des fotografischen Prinzips und den Erfindungen zur Haltbarmachung der dabei entstehenden Bilder – ab 1834 durch Talbot auf Papier, ab 1839 in Daguerreotypien – öffneten sich auch völlig neue Horizonte für die Malerei, man denke an die farbanalytischen Gemälde der Divisionisten um George Seurat (1859–1891).


Exemplarisch für die Lichtmalerei der Schule von Barbizon ist eine Ansicht von Venedig des Franzosen Félix Ziem (1821–1911). Das vor Farben geradezu überschäumende Gemälde wird von einem Pulk imposanter Segelschiffe dominiert, mit denen Ziem auf virtuose Weise mit schnellem und pastosem Pinselstrich Sonnenlicht und mediterrane Stimmung ins Motiv holt. Carl Spitzweg (1808–1885) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts. In der September-Auktion konnte eines seiner typischen Landschaftsbilder vermittelt werden, das – wie so oft bei Spitzweg – plein air entstand . In schnellem, beinahe flüchtigem Duktus und auf kleinem Format fing der erfahrene Künstler die luftige Atmosphäre ein, die über der nahen Ortschaft liegt. Als «König des Himmels» betitelte man Eugène Boudin (1824–1898). Auch er war fasziniert von Licht und Schatten und deren Einfluss auf die Wahrnehmung und künstlerische Erfassung der Landschaft. Stets legte er in seinen Malereien ein besonderes Augenmerk auf die naturgetreue Wiedergabe von Himmel und Wasser, wie bei der «Ansicht der Maas bei Dordrecht».



ANTWERPENER MEISTER, UM 1610 – 1615
Kopfstudie eines Mönchs nach oben blickend.
Öl auf Holz. 47,5 x 37,7 cm.
Ergebnis: CHF 336 000

AUKTIONSNACHBERICHT

Auktionen für Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts vom 28. September 2018.

Wiederentdeckte Altmeister dominieren Auktionen von Koller Zürich.

Eine der begehrtesten Arbeiten der Altmeister-Auktionen bei Koller Zürich war eine bemerkenswerte Entdeckung: die Öl-Studie eines Mönchskopfes, welche kürzlich als Modell für eine Arbeit von Peter Paul Rubens identifiziert wurde. Sie diente dem Grossmeister als Vorlage für den Heiligen Dominikus auf dem Altargemälde „Die Heiligen Dominikus und Franziskus von Assisi als Beschützer der Welt vor dem Zorn Christi“, das sich heute im Musée des Beaux Arts in Lyon befindet. Der Kopf zeichnet sich durch minimale kraftvolle Pinselstriche aus und erscheint dadurch auch heute noch, nach Vierhundertjahren ausgesprochen modern. Nach lebhaftem Bietergefecht um die kunsthistorisch bedeutende Arbeit, erhielt ein Privatsammler bei CHF 336 000 den Zuschlag.



SIMON DE VOS
Die Heimsuchung. Um 1639.
Öl auf Holz. 23 x 17,3 cm.
Ergebnis: CHF 30 000



HIERONYMUS BOSCH (NACHFOLGER UM 1550)
Nächtliche Landschaft mit der Versuchung
des Hl. Antonius.
Öl auf Holz. 45 x 57 cm.
Ergebnis: CHF 204 000

Eine weitere stark umworbene Entdeckung war eine flämische Darstellung mit der Heimsuchung aus dem 17. Jh.. Diese wurde von den Experten bei Koller in einer Privatsammlung entdeckt und als eine Arbeit des Antwerpener Malers Simon de Vos identifiziert. Weitere Recherchen ergaben, dass die Darstellung identisch ist mit einem 1639 geschaffenen Altargemälde in der Antwerpener St. Jacobs Kirche, die bislang Victor Wolfvoet zugewiesen wurde. Diese kunsthistorischen Erkenntnisse verdreifachten die Schätzung und führten zu einem Auktionsresultat von CHF 30 000.

Unter den weiteren Highlights der Altmeistergemälde befanden sich eine Winterlandschaft von Joos de Momper und Pieter Brueghel dem Älteren, welche für CHF 144 000 versteigert werden konnte, sowie die Darstellung einer Mitte des 16. Jh. geschaffenen nächtlichen Landschaft mit der Versuchung des Heiligen Antonius, die CHF 204 000 erzielte. Ein Kupferstich von Martin Schongauer mit demselben Motiv um 1469-73 verdoppelte die Schätzung in der Auktion für Altmeistergraphiken und erzielte CHF 58 000.

Für Aufsehen sorgte an der Auktion für Gemälde des 19. Jh. ein frühes und seltenes Stillleben mit Äpfeln von Gustave Courbet. Es verkaufte sich für mehr als das Fünffache der Schätzung bei CHF 138 000. Ebenso übertraf die 1884 von Eugène Boudin geschaffene Ansicht der Maas bei Dordrecht (Dordrecht. Bateaux sur la Meuse) ihre Schätzung und verkaufte sich bei CHF 118 000.

IVAN FEDOROVIC CHOULTSÉ
Gletscher von Spitzbergen 1911.
Öl auf Leinwand. 60,5 x 90,7 cm.
Ergebnis: CHF 120 000



 



Ausgewählte Highlights

JOOS DE MOMPER & JAN BRUEGHEL THE ELDER
Winterlandschaft mit Figuren.
Öl auf Holz. 45 x 68,5 cm.
Ergebnis: CHF 144 000



GUSTAVE COURBET
Stillleben mit Äpfeln in einem Teller und Wein auf einem Tisch.
Um 1846–47. Öl auf Holz. 45,5 x 55 cm.
Ergebnis: CHF 138 000



EUGÈNE BOUDIN
Dordrecht. Bateaux sur la Meuse. 1884.
Öl auf Leinwand. 46,5 x 65,3 cm.
Ergebnis: CHF 118 000



 

MARTIN SCHONGAUER
Der heilige Antonius, von Dämonen gepeinigt.

Um 1469–73. Kupferstich auf Bütten
.
Ergebnis: CHF 58 000



JAGDHORN / OLIFANT
Portugal, wohl um 1480.
Elfenbein. L 40 cm.
Ergebnis: CHF 96 000



FELIX ZIEM
Fête de l'Assomption, dans le bassin.
Öl auf Leinwand. 67 x 82 cm.
Ergebnis: CHF 87 000



 

MEISTER DER MADONNA LAZZARONI
Madonna dell'Umiltà. Um 1375.
Tempera und Goldgrund auf Holz. 90,5 x 50,5 cm.
Ergebnis: CHF 96 000



LACK-SEKRETÄR "A ABATTANT"
Louis XV, mit Sign. L. BOUDIN.
Paris um 1760/65. 104 x 40 x 144 cm.
Ergebnis: CHF 78 000



SCHIFFSPOKAL
Nürnberg, Anfang 17. Jh.
Meistermarke Esaias zur Linden. H ca. 44 cm.
Ergebnis: CHF 144 000



 





DER TOD UND DER KÜNSTLER
Ein Memento Mori Stillleben von Carstian Luyckx

Für eine grössere Ansicht, bitte ins Bild klicken.

Dieses beeindruckende Gemälde, das kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt wurde, ist ein Vanitas-Stillleben, das den Betrachter dazu ermutigen soll, über die Vergänglichkeit des Lebens, und über die Eitelkeit irdischer Genüsse zu sinnen. Das Memento Mori zählte in der Kunst dieser Zeit zu den vergleichsweise häufig verwendeten Themen und so waren ihre Betrachter auch mit den dazugehörigen Symbolen, die auf die Vergänglichkeit des Lebens verweisen, vertraut. Doch abseits des Offensichtlichen vollzog sich eine subtilere und für die Zeit weniger übliche soziokulturelle Entwicklung, die unter anderem auch Einzug in die Thematiken des Stilllebens hielt: eine Abscheu vor den Schrecken des Krieges, und eine Verurteilung des Allmächtigen französischen Königs, Louis XIV (1638-1715).

Diese unterschwellige Symbolik bezieht sich eindeutig auf die geschichtsträchtige Invasion der spanischen Niederlande durch die französischen Truppen unter Ludwig XIV. in den Jahren 1667/68. Der junge französische König nutzte die Gunst der Stunde und erhob nach dem Tod des spanischen Königs Philipp IV. (1605-1665), Anspruch auf Ländereien, die ihm, wie er behauptete, durch seine Eheschliessung mit Maria Theresia, Philipps Tochter, rechtmässig zustanden.



KOLLERview erscheint viermal jährlich,

die nächste Ausgabe folgt im November 2018

Als PDF lesen

Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Leserinnen und Leser

Wussten Sie, dass man gelbe Diamanten «Kanarienvögel» nennt? Oder dass Andy Warhol Kinderspielzeug sammelte? Und es in einer bedeutenden Antwerpener Kirche eine Altartafel gibt, deren Autorschaft durch die zufällige Entdeckung einer kleinen Ölstudie nun abschliessend geklärt werden konnte?

Ich freue mich, Ihnen die erste Ausgabe unserer neuen Publikation KOLLERview präsentieren zu dürfen. KOLLERview erscheint künftig viermal jährlich vor jeder Auktionssaison im März, Juni, September und Dezember. Darin stellen wir Ihnen unsere Auktionsofferten des kommenden Quartals vor, blicken aber auch auf die zurückliegenden Versteigerungen und informieren Sie über Einlieferungstermine, Vorbesichtigungsdaten sowie weitere Aktivitäten und Neuerungen unseres Hauses.

Unser Titelbild zeigt eine nach dem lebenden Modell gemalte Kopfstudie eines Mönches, die Peter Paul Rubens für das Haupt des Heiligen Domenikus in seiner um 1618 entstandenen und heute im Musée des Beaux-Arts in Lyon aufbewahrten Altartafel «Die Heiligen Domenikus und Franziskus von Assisi als Beschützer der Welt vor dem Zorn Christi» verwendet hat. Sie ist ein Beispiel für die «Modernität», die hochwertige Kunstwerke vergangener Jahrhunderte auch heute noch auszeichnet.

Seit vielen Jahren schon setzen wir den Schwerpunkt unseres Angebotes im Spätsommer auf Kunst und Design vergangener Jahrhunderte: Altmeister-Gemälde des 14. bis 19. Jahrhunderts, Möbel, Silber und Porzellan von der Renaissance bis zum Klassizismus sowie frühe Druckerzeugnisse und Bücher sind vom 19. bis 23. September 2018 in unseren Ausstellungsräumen in Zürich zu besichtigen. Ergänzt wird das Angebot wie immer von einer Vielzahl interessanter Schmuckstücke und Juwelen.

Im zweiten Teil von KOLLERview blicken wir zurück auf die Auktionen im Juni 2018, in denen wir zahlreiche Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, aber auch Asiatische Kunst erfolgreich versteigern durften. Einlieferungen für unsere Auktionen ab November 2018 nehmen wir bereits jetzt gerne entgegen. Wir freuen uns, wenn Sie sich für eine unverbindliche Schätzung an uns wenden. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Selbstverständlich stehen Ihnen alle Expertinnen und Experten unseres Hauses für Auskünfte zu einzelnen Objekten zur Verfügung.

Ihr Cyril Koller


Willem Benson.
Madonna mit Kind.
Öl auf Holz. 66 x 49,4 cm.
Schätzung: CHF 200 000 / 300 000

Entdeckungen mit Wurzeln in Antwerpen

Vorschau auf die Auktionen Alte Meister und Gemälde des 19. Jahrhunderts

vom 28. September 2018

In der knapp 100 Werke umfassenden Offerte Alte Meister ragt die Darstellung der «Madonna mit Kind» des flämischen Malers Willem Benson (1521 – 1574) heraus. Das intime Bildnis von hoher malerischer Qualität ist eine wertvolle Bereicherung des bisher bekannten, nur schmalen Gesamtwerks von Benson. Entstanden ist das auf Eichenholz gemalte Ölbild vermutlich nach 1555 in Brügge und ist der Tradition flämischer Künstler wie Gerard David verpflichtet.



Simon de Vos.
Die Heimsuchung. Um 1639.
Öl auf Holz. 23 x 17,3 cm.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000



Hans Vredeman de Vries.
Gotisches Kircheninterieur. 1594.
Öl auf Holz. 24,5 x 39,7 cm.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000

Bei dem als Tondo um 1626/27 gemalten Seestück handelt es sich um ein interessantes Frühwerk des holländischen Marine- und Landschaftsmalers Simon de Vlieger (1601 – 1653), entdeckt in einer Schweizer Privatsammlung. (Abb. 4) Bildform und -sprache verweisen auf de Vliegers Lehrmeister Jan Porcellis, Hendrick van Anthonissen und Hans Goderis. Auf diesem Rundbild erscheint nichts beliebig, vielmehr hat der Künstler es mit ausgeprägtem Ordnungssinn arrangiert – ein Exempel klassischer Marinemalerei.

Zum Aufruf kommt auch die aus einer Schweizer Privatsammlung eingelieferte Holztafel mit der Darstellung der Heimsuchung. (Abb. 2). Sie ist eine bemerkenswerte Bereicherung für das OEuvre des Antwerpener Malers Simon de Vos (1603 – 1676). Die Komposition ist von einem Altargemälde in der Antwerpener Kirche St.Jakob bekannt, das bislang als ein Werk von Victor Wolfvoet galt. Das fünf Quadratmeter grosse Ölbild entstand um 1639 für die private Kapelle der Familie des portugiesischen Konsuls Franco Lopez Franco. Die jüngste kunsthistorische Forschung identifiziert das nun zur Auktion gelangende Gemälde als eine Studie von Simon de Vos zum eigentlichen Altarwerk. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war St. Jakob die bedeutendste Pfarrkirche Antwerpens und zugleich eine Art Pantheon der berühmten niederländischen und flämischen Maler. Bekannte und wohlhabende Persönlichkeiten liessen sich dort Kapellen für ihre Grabstätten errichten, unter ihnen Peter Paul Rubens und seine Frau Helena Fourment; auch die Künstler Jan und Hendrick van Balen, Jan Boeckhorst und Cornelis Schut fanden in St. Jakob ihre letzte Ruhe. Simon de Vos war als Maler und Kunstsammler tätig und spezialisierte sich früh auf Kabinettdarstellungen und Genreszenen im Stil der Utrechter Caravaggisten. Ab ca. 1640 malte er vermehrt grossformatige religiöse, allegorische sowie historische Szenen im Stil von Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck. Zu de Vos’ Schülern zählte unter anderem Jan van Kessel d. Ä.

Hans Vredeman de Vries (1527 – 1609) begann seine Karriere als Architekt, bevor er sich der Malerei zuwandte. Sein nun zum Verkauf stehendes Kircheninterieur (Abb. 1) ist nicht nur das erste von ihm bekannte, sondern zugleich eine der ältesten Darstellungen dieser Art in der Kunstgeschichte – bisher befand sie sich in einer deutschen Privatsammlung. Daneben überzeugt ein qualitätvolles Beispiel für den Utrechter Caravaggismus von Johannes Moreelse (ca. 1603 – 1634): Sein grossformatiges Ölbild stellt in der typischen Hell-Dunkel-Stimmung und mit der realistischen Auffassung im Stile Caravaggios einen Alchemisten beim Experimentieren dar. (Abb. 3) Ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt ein wiederentdecktes Gemälde von Meindert Hobbema (1638 – 1709). Es war Teil der prestigeträchtigen Sammlung des Earl of Lonsdale, bevor es in eine Schweizer Privatsammlung gelangte. Das Werk war seit den 1960er-Jahren nicht mehr auf dem Kunstmarkt.

Zur Offerte der Kunst des 19. Jahrhunderts zählt unter anderem ein interessantes Gemälde des Russen Ivan Fedorowic Choultsé (1874 – 1939). Dieses entstand basierend auf Vorstudien, die der Künstler während einer Expedition von 1907/08 nach Spitzbergen zeichnete. Eine grosse Venedig-Darstellung in prächtigen Farben, stammt vom Pleinair-Maler Felix Ziem (1821 – 1911). Ergänzt wird das Angebot durch eine auf 1884 datierte Ansicht der Maas bei Dordrecht von Eugène Boudin (1824 – 1898). Unter den Losen dieser Auktion befinden sich schliesslich noch drei reizvolle kleine Landschaften von Carl Spitzweg (1808 – 1885). Sie stehen exemplarisch für die Auseinandersetzung seiner Epoche mit der Freilichtmalerei.

Simon de Vlieger.
Marine mit Segelschiffen in Küstennähe.
Öl auf Holz. Durchmesser 40 cm.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000


Johannes Moreelse.
Ein Alchemist.
Öl auf Leinwand. 90,5 x 107,5 cm.
Schätzung: CHF 200 000 / 300 000




Doppelglobus-Uhr. Louis XVI, von Philipp Matthäus
Hahn, Gehäuse womöglich von Nikolas Friedrich von
Thouret, Echterdingen um 1785. 39,5 x 20 x 40,5 cm.
Schätzung: CHF 250 000 / 450 000

Das Universum als Faszinosum

Vorschau auf die Möbel-Auktion vom 27. September 2018

Unter den mehr als 300 Möbeln, Skulpturen, Uhren und höfischen Einrichtungsobjekten der bevorstehenden Möbel-Auktion vom 27. September fällt neben anderen Stücken eine ebenso spektakuläre wie elegant gearbeitete Doppelglobusuhr auf, die Philipp Matthäus Hahn (1739 – 1790) im deutschen Echterdingen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konstruierte. (Abb. 2) In ihr manifestieren sich gleich mehrere Aspekte der Epoche der Aufklärung: Zuerst bedient sie den Wunsch, die Zusammenhänge des gesamten Universums zu verstehen, was sich in der Anwesenheit von Erd- und Himmelsglobus zeigt. Daneben ist sie ein brillantes Zeugnis für die Faszination, welche komplizierte mechanische Systeme auf viele Monarchen dieser Zeit ausübten, unter ihnen Frankreichs König Ludwig XVI. Nicht zuletzt steht sie als Exempel für die Erkenntnis, Forschen und Lernen immer weiter vorantreiben zu müssen. Bezeichnend ist, dass das komplizierte Werk im Inneren dieser Doppeluhr – anstatt in einem Uhrengehäuse versteckt – hinter Glas sichtbar ist, und so den Blick auf seine raffinierte Mechanik freigibt. Das ebonisierte Gehäuse für diesen aus jahrzehntelangem Privatbesitz eingelieferten Chronometer ist vermutlich eine Arbeit von Nikolaus Friedrich von Thouret (1767 – 1845).



Prunkschrank mit Boulle-Marketerie.
Louis XIV, von Nicolas Sageot.
Paris um 1715 / 25.
150 x 55 x 257 cm.
Schätzung: CHF 250 000 / 450 000

Paar Deckelvasen mit Bronzemontur.
Louis XVI, das Porzellan China, Kangxi um 1700,
die Bronze Paris, um 1765 / 75. H 40,5 cm.
Schätzung: CHF 100 000 / 200 0000

Ebenfalls von besonderer Güte ist der mit aufwendiger Boulle-Marketerie versehene, als «bibliothèque en armoire» bezeichnete Prunkschrank, angefertigt im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. (Abb. 3) Sein Schöpfer, der Pariser Meister Nicolas Sageot (1666 – 1731), zählte Pariser Sammler, Vertreter der französischen Aristokratie, Maximilian II. Kurfürst von Bayern und die schwedische Krone zu seinen Kunden. Während Form und Grösse von Sageots Schränken und Bibliotheken stark variierten, führte er seine kunstvollen Marketerien nahezu identisch aus. Dadurch lassen sich auch unsignierte Möbel – wie der hier angebotene Schrank – seinem OEuvre sicher zuschreiben. Sageot verwendete variantenreiche Bronzebeschläge, um die individuellen Wünsche seiner illustren Kundschaft zu erfüllen. Am vorliegenden Stück lassen sich Applikationen aus der Werkstatt des berühmten André-Charles Boulle (1642 – 1732) nachweisen, daneben jüngere Ergänzungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mit Ausnahme der wenigen Möbelstücke, die sich in Privatbesitz befinden, gehören Sageots Hauptwerke heute zu den Sammlungen renommierter Museen, so des Musée National du Château de Versailles, des Musée du Petit Palais in Paris, des Bayerischen Nationalmuseums in München oder des Londoner Victoria & Albert Museums.

Auch ein Paar chinesischer Deckelvasen aus der Zeit um 1700 mit Pariser Bronzemonturen der Jahre 1760 / 65 (Abb. 1) kann eine prominente Herkunft vorweisen: Die kapitalen Porzellanvasen waren Teil der stupenden Kollektion des französisch-iranischen Geschäftsmannes und Connaisseurs Djahanguir Riahi.

Léonard Boudin (1735 – 1807) fertigte einen ebenfalls im September zur Auktion gelangenden Lack-Sekretär «à abattant» im Paris der Zeit um 1760/65. Das extraordinäre Möbel ist allseitig mit Coromandellack gefasst. Dieser «Vernis de Coromandel», dessen handwerkliche Wurzeln ins China der späten Ming- Dynastie zurückreichen, entstand in aufwendiger Lackier- und Schnitztechnik: Nachdem mehrere Lackschichten auf den Holzkorpus des Möbels aufgetragen worden sind, wurden die Bildmotive partiell herausgeschnitten, um ihre subtile Tiefenwirkung zu erzielen.

LACK-SEKRETÄR "A ABATTANT",
Louis XV, mit Sign. L. BOUDIN
Innungsstempel Paris um 1760/65.
Schätzung: CHF 50 000 / 70 000



Plenarium. Augsburg, Anton Sorg.
1480.
Schätzung: CHF 22 000 / 35 000

Schongauer als Vorbild einer ganzen Künstlergeneration

Vorschau auf die Auktionen Bücher, Autographen und Alte Grafik vom 24. und 28. September 2018

Der Augsburger Drucker Anton Sorg (um 1460 – 1530) zählte im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts zu den produktivsten Vertretern seiner Gilde. Insbesondere seine mit Holzschnitten illustrierten Buchausgaben waren bereits in ihrer Entstehungszeit wertvolle Druckwerke. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie zu äusserst raren Sammlerstücken. Das vorliegende Plenarium – erschienen zwischen 1478 und 1483 – versammelt jene Bibelzitate, die im Laufe des Kirchenjahres für die Lesungen im Gottesdienst vorgesehen sind. Plenarien sind Vorläufer der späteren Postillen, in denen Bibeltexte und Predigten publiziert wurden. Bei der in der Auktion vom 24. September angebotenen Ausgabe handelt es sich um ein frühes Beispiel für ein volkssprachliches Andachtsbuch, von dem weltweit nur eine Handvoll kompletter Exemplare in öffentlichen Bibliotheken nachweisbar ist.



Martin Schongauer. Der heilige Antonius, von Dämonen gepeinigt. Um 1469 – 73. Kupferstich. 31,4 x 23,8 cm. Schätzung: CHF 25 000 / 35 0000



Ein Höhepunkt der Auktion Alte Graphik vom 28. September ist der um 1470 entstandene Kupferstich «Der hl. Antonius, von Dämonen gepeinigt» von Martin Schongauer. (Abb. 1) Auf dem berühmten Stich blickt der dargestellte Heilige den Betrachter gelassen an, während wilde Dämonen an seinen Gliedern, Kleidern und Haaren reissen und mit Knüppeln nach ihm schlagen. Schongauer hat diese imaginären Wesen auf überzeugende Weise dargestellt; der Realismus ihrer Schuppen und ihres Fells deutet auf eine direkte Beobachtung von Tieren hin. Mit Darstellungen wie dieser schuf Schongauer, um 1445/50 in Colmar geboren und 1491 gestorben und damals der «hübsche Martin» genannt, einige der fantastischsten und zugleich groteskesten Werke in der Geschichte der Druckgrafik. Die Dramatik der Schongauerschen Darstellung war in der Kunst jener Epoche eine Neuheit. Und obwohl es sich um einen der frühen der insgesamt 116 heute bekannten Drucke des Künstlers handelt, war er einer der einflussreichsten von seiner Hand: Albrecht Dürer und Lucas Cranach d. Ä. nahmen in ihren grafischen Arbeiten unmittelbar Bezug auf Schongauers Meisterwerk. Giorgio Vasari überlieferte in seinen Viten, dass selbst Michelangelo im Alter von dreizehn Jahren ein Gemälde nach diesem aussergewöhnlichen Motiv anfertigte. Das Tafelbild wurde vor einigen Jahren wiederentdeckt und befindet sich heute im Kimbell Art Museum im texanischen Fort Worth.



Teekanne, Böttger-Steinzeug,
um 1710. H 10,5 cm.
Schätzung: CHF 12 000 / 18 000

Jahrhundertealt und doch marktfrisch

Vorschau auf die Auktion für Porzellan und Silber vom 25. September 2018

Die für die September-Auktion eingereichte Böttger-Teekanne gehört zu den frühesten Beispielen der Meissener Produktion, die man erwerben kann. (Abb. 3) Dieses Steinzeug- Exponat, das auf 1710, das Gründungsjahr der Manufaktur, zu datieren ist, hat eine herausragende Provenienz: Sie reicht von der repräsentativen Sammlung Ludwig von Darmstaedter in Berlin bis zum Inventar des bedeutenden Münchner Auktionshauses Hugo Helbing, von dem es ein Basler Privatsammler 1930 erworben hatte und in dessen Familie es bis heute erhalten blieb. In einem frühen Inventar der berühmten sächsischen Porzellanmanufaktur aus dem Jahr 1711 wird dieses zierliche Modell als «8bassiger Thee-Krügel mit Adler-Schnäutzgen» gelistet. Vergleichbare Kannen befinden sich in den bedeutendsten Museen.



Teile aus einem seltenen Service.
Kupfer patiniert und vergoldet. Russland, Ural,
Kupfermanufaktur Demidoff, um 1770.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000

Die zwei dekorativen Teedosen mit passendem Tablett wurden um das Jahr 1770 in der renommierten Kupfermanufaktur der Familie Demidoff im russischen Ural hergestellt. Die Ausführung der Stücke ist identisch mit der eines Tafelgeschirrs, das 2009 in der legendären Nachlass-Auktion des Modeschöpfers Yves Saint Laurent in Paris versteigert wurde. Demidoffschem Kupfer eilte der Ruf grösster Reinheit voraus. Die Ausführung dieser eleganten Sammlerstücke mit vergoldeten und patinierten Oberflächen ist selten anzutreffen. (Abb.1) Die Ausführung der farbigen Dekoration der Majolika-Platte, die ebenfalls am 25. September zum Aufruf kommt, ist einzigartig. Manieristische Figuren nehmen den gesamten Bildraum der 44 Zentimeter durchmessenden Platte ein und bedecken, ausgeführt in zurückhaltender Palette, sowohl den Spiegel als auch die Fahne dieses Renaissance-Tellers. Die Darstellung ist bekannt als «La strage degli innocenti», die den Kindermord zu Bethlehem thematisiert. Das auffällige Stück ist vor etwa 450 Jahre in Mittelitalien geschaffen worden und wurde in diversen Publikationen bereits gewürdigt.

Hochseltene Renaissance Majolika Platte
«La Strage degli Innocenti», Castelli d’Abruzzo, wohl
Werkstatt Orazio Pompei, um 1561 – 1565. D 44 cm.
CHF 60 000 / 80 000



Ein Paar Fancy-Intense-Yellow-Diamanten.
Von 3.04 ct bzw. 3.07 ct, IF.
Schätzung: CHF 80 000 / 120 000

Seltenheiten in Kanariengelb

Vorschau auf die Schmuckauktionen vom 25. September 2018

Das Angebot der Schmuckauktionen vom 25. September umfasst rund 300 Stücke, darunter Preziosen von Buccellati, Cartier, Tiffany & Co., Bulgari, David Morris und anderen. In der Offerte fällt ein feines Paar gelber Diamanten besonders auf. (Abb. 1) Entscheidend für den Wert von Diamanten sind neben der Reinheit des Steines sein Gewicht, die Farbe und der Schliff. Besonders selten sind farblose Diamanten von hohem Farb- und Reinheitsgrad. Doch auch ausgefallene und intensive Farbdiamanten – so genannte Fancy Diamonds, die ausserhalb des bekannten Farbspektrums liegen und äusserst selten sind – sind gesucht, etwa die wertvollen Diamanten in gesättigtem Pink, Blau, Rot, Grün oder Gelb.



Perlen-Saphir-Diamant-Brosche, um 1900.
Schätzung: CHF 5 000 / 8 000

Gelb ist die zweithäufigste Phantasiefarbe von Diamanten, der Farbton entsteht durch die Einlagerung von Stickstoff im Kohlenstoff-Kristallgitter des Minerals. Gelbe Diamanten kommen in einem breiten Spektrum von Sättigungen vor – von fancy light über fancy und fancy dark bis zu fancy deep. Die intensivsten und kräftigsten Töne erhalten das Prädikat fancy intense oder fancy vivid und werden mitunter «Kanarienvögel» genannt. Einige der berühmtesten Fancy Diamonds sind gelb, etwa der Kahn Canary, der Cora Sun Drop oder der von Audrey Hepburn für Werbefotos für «Breakfast at Tiffany’s» getragene Canary. Die beiden zum Aufruf kommenden Diamanten tragen das Prädikat fancy intense yellow, wiegen je 3 Karat und sind ein nahezu perfektes Paar, was sich in ihrer Taxierung spiegelt. Weitere Höhepunkte der Auktion bilden ein Ring mit einem Emerald-cut Diamant von 6,95 Karat und von feiner Qualität, eine sammelwürdige, diamantbesetzte Minaudière von Buccellati, ein Paar seltene Saphir-Diamant- Ohrclips von Harry Winston in der Form eines Seesterns sowie ein modernes, mit gelben Diamanten ausgefasstes Bracelet. Beim Kauf eines Schmuckstückes oder eines Edelsteines erhalten Sie von uns eine umfängliche Garantie bezüglich Qualität, Grösse, Farbe und Material im Rahmen unserer Auktionsbedingungen. Unsere Schmuckspezialisten – diplomierte Gemmologen – prüfen und taxieren jedes einzelne Objekt. Wenn erforderlich, lassen wir die zur Versteigerung gelangenden Stücke bei international anerkannten Edelstein- und Diamantprüflabors, unabhängigen Experten, Schmuckarchiven und der Schweizer Edelmetallkontrolle prüfen.

SAPHIR-DIAMANT-OHRCLIPS, HARRY WINSTON.
Platinum, 10% Iridium, 35g.
Schätzung: CHF 10 000 / 15 000






MARTIN SCHONGAUER
Der heilige Antonius, von Dämonen gepeinigt. Um 1469-73.
Küpferstich. 31,4 x 23,8 cm.
Schätzung: CHF 25 000 / 35 000
Auktion am 28. September 2018

DÄMONEN UND ENGEL

Ein ewiger innerer Konflikt und seine Darstellungen in der Kunst

Sind Menschen von Natur aus böse und tun Gutes nur aufgrund gesellschaftlicher Konvention, oder sind wir eigentlich gut und begehen unsere schlechten Taten allein in Momenten der Schwäche und Versuchung? Diese Debatte begleitet uns schon immer und wird kaum so bald entschieden sein, aber eine Beobachtung ist wohl mehrheitsfähig: So sehr wir uns auch bemühen, das Gute zu tun, die Versuchung behält doch manchmal die Oberhand, und sogar mancher Heilige hat seine liebe Mühe, sich ihrer zu erwehren.

Zu allen Zeiten haben sich Künstler mit dem Thema der Versuchung beschäftigt, und ihr unzweifelhafter Favorit unter den von ihr bedrohten Heiligen ist Antonius der Grosse. Der frühchristliche Asket des 3./4. Jahrhunderts ging in die Wüste, um ein Leben als Eremit zu führen. Der Legende nach wurde er dort von allen möglichen Dämonen heimgesucht, die ihn mit Langeweile, Faulheit und Gedanken an Frauen quälten, ihn sogar bisweilen bewusstlos prügelten.

In der um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstandenen Arbeit von Martin Schongauer, die in unserer Auktion mit Altmeister-Graphik angeboten wird, ist der hl. Antonius von furchterregenden Kreaturen umgeben, die der Künstler offenbar direkt aus seinen schlimmsten Alpträumen heraus gestaltet hat. Von diesen unerbittlich getreten, geschlagen und gepeinigt, bleibt die Miene des Heiligen doch von transzendenter Gelassenheit. Die kraftvolle Bildsprache und die harmonische Komposition dieses Kupferstiches machen ihn zu einem von Schongauers stärksten Blättern überhaupt.

HIERONYMUS BOSCH (NACHFOLGER UM 1550)
Nächtliche Landschaft mit der Versuchung des Hl. Antonius. Öl auf Holz. 45 x 57 cm.
Schätzung: CHF 180 000 / 250 000
Auktion am 28. September 2018


Ungefähr ein Jahrhundert später nahm sich ein flämischer Künstler desselben Themas an, in diesem Falle inspiriert von den legendären Höllenszenen des Hieronymus Bosch. In düsterer Atmosphäre, nur von ein paar lodernen Flammen beleuchtet, versucht sich der heilige Antonius der zahllosen Dämonen, die sich offenbar dauerhaft in seiner Nähe eingerichtet haben, zu erwehren. Auch hier lässt der Künstler seinen dunkelsten und fürchterlichsten Phantasien freien Lauf - wohl nicht zuletzt um einen kathartischen Prozess anzustossen, nicht unähnlich jenem, wie ihn die Asketen durch fortgesetzte Isolation und Fasten zu erreichen suchten.

PAAR GIRANDOLEN "À L'AMOUR ET LE BOUQUETIN".
Louis XVI, von François Rémond.
Paris um 1765/70. H 61,5 cm.
Schätzung: CHF 38 000 / 58 000
Auktion am 27. September 2018

François Rémond, der Schöpfer eines Paars von feuervergoldeten Louis XVI-Kandelabern aus unserer Möbel-Auktion, wählte einen ungleich fröhlicheren Weg, um das Thema der Versuchung bildhaft umzusetzen. Zwei Putti - als Verkörperungen der Liebe - sind spielerisch auf die Rücken zweier Bergziegen platziert. Ziegen sind traditionelle Symbole der zügellosen Triebhaftigkeit und werden oft in bacchanalischen Szenenerien verwendet. In unserem Fall scheint ihre fügsame Haltung eher darauf hinzudeuten, dass auch der bockigste Casanova von der Macht der Liebe gezähmt und folgsam gemacht zu werden verspricht.




 


SAMMLUNG VON SIGNAL- UND JAGDHÖRNERN

ST. HUBERTUSORDEN DES REICHSGRAFEN VON SPORCK
um 1700. Gold 750 (Medaille) und Gold 999 sowie Edelsteine.
An 2 Ketten hängend ein Jagdhorn und ein ovales Medaillon, umgeben von einer Reihe von kleinen smaragdgrünen Steinen und 2 Diamanten.
B 8,5; H 9,5 cm.

Schätzung: CHF 15 000 / 25 000.
Auktion in Zürich am 27. September 2018

Schon ein frühester Zeit kommunizierten unsere Vorfahren bei der Jagd mittels Signalinstrumenten. Aus dem einfachen Signal- und Kommunikationsinstrument entstand allmählich ein komplexes Musikinstrument, welches auch in die Orchestermusik Eingang gefunden hat. Diese Entwicklung zu beschreiben und zu dokumentieren, dieser Aufgabe widmete sich der 1930 geborene Chemiker und passionierte Jäger Werner Flachs. Resultat von jahrelangen Recherchen, Reisen und Museumsbesuchen ist nicht nur das mit dem Literaturpreis des Conseil International de la Chasse 1995 ausgezeichnete Buch "Das Jagdhorn, seine Geschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart", sondern auch eine wunderbare Sammlung von historischen Instrumenten. Sie dokumentiert die Entwicklugsgeschichte des Horns, als Instrument für die Jagd und als Orchesterinstrument, von den ersten prähistorischen Flöten aus Knochen, über mittelalterliche Instrumente aus Elfenbein und Horn bis zu den späteren barocken und modernen Hörnern aus Messing und Kupfer. Für die Entwicklungsgeschichte bedeutende Modelle, welche historisch nicht auffindbar waren, liess der Sammler von versierten Instrumentenbauern nachbauen.

Die Sammlung war zwischen 1994 und 2017 im Jagdmuseum Schloss Landshut in Utzensdorf ausgestellt.

Wir möchten Herrn Flachs und seiner Frau für ihr Vertrauen danken und freuen uns, dieses spannende Stück Kulturgeschichte präsentieren zu dürfen. Allen Jägern, Sammlern und Hornisten wünschen wir bei der Auktion am 27. September Waidmannsheil!




AUKTIONSNACHBERICHT
KUNST DES 20. UND 21. JH. BEI KOLLER ZÜRICH
AUKTIONEN VOM 29. BIS 30. JUNI 2018

– GROSSES INTERESSE FÜR MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE WERKE VON VAN DONGEN, KIRCHNER & CRAGG

– ERFOLG FÜR POP ART VON CHAMBERLAIN, HARING & WARHOL

– «L’ÉGYPTIENNE» VON KEES VAN DONGEN AUS SCHWEIZER PRIVATSAMMLUNG FÜR CHF 1,7 MIO. VERSTEIGERT

Zahlreiche starke Gebote prägten die Auktionen für Moderne- und Zeitgenössische Kunst vom 29. und 30. Juni bei Koller Zürich. Viele der Lots liessen sich weit über den Erwartungen ersteigern. Der Gesamterlös für Werke der bildenden Kunst übertraf die Schätzungen um ein Vielfaches.

Kees Van Dongen
L’Egyptienne. 1910-11.
Öl auf Leinwand.
100 x 73 cm.
Auktionsergebnis: CHF 1.7 Mio.

Sowohl im Auktionssaal als auch an den Telefonen und im Internet wurde anlässlich der Auktionen für Moderne- und Zeitgenössische Kunst sehr aktiv mitgeboten. An der Spitze des Angebotes stand Kees van Dongens fauvistisches Meisterwerk «Rouge et Jaune (l’Égyptienne)» aus dem Jahre 1910-11, das für CHF 1,7 Mio. von einer europäischen Privatsammlung ersteigert wurde. Aus derselben dem Auktionshaus anvertrauten Schweizer Privatsammlung, welche in den 20er-Jahren angelegt wurde, verkauften sich mit «Portrait de femme» von 1913 ein weiteres Gemälde von Van Dongen für CHF 240 500, «L’Allée» von Maurice de Vlaminck für CHF 204 500 (Lot 3231) sowie mehrere Werke von Gen Paul.

Auch für Skulpturen bestand eine grosse Nachfrage. Mit CHF 324 500 konnte die «Büste des emporsteigenden Jünglings» von Wilhelm Lehmbruck für mehr als das Doppelte der Schätzung zugeschlagen werden. Die seltene, rot bemalte, «Obstschale II» von Ernst Ludwig Kirchner erzielte CHF 186 500 und die zu Tony Craggs «Early Forms» zählende, ganz in rot gefasste Metallskulptur «Red Square» von 2007, verkaufte sich für CHF 144 500.

Besonders umworben von Bietern aus den USA, Deutschland und Asien war die Komposition «Kiss #14» aus gepresstem Stahl von John Chamberlain, welche schliesslich mit CHF 526 500 zum doppelten Schätzwert den Besitzer wechselte. Unter den weiteren Werken der Pop Art aus der PostWar & Contemporary Auktion stach Andy Warhols kleinformatiges «Clockwork Panda Drummer», ausgerufen zum Schätzpreis von CHF 80 000 bis CHF 140 000, mit einem Zuschlag von CHF 192 500 heraus. Unter den insgesamt acht Farbserigraphien von Keith Haring verdoppelten nicht weniger als fünf ihre Schätzung. So wechselte etwa das auf CHF 25 000 bis CHF 35 000 dotierte «Growing» von 1988 für CHF 58 100 den Besitzer.

Der mit 234x181cm eindrücklich grosse Holzschnitt «Dominique» des Schweizers Franz Gertsch aus dem Jahre 1988 erzielte ferner einen Zuschlagpreis von CHF 168 500. «Lord of the Rings I», eine Fantasielandschaft des Alien-Schöpfers H.R. Giger verdoppelte mit CHF 144 500 ebenso die vorangehende Schätzung. Die Wiederbelebung der Werke von Victor Vasarely liess sich am weit über der Erwartung liegenden Ergebnis von CHF 198 500 für sein 1968/75 geschaffenes Werk «Kedzi-Domb» erkennen, welches Koller aus einer Schweizer Privatsammlung anvertraut wurde.

Ein Highlight der PostWar Auktion waren schliesslich die Lots von zeitgenössischen Deutschen Künstlern. Exemplarisch dafür steht etwa das unbetitelte Werk der Düsseldorferin Karin Kneffel aus dem Jahre 2005, das mit CHF 106 100 das Doppelte der Taxe erzielte und damit einen der besten Auktionspreise für diese Serie darstellt. Ebenso realisierte die mit CHF 15 000 bis 25 000 ausgerufene Komposition «1020S» der Berlinerin Katherina Grosse von 2006 mit CHF 58 100 ein exzellentes Resultat.

 



AUSGEWÄHLTE HIGHLIGHTS

KEES VAN DONGEN

Portrait de femme. Um 1913.

Öl auf Leinwand. 65 x 55 cm.

Auktionsergebnis: CHF 240 500

 


WILHELM LEHMBRUCK

Büste des Emporsteigenden Jünglings. 1913.

Steinguss, Lebzeit.

Auktionsergebnis: CHF 324 500

 


ERNST LUDWIG KIRCHNER

Obstschale II. Um 1910.

Holz, rot bemalt.

Auktionsergebnis: CHF 186 500

 

VICTOR VASARELY

Kezdi-Domb. 1968/75.

Acryl auf Leinwand. 160 x 160 cm.

Auktionsergebnis: CHF 198 500

 

 

TONY CRAGG

Red Square. 2007.

Bronze, farbig gefasst. 70 x 80 x 66cm.

Auktionsergebnis: CHF 144 500

 

MAURICE DE VLAMINCK

L’Allée. Um 1912-14./span>

Öl auf Leinwand. 66 x 81 cm.

Auktionsergebnis: CHF 204 500

 



FRANZ GERTSCH

Dominique. 1988. Farbiger Holzschnitt. 7/18.

Darstellung 234 x 181 cm auf Japanpapier von Heizoburo 275 x 219 cm.

Auktionsergebnis: CHF 168 500

 

H. R. GIGER

Lord of the rings I. 1975.

Acryl auf Papier auf Holz. 100 x 70 cm.

Auktionsergebnis: CHF 144 500

 

ANDY WARHOL

Clockwork Panda Drummer. 1983.

Synthetisches Polymer und Siebdruck auf Leinwand. 35.5 x 27.7

Auktionsergebnis: CHF 192 500

 



KEITH HARING

Growing. 1988.

Farbserigrafie. AP 2/15.

Auktionsergebnis: CHF 58 100

 

KATHARINA GROSSE

1020S. 2006.

Acryl auf Leinwand. 142 x 82 cm.

Auktionsergebnis: CHF 58 100

 

JOHN CHAMBERLAIN

Kiss #18. 1979.

Bemalter Stahl. 68.5 x 59.5 x 61 cm.

Auktionsergebnis: CHF 526 500

 


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VELÁZQUEZ REVISIERT
Richard Hamilton's Hommage an Picasso ... und an Velázquez

Für eine grössere Ansicht, bitte ins Bild klicken.

In diesem Werk nimmt Richard Hamilton die weltberühmte Komposition Diego Velázquez „Las Meninas“ und deutet sie durch graphische Bilder von Pablo Picassos Oeuvre um. Jedes Bild repräsentiert einen der verschiedenen Stile, die während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Picasso ausgeführt worden waren. Diese Radierung wurde im Jahre 1973 für eine Beauftragung mit dem Titel „Hommage à Picasso“ – ein Bestand an Werken von verschiedenen Künstlern – erzeugt. Lächelnd gibt Hamilton in einem Interview im Kunstmuseum Prado im Jahr 2010 zu, dass sich “diese Hommage doch eher an Velázquez richtet“.

Auf der nebenstehenden Abbildung werden die jeweiligen Stile erklärt und die Figuren in Ihrem Zusammenhang zum Originalgemälde von Velázquez dargestellt (für eine grössere Ansicht, bitte ins Bild klicken).

 

Diego Velázquez, Las Meninas. 1656. Museo del Prado, Madrid.
Für eine grössere Ansicht, bitte ins Bild klicken.

Er kopiert die räumliche Gestaltung und Positionierung der Staffage eins zu eins, ersetzt die köngliche Familie aber durch Figuren aus allen Schaffensperioden Picassos. Wie auf einer Theaterbühne präsentiert er Picassos Meisterschaft: Am rechten Bildrand finden wir einen Harlekin aus der Rosa-Periode, der auf einen Stier aus Picassos Meisterwerk „Guernica“ zu treten scheint. Hinter dem Stier haben wir rechts eine sitzende Frau, nach dem Vorbild der „Femme assise“ von 1927 (Zervos, Vol. 7, Nr. 77); rechts von ihr steht eine Figur typisch für die späten 1930er Jahre. In der nächsten Reihe findet sich eine Frau, die an Picassos neoklassizistischen Stil der frühen 1920er Jahre erinnert und neben ihr eine archaisch anmutende Figur, wie wir sie aus „Les demoiselles d’Avignon“ kennen (Zervos, Vol. 2, Nr. 18). Im Bildmittelpunkt steht eine kleine analytisch-kubistische Person, der sich wiederum eine Frau aus der Neoklassizistischen Periode zuwendet. Pablo Picasso selbst nimmt die zentrale Position Velázquez vor der Staffelei ein. Im Spiegel an der Rückwand, in dem im Original das Königspaar zu sehen ist, spiegeln sich nun Richard Hamilton und seine Lebensgefährtin. Sogar die Gemälde an der Rückwand hat Hamilton durch Gemälde Picassos ersetzt: "Nu couché et femme assise" von 1942 (Zervos, Vol. 12, Nr. 69) und „Musiciens aux masques“ von 1921 (Zervos, Vol. 4, Nr. 331).

 

RICHARD HAMILTON
(1922 London 2011)
Picasso's Meninas. 1973.
Aquatintradierung und Kaltnadel. EA 4/5, Künstlerexemplar ausserhalb der Auflage von 90. Darstellung 57 x 49 cm auf Vélin von Rives 75,5 x 57 cm.

Auktion in Zürich am 30. Juni 2018
Schätzung CHF 14 000 / 18 000

Auktionsergebnis: CHF 35 300



 

AUSSTELLUNG IN PARIS
Highlights unserer Juni-Auktionen

Kees van Dongen • Serge Poliakoff • Georges Braque • Pierre Bonnard • Mark Tobey • Maurice Utrillo • Niki de Saint Phalle • Maurice de Vlaminck • Richard Hamilton • Victor Vasarély • Keith Haring • Wilhelm Lehmbruck

17./18. Mai   9.30 – 18.00
19. Mai        11.00 – 18.00
21. Mai        11.00 – 18.00


Hôtel Dassault, Artcurial
7 Rond-Point des Champs-Elysées
75008 Paris

Die Werke werden am 29. und 30. Juni in Zürich versteigert.



 

 

 

 




AUKTIONSNACHBERICHT
MÄRZ AUKTIONEN VOM 19. BIS 23. MÄRZ 2018

Intensives Bieten für Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts bei Koller Zürich

CARSTIAN LUYCKX
(1623 Antwerp 1677)
Memento Mori Stillleben. Öl auf Leinwand. 73,5 x 92,5 cm.
Auktionsergebnis: CHF 538 000

An der Auktion für Gemälde Alter Meister bei Koller Zürich wurde intensiv geboten. Zahlreiche Werke konnten zum Vielfachen ihrer Schätzung versteigert werden. Damit zeigte sich einmal mehr, dass der Markt in diesem Segment sehr aktiv ist, sofern die Qualität stimmt. Top-Los war ein Memento Mori Stillleben aus dem 17. Jahrhundert des flämischen Künstlers Carstian Luyckx, welches die verheerenden Kriegswirren jener Zeit durch eine faszinierende Symbolik erfasst. Das auf CHF 30 000 bis 40 000 geschätzte Werk ging mit einem Zuschlag von CHF 538 000, zum weltweit zweithöchsten Preis für ein Gemälde von Carstian Luyckx, an einen neuen Besitzer. Es gilt als Hauptwerk des Künstlers, und konnte nach langer Zeit in Familienbesitz dank der Wiederentdeckung durch Koller wieder auf dem Kunstmarkt angeboten werden.

 

ANTHONIS VAN DYCK
(Antwerpen 1599-1641 London)
Porträt einer italienischen Adligen.
Öl auf Leinwand. 48 x 37,7 cm.
Auktionsergebnis: CHF 264 500

Ein weiteres sehr gefragtes Gemälde war das Porträt einer italienischen Adeligen von Antonis van Dyck. Erzielte es an seiner letzten Versteigerung 1999 in New York etwas mehr als $50 000, weckte es nun grosses Interesse und konnte nach langem Bieterduell bei CHF 264 500 zugeschlagen werden. Ebenso intensiv war die Nachfrage nach Werken aus dem 17. Jahrhundert, wie von Bernardo Strozzi, Meindert Hobbema oder Clara Peeters, für die sechsstellige Resultate erzielt wurden.

 

LEO VON KLENZE
(Schladen 1784-1864 München)
Italienische Klosterhalle mit Ausblick auf Capri. 1855.
Öl auf Leinwand. 87,2 x 107,7 cm.
Auktionsergebnis: CHF 78 500

Auch bei den Gemälden aus dem 19. Jahrhundert konnten die Erwartungen übertroffen werden. So zum Beispiel bei der humorvollen Darstellung von Eduard Grützner, welche drei Mönche beim Studium eines erotischen Stiches zeigt. Die Schätzung wurde verdoppelt und der Zuschlag lag letztendlich bei CHF 102 500. Einen Sprung machte auch die hochinteressente Architekturdarstellung mit Ausblick auf Capri von Leo von Klenze, die auf CHF 25 000 bis 35 000 geschätzt war und bis auf CHF 78 500 stieg.


Die nächste Auktion für Gemälde Alter Meister und des 19 Jahrhunderts findet im September 2018 im Rahmen des 60- jährigen Jubiläums des Hauses Koller statt. Den Auftakt hierzu machen die Auktionen für Moderne und Zeitgenössische Kunst im Juni 2018.

 



Weitere Highlights der März-Auktionen

MEINDERT HOBBEMA

Bewaldete Flusslandschaft. Um 1663.

Öl auf Holz. 62,5 x 86,5 cm.

Auktionsergebnis: CHF 162 500

 


CARL MORGENSTERN

Kapuzinerkloster bei Amalfi. 1843.

Öl auf Leinwand. 31,8 x 48 cm.

Auktionsergebnis: CHF 36 500

 


CLARA PEETERS

Stillleben mit Katze, Fischen, Austern und Krustentieren.

Öl auf Holz. 38 x 48 cm.

Auktionsergebnis: CHF 132 500

 

 

EDUARD GRÜTZNER

Heimliche Studie. 1892.

Öl auf Leinwand. 38 x 48 cm.

Auktionsergebnis: CHF 156 500

 

BERNARDO STROZZI genannt IL CAPPUCCINO

Portät des Paolo Gregorio Raggi, Gouverneur von Corsica.

Öl auf Leinwand. 135 x 111 cm.

Auktionsergebnis: CHF 216 500

 

HOCHBEDEUTENDER TISCHLEUCHTER

Das Modell von Johann Gottlieb Kirchner, die Bemalung wohl von Johann Gregorius Höroldt.

Meissen, circa 1727. H 22 cm.

Auktionsergebnis: CHF 78 500

 



AMEUBLEMENT

Empire, sign. JACOB D.R. MESLEE, Paris um 1810.

Geschaffen im Auftrag des Generals und Duc d'Amaldie, Jean-de-Dieu Soult.

Auktionsergebnis: CHF 36 500

 

WILLIAM HAMILTON

Campi Phlegraei. Observations on the Volcanos of the Two Siciles.

Naepel, 1776-79.

Auktionsergebnis: CHF 78 500

 

PAAR BRONZEPFERDE

Nach der byzantinischen Quadrige der Piazza San Marco.

Venedig, 17. Jh.

Auktionsergebnis: CHF 55 700

 


Kataloge mit Ergebnissen, März-Auktionen

 

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DER TOD UND DER KÜNSTLER
Ein Memento Mori Stillleben von Carstian Luyckx

Für eine grössere Ansicht, bitte ins Bild klicken.

Dieses beeindruckende Gemälde, das kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt wurde, ist ein Vanitas-Stillleben, das den Betrachter dazu ermutigen soll, über die Vergänglichkeit des Lebens, und über die Eitelkeit irdischer Genüsse zu sinnen. Das Memento Mori zählte in der Kunst dieser Zeit zu den vergleichsweise häufig verwendeten Themen und so waren ihre Betrachter auch mit den dazugehörigen Symbolen, die auf die Vergänglichkeit des Lebens verweisen, vertraut. Doch abseits des Offensichtlichen vollzog sich eine subtilere und für die Zeit weniger übliche soziokulturelle Entwicklung, die unter anderem auch Einzug in die Thematiken des Stilllebens hielt: eine Abscheu vor den Schrecken des Krieges, und eine Verurteilung des Allmächtigen französischen Königs, Louis XIV (1638-1715).

Diese unterschwellige Symbolik bezieht sich eindeutig auf die geschichtsträchtige Invasion der spanischen Niederlande durch die französischen Truppen unter Ludwig XIV. in den Jahren 1667/68. Der junge französische König nutzte die Gunst der Stunde und erhob nach dem Tod des spanischen Königs Philipp IV. (1605-1665), Anspruch auf Ländereien, die ihm, wie er behauptete, durch seine Eheschliessung mit Maria Theresia, Philipps Tochter, rechtmässig zustanden.

 

Adam Frans van der Meulen. Louis XIV mit seinem Heer vor Courtrai, 1667.

Das hier vorliegende Stillleben übt deutliche Kritik an der Eroberungspolitik von Ludwig XIV. Es ist ein Dokument der persönlichen Betroffenheit eines von den Kriegswirren in den spanischen Niederlanden betroffenen Malers um 1667/68.

Die Memento Mori Symbolik wird in diesem Gemälde von einem ganzfigurigen Skelett – als Darstellung des Todes – dominiert. Mit seiner linken Hand löscht es eine Kerze aus, die als Symbol des Lebens verstanden werden darf. In seiner rechten Hand hält es ein Blatt Pergament, auf dem die Devise Statutum est Omnibus hominibus Semel Mori ("Es wurde daher beschlossen, dass jeder einmal zu sterben hat") geschrieben steht. Diese verweist auf den unausweichlichen Tod jedes Einzelnen. Das aufgeschlagene Buch zu den Füssen des Skeletts ermahnt mit dem Dargestellten vor der ewigen Bestrafung der Verdammten. Weiter setzt der Künstler auf eine Reihe von Symbolen, die zum einen auf die Freuden des Lebens und zum anderen auf den Tod verweisen: drei Schädel und eine Reihe von Zeitmessern – als Zeichen für die Vergänglichkeit des Lebens - reihen sie sich zwischen Musikinstrumenten, Spielkarten, Würfeln und Rosenblüten ein. Die Lebensfreude erfährt durch die harte Realität ein plötzliches Ende, was beispielsweise durch die Präsenz der Trompete impliziert wird, die Bezug auf die französische Invasion von 1667/68 nimmt.

 

CARSTIAN LUYCKX
(1623 Antwerpen um 1677)
Memento Mori Stillleben mit Musikinstrumenten, Büchern, Noten, Skelett, Schädel und Rüstung (Detail).
Öl auf Leinwand. 73,5 x 92,5 cm.

Verkauft am 23. März 2018 für CHF 538 000

Besonders auffällig an der Symbolik dieser Arbeit ist jedoch nicht nur die offensichtliche Verurteilung des Kriegsgeschehens im Allgemeinen, sondern auch der Verweis auf die Protagonistenrolle eines einzelnen im Geschehen: der französische König Ludwig XIV. So sind das Zepter und die französische Krone - als Machtsymbole des Sonnenkönigs - prominent mit Schädeln und anderen Darstellungen des Todes abgebildet. Das Skelett steht dabei neben einer französischen Reiterstandarte einer königlichen Gardeeinheit mit dem königlichen Doppelwappen Bourbon-Navarra und umrahmt von den Ordensketten des Heiligen Michael und des Heiligen Geistes. Doch anstelle eines selbst verherrlichenden Mottos, das normalerweise darunter geschrieben steht, findet sich hier eine strenge Mahnung aus dem Buch Hiob Homo natus de muliere brevis vivens ("Der vom Weibe geborene Mensch lebt nur kurze Zeit").

Das Memento Mori Gemälde soll den Betrachter stets daran erinnern, dass der Tod keinen Unterschied zwischen Reich und Arm macht und in Luyckxs Beispiel sich gar eine direkte Verurteilung des jüngsten Gewaltaktes gegen sein Volk erkennen lässt. Darauf verweist sowohl die Verwendung von königlichen französischen Waffen und Kriegsausrüstungen - wie die bereits erwähnte Trompete und der Offiziersharnisch – als auch ihre enge Gegenüberstellung mit Geräten der Bauernschaft - wie Dreschflegel, Hirtenstab und der hölzerne Essnapf.

Luyckx, aus dessen Oeuvre hauptsächlich schlichtere Vanitas Stillleben bekannt sind, offenbart sich in diesem Gemälde als ein Meister der komplexen und fein gestalteten Symbolik. Weiter darf er als ein Künstler bezeichnet werden, der mit offensichtlichem Bezug zur Zeitgeschichte malte und mit persönlicher Betroffenheit mit den Kriegswirren und der Schere zwischen Arm und Reich in den spanischen Niederlanden jener Zeit zu kämpfen hatte. Am Ende so scheint es, findet er nur Trost in dem Zitat von Horace, das in den steinernen Sockel im Zentrum des Stilllebens eingraviert ist: Pallida mors aequo pulsat pede pauperum tabernas regumque turres ("Der blassen Tod klopft mit gleichem Fuss an die Schenken der Armen und die Türme der Reichen“).





VON HERVORRAGENDER RAFFINESSE
Ameublement des Maréchal Soult

von Jean-Dominique Augarde

Jean-de-Dieu Soult, Maréchal d'Empire und duc de Dalmatie, um 1825

Dieses „meuble de salon“ (Salon Möbel), wie es in den Worten der damaligen Gesellschaft bezeichnet wurde, ist in seiner Art fast einzigartig, so sehr die Sätze von Sesseln, die seit mehr als zwei Jahrhunderten für bestimmte Räume in bestimmten Patrizierhäusern und die seitdem in privaten Händen geblieben sind, heutzutage immer seltener werden. Und in diesem Sinne verfügen wir hier über einen Satz von musealer Qualität, dessen Zusammensetzung eine ebenso große Rarität darstellt.

Das Ameublement war für Jean-de-Dieu Soult (1769 – 1851) gefertigt, einer der brillantesten Offiziere der Revolutions- und Reichskriege und wurde von Napoleon als „le premier manœuvrier de l'Europe“ (der beste Heerführer Europas) genannt. Schon Reichsmarschall in 1804 und Herzog von Dalmatien in 1808 wurde er 1847 vom König Louis-Philippe zum Generalfeldmarschall von Frankreich ernannt; diese Würde zählte gelegentlich nur sieben Träger in drei Jahrhunderten.

José Cabanis äußerte sich über den Krieg Spaniens wie folgt: „jamais on ne vit autant de militaires amateurs d’art, et parmi eux le maréchal Soult fut le plus heureux.“ („Nie hat man so viele militärische Kunstliebhaber gesehen, der glücklichste deren war der Marschall Soult.“). Soult häufte eine außergewöhnliche Sammlung von Gemälden an, welche mit der des Königs Louis-Philippe und jener Wellingtons zu den drei bedeutendsten Sammlungen der Spanischen Schule außerhalb der Iberischen Halbinsel gehörte. Die Versteigerung dieser Sammlung war ein eindrucksvolles Ereignis, wovon der Marquess of Hertford bermekte: „As for M. Soult’s pictures I am told they are to be put at such prices that it will be impossible to make a bid & I rather think I shall do nothing in that quarter“ (Mir wurde gesagt hinsichtlich Herrn Soults Gemälde, dass ihre Preise derart hoch festgesetzt sind, dass es unmöglich ist, etwas auf eine Auktion zu ersteigern und ich denke, ich werde nichts in jenem Viertel unternehmen): Murillos Immaculée Conception (Unbefleckte Empfängnis) allein wurde der französischen Regierung für die damals sensationelle Versteigerung von 585 000 Franken erteilt.

 

AMEUBLEMENT DES MARÉCHAL SOULT
Empire, sign. JACOB D.R. MESLEE, Paris um 1810.
Bestehend aus 6 Fauteuils "en gondole", 2 Stühlen "en gondole", 1 grossen sowie 1 Paar kleinen Canapés, sog. "têtes à tête".
Auktion am 22. März 2018
Schätzung: CHF 30 000 – 60 000

Diese Sammlung wurde im nun abgerissenen Hôtel de Chalais, rue de l’Université, aufgehängt, welches Soult in 1803 erwarb. Von Le Boursier in 1786 für den Fürsten von Chalais errichtet, wurde das Gebäude von François-Nicolas Henry dit Trou für den Marschall umgebaut und neu dekoriert. Die Umbau- und Verschönerungsarbeiten fanden während der gesamten Herrschaft Napoleons statt, unter der effizienten Leitung der Marschallin. Das Gebäude bot nämlich einen großen goldenen Empfangssaal, einen Flora Salon, einen Sommer Salon - welcher als Prunkraum verwendet wurde -, einen militärischen Saal, einen Kaiser Saal, einen Adjutanten Saal und eine Galerie. Jacob-Desmalter und Cercous waren für die Möbel, Delafontaine Père & Fils für die Wanduhren, die Bronze Verzierungen und die Schornsteine, Ravrio und Feuchère für die Kronleuchter und Sallandrouze für die Teppiche die Hauptzulieferer des Marschalls.

Von hervorragender Raffinesse ist dieses komplette Mobiliar ein rares Zeugnis der Pracht und Einbildungskraft, die zur Einrichtung der Residenzen der hohen Würdenträger während der Herrschaft des Kaisers Napoleon I. herrschten.




AUKTIONSNACHBERICHT
Auktionen in Zürich: 04. – 09. Dezember 2017

BECKMANN, LICHTENSTEIN, VALLOTTON
AUSGEZEICHNETE RESULTATE FÜR KUNST DES 20. UND 21. JAHRHUNDERTS

“Weit über 1000 Bieter aus über 30 Ländern haben für eine enthusiastische Stimmung im Auktionssaal gesorgt. So macht es Freude, Auktionator zu sein“, sagt Auktionator Cyril Koller.

Von den 470 Werken moderner und zeitgenössischer Kunst, welche am 8. und 9. Dezember unter den Auktionshammer kamen, konnten 80% verkauft werden. Der Erlös von insgesamt 8 Mio. Franken übertraf die Summe der unteren Schätzung um 15%. Neben Geboten aus dem bis zum letzten Platz gefüllten Auktionssaal und vielen Bietern am Telefon, wurde auch das Mitsteigern am Internet bis in fünfstellige Preisbereiche rege genutzt.

 

ROY LICHTENSTEIN
Thinking Nude, State I. 1994.
Farbiger Reliefdruck. 89,9 x 142 cm.
Auktionsergebnis: CHF 222 500 (Auktionsrekord)

Mit einem Verkaufserlös von CHF 222‘500 (EUR 190‘000) wurde Roy Lichtensteins farbiger Reliefdruck «Thinking Nude, State I» (Los 3731) zum weltweit teuersten «Thinking Nude», der je über eine Auktion versteigert worden ist. Mit Publikumsapplaus wurde auch der erfolgreiche Käufer gewürdigt, der für die 1969/70 entstandene Papierarbeit „Blue Interval“ von Mark Tobey (Los 3414) nach minutenlangem Bietergefecht CHF 140‘900 (EUR 121‘000) und damit das 14-fache der Schätzung bewilligte. An Chinesische Sammler gingen die zwei Werke des bedeutenden Vertreters der lyrischen Abstraktion, Chu The-Chun (Los 3461 und 3462), die beide 1987 direkt beim Künstler erworben worden waren und nun CHF 240‘000 (EUR 206‘000) bzw. CHF 264‘000 (EUR 227‘000) erzielten.

 

MAX BECKMANN
Waldgracht mit Segeln. 1943.
Öl auf Leinwand.
Auktionsergebnis: CHF 503 500

Zum teuersten Werk unter den Klassikern wurde über CHF 500‘000 (EUR 430‘000) Max Beckmanns Landschaft „Waldgracht mit Segeln“ (Los 3228), welche 1943 im Exil in Amsterdam entstanden und kurz danach von Beckmanns wichtigem Händler Günther Franke an die Eltern des heutigen Besitzers verkauft worden war. Die selbe hervorragende Provenienz wies auch das expressiv-figurative Werk „Das Duett“ von Ernst Wilhelm Nay auf (Los 3258), welches seine untere Schätzung mit einem Verkaufserlös von CHF 360‘000 (EUR 310‘000) mehr als verdreifachte. Eine ähnliche Preissteigerung erzielte Koller für das impressionistische Landschaftsgemälde von Gustave Loiseau (Los 3212), das für CHF 240‘000 (EUR 206‘000) in den Besitz eines deutschen Sammlers geht. Und der Erlös von CHF 300‘500 (EUR 258‘000) für „Corbeille de mandarines et bananes“ von Félix Vallotton (Los 3057), der einer der höchsten für ein Stillleben dieses Künstlers ist, rundete das positive Bild dieser Dezemberauktionen ab.

 



Weitere Highlights

CHU TEH-CHUN

Ohne Titel. 1987.

Öl auf Leinwand. 73 x 92 cm.

Auktionsergebnis: CHF 264 500

 

ERNST WILHELM NAY

Das Duett. 1946.

Öl auf Leinwand. 56 x 79 cm.

Auktionsergebnis: CHF 198 500

 

FELIX VALLOTTON

Corbeille de mandarines et bananes. 1923.

Öl auf Leinwand. 50 x 65 cm.

Auktionsergebnis: CHF 300 500

 

 



Weitere Highlights, anderer Abteilungen

THANGKA DES ARHAT PINDOLA

Sino-Tibetisch, 15./16. Jh.

Auktionsergebnis: CHF 156 500

 

AUSSERORDENTLICHES NATURPERLEN-DIAMANT-COLLIER/TIARA MIT OHRHÄNGER

Catchpole & Williams, um 1890.

Auktionsergebnis: CHF 234 500

 

RICHARD AVEDON

Naomi Campbell, New York City, 2011.

Auktionsergebnis: CHF 32 900

 



Kataloge mit Ergebnissen, Dezember-Auktionen

 

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AUKTIONSNACHBERICHT
ARMBAND- UND TASCHENUHREN
Auktion in Zürich am 07. Dezember 2017


UHRENAUKTIONEN BOOMEN: 210 000 FRANKEN FÜR EINEN EWIGEN KALENDER VON PATEK PHILIPPE ERNEUT SEHR ERFOLGREICHE AUKTION FÜR EXKLUSIVE ARMBANDUHREN BEI KOLLER ZÜRICH

An der Dezember-Auktion für Armand- und Taschenuhren bei Koller Zürich fanden 94% der Lose neue Besitzer. Für 210 000 Franken sicherte sich ein deutscher Privatsammler eine der ersten Automatikuhren von Patek Philippe mit ewigem Kalender.

 

PATEK PHILIPPE
Extrem seltener ewiger kalender. 1985.
Auktionsergebnis: CHF 210 000

91 Lose, 87 Zuschläge. Wieder schliesst eine Uhrenauktion bei Koller Zürich mit einem hervorragenden Resultat ab. Mit regelmässigen Spitzenergebnissen für einzigartige Modelle konnte sich das 2015 eröffnete Fachgebiet innerhalb von kürzester Zeit bei einer weltweiten Sammlerschaft etablieren.

Highlight der Dezember-Auktion war eine der ersten Automatikuhren mit ewigem Kalender von Patek Philippe. Das 1985 gefertigte Modell, Ref. 3450, war nicht nur in hervorragendem Zustand, sondern verfügte auch über die seltene Händlersignatur «Gübelin» und das begehrte Automatikwerk mit Kaliber 27-460QB. Die extrem seltene Uhr ging für CHF 210 000 an einen Privatsammler aus Deutschland (Los 2555). Eine Rolex GMT Master II mit Diamanten, Rubinen und Saphiren aus dem Jahr 2015 in Gelbgold erzielte 46 100 (Los 2542). Ebenso zu den Top-Losen gehörten zwei Rolex Day Date aus dem Jahre 2010. Das Modell in Platin mit Diamantzifferblatt ging für CHF 30 500 (Los 2541), jenes mit Diamant- Rubin-Zifferblatt in Gelbgold für 24 500 (Los 2544) in neuen Besitz. Der höchste Zuschlag für eine Taschenuhr lag bei CHF 14 900 für eine um 1800 gefertigte museale Lepine in Roségold mit feinster Emailmalerei (Los 2566).

Die guten Ergebnisse bestätigen den Trend der 5 vorangegangenen Uhrenauktionen. So konnte Koller Auktionen im Dezember 2016 den saisonalen Rekordzuschlag von CHF 456 500 für den äusserst seltenen Stahl Chronograph mit two-tone Zifferblatt aus dem Jahre 1961 von Patek Philippe notieren. Das erfreulichste Gesamtresultat bildet mit 100% verkauften Losen und einem Umsatz von über einer Million Schweizer Franken, was 150% des Schätzwertes entsprach, die Juni Auktion 2017. Auch damals setzte sich eine Patek Philippe an der Spitze ab. Unter den Top drei Losen befanden sich ein Ewiger Kalender von Patek Philippe aus dem Jahre 1951 für CHF 114 500, eine Rolex Daytona «double SWISS», ca. 1964. für CHF 108 500 sowie eine IWC II Destriero Scafusia «Grand Complication», 90er Jahre für CHF 92 900.

 



Top-Zuschläge seit 2016

ROLEX

GMT Master II mit Diamanten, Rubinen und Saphiren. 2015.

Gelbgold 750. Ref. 116758.

Auktionsergebnis, Dez. 2017: CHF 46 100

 

ROLEX

Day Date mit Diamantzifferblatt. 2010.

Platin. Ref. 218206.

Auktionsergebnis, Dez. 2017: CHF 30 500

 

LEPINE

Museale Emailtaschenuhr mit digitaler, springender Stunde.

Circa 1800. Roségold.

Auktionsergebnis, Dez. 2017: CHF 14 900

 

 

IWC

II Destriero Scafusia "Grand Complication", 90er Jahre.

limitierte Ref. 1868, No 15/125.

Auktionsergebnis, Juni 2017: CHF  92 900

 

ROLEX

Daytona "Double Swiss", circa 1964.

Edelstahl. Ref. 6239 / 6238.

Auktionsergebnis, Juni 2017: CHF 108 500

 

PATEK PHILIPPE

Seltener ewiger Kalender. 1951.

Roségold. Ref. 1526.

Auktionsergebnis, Juni 2017: CHF 114 500

 



 

PATEK PHILIPPE

Jumbo Nautilis. 1978.

Gelbgold 750. Referenz 3700/1.

Auktionsergebnis, Juni 2017: CHF 46 100

 

PATEK PHILIPPE

Komplizierte Minutenrepetition mit Schleppzeigerchronograph und Minutenzähler, um 1911.

Auktionsergebnis, Dez. 2016: CHF 30 500

 

PATEK PHILIPPE

Extrem seltener Stahl Chronograph mit two-tone Zifferblatt, 1961.

Edelstahl. Ref. 1463.

Auktionsergebnis, Dez. 2016: CHF 456 500

 



Katalog mit Ergebnissen

 

Weitere Informationen, Taschen- und Armbanduhren bei Koller

 



KAISERLICHE TEMPELFIGUR
Eine seltene, ausdrucksstarke Figur einer tantrische Gottheit

Regi Preiswerk, Expertin für asiatische Kunst bei Koller, präsentiert eine bedeutende Tempelfigur aus der Kangxi-Periode. Erfahren Sie mehr über diese schrecklich anmutende Figur und ihre überhaupt nicht schreckliche Bedeutung im tantrischen Buddhismus.

Lot ansehen



THEODOROS STAMOS
“Wäre ich nicht Maler geworden, wäre ich Gärtner geworden”

Silke Stahlschmidt, Leiterin der Abteilung PostWar & Contemporary, präsentiert das faszinierende Gemälde “Very low sun box” von 1964/65 des Abstrakten Expressionisten Theodoros Stamos. Sie erklärt wie Stamos durch das gekonnte Zusammenspiel von Farbe und Komposition, ein Bild erschafft, dass ungeheure Kraft ausstrahlt.

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DIE BEDEUTUNG DER MATERIALITÄT
Mira Schendel


Mira Schendel und Little Nothing, London, 1966.
Photo: Clay Perry

1919 in Zürich in eine jüdische Familie mit italienisch-deutschen Wurzeln geboren, wächst Myrrha Dagmar Dub in Mailand auf. Der zunehmende Faschismus in Europa zwingt sie 1939 zur Flucht erst nach Sofia und dann weiter nach Sarajevo. 1944 kehrt sie nach Italien zurück und wandert 1949 nach Braslien aus. Erst hier beginnt die ehemalige Philosophie-Studentin, sich der Kunst zu verschreiben.

Im Brasilien der 1950er Jahre tobt eine leidenschaftliche Diskussion über den Stellenwert der Kunst in der modernen Nachkriegsgesellschaft. Auf der einen Seite stehen die Verfechter der figurativen Kunst, die als Symbol des Nationalismus und der Revolution gesehen wird; auf der anderen Seite die Anhänger der Abstraktion, die als einzige Möglichkeit gesehen wird, den Kunstbetrieb, auch nach den Erfahrungen des Krieges zu erneuern.

 

MIRA SCHENDEL
(Zurich 1919 - 1988 Sao Paulo)
Ohne Titel (aus der Serie: Silver and gold small squares/Quadradinho de oura e prata). 1982.
Blattsilber, Kohle und Öl auf festem Papier.
32 x 21 cm.
CHF 4 000 – 6 000
Auktion am 9. Dezember 2017

Mira Schendel wird von beiden Seiten beeinflusst, tritt aber letztendlich keiner Gruppe bei. Beginnend mit figurativen Werken, wendet sie sich immer mehr der Abstraktion zu, wobei ihr ausgeprägtes Interesse an der Materialität eine grosse Rolle spielt. Darüberhinaus bedeutet für sie das „Machen“ – die handwerkliche Arbeit also – eine Verbindung zwischen der realen Welt und dem Künstler. Die vorliegende Arbeit von 1982 zeigt eindrucksvoll ihre Expertimentierfreude mit unterschiedlichen Papieren und die Bedeutung der Materialiät in ihrem Werk.

Neben Lygia Clark und Hélio Oiticica gehört Mira Schendel zu den bedeutendsten brasilianischen Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.




AUKTIONSNACHBERICHT
Auktionen in Zürich: 18. – 22. September 2017

Lebhafte Auktionen für Alte Meister und Antiquitäten bei Koller

Die Auktionswoche für alte Kunst bei Koller in Zürich verzeichnete beindruckende Resultate. Das Angebot sorgte für eine aktive Beteiligung der Bieterinnen und Bieter. Sowohl für bildende als auch für angewandte Kunst gingen Objekte von Renaissance bis ins 19. Jahrhundert erst im sechsstelligen Bereich in neuen Besitz. „Trotz Höhenflug der modernen und zeitgenössischen Kunst, wurde in dieser Auktionsserie ein anhaltendes, gar anziehendes Interesse an Kunst vergangener Jahrhunderte offensichtlich“, sagt Cyril Koller, Präsident von Koller Auktionen. „Die Gebote lagen insbesondere für qualitativ hochwertige Objekte aus Privatsammlungen hoch.”

 


GEMÄLDE ALTER MEISTER UND DES 19. JAHRHUNDERTS

DIRCK VAN BABUREN
(um 1594 Utrecht 1624)

Violinspieler mit Weinglas. 1623.
Öl auf Leinwand. 80.4 x 67.1 cm.

Eines der seltenen Porträts des von Caravaggio inspirierten niederländischen Meisters, Dirck van Baburen, konnte anlässlich der Auktion für Gemälde Alter Meister am 22. September bei über einer halben Million Schweizer Franken zugeschlagen werden. Der Künstler schuf das Porträt eines Geigenspielers während einer kurzen und faszinierenden Periode der niederländischen Malerei. Er war Teil einer von 1621 – 1626 dauernden Künstler-Bewegung in Utrecht, dessen Mitglieder im Anschluss an eine Studienreise nach Rom den dramatischen Stil Caravaggios (1571 – 1610) übernahmen. Die Werke dieser sogenannten “Utrechter Caravaggisti“ sind an ihrem Chiaroscuro-Effekt mit beleuchteten Objekten vor dunklem, monochromem Hintergrund zu erkennen. Da van Baburen bereits mit dreissig Jahren starb, sind nur wenige Gemälde von ihm bekannt, weshalb umso aktiver und lebendiger für das kürzlich wiederentdeckte Gemälde geboten wurde.

Verkauft für CHF 595 000


 

IVAN KONSTANTINOVICH AIVAZOVSKY
(um 1594 Feodosia 1624)

Bewegte Meeransicht mit steiler Küste bei Sonnenuntergang. 1883.
Öl auf Leinwand. 66 x 103 cm.


Ein wichtiges Werk des russischen Malers Ivan Konstantinovich Aivazovsky erzielte ebenso über eine halbe Million Schweizer Franken. “Bewegte Meeransicht mit steiler Küste bei Sonnenuntergang“ (1883) dokumentiert Aivazovsky’s meisterlichen Pinselstrich und sein Gespür für Effekte. Dies bewog mehrere Kenner zu Geboten, wobei das letzte bei CHF 618 500 zu stehen kam. Ein weiteres Highlight der Auktion war eine charmante Genreszene aus dem 19. Jh. von Carl Spitzweg. Das kleinformatige, nur 30 x 14 cm grosse, jedoch sehr typische Bild erreichte einen Gegenwert von CHF 300 500 (Lot 3218).

Verkauft für CHF 618 500


 



Weitere Highlights, Gemälde Alter Meister und des 19 Jh.

NICCOLÒ DI SEGNA

Kreuzigungsszene. 1325-30.

Tempera und Goldgrund auf Holz. 35 x 21 cm.

Verkauft für CHF 96 500

 

WILLEM CLAESZ HEDA

Stillleben mit Römer, Zinnteller und geschälter Zitrone. 1634. Öl auf Holz. 41 x 31 cm.

Verkauft für CHF 198 500

 

CARL SPITZWEG

Der Gratulant. Um 1860.

Öl auf Eichenholz. 28.6 x 14.2 cm.

Verkauft für CHF 300 500

 

Katalog mit Ergebnisse, Gemälde Alter Meister.

Katalog mit Ergebnisse, Gemälde des 19. Jh.

 


MÖBEL & ANGEWANDTE KUNST


GESCHENKSKOVSH VON ALEXEI I

Russland 1667/68.
Verkauft für CHF 164 900

RUSSISCHES SILBER – GROSSES INTERESSE AN ZARENKOVSHS

Mit einem Gesamtwert von 375 000 Schweizer Franken war auch die Versteigerung der Sammlung F.F. Uthemann von wichtigem russischen Silber sehr erfolgreich. Die Sammlung, die anlässlich der Silberauktion vom 21. September veräussert wurde, enthielt 11 Silberobjekte aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, darunter Auftragsarbeiten der Zaren.

Die Top-Lose darunter waren zwei Geschenkskovshs aus dem 17. Jahrhundert, welche die russischen Zaren ihren Untertanen als Dank für ihre loyalen Dienste überreichten. Einer davon von Alexander von Russland und der andere von Ivan V und Peter dem Grossen. Kovshs dieser Art sind äusserst rar, auf dem Kunstmarkt praktisch nicht erhältlich und ausserhalb von Museen fast nicht vorzufinden, weshalb sie für über das Vierfache ihrer Schätzung bei für CHF 164 900 und 152 900 verkauft wurden.


 


LACKKOMMODE “AU DECOR CHINOIS“

Louis XV, Venedig um 1730/40.
Verkauft für CHF 408 500

HIGHLIGHTS DER MÖBELAUKTION

Die Möbelauktion offerierte eine norditalienische, vielfarbig bemalte Rokoko-Kommode, die für eindrückliche CHF 408 500 in neuen Besitz ging. Die Kommode aus einer italienischen Privatsammlung zeichnete sich nicht nur durch ihren exzellenten Zustand aus, sondern kann auch als eines der qualitätsvollsten Objekte ihrer Art gelten. Aus dem speziell kuratierten Bereich “von Barock bis Belle Époque“ stachen schliesslich zwei Lose hervor: Das Paar italienischer neoklassizistischer Marmor-Vasen nach einem Modell von Giovanni Battista Piranesi brachte es auf einen Gegenwert von CHF 132 500 und der Pierre Roussel zugeschriebene Louis-XV-Damen-Schreibtisch mit Marqueterie auf 101 300 Schweizer Franken.




Weitere Highlights, Möbel & Angewandte Kunst:

1 PAAR PRUNK-DECKELVASEN “A L’ANTIQUE“

Louis XVI, nach zeichnerischen Vorlagen

von G. B. Piranesi, Italien um 1780/1800.

Verkauft für CHF 132 500

 

GESCHENKSKOVSH VON IVAN V. UND PETER DEM GROSSEN

Moskau 1681/82. Teilvergoldet mit mittigem,

bekröntem Doppeladler-Medaillon.

Verkauft für CHF 152 900

 

DAMENBUREAU “A FLEURS“

Paris um 1760.

Louix XV, Pierre Roussel zuzuschreiben.

Verkauft für CHF 101 300


 

Katalog mit Ergebnisse, Möbel & Angewandte Kunst.

Kataloge mit Ergebnisse, Schmuck - Bücher & Autographen - Zeichnungen & Graphik Alter Meister & des 19. Jh.- Teppiche.



Moderne und Zeitgenössische Kunst / Schweizer Kunst

 Auktionen vom 30. Juni und 01. Juli 2017


Starke Resultate bei Koller für Moderne und Zeitgenössische Kunst sowie für Schweizer Kunst: 126% des Schätzwertes erzielt.

Die Auktionen für Moderne, Zeitgenössische- und Schweizer Kunst bei Koller Zürich schlossen mit beeindruckenden Resultaten ab. Das Ergebnis lag dabei weit über der Gesamtschätzung. Zum Erfolg beigetragen haben insbesondere ein frühes Werk von Alberto Giacometti wie auch jene der deutschen Künstler Max Liebermann, Emil Nolde, Franz von Stuck und Ernst Wilhelm Nay. Nachdem Koller tags zuvor die Uhrenauktion durchführte, in welcher sämtliche rund 100 Objekte verkauft wurden und die Zuschläge den Schätzwert um 200% überstiegen, krönte die Gemäldeauktion eine durchweg erfolgreiche Juni-Auktionswoche.

"Das Angebot beinhaltete eine aussergewöhnliche Auswahl an Arbeiten, die grösstenteils aus privaten Sammlungen stammten und erstmals überhaupt auf dem Kunstmarkt angeboten wurden," sagt Cyril Koller, Chef von Koller Auktionen und Auktionator der Versteigerungen. "Über diese Erfolgskriterien hinaus beobachten wir im ersten Semester eine wachsende Anzahl neuer Bieter und die Tendenz, dass für die Objekte hartnäckiger geboten wird als früher." mehr lesen


Ausgewählte Resultate

 

ALBERTO GIACOMETTI

Monte del Forno. Um 1923.

Öl auf Leinwand. 60 x 50 cm.

Ergebnis: CHF 940 500

 

GIOVANNI GIACOMETTI

Theodora. 1914.

Öl auf Leinwand. 125 x 200 cm.

Ergebnis: CHF 538 000

 

ERNST WILHELM NAY

Mit vielfältigem Gelb. 1958.

Öl auf Leinwand. 100 x 81 cm.

Ergebnis: CHF 186 500

 

MAX LIEBERMANN

Grosse Seestrasse in Wannsee.

Öl auf Leinwand. 73 x 91.5 cm.

Ergebnis: CHF 561 000

 

EMIL NOLDE

Kleiner Dampfer. 1910.

Öl auf Leinwand. 34.5 x 28 cm.

Ergebnis: CHF 372 500

 

BERNARD AUBERTIN

Simplement Rouge. 1998/99.

Öl auf Leinwand. 300 x 500 cm.

Ergebnis: CHF 35 500

 

 



 

Hervorragende Resultate für asiatische Kunst in Zürich:
SELTENE KAISERLICHE KUNSTWERKE AUS CHINA UND SKULPTUREN AUS DEM HIMALAYA BEI KOLLER ZÜRICH ZU REKORDPREISEN VERSTEIGERT

Das Zürcher Auktionshaus Koller beendet seine Asiatica-Auktionen vom 13. und 14. Juni mit einer Reihe herausragender Resultate für chinesische und himalayische Kunst. Drei seltene kaiserliche Objekte aus China erzielten alleine 2,64 Millionen Schweizer Franken. Eine Buddhafigur aus Nordostindien löste einen Rekordpreis von 1,17 Millionen Schweizer Franken.

Die Auktion erzielte ein Total von 8,4 Mio. Franken und lag damit um ein Vielfaches über der Gesamtschätzung von 2,9 Millionen Franken. Dies macht sie zur erfolgreichsten aller europäischen Asiatica-Auktionen dieses Jahres.



Regi Preiswerk, Leiterin der Abteilung für asiatische Kunst bei Koller: “Wir waren begeistert, diese einzigartigen Kunstwerke versteigern zu dürfen. Aufgrund einer intensiven Marketingkampagne in China, die auch einen Stand an der internationalen Antiquitätenmesse in Hong Kong beinhaltete, konnten wir eine bedeutende Anzahl neuer Bieter für unsere Auktion gewinnen.”

KAISERLICHE KUNSTSCHÄTZE AUS CHINA SORGEN FÜR EINE SENSATION
Das sensationelle Angebot an bedeutenden kaiserlichen Kunstwerken aus China erregte grosses Interesse bis hin nach Beijing und Hong Kong. Die drei Objekte – eine meisterlich geschnitzte Palastwand, ein Paar kaiserliche bronzene Räuchergefässe und eine bronzene Musikglocke mit kaiserlicher Inschrift – waren über 100 Jahre in deutschem Privatbesitz und anlässlich der Auktion für asiatische Kunst bei Koller am 13. Juni erstmals überhaupt auf dem freien Kunstmarkt erhältlich. Durch den Verkauf werden nun alle Objekte mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder nach China gelangen.

Antikes chinesisches Musikinstrument für 1,2 Millionen Franken versteigert
Ein Bieter aus China hat die Bronze-Musikglocke «Bozhong» für 1.2 Millionen Franken erworben. Der Schätzwert betrug 200‘000 bis 300‘000 Franken. Die Bronzeglocke stammt aus dem 18. Jahrhundert und trägt eine Inschrift des Kaisers Qianlong (1711–1799). Hirten fanden im Jahr 1761 elf antike Glocken aus einer Zwölftonreihe, die alle einen individuellen Klang abgaben. Um vollkommene musikalische Harmonie zu erreichen, liess der Kaiser die fehlende Glocke «Bozhong» anfertigen.

940'000 Franken für meisterhaft geschnitzte Palastwand

Die beeindruckend geschnitzte Palastwand wurde Recherchen zu Folge sehr wahrscheinlich für die Räumlichkeiten der Kaiserwitwe Cixi (1835–1908) angefertigt. Die beidseitig kunstvoll durchbrochene Wand ist ein charakteristisches Beispiel für die Innenausstattung der kaiserlichen Paläste der Qing-Zeit. Aus Peking sind zwei weitere vergleichbare Objekte mit oktogonaler Türöffnung bekannt: ein Raumteiler befand sich im Yiluandian Palast, wurde aber 1901 bei einem Brand vollständig zerstört. Die zweite Wand befindet sich in einem Wohngebäude im westlichen Teil der Verbotenen Stadt. Bei der hier ange botenen Trennwand handelte es sich um das einzige je auf dem weltweiten Kunstmarkt angebotene Kunstwerk dieser Art. Für 940’000 Franken gelangte es nun in asiatischen Besitz.

Kaiserliche Räuchergefäss für über das Achtfache der Schätzung verkauft
Die kaiserliche Provenienz des Paares einzigartiger Räuchergefässe war von Beginn an unbestritten. So befinden sich vergleichbare Exemplare noch heute vor zwei Palästen in der Verbotenen Stadt sowie am Eingang des Beihei Parks, der früher ebenfalls Teil der Verbotenen Stadt war. Die in Form der sagenhaften Drachen-Schildkröten, Bixi, gestalteten Gefässe entfachten ein dynamisches Bietergefecht, wobei die Schätzung bei einem Endergebnis von 486‘000 Franken um das Achtfache überboten wurde.

REKORDPREISE FÜR LAMAISTISCHE BRONZESKULPTUREN
Die Nachfrage nach lamaistischer Kunst aus der Himalaya-Region war sehr stark. Viele der Skulpturen erzielten am 13. Juni hervorragende Preise. So etwa der sehr frühe Buddha Shakyamuni aus dem Pala-Reich, der gar einen Rekordpreis von 1.17 Millionen Franken erzielte. Eine nepalesische Figur des Manjushri aus dem Königreich Khasa Malla wurde für 538‘000 Franken ersteigert. Und die prächtige Figur eines stehenden Bodhisattvas aus Tibet erzielte 756‘000 Franken.


Für weitere Informationen und Online-Kataloge, bitte hier klicken.



TOP TEN, ASIATICA:

 

BEDEUTENDE KAISERLICHE BRONZEGLOCKE “BOZHONG“

China, Qianlong. Datiert 1761. H 85 cm.

Mit kaiserlicher Inschrift

Ergebnis: CHF 1.2 Mio

 

BUDDHA SHAKYAMUNI

Nordostindien, Pala, 8. / 9. Jh. H 16.5 cm.

Bronze mit Silber- und Kupfereinlagen.

Ergebnis: CHF 1.17 Mio

 

MEISTERHAFT GESCHNITZTE PALASTWAND

China, 19. Jh.

287 x 396 x 11 cm.

Ergebnis: CHF 940 500


PRÄCHTIGE FIGUR EINES STEHENDEN BODHISATTVAS

Tibet, 14. Jh. H 27 cm.

Feuervergoldete Kupferlegierung.

Ergebnis: CHF 756 500

MANJUSHRI MIT AUREOLE

Nepal, Khasa Malla, 14. Jh. H 23 cm.

Feuervergoldete Kupferlegierung.

Ergebnis: CHF 538 000

 

RELIEF MIT ACHT LUOHAN

China, Qing-Dynastie. 14.5 x 21.5 cm.

Seladonfarbene Jadeplatte.

Ergebnis: CHF 515 000

 

PAAR KAISERLICHE RÄUCHERBECKEN MIT DRACHEN-SCHILDKRÖTEN (BIXI)

China, 18. / 19. Jh. L 42 cm. Bronze mit reicher, grüner Patina.

Ergebnis: CHF 486 250


SITZENDER BUDDHA

China, Ming-Dynastie. H 81 cm.

Trockenlack mit Resten von Vergoldung.

Ergebnis: CHF 288 500

KAISERLICHER ZITAN-STELLSCHIRM

China, frühes 19. Jh.

H 204 cm.

Ergebnis: CHF 240 500

 

SITZENDER BUDDHA

Tibet, 16. Jh. H 27 cm.

Feuervergoldete Kupferlegierung.

Ergebnis: CHF 180 500

 



PRÄCHTIGE PALASTWAND
Ein bedeutendes kaiserliches Objekt aus China unter dem Hammer

Regi Preiswerk, Expertin für asiatische Kunst bei Koller, präsentiert eine kunstvoll durchbrochen geschnitzte Wand, die nach über 100 Jahren in deutschem Privatbesitz unter dem Hammer kommt.

Sonderkatalog (PDF)

Online-Katalog




EXPERTENTAGE FÜR ALTMEISTERGEMÄLDE IN DEUTSCHLAND

Unsere Experten für Gemälde Alter Meister und des 19. Jh. schätzen Ihre Kunstwerke unverbindlich und beraten Sie gerne im Hinblick auf eine mögliche Einlieferung zu unserer nächsten internationalen Auktion in Zürich.

Düsseldorf: Dienstag & Mittwoch, 20. / 21. Juni 2017

München: Donnerstag, 22. Juni 2017

Stuttgart: Freitag, 23. Juni 2017


Sollten Sie sich für eine Zusammenarbeit mit unserem Haus entscheiden, übernehmen wir die Organisation und Durchführung des Transportes inklusive aller zolltechnischen Dokumente kostenfrei für Sie.


Für eine Terminvereinbarung wenden Sie sich bitte an unsere Repräsentanzen:

Düsseldorf: Ulrike Gruben · Tel. 0211-30 14 36 38
duesseldorf@kollerauktionen.com

Stuttgart & München: Fiona Seidler · Tel. 089-22 80 27 66
muenchen@kollerauktionen.com




DIE BEFREIUNG DER FLÄCHE
Dadamaino und das Durchbrechen von Grenzen


Dadamaino

"Dada Maino has overcome the ‘problem of painting’: different parameters inform her work: her paintings are the flags of a new world, they are a new meaning: they are not content with ‘saying something different’: they also say something new”.
(Piero Manzoni, 1961)

In den 1950er und 1960er Jahren ist die Welt im Umbruch und auch in der Kunst stellen Künstler den traditionellen Kunstbegriff in Frage. Lucio Fontana ist dann derjenige, der durch einen einfachen Schlitz in der Leinwand mit der Jahrhunderte alten Tradition von Kunst bricht und der kommenden Generation von Künstlern eine unglaubliche Freiheit im Denken und der folgenden Umsetzen ermöglicht. Zu dieser neuen Generation der Avantgarde, die Fontana verpflichtet sind und ein radikales Umdenken fordern und auch umsetzten, gehören u.a. Piero Manzoni, Enrico Castellani und Dadamaino, an die Manzoni 1961 schreibt: „Das Entstehen neuer Bedingungen, neuer Probleme, bringt die Notwendigkeit neuer Lösungen, Methoden und Massnahmen mit sich. Man erhebt sich nicht von der Erde, indem man läuft oder springt: man braucht dazu Flügel. Modifizierungen reichen nicht aus. Die Umwandlung muss ganzheitlich sein. Daher verstehen wir die Maler nicht, die zwar vorgeben, an den neuen Problemen interessiert zu sein, sich aber gleichzeitig immer noch vor eine Leinwand setzen, mit dem Ziel, diese unter Berücksichtigung eines mehr oder wenig gefälligen Geschmacks mit Formen und Farben vollständig auszufüllen. (…) Warum aber sollen wir diese Fläche nicht endlich befreien? Warum wollen wir nicht endlich verstehen, dass Kunstgeschichte keine Geschichte der Maler, sondern die der Entdeckungen und Erneuerer ist? (zit Gualdoni, Flaminio, in: Dadamaino, Leonberg, S.7).

 

DADAMAINO (EMILIA EDUARDA MAINO)
(1930 Mailand 2004)
Oggetto Ottico Dinamico. 1965.
Gefrästes Aluminium auf Holz.
50 x 50 cm.
CHF 35 000 – 45 000
Auktion am 1. Juli 2017

Diese, für damalige Zeiten, radikalen Ideen nimmt sich Eduarda Emilia Maino, genannt Dadamaino, zu Herzen und schneidet in ihrer ersten Werkserie, den „Volumi“, runde bzw. ovale Formen in die Leinwand. Der Einfluss von Fontanas „Buchis“ ist nicht zu leugnen, wie sie selbst sagt: „I always hated matter and sought immateriality. Of course, Fontana played a decisive role in the history of my painting ... if Fontana had not pierced the canvas, probably I would not have dared to do so either. It totally removed matter to the point of making visible parts of the canvas, to remove any material element, to deprive it of any such rhetoric and return to tabula rasa, in purity.” Diese Werke zeigt sie im selben Jahr in ihrer ersten Ausstellung in der Galleria dei Bossi in Mailand. Kurz danach tritt sie Manzonis Galerie Azimuth bei, die mit ähnlich denkenden Künstler in Europa bestens vernetzt ist: der Zero-Gruppe in Deutschland um Otto Piene und Heinz Mack, der Gruppe Nul in den Niederlanden um Jan Schoonhoven sowie der Gruppe Motus in Frankreich. Die Teilnahme an einer Ausstellung 1961 in den Niederlanden, wo ihr Name versehentlich falsch geschrieben wird, führt zu ihrem Künstlernamen Dadamaino. 1962 schliesst sie sich der Gruppe „Nouvelle Tendance“ an, zu der u.a. auch Raphael Soto gehört.

Mit der Serie „Oggetto Ottico Dinamico“, aus der das vorliegende Werk stammt, wendet sich Dadamaino immer mehr der Op-Art und in gewisser Weise der kinetischen Kunst zu. Sie erstellt minutiöse Vorgaben über Grösse, Fräsung, Verhältnis von gefüllten und leeren Teilen des Werkes und Anordnung der Platten. „Die Seiten der so zusammengesetzten Quadrate erzeugen einen sphärischen Eindruck, wobei eine fliessende Dynamik entsteht. Die besondere Anordnung der Fräsungen auf den Platten annulliert gänzlich oder nur ausschnittsweise die Gesamtsicht des Werkes, indem eine Folge von instabilen Episoden abläuft, die sich je nach der Position des Betrachters , in Bezug auf das Werk, verändern. Obwohl das Objekt statisch ist, erweckt es den Eindruck einer kontinuierlichen Bewegung und Variation.“ (zit. ebenda, S. 8).



CHOULTSE UND KOLLER IN MOSKAU
Koller Auktionen sponsert eine grosse Ausstellung von Ivan Federovich Choultsé

Koller Auktionen sponsert die grosse Ausstellung von Ivan Fedorovich Choultsé im Mouravieff-Apostol Museum in Moskau (17.02 – 02.04.2017), die unser Repräsentant Vadim Goncharenko organisierte. Vadim Goncharenko vertritt seit 15 Jahren unsere Repräsentanz in Russland und ist Autor der ersten umfassenden Monographie über den russischen Maler.

Die russische Presse berichtet intensiv über die Ausstellung und hat seit ihrer Eröffnung tausende von Besuchern angezogen. Dabei ist es Koller Auktionen eine besondere Freude den bereits in Vergessenheit geratenen Landschaftsmaler Choultsé beim breiten Publikum wieder bekannt zu machen. Im Herbst 2017 ist eine zweite Ausstellung in Sankt Petersburg geplant.



Bilder der Eröffnung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Werke von Choultsé in unsere kommende März Auktion:

IVAN FEDEROVIC CHOULTSE (St. Petersburg 1874-1939 Nice)

Scène d'hiver dans les Alpes. 1923.

Öl auf Leinwand. 54 x 65 cm.

CHF 70 000 - 90 000

 

IVAN FEDEROVIC CHOULTSE (St. Petersburg 1874-1939 Nice)

Soir doré (Pays Basque).

Öl auf Leinwand. 54,5 x 65,5 cm.

CHF 60 000 - 80 000


IVAN FEDEROVIC CHOULTSE (St. Petersburg 1874-1939 Nice)

Lever de Lune (Méditerranée).

Öl auf Leinwand. 65 x 92 cm.

CHF 50 000 - 70 000





ALLE WEGE FÜHREN NACH ROM
Dokumente aus der Renaissance mit spannenden Entdeckungen auf der kommenden Bücher & Autographen Auktion am 1. April


Ausschnitt der Tabula Peutingeriana

Am 1. April 2017 werden auf der Bücher und Autographen Auktion bei Koller eine Gruppe hochinteressanter Dokumente Conrad Peutingers (1465-1547) angeboten. Der humanistische Gelehrte, Botschafter und Politiker übte Zeit seines Lebens grossen Einfluss aus, ist aber heute vor allem für eine spätantike Strassenkarte bekannt, der Tabula Peutingeriana, die in seinem Besitz war. Diese mittelalterliche Kopie der antiken römischen Karte bildet das einzige verbleibende Beispiel römischer Karthographie-Tradition. Gezeichnet auf Pergament und auf einer Länge von 6,75 Metern ist das gesamte Netz römischer Strassen abgebildet, von der südlichen Küste Englands bis nach Indien und sogar Teile Ostchinas. Im horizontalen Format ist die Karte schematisch dargestellt, aber die Distanzen zwischen den indizierten Punkten machen es dem mittelalterlichen Reisenden möglich seinen Ausflug, zum Beispiel von Genf nach Konstantinopel, zu planen und zu erkennen, was ihn auf seiner täglichen Reise erwartet.

Die Tabula Peutingeriana wurde Peutinger von seinem Freund und Gefährten, dem humanistischen Gelehrten, Conrad Celtis (1459-1508) in dessen Testament hinterlassen. Celtis war bei der Bestimmung des Ursprungs der Karte relativ ungenau und beschreibt, dass er sie in einer Bibliothek „gefunden“ hätte. Aber ein Dokument, das auf der Auktion bei Koller angeboten wird, kann möglicherweise ein wenig Licht in die Ursprünge dieser Entdeckung bringen (Lot 533). In einer Serie von Notizen über eine Karte, die einst Matthäus Lang von Wellenburg, Bischof von Gurk und späterer Erzbischof von Salzburg (1468-1540) gehörte, bezieht sich Peutinger auf die Karte als Carta Magna. Im Inventar seiner eigenen Bibliothek beschreibt er die berühmte Karte, die er von Celtis erhalten hat, als charta longa. Falls sich diese „grosse“ und die „lange“ Karten auf dasselbe Dokument beziehen, könnte das ein neuer und sensationeller Hinweis zu der Herkunft dieses historisch einzigartigen Manuskripts sein.




Porträt des Conrad Peutinger von Christoph Amberger. 

Ein weiteres, kürzlich wiederentdecktes Dokument Peutingers in der Auktion handelt über das König- und Papsttum: ein brennendes Thema, insbesondere zu der Zeit als es verfasst wurde – der Hochblüte der protestantischen Reformation (lot 532). Peutinger war ein direkter Berater von Kaiser Maximilian I. (1459-1519), welcher gerne die Überlegungen historischer wie juristischer Natur des augsburger Humanisten annahm, bevor er im Bruch mit der historischen Tradition im Februar 1508 die Kaiserwürde annahm ohne in Rom gekrönt zu werden, sich aber der Zustimmung des Papstes versichert hatte. Dieses Dokument unterstreicht Peutingers Bedeutung innerhalb der Machtstruktur und der humanistischen Bewegung der Zeit.

Die Objekte dieser Auktion rundum Peutinger finden Sie unter den Lot-Nummern 531 - 534. The auction will be held on 1 April 2017 beginning at 2pm CET.





AUKTIONSNACHBERICHT
Dezemberauktionen in Zürich für Moderne- & Zeitgenössische Kunst, Schweizer Kunst, Schmuck & Uhren, Design sowie Asiatica:
30. November bis 8. Dezember 2016


Die Moderne, Zeitgenössische und Schweizer Kunst Auktionen realisierten 98% des gesamten Schätzwertes; Die gesamte Auktionswoche erreichte 91%.

Die Dezember-Auktionen bei Koller verzeichneten starke Resultat für Arbeiten von Keith Haring, Ai Weiwei und Banksy. Für über eine Million Schweizer Franken ging ein Werk des Schweizer Heimatmalers Albert Anker in neuen Besitz. Erfolgreich waren auch die kürzlich neu geschaffenen Abteilungen für Armbanduhren bzw. Fotografie. So konnte bei den Uhren eine Patek Philippe für beinahe eine halbe Million Schweizer Franken versteigert werden.


KEITH HARING.
Red, Yellow, Blue #22. 1987. Verkauft für CHF 408 500.

Moderne & Zeitgenössische Kunst
Keith Haring und Ai Weiwei teilen sich die Bühne mit Picasso und Renoir

Das von Keith Haring als Geburtstagsgeschenk für den Sohn des österreichischen Schauspielers und Dichters, André Heller, geschaffene «Red, Yellow & Blue #22» liess sich etwas über der oberen Schätzung bei CHF 408 500 verkaufen (Lot 3477). Ebenso fanden sich viele Bieter für die filigrane Skulptur des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei, welches schliesslich bei CHF 228 500 einen neuen Besitzer fand (Lot 3486). Auch weitere Arbeiten grosser zeitgenössischer Künstler, wie der einzigartige Druck «Girl with Hair» von Louise Bourgeois und «Choose your Weapon» von Banksy erzielten mit CHF 60 500 bzw. CHF 22 100 beachtliche Resultate (Lot 3744 und Lot 3761). Erfolgreich waren aber auch Klassiker wie eine Serie von Drucken und Keramiken von Picasso. Der sehr schöne farbige Linolschnitt «Danaé» aus dem Jahre 1962 erzielte CHF 66 500 (Lot 3659).

Unter den Impressionisten war Auguste Renoirs «Pré, arbres et femmes» um 1899 mit einem Zuschlag von CHF 264 500 als sicherer Wert besonders gefragt (Lot 3204). Einen neuen Weltrekord konnte Koller Auktionen für den italienischen Künstler Vittorio Zecchin verzeichnen. CHF 120 500 für das Ölgemälde «Le Mille e una Notte» aus dem Jahre 1914 ist der höchste je an einer Auktion bezahlte Preis für ein Werk des Künstlers (Lot 3215).



Ausgewählte Resultate, Moderne & Zeitgenössische Kunst:

PIERRE-AUGUSTE RENOIR

Pré, arbres et femmes. Um 1899.

Öl auf Leinwand.

Verkauft für CHF 264 500

 

AI WEIWEI.

Ohne Titel (Foster Divina). 2010.

Verkauft für CHF 228 500


PABLO PICASSO

Danaé. 1962. Linolschnitt.

Verkauft für CHF 66 500


ALBERT ANKER. Grossmutter und schlafender Knabe. Verkauft für CHF 1,17 million.

Schweizer Kunst
Anker-Gemälde über einer Million Schweizer Franken

Eine berührende Szene einer spinnenden Grossmutter mit ihrem schlafenden Enkel konnte an der Auktion für Schweizer Kunst vom 2. Dezember über der Schätzung bei CHF 1,17 Mio. versteigert werden (Lot 3032), und die anmutige Darstellung des Genfer-Sees bei Sonnenuntergang von Francois Bocion ging bei CHF 102 500 in neuen Besitz (Lot 3016). Von den Werken der Schweizer Künstler des 20. Jh. stach das Stillleben von Felix Vallotton mit einem Ergebnis von CHF 144 500 (Lot 3094) und Varlins grosses Porträt «L’Italiana» von 1962 für CHF 120 500 (Lot 3089) heraus.



Ausgewählte Resultate, Schweizer Kunst:

FELIX VALLOTTON

Vase vert et bol blanc. 1919.

Öl auf Leinwand.

Verkauft für CHF 144 500

 

CUNO AMIET

Lueg. 1930.
Öl auf Leinwand.

Verkauft für CHF 132 500


VARLIN (Willy Guggenheim)

"L'Italiana". 1962.
Öl und Kohle auf ungrundierter Leinwand.

Verkauft für CHF 120 500


THOMAS HOEPKER. Muhammad Ali showing off his right fist. Archival Pigment Print, um 2009.
Verkauft für CHF 20 900

Photographie
Erfolg für neu geschaffene Abteilung

Die erste eigenständige Auktion für Photographie seit über 10 Jahren realisierte sehr gute Preise. Insbesondere die Porträts von Muhammad Ali von Thomas Hoepker waren sehr begehrt. So konnte die sehr seltene «right fist» des kürzlich verstorbenen Box-Stars bei CHF 20 900 (Lot 1716) verkauft werden, während der Abzug seines Gebetes vor dem Kampf für CHF 16 100 zugeschlagen wurde. (Lot 1719). Richard Avedons’ Porträt von Erzbischof Desmond Tutu verkaufte sich bei CHF 17 300 (Lot 1727) und eine Serie von Porträts von Marilyn Monroe von Bert Stern setzte weitere Spitzenpreise wie für den späten Abzug der Photo "Marilyn Monroe mit Schmuck" für CHF 19 700 (Lot 1699).



Ausgewählte Resultate, Photographie:

ALBERT STEINER

Abend am Silvaplanersee. 1919.

Silbergelatine-Abzug, nach 1950.

Verkauft für CHF 11 250

 

DOUGLAS KIRKLAND

"Marilyn Monroe 1961".
Archival Pigment Print, späterer Abzug. Wohl 2013.

Verkauft für CHF 11 250


BERT STERN

Marilyn Monroe with Jewellery.
Archival Pigment Print, späterer Abzug. Um 2009.

Verkauft für CHF 19 700


PATEK PHILIPPE. Stah Chronograph mit two-tone Zifferblatt, 1961. Ref. 1463. Verkauft für CHF 456 500.

Uhren & Schmuck
Seltene Patek Philippe für beinahe eine halbe Million

Die Uhren-Auktion bei Koller vom 30. November führte eine sehr seltenen Stahl-Chronograph von Patek Philippe aus dem Jahre 1961 auf. Als legendäre Uhr für Sammler, wurde sie als erste wasserdichte Armband-Uhr von Patek Philippe überhaupt mit Referenznummer 1463 zwischen 1940 und 1965 in einer kleinen Auflage von 750 Exemplaren gefertigt. Da die meisten dieser Uhren in Gelb-Gold waren, konnte das bei Koller angebotene stählerne Exemplar in tadellosem Zustand einen umso höheren Sammlerwert erzielen. Nach intensivem Bietergefecht wurde die Uhr bei hervorragenden CHF 456 000 versteigert (Lot 2574 / Schätzung CHF 180 000 bis 300 000).

Der Rest der Uhrenauktion verzeichnete mit einer Verkaufsquote von 94% und einem Total von beinahe 200% des Wertes ebenso hervorragende Resultate. So kommentiert Uhrenexperte Uwe Vischer die Auktion folgendermassen: ”Wir sind sehr erfreut über das positive Ergebnis – in nur 18 Monaten konnten wir das zuvor zusammen mit Schmuck angebotene Uhrensegment zu einer eigenständigen Auktion von internationaler Beachtung entwickeln.  Das Vertrauen einer loyalen Sammlerschaft zeigt sich nicht zuletzt in ihrer Bereitschaft, für Objekte bester Qualität, wie die Patek Philippe 1463, international vergleichbare Gebote abzugeben.”

Das Highlight der Schmuck-Auktion vom 30. November war ein bezaubernder Burma-Rubin- und Diamant-Ring. Der unbehandelte Rubin von 7,05 ct. zog zahlreiche Gebote an und konnte für über das Doppelte der Schätzung bei CHF 228 500 verkauft werden (Lot 2122/ Schätzung CHF 90 000 bis 140 000). Signierte Schmuckstücke verkauften sich ebenfalls gut. So der Diamant-Ring des Düsseldorfers René Kern für CHF 168 500 (Lot 2024) und das mit Diamanten besetzte Art-Déco-Armband aus Platin von Van Cleef & Arpels für CHF 126 500 (Lot 2206).


Ausgewählte Resultate, Uhren & Schmuck:

BURMA-RUBIN-DIAMANT-RING

Besetzt mit 1 sehr feinen Burma-Rubin von 7.05 ct, unerhitzt.

Verkauft für CHF 228 500

 

PATEK PHILIPPE

Ewiger Kalender. 2001.
Ref. 3940J.

Verkauft für CHF 35 300


DIAMANT-ARMBAND, VAN CLEEF & ARPELS

Um 1930. Platin.
Verkauft für CHF 126 500


EMILE GALLE. Vase, um 1900. Verkauft für CHF 11 250.

Angewandte Kunst des 20. Jh.
Design, Art Nouveau & Art Deco

Erneut waren an der Design-Auktion vom 2. Dezember moderne Wandbehänge gefragt. Über der Schätzung versteigerte sich die Tapisserie «Dirty Blues» von Alexander Calder bei CHF 29 300 (Lot 1249). Unter den Objekten des Art Déco konnte die exquisite Vase von Emile Gallé mit Unterwassermotiven für CHF 11 250 verkauft werden (Lot 1076). Top-Lot unter den Art-Nouveau-Objekten war eine in Silber und Emaille geschaffene Schmuckschatulle von Josef Hoffmann für CHF 28 100, die in ihrem schlichten Design eine Lücke zwischen der Kunst des 20. Jh. und der Moderne schliesst (Lot 1093).


Ausgewählte Resultate, Angewandte Kunst des 20. Jh.:

ALEXANDER CALDER

Tapisserie "Dirty Blues". 

Exemplaire d'artiste.

Verkauft für CHF 29 300

 

MARZIO CECCHI

Pult, Modell "Diapason".
Entwurf 1968 für Studio Most ed.

Verkauft für CHF 20 900

JOSEF HOFFMANN

Schmuckschatulle, um 1905.
Silber und Email.

Verkauft für CHF 28 100



SELTENER BEMALTER SCHRANK. Conrad Starck (1769-1817). Appenzell, 18. Jh. Verkauft für CHF 58 100.

Sammlung Fröhlich
Erfolg für Ostschweizer Volkskunst

Die alpenländischen Möbel, Gebrauchs- und Dekorations-Objekte des kürzlich verstorbenen renommierten St. Galler Kunsthändlers Hansueli Fröhlich zog am 1. Dezember zahlreiche Bieter an.  Unter den über 180 Lots seltenster Ostschweizer Volkskunst schönster Qualität war ein reich bemalter und farbenfroher Appenzeller Bauernschrank von Conrad Starck (1769 bis 1817) das Top-Lot. Er erzielte CHF 60 000 und trug ebenso zu einem Gesamterlös des Nachlasses von über 150% der Schätzung bei (Lot 4156).



Ausgewählte Resultate, Sammlung Fröhlich:

EINZEIGRIGE EISENUHR MIT WECKER

Gotisch, Winterthur, datiert 1597.

Monogrammiert UL (Ulrich und Andreas Liechti).

Verkauft für CHF 34 100

 

SPÄTGOTISCHER WANGENTISCH

GrAUBÜNDEN, 16./17. Jh.

Verkauft für CHF 6 875


BEMALTER SCHLITTENSITZ

Toggenburg, um 1800.

Verkauft für CHF 2 500


STEHENDER AVALOKITESHVARA. Tibet, 15. Jh. Verkauft für CHF 138 500.

Asiatica
Grosse Nachfrage nach tibetischen Buddha-Figuren und erfolgreiche Jade-Objekte

An der zweitägigen Auktion für Asiatische Kunst erzielten buddhistische Figuren aus Tibet erneut starke Preise. Top-Lot der Auktion war eine feuervergoldete Kupferfigur aus dem 16./17. Jahrhundert des Vairocana, einem der fünf grossen transzendenten Buddhas. Für die Darstellung mit detailliert herausgearbeitetem friedvollen Ausdruck wurden CHF 144 500 geboten, was rund dem Dreifachen der Schätzung betrug (Lot 115). Von den anderen buddhistischen Figuren erzielte die Figur der elfköpfigen Gottheit Avalokiteshvara CHF 138 500 (Lot 111), und eine elegante Figur der Maitreya CHF 62 900 (Lot 108).

Grosses Interesse war auch für Arbeiten in Huanghuali-Holz vorhanden. So konnte ein zweitüriger Kabinettschrank aus dem 19. Jahrhundert für CHF 72 500 versteigert werden (Lot 295). Hohe Preise liessen sich ferner mit den auserlesenen Jade-Objekten erzielen, wobei eine fein gearbeitete Kamel-Figur für CHF 30 500 in neuen Besitz ging (Lot 185). Highlight der Porzellan-Arbeiten waren die beiden „Sanduo-Schalen“, mit Yongzheng-Marke, die einen Auktionspreis von CHF 72 500 erzielten (Lot 379).

Unter den Lots der Auktion für Japanische und Südostasiatische Kunst, ragte ein fast drei Meter hoher sitzender Buddha aus Burma aus dem 18./19. Jahrhundert nicht nur optisch, sondern auch preislich aus dem Angebot heraus. Für den aus der Schweiz eingelieferten Buddha wurden denn CHF 46 100 geboten (Lot 459).


Ausgewählte Resultate, Asiatica:

SARVAVID VAIROCANA

Tibet, 16. / 17. Jh.

Verkauft für CHF 144 500

 

LIEGENDES KAMEL AUS JADE

China, frühe Qing-Dynastie.
Verkauft für CHF 30 500


ZWEI SELTENE "SANDUO"-SCHALEN

China, Yongzheng-Marke und aus der Periode.
Verkauft für CHF 72 500




EXPERTENTAGE FÜR ALTMEISTERGEMÄLDE IN DEUTSCHLAND

Unsere Experten für Gemälde Alter Meister und des 19. Jh. schätzen Ihre Kunstwerke unverbindlich und beraten Sie gerne im Hinblick auf eine mögliche Einlieferung zu unserer nächsten internationalen Auktion in Zürich.

Düsseldorf: Dienstag & Mittwoch, 15. / 16. November 2016

Stuttgart: Donnerstag, 17. November 2016

München: Freitag, 18. November 2016

Hamburg: Freitag, 25. November 2016

Sollten Sie sich für eine Zusammenarbeit mit unserem Haus entscheiden, übernehmen wir die Organisation und Durchführung des Transportes inklusive aller zolltechnischen Dokumente kostenfrei für Sie.


Für eine Terminvereinbarung wenden Sie sich bitte an unsere Repräsentanzen:

Düsseldorf: Ulrike Gruben · Tel. 0211-30 14 36 38
duesseldorf@kollerauktionen.com

Stuttgart & München: Fiona Seidler · Tel. 089-22 80 27 66
muenchen@kollerauktionen.com

Hamburg: Regine Gerhardt · Tel. 040-33 38 12 39
hamburg@kollerauktionen.com



HIGHLIGHTS-VORBESICHTIGUNG IN GENF

Ausgewählte Werke unserer November-Dezember Auktionen in Zürich.

Schmuck & Juwelen · Armband- und Taschenuhren · Schweizer Kunst · Moderne & Zeitgenössische Gemälde · Design

Die Ausstellung ist geöffnet:
Samstag 12.11. - Montag 14.11.2016, 10-18h

 
Hôtel de la Paix
11, quai du Mont-Blanc
1201 Genf
Tel. +41 22 311 03 85
geneva@kollerauktionen.com





Sam Francis: Light on Fire

Sam Francis in seinem Atelier.

"Bei kaum einem 'gegenstandslosen' Maler ist der Wirklichkeitsbezug so suggestiv wie bei Sam Francis. Jedes seiner Bilder ist bis zum Bersten angefüllt mit optischen Erlebnissen, mit visueller Erfahrung, ist getränkt mit der Sichtbarkeit der Welt." (Wieland Schmied, "Notizen zu Sam Francis", in: Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft, Hannover. Sam Francis, 1963, S. 12.).

Samuel Lewis Francis, genannt Sam, 1923 in San Mateo geboren, entschließt sich erst durch ein traumatisches Schlüsselerlebnis Künstler zu werden. Seine naturwissenschaftliche Neigung veranlasst ihn zunächst dazu, ab 1941 Medizin und Psychologie an der University of Berkeley zu studieren. Von 1943 bis 1945 dient Francis in der U. S. Army als Kampfflieger. Vor allem seine hier gewonnen Impressionen der weitläufigen Landschaften, die sich, von der Vogelperspektive aus beobachtet, zu Farben- und Formenvielfalt abstrahieren, werden Spuren in seinem malerischen Werk hinterlassen. Als sein Flugzeug in der kalifornischen Wüste abstürzt, zieht er sich schwere Rückenverletzungen zu, die ihn für längere Zeit ans Krankenhausbett fesseln. Dort beginnt er zu malen und entschließt sich, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. 1945-50 studiert er in Kalifornien Kunst, reist aber gleich nach Abschluss seines Studiums nach Paris, wo er regen Austausch mit der dort aktiven Künstlerschaft pflegt und sich besonders dem kanadischen Künstler Jean-Paul Riopelle verbunden fühlt.

SAM FRANCIS (1923-1994)
Drift II. 1976.
Aquarelle und Gouache auf Papier.
58 x 82 cm.

Auktion in Zurich am 3. Dezember 2016

CHF 40 000 / 60 000

Auffallend an Francis Werk, wie auch bei den hier Angebotenen, ist der Eindruck der Auschnitthaftigkeit seiner Bilder. Die Bildränder bieten seinen abstrakten Kompositionen keine Begrenzung, sie scheinen sich ins Unendliche ausdehnen zu können. Die Idee des Ausschnitthaften trifft dabei in vielfacher Weise zu: das Bild als Ausschnitt des Lebens, die Ausdehnung des Momentes (des Malens) in die Unendlichkeit der Zeit, der Ausschnitt der inneren (Gefühls-) Welt übersetzt in die Phänomene des sichtbaren Kosmos. Die amorphen, organischen Formen erinnern an Mikroorganismen, mit denen Francis sich während seines Studiums der Medizin vermutlich auseinandergesetzt hat. Das Dargestellte bleibt dennoch abstrakt.

Dieses prächtige Frühwerk macht den Entstehungsprozess seiner Werke besonders deutlich: Francis malt dieses, indem er das Blatt auf den Boden legt. Zunächst formuliert er das geometrisch anmutende ‚Gitternetz‘ mit in sich verfließenden Aquarellfarben. Anschließend schüttet, tropft oder spritzt er dickflüssige Farben auf den Bildträger, während er sich stehend über das Bild beugt. Bemerkenswert bei dieser Vorgehensweise ist, dass sie sowohl sehr spontan und dynamisch ist, gleichzeitig aber immer wieder einer Reflektion durch den Künstler bedarf.

Francis Farbverständnis ist dabei stark von den Postimpressionisten und italienischen Malern der Frührenaissance geprägt, wohingegen der gestische Pinselauftrag vor allem auf seine Zeit in Japan im Jahr 1957 zurückgeht, als er mit der japanischen Tuschpinsel-Technik haboku in Berührung gekommen ist. Die daraus resultierende Leuchtkraft der einzelnen Farben, akzentuiert durch ein tiefes Schwarz, verleiht dem hier angebotenen Bild eine Lebhaftigkeit und Leichtigkeit, die die ganze Kraft seines künstlerischen Könnens als prominenter Vertreter des lyrisch orientierten Abstrakten Expressionismus bezeugt.

“Color is light on fire. Each color is the result of burning, for each substance burns with a particular color.” (Sam Francis in Ausst. Kat.: Sam Francis, Los Angeles, 1980, S. 10).





ABEL GRIMMER. Fünf Monatsallegorien. Öl auf Holz.
Auktionsergebnis CHF 745 000.

Für unsere Frühjahrauktionen 2017 suchen wir jetzt:
Gemälde und Zeichnungen Alter Meister und des 19. Jh.
Möbel, Silber, Porzellan und Glas
Alte Skulpturen, Antiquarische Bücher


Als einziges Schweizer Auktionshaus und als eines von nur wenigen in Europa widmen wir zwei unserer insgesamt sechs jährlichen Auktionsserien ausschliesslich ausgewählten alten Kunstwerken vom Mittelalter bis zum 19. Jh. Während jeweils sechs Tagen im März und im September führen wir Spezialauktionen für Gemälde Alter Meister, frühe Skulpturen, Manuskripte, illuminierte Handschriften, Inkunabeln und Bücher sowie für antike Möbel, Silberobjekte und Porzellane durch.

Unsere Mitarbeiter haben sich durch jahrzehntelange Arbeit mit Objekten aus vergangenen Jahrhunderten nicht nur ein umfassendes Wissen angeeignet, sondern verfügen auch über die wichtigen persönlichen Beziehungen zu allen international massgebenden Experten verschiedenster Spezialgebiete und einzelner Künstler. Die uns anvertrauten Kunstwerke werden gemäss neustem Stand der Wissenschaft auf Alter, Urheber und Echtheit geprüft und nur dadurch sind wir in der Lage, die Angaben in unseren Auktionskatalogen vollumfänglich zu garantieren. Damit konnten wir in den beinahe sechzig Jahren unseres Bestehens das Vertrauen von Kunstsammler und Liebhaber aus der ganzen Welt gewinnen, welche unser Angebot regelmässig studieren und unsere Auktionen für Alte Kunst als wichtigen Termin zum Erwerb hochrangiger ausgewählter Gemälde und kunsthandwerklicher Objekte in ihrer Agenda vermerkt haben.

Die nächste Auktionsserie für alte Gemälde und Kunsthandwerk führen wir im März 2017 durch. Bis Ende Jahr können wir Objekte für unsere Frühjahrsauktion entgegennehmen. Gerne begutachten und schätzen wir Ihre Kunstwerke und beraten Sie bezüglich des weiteren Vorgehens sowie über die Möglichkeiten des idealen Verkaufes.

Bei Einlieferungen aus Deutschland übernehmen wir die Organisation und Durchführung des Transportes inklusive aller zolltechnischen Dokumente.


Wenden Sie sich für eine unverbindliche und kostenlose Beratung an einen unseren folgenden Experten:

Gemälde Alter Meister, Sammlungen und Nachlässe
Cyril Koller

Gemälde Alter Meister und des 19. Jh.
Karoline Weser

Zeichnungen Alter Meister und des 19. Jh.
Franz Diegelmann

Möbel, alte Skulpturen, Sammlungen und Nachlässe
Luca Raschèr
Stephan Koller

Porzellan und Nachlässe
Sabine Neumaier

Silber
Corinne Koller

Illuminierte Handschriften, Manuskripte, Inkunabeln, Bücher und Autographen
Andreas Terwey



Neuste Resultate für Alte Kunst:

OSIAS BEERT

Stillleben mit Blüten in einem Flechtkorb.

Öl auf Holz.

Auktionsergebnis CHF 480 500

 

SELTENES MODELL EINES AUGUSTUS REX HALSBANDSITTICHS

Meissen, um 1731, Modell Johann Gottlieb Kirchner zugeschrieben.

Auktionsergebnis CHF 29 300


PETER APIAN

Astronomicum Caesareum. 1540.

Auktionsergebnis CHF 660 000

PRUNK-BUREAU-PLAT DER MARQUIS DE NICOLAY "AUX TETES DE SATYRE"

Régence, von André Charles Boulle, Paris um 1720.

Auktionsergebnis CHF 3,01 Mio.

JEAN-BAPTISTE CAMILE COROT

Les danseurs de Castel_Gandolfo. Um 1855-60.

Öl auf Leinwand.

Auktionsergebnis CHF 267 400

SUZANNE ELIZABETH EYNARD-CHATELAIN

Porträt des Prinzen Alexandre Maurocordato.

Aquarell und Kreide auf Papier.

Auktionsergebnis CHF 30 500

 

SCHIFFSPOKAL

Meistermarke Heinrich Winterstein.

Augsburg, 1600-1610.

Auktionsergebnis CHF 444 000

 

ALBERT ANKER

Mädchen mit Korb im Wald (Erdbeerimareili). 1872.

Öl auf Leinwand.

Auktionsergebnis CHF 1,63 Mio.

 




Avedon und Tutu : die Vereinigung zweier Legenden

Die Winterthur International Werbung, 2001.

Zwei lebende Legenden trafen aufeinander, als sich Richard Avedon und Desmond Tutu 2001 zu einer Portrait-Sitzung verabredeten: Tutu, der Nobelpreisträger und unermüdliche Kämpfer für Menschenrechte und Rassengleichheit und Avedon, einer der bedeutendsten Mode- und Portrait-Photographen der Welt kamen im Rahmen einer Werbekamagne der Winterthur Versicherung zusammen. Es ging dabei um das Thema Risikomanagement, und so wurde das bei dieser Gelegenheit entstandene Portrait von einem Zitat Desmond Tutus begleitet: “Of course, faith is a risk – but one I would never risk living without.”

Ein durchaus angemessenes Rahmenthema sowohl für Avedon als auch Tutu, denn beide waren Risiken gewöhnt. Desmond Tutu kämpfte jahrzehntelang gegen das Apartheid-System in Südafrika und nutzte seine prominente Stellung als Bischof von Lesotho, später als Erzbischof von Kapstadt dazu, sich immer wieder gegen die Gesetze zur Rassentrennung zu wenden. Darüber hinaus bezog er auch zu anderen Themen mutig Stellung, etwa in der Palästinenserfrage, dem zweiten Golfkrieg, oder zu den Rechten der Homosexuellen in Südafrika.

Die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis verlieh ihm einen Status, den er im Kampf gegen die Apartheid einzusetzen vermochte. "It opened doors, which was important for our people," sagte er darüber. "It was important for our people at that point in our history because we were tending to go off the radar screen and this brought us back spectacularly."

RICHARD AVEDON (1923-2004)
Archbishop Desmond M. Tutu. Original-Photographie.
Archival Pigment Print aufgezogen auf Aluminium-Platte. Vintage. 2000.
Ca. 120 x 120 cm.

Provenienz:
- Schenkung des Photographens an die beteiligten Mitglieder des Projektes der Firma Winterthur International
- Schweizer Privatbesitz

Auktion in Zürich am 3. Dezember 2016

CHF 12 000 / 18 000
Obwohl er sich inzwischen aus dem öffentlichen Leben weitgehend zurückgezogen hat, hält er bei Gelegenheit noch Vorträge und ist Teil der Gruppe “The Elders”, in der ehemalige Staatsmänner wie Kofi Annan und Jimmy Carter über Wege zum Weltfrieden diskutieren.

Richard Avedon kreierte mit seinen mutigen und effektvollen Inszenierungen einen neuen Stil der Schwarz-Weiss Photographie. Berühmt wurde etwa sein Shooting mit dem Model Dovima in einem Zirkus, bei dem das bis heute faszinierende Dovima with Elephants entstand. Die Frau im Dior Abendkleid, zwischen Dickhäutern posierend, wurde zur Ikone der modernen Photographie. Avedon scheute sich nie, auch die Mächtigen dieser Welt abzulichten. Das Ergebnis war stets ein sprechendes, emotional aufgeladenes Portrait – egal, ob es dem Selbstbild des Portraitierten schmeichelte oder nicht.

Wie schon bei den berühmtesten Portraitmalern der Geschichte genügte bereits Avedons Name, um auch die öffentlichkeitsscheueste und unabkömmliche Prominenz vor die Kamera zu bekommen. Philippe de Montebello schrieb: “Much like the great nineteenth-century French photographer, Nadar, whose telling portraits of rare individuals captured the creative genius of his generation, so Avedon, a century later, collected the key players and directed them in a brilliant portrait of an era that was questioning, unruly, and self-consciously alive."

Das vorliegende, kontrastreiche Portrait, bringt die Persönlichkeit des Abgebildeten intensiv zum Ausdruck. Tutus Blick ist dem Betrachter zugewandt, seine Hände sind vor dem Mund zum Gebet gefaltet. Die Konturen seines Körpers verlieren sich, seine schwarze Kleidung verschmilzt mit dem Bildhintergrund. Eine transzendete Vereinigung von Bild und Person hat stattgefunden, der Körper des Portratierten scheint wie ein Geist in der Luft zu schweben. Einzig in seinen Augen erblickt man die Reflektion der Blitzlichter der Kamera durch die ausführende Hand des Photographen, was uns wieder auf den Boden der Realität zurückkehren lässt. Diesen Blick werden wir freilich nicht mehr vergessen.



Tulpenmanie

Jan Brueghel der Jüngere, Allegorie der Tulpenmanie (Detail), circa 1640.

In den Niederlanden führte im frühen 17. Jahrhundert der markante Preisanstieg für Tulpen zu einer der frühsten Spekulationsblasen in der Wirtschaftsgeschichte und brachte im Zusammenhang mit dem florierenden Blumenhandel wunderbare Tulpenaquarelle sowie Kataloge hervor.

Tulpen wurden in der Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals aus dem Osmanischen Reich nach Europa importiert und alsbald in den Gärten der gebildeten Gesellschaft als Liebhaberobjekte und Statussymbole kultiviert. Einhergehend mit dem Goldenen Zeitalter und dem steigenden Wohlstand des einfachen Bürgertums breitete sich die Popularität dieser edlen Blumenart rasant aus. Somit stieg die Nachfrage sowie die Preise für gewisse Tulpenzwiebeln ab den 1630er Jahre auf ein extrem hohes Niveau an. Der  Handel florierte und um das Jahr 1634 betraten Spekulanten den Markt, wodurch einzelne Blumenzwiebeln zu horrenden Preisen veräussert wurden.

Besondere Tulpenarten, die für Sammler von besonderem Interesse waren, zeichneten sich durch ihr spezielles Farbenspiel aus, welches nur bei einer ganz begrenzten Anzahl von Pflanzen auftrat. Die kostbarste dieser Tulpenarten war die „Semper Augustus“, die mit ihren rot und weiss geflammten Blütenblättern besonders in Mode war. Dieses Farbspiel stellte eine Rarität dar, da das Muster nach dem heutigen Wissen vom Mosaikvirus herrührte. Dadurch wurden die Zwiebeln geschädigt, der weitere Bestand durch Ansteckung gefährdet und eine mehrjährige Blüte verhindert.

CLAESZ, ANTHONY
(1607 Amsterdam 1649), zugeschrieben
Zwei Tulpendarstellungen: 1. Rotgelbe Tulpe
2. Blauweisse Tulpe. Aquarelle.

Provenienz: Sammlung Schmitz-Eichhoff, Köln.

Auktion am 23. September 2016
Schätzung: CHF 5 000 / 8 000

Auf dem Zenit der Tulpenspekulationsblase im Jahre 1637 lag der Preis für eine ‚Semper Augustus‘ bei 10’000 Gulden, was dem Preis der kostspieligsten Häuser an der Amsterdamer Gracht, sprich dem vierzigfachen Jahresgehalt eines gebildeten Arbeiters entsprach. Im Rausch der Spekulation, der Sehnsucht nach Wohlstand und der erhöhten Risikobereitschaft zu den Pestzeiten, nahm der Tulpenhandel ein massloses Ausmass an, bevor der Markt dann abrupt zusammenbrach.Da der Grossteil der Tulpen vor der eigentlichen Blüte verkauft wurden und das holländische Gesetz in einer Klausel die Stornierung eines Vertrages vorsah, wenn die gelieferte Ware nicht der ursprünglichen Beschreibung entsprach, wurden Tulpenillustrationen für eine funktionierende Kommunikation im Blumenhandel unerlässlich. Nur so konnte man sich vergewissern, welche Sorte den Kern der jeweiligen Transaktion bildete. Hierfür wurden Maler wie Anthony Claesz, Jacob Marrell, and Pieter Holsteyn der Jüngere angeheuert um Tulpenarten zu illustrieren, damit der Züchter sie dem potenziellen Käufer in einem Katalog vorlegen konnte.

Zu Beginn des Februars 1637 platzte die Spekulationsblase und führte zu einem der frühesten und durchdringendsten Börsencrash der Weltgeschichte. Der rasche Preiszerfall von 95% hat einen Grossteil der Bevölkerung in den Ruin getrieben und der niederländischen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt. Trotz des Tulpen-Crashs blieben die Illustrationen der Blumen unentbehrlich, da der Tulpenhandel von einer hohen Unsicherheit und einem grossen Misstrauen geprägt war und somit alle Parteien genauestens über die Beschaffenheit ihrer Erwerbungen Bescheid wissen wollten.

Wir freuen uns in der kommenden Spezialauktionen Tulpenaquarelle aus der Sammlung Schmitz-Eichhoff anbieten zu können, die Zeugen einer der wohl außergewöhnlichsten Perioden in der Geschichte der Gartenkunst und der Wirtschaft darstellen.




AUKTIONSNACHBERICHT
September-Auktionen vom 19. bis zum 24. September 2016 bei Koller Zürich

Gute Ergebnisse für Altmeistergemälde, Möbel und Fayencen: CHF 745 000 für Abel Grimmers Allegorien der Monate und 90% vom Gesamtwert der Trompe-l’oeil-Objekte der Sammlung Schmitz-Eichhoff verkauft.


ABEL GRIMMER (ca. 1570 Antwerp 1620).
Fünf Allegorien der Monate Februar, März, April, Oktober und Dezember. Öl auf Holz. Je D 25 cm. Verkauft für CHF 745 000.

Gemälde Alter Meister und des 19. Jh. sowie Zeichnungen und alte Graphik
Eine seltene Renaissance-Allegorie der Monate übertraf die Erwartungeneltene

Eines der Top-Lots der Auktion für Gemälde alter Meister vom 23. September war die seltene Serie allegorischer Gemälde der Monate Februar, März, April, Oktober und Dezember von Abel Grimmer (ca. 1570 bis ca. 1620). Die Gemälde befanden sich seit über 300 Jahren im selben Familienbesitz, sodass deren Zustand und Seltenheit einen privaten Sammler zu einem Höchstgebot von CHF 745 000 bewog (Lots 3033A bis 3033E, Schätzung CHF 500 000 bis 700 000).

Zu den weiteren Highlights der Auktion zählte die Darstellung der Madonna mit Kind von Tommaso di Credi (tätig in Florenz ca. 1490 bis 1510), die für CHF 96 500 versteigert werden konnte (Lot 3012). Ebenso erfolgreich war die Interpretation einer badenden Nymphe von Carl Spitzweg (1808 München 1885), die bei CHF 96 500 den Besitzer wechselte (Lot 3232).

Beispielhaft für die Auktion von Zeichnungen und alter Graphik waren zwei Werke von Giovanni Domenico Tiepolo (1727 Venedig 1804). Eine Ölskizze mit dem Sujet der «Rast auf der Flucht nach Ägypten», die wahrscheinlich als Modell für Tiepolos Werkstatt diente, erzielte CHF 24 500 und eine in braun gehaltene Tintenzeichnung einer stehenden Figur in orientalischer Kleidung verkaufte sich für CHF 8 750 (Lots 3425 und 3452).


TROMPE L'OEIL TELLER MIT EIERN. Nordfrankreich, mitte 18. Jh.
Verkauft für CHF 9 375.

Möbel und Angewandte Kunst
Die Sammlung Schmitz-Eichhoff: Hohe Nachfrage für Trompe-l’oeil-Keramiken

Die wunderschöne Sammlung von barocken Trompe-l’oeil-Fayencen aus der Sammlung von Marie Teres Schmitz-Eichhoff erhielt am 19. September internationale Aufmerksamkeit und verkaufte sich zu über 90% vom Wert. Der Katalog beinhaltete rund 250 Fayencen in der Form von Tieren und Gerichten aus dem 18. Jh: Kohl-Terrinen, Teller mit Spargeln, Platten mit Eiern, Bohnen und Nüssen. Viele dieser Objekte waren 1999 Gegenstand von Ausstellungen im Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAK) sowie 2006 im Hetjens Museum in Düsseldorf.
 
Zu den Highlights gehörte die Platte mit zwei gekochten Eiern, die bei einer Schätzung von CHF 4 000 bis 6 000 für CHF 9 375 verkauft werden konnte (Lot 1751) sowie eine grosse Kohlförmige Terrine aus Brüssel für CHF 9 375 (Lot 1758). Bei einer Porzellan-Vase von Höchst mit detailgetreuen Blumendarstellungen stiegen die Gebote bis auf CHF 10 625 (Lot 1783).


EIN PAAR PRUNK-VASEN "AUX TETES DE LION". Régence / Louis XV, Verkauft für CHF 156 500.

In der Auktion Möbel und Skulpturen vom 22. September wurden ein Paar Régence/Louis-XV-Porzellanvasen aussergewöhnlicher Qualität ausgerufen, die für CHF 156 500 zugeschlagen wurden (Lot 1089). Eine polychrom bemalte norditalienische Skulptur aus dem 14./15. Jh. einer Madonna mit Kind verkaufte sich bei CHF 42 500 (Lot 1027) und eine Louis XV Porzellan-Uhr in der Form eines lachenden Chinesischen «Magot» wechselte bei CHF 62 900 den Besitzer (Lot 1095).


LYUBOV POPOVA. 5 x 5 = 25. (Katalog der Austellung Moskau 1921). Verkauft für CHF 42 500.

Bücher & Autographen
Fossilien und Erotica

Mit der ersten illustrierten Arbeit über Fossilien bot Koller Auktionen anlässlich der Bücher- und Autographen-Auktion vom 24. September eine einzigartige Rarität, die von einer internationalen Sammlerschaft mit grosser Spannung erwartet wurde (Lot 428). Ausgehend von einer Schätzung von CHF 14 000 bis 20 000 erzielte der von Conrad Gessner reich illustrierte, um 1565/66 herausgegebene Band mit CHF 74 900 mehr als das Fünffache der Erwartungen.

Ein sicherer Wert stellte auch die Sammlung von Erotica dar. Für das erste von Marquis de Sade publizierte Werk «La nouvelle Justine», welches er in Gefangenschaft in der Bastille verfasste, bezahlte ein privater Sammler CHF 58 100 (Lot 191). Unter den moderneren Lots verkaufte sich eine Avant-Garde-Illustration der Russin Lyubov Popova zum 1921 verfassten Ausstellungskatalog «5 x 5 = 25» für CHF 42 500 und damit über dem Zehnfachen der unteren Schätzung (Lot 256).


 

EIN FEST FÜR DIE AUGEN UND DIE SINNE

Besuchen Sie diese Woche unsere Vorbesichtigung bei Koller West und gönnen Sie sich eine kulinarische Kleinigkeit bei Deli Donkey, der vom 14. Bis 16. September jeweils von 11 bis 14 Uhr direkt vor unseren Ausstellungsräumen an der Hardturmstrasse 121 präsent sein wird.

Koller West bietet Ihnen ein spannendes und reichhaltiges Angebot aus dem klassischen Gebiet des Kunstmarkts zu erschwinglichen Preisen. Zudem wird eine spezielle Sammlung an Maritimen Objekten angeboten, die sich mit Industrial-Design-Lampen perfekt in das Ambiente eines modernen Loft-Appartements eingliedern lassen.

Klicken sie hier um den Online-Katalog durchzublättern.

Öffnungszeiten:

Mittwoch 14. September – Sonntag 18. September 2016,

jeweils von 10 bis 19 Uhr.

Die Auktionen werden vom 19. Bis 23. September 2016 stattfinden.hile browsing the preview at Koller West this week, you can enjoy a delicious meal at the Deli Donkey mobile café, which will be stationed in front of our preview rooms at Hardturmstrasse 121.



Ausgewählte Werke, Koller West

CHRISTIAAN LODEWIJK WILLEM DREIBHOLTZ

(1799 Utrecht 1874)

Schiffe auf hoher See.

Öl auf Holz.

JADEIT-OHRHÄNGER, um 1920.

Dekorative Ohrhänger mit Schrauben, aus je 1 Jadeit-Tropfen von ca. 14 x 5 mm, montiert durch ein Kettchenteil an 1 Kugelmotiv. L ca. 4 cm.

 

FLIPPERKASTEN

Modell Dancing Lady, Gottlieb & Co., USA, 1966

Metall bedruckt, Glas und Holz. Fabrikationsnummer 6902 auf Etikette und sowie gekerbt.

FERNGESTEUERTES MODELL EINES SOVIETISCHEN U-BOOTS SSM ALFA

20. Jh.

Holz, Kunststoff und Metall gefasst.

123 x 21 x 22 cm.




Wir schätzen Ihre Kunstwerke unverbindlich und kostenlos – schweizweit und jederzeit

In der ersten Jahreshälfte 2016 haben wir über ein Dutzend Auktionen in den verschiedensten Bereichen von Kunst, Kunsthandwerk und Schmuck durchgeführt. 6000 Objekte wurden angeboten, ganze Nachlässe ebenso versteigert wie einzigartige Kunstwerke verkauft und viele Spitzenpreise erzielt.

Koller Auktionen verfügt mit über 15 spezialisierten Abteilungen sowohl über eine hervorragende Expertise als auch über jahrzehntelang gepflegte Beziehungen zu grossen internationalen Sammlern. Die uns anvertrauten Kunstwerke werden ebenso nach dem neusten Stand der Kunstwissenschaft wie nach deren Provenienz geprüft.

Osias Beert, verkauft für CHF 480 500

Wiederentdeckte bedeutende Werke

Viele anonym eingelieferte Werke konnten durch uns in der Vergangenheit bedeutenden Künstlern zugeordnet und dann für sechs- und siebenstellige Beträge über unsere Auktionen verkauft werden (Guido Reni, CHF 1,22 Mio.; Eglon van der Neer, CHF 510'000; Goya, CHF 2,67 Mio. etc.).




Pierre-Auguste Renoir, verkauft für CHF 733 500.

Internationale Spitzenpreise für Moderne Bilder

Auch französische, deutsche oder italienische Werke der Moderne erzielen an unseren Spezialauktionen internationale Spitzenpreise (Signac, CHF 5,5 Mio.; Dali, CHF 4,4 Mio.; Renoir, CHF 2,7 Mio.; Fontana 1,67 Mio.).


Giovanni Giacometti, verkauft für CHF 4.04 Mio. (Weltrekordpreis).

Auktionsrekorde im Bereich Schweizer Kunst

Ebenfalls brechen wir im Bereich Schweizer Kunst regelmässig Auktionsrekorde, wie zuletzt für ein Gemälde von Giovanni Giacometti (CHF 4 Mio.) oder für eine Zeichnung von Albert Anker (CHF 1 Mio.).


Anselm Kiefer, verkauft für CHF 360 500

Auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt - von der Abholung bis zur Auszahlung

Denken Sie daran, ein Kunstwerk zu verkaufen, eine Sammlung zu versteigern oder einen Nachlass aufzulösen?

Wir bieten Ihnen einen rundum Service von der ersten unverbindlichen und kostenlosen Schätzung und Offerte über den Transport, die Versicherungsdeckung, die einwandfreie Katalogisierung, internationales und modernes Marketing bis hin zur fristgerechten Auszahlung.
 
Wir bieten Ihnen den direkten Kontakt zu den Entscheidungsträgern in unseren Fachabteilungen und zur Geschäftsleitung, die auch mit Ihrem Namen persönlich für den reibungslosen Ablauf von der Einlieferung bis zum Verkauf bürgt.

Wir bieten Ihnen eine ganzheitliche Lösung für Nachlässe und Sammlungen. Mit unseren parallel zu den Hauptauktionen durchgeführten Auktionen Koller West verfügen wir auch über eine einzigartige Plattform für dekorative Objekte, die sich in fast jedem grösseren Nachlass oder in beinahe jeder Sammlung finden.

Und wir bieten Ihnen kompetitive Konditionen für interessante Einlieferungen.


Bracelet, Lacloche Frères, verkauft für CHF 264 000

Wir freuen uns auf Ihren Anruf

Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Schätzung und Offerte – wir besuchen Sie nach einem ersten Telefongespräch, schweizweit und jederzeit.

Wir würden uns freuen, für Sie arbeiten zu dürfen!



AUKTIONSNACHBERICHT

Juni Auktionen bei Koller
Bestätigung der Schweizer Kunst Marktführerschaft mit zwei Weltrekorden und höchstem Umsatz


Weltrekord für Giovanni Giacometti und Albert Anker.

Zahlreiche Resultate im sechsstelligen Bereich für Kiefer, Poliakoff, Renoir, Soutine und weitere moderne und zeitgenössische Künstler.

Vermehrt jüngeres Publikum durch Kooperation mit Artsy.com
 

 
GIOVANNI GIACOMETTI. Das Flimser Panorama. 1904. Verkauft für den Weltrekordpreis von CHF 4.05 Millionen.


Schweizer Kunst
Koller bleibt Marktführer

Koller Auktionen hat mit Giovanni Giacometti einen neuen Künstlerrekord erzielt. Das bedeutende und bekannte Flimser Panorama, wechselt anlässlich der Schweizer Kunst Auktion vom 24. Juni für CHF 4,05 Mio. in neuen Schweizer Privatbesitz. Mit einem Umsatz von insgesamt CHF 9,2 Mio. nur für Schweizer Kunst bleibt Koller Auktionen auch dieses Jahr Marktführer in diesem Bereich.

«Wir sind glücklich, dass dieses bedeutende Gemälde der Schweiz erhalten bleibt und wahrscheinlich schon bald wieder der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein wird», sagt Auktionator und Geschäftsführer Cyril Koller.

Giovanni Giacometti, der Vater von Alberto und Diego Giacometti, schuf das Triptychon in Öl auf Leinwand für das Luxushotel Waldhaus Flims, das heute unter dem Namen Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa firmiert. Doch kurz nachdem man das Gemälde dort anhängte, wurde es aus unbekannten Gründen eingelagert und geriet beinahe in Vergessenheit. Erst 1986 wurde es wiederentdeckt und umgehend wieder im Hotel aufgehängt. Mit der Übernahme des Waldhauses durch die Investmentgesellschaft Z Capital gelang das «Flimser Panorama» schliesslich zur erfolgreichen Veräusserung durch Koller Auktionen. Der Erlös von rund CHF 4 Mio. soll nun für die Renovation des Hotels verwendet werden.

Ein weiterer Weltrekord kann Koller für die Kohlezeichnung «Brustbild eines Mädchens mit blondem Haar» von Albert Anker verkünden. So stellen die dafür gebotenen CHF 1 Mio. den höchsten Wert für eine Zeichnung des Schweizer Künstlers dar. Ebenso die Millionengrenze geknackt hat mit CHF 1,4 Mio. Albert Ankers Genregemälde «Die Armensuppe». Beide Werke gelangten in Schweizer Privatbesitz.


PIERRE-AUGUSTE RENOIR. La partie de croquet. Verkauft für CHF 733 500.


Impressionismus und Moderne Kunst / Art Deco & Art Nouveau
Hohe Gebote für spätes 19. Jh. und frühes 20. Jh.

Der Markt für Kunstwerke aus dem späten 19. Jh. und frühen 20. Jh. zeigte sich sehr robust. Dies zeigte sich in hohen Zuschlägen für angewandte und bildende Kunst aus dieser Periode.
 
Die Auktion für moderne Kunst beinhaltete nicht weniger als drei Werke von Pierre-Auguste Renoir, die sich im sechsstelligen Bereich verkauften. Angeführt wurde das Trio von «La Partie de Croquet» aus dem Jahre 1895 (Lot 3213), das sich für CHF 733 500 verkaufte. Weitere Highlights waren eine Landschaft von Chaim Soutine aus dem Jahre 1919, das für CHF 240 500 in neuen Besitz ging (Lot 3241) sowie eine Bronze von Alberto Giacometti, die CHF 192 500 erzielte (Lot 3249).

Unter den angewandten Kunstwerken stiegen die Gebote für eine Pâte-de-Verre Vase um 1925 in seltenen Blau-, Aqua- und Grüntönen von einer Schätzung bei CHF 25 000 bis 35 000 auf CHF 41 300 (Lot 1089). Die klassische Skulptur «Starfish», eine stehende Tänzerin aus Bronze und Elfenbein, von Demeter H. Chiparus aus dem Jahre 1920 wechselte bei CHF 26 900 den Besitzer.

ANSELM KIEFER. Nigredo-Albedo-Rubedo. 2006. Verkauft für CHF 360 500.


PostWar & Contemporary / Design / Armbanduhren
Viel junges Publikum bei Koller auch dank Artsy.com

In den letzten Jahren hat Koller Auktionen sein Angebot vermehrt auf ein junges Publikum ausgerichtet. Zusätzlich schloss sich das Schweizer Auktionshaus anlässlich seiner Juni-Auktionen als erstes Auktionshaus mit der amerikanischen Kunstmarkt-Plattform Artsy.com zusammen und übertrug damit seine bereits etablierten Online-Auktionen erstmals für die Bereiche Grafik- und PostWar live auf die Rechner von hunderttausenden jungen Sammlerinnen und Sammlern weltweit.

Mit hohen Preisen für zeitgenössische Kunst und Design trugen diese Bemühungen auch Früchte. So erzielte Anselm Kiefers seltene massive Buchskulptur «Nigredo-Albedo-Rubedo» aus dem Jahre 2006, mit thematischem Bezug zur europäischen Mystik und Alchemie CHF 360 500.- (Lot 3480). Werke der 60er-Jahre, darunter ein Paradebeispiel des damaligen Action Paintings von Kazuo Shiraga aus dem Jahre 1961 und  Serge Poliakoffs «Composition Abstrait» von 1966, erzielten CHF 216 500.- bzw. CHF 135 500 (Lots 3429 und 3439).

Als typische Sammlerbereiche für jüngere Generationen zeichnen sich jedoch mehr und mehr Design und Armbanduhren ab. Top-Lot der Uhrenauktion vom 22. Juni war sodann die Patek Philippe Jumbo Nautilus von ca. 1977 aus poliertem Stahl (Lot 2545, CHF 36 500). Dass Patek damit mit der Tradition der Golduhren im Luxus-Segment brechen wollte, unterstrich das Haus damals mit dem Werbeslogan «Eine der teuersten Uhren der Welt ist aus Stahl!». Eines der Design-Top-Lots war schliesslich eine Tapisserie von Victor Vasarely aus dem Jahre 1980 (Lot 1261), die für CHF 15 500 an einen neuen Eigentümer ging. Der spürbare Trend für Design-Tapisserien zeichnete sich ebenso bei Werken des Ungarisch-Französischen Künstlers Mathieu Matégot und dem Franzosen Bernard Buffet ab.





Delta 2

DELTA 2

(New York 1965 – lebt und arbeitet in New York)
Ohne Titel.
Sprayfarbe auf Leinwand.
151.5 x 234 cm.
Provenance:
- Galerie Schurr, Stuttgart.
- Von der heutiger Besitzerin dort erworben; seitdem Privatsammlung Süddeutschland.
Ausstellung: Stuttgart 1984, Galerie Schurr. Graffiti Writers aus New York, 7. Juli - 31. August 1984.

Verkauft in Zürich für CHF 9 375 am 25. Juni 2016

Der in Spanish Harlem geborene Graffiti Künstler Delta 2  begann in den später 1970er Jahren seine Karriere mit „Subway-Paintings“ in New York. Inspiriert von Strassenkünstlerlegenden wie Blade, Ban 2 oder Lee entwickelte er seinen eigenen Stil und etablierte sich mit  seinem eigenen Künstlernamen Delta 2 unter den „Street Writers“. In den frühen 80er Jahren gründete er die Crew „Kings Arrive“ und wurde mit seinen Graffitis auf der  Subway-Linie 6 vom Pelham Bay bis Brookyln berühmt.

Damit einhergehend erlangte Delta 2 mit seinen schnellen, expressiven und auffälligen Kunstwerken, die sich über die ganze Stadt verteilten, auch internationale Aufmerksamkeit.  Ab den 84er Jahren wurden seine Arbeiten in der Gallozzi-La Placa Galerie in London sowie in anderen europäischen Galerien gezeigt und ihm kam sogar die Ehre zu, an Valentinos 25. Geburtstagsfeier bei den Spanischen Treppen in Rom teilzunehmen. 

Nach einer kurzen Europatournee und ersten Arbeiten auf Zügen, zog er sich aus dem Bereich der Strassenkunst zurück und fokussierte sich auf Arbeiten auf Leinwand sowie auf Stift- und Tuschezeichnungen. Das letztere genannte Medium entwickelte sich aus einem Mangel an Malutensilien während seiner Inhaftierung. Gegenwärtig beschäftigt sich Delta 2 hauptsächlich mit Auftragsarbeiten und ist an der jüngsten Ausstellung „Street Art – Bansky & Co“ im Palazzo Pepoli in Bologna (18.03-26.06.2016) vertreten.





LOVIS CORINTH, Zinnien. 1924.



Technologie von   


ARTMYN, ein Startup aus EPFL/LCAV, bietet eine bahnbrechende Lösung für die präzise Digitalisierung von Kunstwerken mit interaktivem Rendering auf mobilen Geräten, zugänglich über einen einfachen Webbrowser. Ein einzigartiger tragbarer Scanner erfasst Gigabytes von Daten, welche die Kunstwerke in seinen feinsten Details beschreiben und zusammen mit proprietären Webtechnologien einer True-to-Life-Visualisierung resultiert. Diese völlig neue Erfahrung ermöglicht es den Benutzern, sich auf eine emotionale Reise zu begeben, auf welcher die digitalen Kopien geradezu in realistischer Weise betrachtet werden können, ganz so als halte man die Originale in den eigenen Händen.
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AUKTION VON SPAZIERSTÖCKEN

KOLLER ARBEITET ZUSAMMEN MIT DEM VERBAND DER GEHSTOCKSAMMLER, CANEMANIA

KOLLER GENF lädt in Zusammenarbeit mit dem Verband der Gehstocksammler, CANEMANIA zu einer Sonderauktion dekorativer Spazierstöcke ein. Die Auktion wird am 16. September im Rahmen der 10. internationalen Konferenz der Gehstocksammler stattfinden und wird rund hundert originale Spazierstöcke, Griffe und Sonnenschirme aus dem 17. bis 20. Jahrhundert umfassen.
 
Zögern Sie nicht und nutzen Sie diese Gelegenheit, um Ihre Gehstöcke – von aufwändigen Systemstöcken bis hin zu kunstvollen Wanderstöcken - in dieser aussergewöhnlichen Auktion anzubieten. Unsere Spezialisten stehen Ihnen gerne für eine kostenlose und vertrauliche Schätzung Ihrer Objekte zur Verfügung.


Kontakt :
KOLLER GENF
+41 22 311 03 85
geneva@kollerauctions.com





Flieg mich zu den sternen

SYLVIE FLEURY

(Genf 1961 - lebt und arbeitet in Genf)

First Spaceship on Venus. 1995.

Verzinktes Stahlblech und Stahl.

Höhe 218 cm.

CHF 15 000 – 25 000

Auktion am 25. Juni 2016

Sylvie Fleury, 1961 in Genf geboren, ist Objekt-, Installations- und Performancekünstlerin. Seit den 1990ern hat sie mit Objekten und Installationen von Luxusgütern wie Kosmetik und Mode auf sich aufmerksam gemacht. Diese Werke wie „C’est la Vie!“ aus 1990, ihre Shopping Bags, wo ein Haufen Einkaufstaschen von Luxusmarken wie Chanel auf dem Boden stehen, weisen auf das heutige Konsumverhalten und die starke Aura und Macht dieser allgegenwärtigen Marken hin. Auch sehen viele darin eine Kritik oder zumindest einen Vergleich mit dem modernen Konsumverhalten in der Kunst. Auch hier „konsumiert“ manch neuer Sammler Kunst wie ein Luxusgut, und Galerien bereiten sich bereits nach der Vernissage auf eine neue Ausstellung vor. Kunst wird, wie auch die neusten Trends der Mode, schnell konsumiert und rasant geändert. Doch übt Fleury nicht direkt Kritik an diesem Ablauf, sondern stellt es eher als Tatsache und Realität in den Raum. Es ist dem Betrachter überlassen sich kritische Gedanken darüber zu machen.

Auch bringt sie durch ihre Werke etwas sehr Weibliches in die männerdominierte Kunstszene. Viele ihrer Stücke bestehen aus typisch männlichen Objekten wie Autos, Motoren und Raketen, die Fleury aber in ein Material oder eine Farbe kleidet, die sehr weiblich ist. So entstehen fellüberzogene oder hoch polierte Spaceships in den Farben der neusten Kosmetikkollektionen oder etwa goldene Hochglanzmotoren und Pneus.

Unser Spaceship, aus Stahl und verzinktem Stahlblech, welches eine schimmernde, polierte Oberfläche bietet, zeigt Fleurys Befassung mit traditionell maskulinen Gegenständen, aber auch eine Auseinandersetzung mit dem Weltall und Glauben, ein weiteres wichtiges Thema ihrer Werke.





Robert Rotar; Kunst im Zeit-Raum Kontinuum

Robert Rotar with his Painting Machine, circa 1963

Robert Rotar war einer der aussergewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts. Während vier Jahrzehnten bezog er seine Inspiration aus einem unglaublich grossen Fundus an Interessen, die von Numerologie bis hin zu Nuklearphysik reichte und durch welche er sein künstlerisches Werk einzig und allein einer einzigen Form verschrieb: der Spirale.

1926 in Berlin geboren, erlebt Robert Rotar den Zweiten Weltkrieg als Panzerfahrer. Nach Dem Krieg schliesst er erfolgreich eine Lehre als Tischler ab und studiert in Köln und Bremen Malerei sowie Möbel- und Raumgestaltung. Seine Tätigkeit als Innenarchitekt und als Manager bei dem Möbel-Design Unternehmen Knoll in Stuttgart und später in Düsseldorf bringen ihn mit zeitgenössischen Künstlern wie Joseph Beuys und Lee Byars, mit wichtigen Architekten wie Mies van der Rohe sowie den führenden deutschen Galeristen und Kunsthändlern der 60er Jahre in Kontakt. Obwohl Rotar eine eher introvertierte Person ist, verbindet ihn neben all seinen Bekanntschaften eine besondere Freundschaft mit Beuys und Byars. Ab 1973 entscheidet sich Rotar dafür, sich nun ausschliesslich der Malerei und der Fotografie zu widmen.



ROBERT ROTAR
(Berlin 1926 - 1999 Düsseldorf)
Ohne Titel. Öl auf Leinwand.
80 x 80 cm. Auktion am 25. Juni 2016
Schätzung CHF 15 000 – 25 000

Bereits 1947/48 setzt er sich erstmals malerisch mit der Spirale auseinander. „Ich male Spiralen, in jeder Form. Mich fasziniert deren Entstehen durch die Fliehkraft. Gleich der Relativitätstheorie bediene ich mich dem Phänomen Zeit in Verbindung mit der Rotation als 4. Koordinate im Raum. Während ich subjektiv zwei 'fixe' Punkte miteinander verbinde, wird die Spiraltendenz sichtbar." (zit. Robert Rotar 1969, auf: www.rotar22.de). 1963, im selben Jahr als Rotar nach New York reist und Mies van der Rohe trifft, erfindet er gerade eine „Malmaschine“, um sein Konzept der Spirale im Raum-Zeit-Kontinuum wiederzugeben.

Da seine Weltanschauung in gleichem Masse von Wissenschaft und Philosophie geprägt ist, deckt sein Wissen eine ganze Palette von Bereichen ab. In der Wissenschaft setzt sich Rotar mit Astrophysik, Atomphysik, Molekularbiologie sowie Hirn- und Genforschung auseinander und er kennt die führenden zeitgenössischen Wissenschaftler der jeweiligen Gebiete persönlich. Sein philosophisches Interesse gilt der Hermetik, der ideengeschichtlich älteren Magie und Astrologie, der Alchemie, dem jüdischen Kabbala und Tarot, den Weltreligionen, dem Neuplatonismus, antiken Mysterienreligionen und Esoterik, der Runenkunde, der Zahlensymbolik u.v.m.

Rotars kreativer Prozess zeigt die Verbindung zwischen seinen wissenschaftlichen und philosophischen Gedanken auf, während seine Malerei als ein wissenschaftliches Experiment, erreicht durch Meditation, angesehen werden kann. „Malerei ist für mich ein Wagnis“, sagt Rotar 1978, „weil in der Entwicklung – Experiment – das Ergebnis vorher nicht feststeht. (…) Zum anderen nimmt das Gefühl von Raum und Zeit in meinen Gestaltungskriterien einen höheren Stellenwert ein als die optische Reflexion. Aus diesen Gründen sind auch wichtige Arbeiten mit geschlossenen Augen gemalt, weil es mir so möglich erscheint, die meditative Reflexion auch auf den Betrachter wirken zu lassen.“

„Rotar hat häufig in tranceartigem, meditativem Zustand gemalt, sich ganz auf die geistige Situation konzentriert“, schreibt Kunsthistorikerin und enge Freundin Rotars Ingrid Skiebe. „Doch nicht die spontane Gestik bestimmt seinen künstlerischen Impetus, sondern die geistige Auseinandersetzung mit dem Motiv der Spirale. Die Spirale, für Rotar Sinnbild des Unendlichen, Uranfänglichen und Urewigen , war ihm das Thema, in dem er Grundfragen des Kosmos und Seins künstlerisch am konsequentesten zum Ausdruck bringen konnte.“


Auktionsnachbericht

Frühjahrsauktionen bei Koller Zürich vom 17. bis 23. März


Michaelina Wautier, Porträt von Martino Martini, verkauft für CHF 480 500.

Neuer Rekord für Altmeistergemälde bei Koller Zürich

Die Auktionswoche für Alte Kunst verzeichnete zahlreiche hervorragende Resultate. Besonders gefragt waren die angebotenen Arbeiten von Caspar David Friedrich, Osias Beert und Michaelina Wautier. Für letzteren Künstler darf Koller mit einem Ergebnis von rund einer halben Million Schweizer Franken für das Porträt eines Jesuiten-Missionars den neuen Künstlerrekord für sich beanspruchen.

Osias Beert, verkauft für CHF 480 500.

Gemälde Alter Meister

Eines der lediglich 25 bekannten Gemälde des flämischen Malers Michaelina Wautier gehörte zu den Highlights der Auktion für Altmeistergemälde. Ein erstes dieser raren Werke durfte Koller 2003 zum damaligen Künstlerrekord von CHF 54 000 verkaufen. Mit einem weit über den Erwartungen liegenden Ergebnis von CHF 480 500 für das nun angebotene Porträt des Jesuiten-Missionars Martino Martini in asiatischer Kleidung darf das Schweizer Auktionshaus den Rekord für ein Gemälde von Wautier erneut für sich beanspruchen (Lot 3057). Erfolgreich konnte auch das frühe und seltene Stillleben von Osias Beert vermittelt werden, welches ebenfalls CHF 480 500 erzielte (Lot 3031)


Eduard Grützner, verkauft für CHF 67 700.

Gemälde des 19. Jh.

Weit über den Schätzungen lagen die Ergebnisse für Gemälde aus der Serie zu passionierten Bier- und Weingeniessern in ihren Kellergewölben des bayrischen Malers Eduard Grützner. So brachte das auf CHF 15 000 bis 20 000 geschätzte Porträt eines sichtlich zufriedenen Braumeisters mit Zigarre CHF 67 700 (Lot 3209). Eine Waldlandschaft von Jean-Baptiste Camille Corot, die einst im Besitz des schottischen Eisenbahningenieurs James Staats Forbes war, ging für CHF 84 500 in neuen Besitz (Lot 3214) und die erfrischende Ansicht des Hafens von Marseille von Félix François Ziem versteigerte sich bei CHF 59 300 (Lot 3205).


Porträt des Prinzen Alexandros Mavrokordatos, verkauft für CHF 30 500.

Zeichnungen und alte Graphik

Über dem Doppelten seiner Schätzung lag das Ergebnis für die Bleistiftzeichnung einer kahlen Eiche des 29-jährigen Caspar David Friedrich. Für die ehemals zur Sammlung der Kunsthalle Mannheim gehörende Skizze, welche bereits ein typisches Beispiel für Friedrichs Naturporträts darstellt, wurden CHF 65 300 geboten (Lot 3457). Dreimal höher als die Schätzung lag ferner ein Porträt des griechischen Premierministers und Freiheitskämpfers Alexandros Mavrokordatos von Suzanne Eynard-Chatelin mit CHF 30 500 (Lot 3468).


Meissen Flaming-Tortoise-Platte
verkauft für CHF 36 500.

Porzellan und Silber

Mit einem Erlös von CHF 36 500 war die äusserst seltene Flaming-Tortoise-Platte in Kakiemon-Stil aus dem Besitz Augusts III., König von Polen und Kurfürst von Sachsen, das Top-Lot der Sammlung Max Fahrländer (Lot 1737). Mit angebrachter August-Rex-Marke war die in den 1730er-Jahren gefertigte Platte nicht nur Teil der privaten Sammlung Augusts III., sondern auch Zeuge eines Französisch-Sächsischen Skandals mitsamt Betrug, Gier und dem Fall des mächtigen sächsischen Kabinettsministers Carl Heinrich von Hoym (die detaillierte Geschichte finden Sie hier). Zu den weiteren Highlights der Auktion zählten eine Meissen-Platte aus dem Sulkowski-Service für einen Kindheitsfreund August III. für CHF 30 500 (Lot 1778) sowie eine aussergewöhnlich geformte Meissner Chinoiserie-Terrine für CHF 22 100 (Lot 1775).


Louis Renard, verkauft für CHF 90 500.

Bücher und Autographen

Die Auktion von Büchern und Autographen führte einige sehr fein illustrierte naturhistorische Bände aus Privatsammlungen auf. Darunter ein frühes Werk aus dem 18. Jh. von Louis Renard, das zu den frühesten Büchern mit Illustrationen exotischer Fische zählt. Mit einem Ergebnis von CHF 90 500 löste das sehr begehrte Werk, dessen Illustrationen talentierte Seefahrer der Ostindischen Handelskompanie «on the spot» schufen, mehr als das Doppelte seiner Schätzung (Lot 353). Ebenso umkämpft war François Levaillants 1801-05 geschaffenes Werk über Papageien, das für CHF 102 500 ersteigert wurde (Lot 356). Die Gesamtausgabe der ersten Auflage von Diderots und D’Alemberts «Encyclopédie» mit den damals vom Vatikan verbotenen Bänden, erzielte ferner CHF 90 500 (Lot 328). Hohe Gebote fielen auch für mehrere Künstlerkorrespondenzen. So brachte es die umfangreiche Korrespondenz zwischen Oskar Kokoschka und dem damaligen Direktor des Kunsthauses Zürich, Wilhelm Wartmann, auf CHF 10 000, und die Briefe und Postkarten von Edvard Munch aus den 1920ern und 1930er Jahren auf CHF 23 300 (Lots 420 und 421).


Marilyn Monroe von Bert Stern,
verkauft für CHF 23 300

Photographie

Das von Bert Stern handkolorierte Porträt «Marilyn Monroe mit orangen Rosen» aus dessen berühmten «Last Sitting» war einem Sammler CHF 23 300 wert, womit das Ergebnis über dem Vierfachen der Schätzung zu liegen kam (Lot 561). Ein Album mit Vintage-Photos von Rio de Janeiro aus dem Jahr 1880 von Marc Ferrez erzielte CHF 7 500 (Lot 525), und ein bezaubernder Frauenakt des Schweizer Photographen René Groebli ging bei CHF 6 875 in neuen Besitz (Lot 557).


Perlen-Diamant-Broche, Chaumet,
verkauft für CHF 17 300.

Schmuck

Von einer Schätzung von CHF 160 000 auf ein Ergebnis von CHF 192 500 gesteigert wurde ein klassischer Burma-Saphir-Diamant-Ring mit Saphir von 13.7 ct (Lot 2033). Aber nicht nur das Top-Lot, sondern auch die vielen Lots signierter Schmuckstücke wie etwa von Cartier, Chaumet oder Bulgari waren begehrt. So erzielte eine mit Perlen und Diamanten besetzte Broche von Chaumet CHF 17 300 (Lot 2032) und ein Saphir-Diamantring von Bulgari CHF 48 500 (Lot 2182).


Damenbureau, Louis XV, J.-P. Latz zugeschrieben, verkauft für CHF 192 500.

Möbel und Dekorationen

Die Gebote für qualitativ hochstehende Möbel lagen auch an der Möbelauktion vom 23. März hoch. Das exquisite Damenbureau von J. P. Latz mit feinen Intarsien und Bronze-Monturen mit seltenem «c couronné-Stempel» ersteigerte ein Schweizer Privatsammler für 192 500 (Lot 1107). Für CHF 79 700 ging eine italienische Rococo-Konsole in privaten russischen Besitz (Lot 1037) und der vom genovesischen Meister Andrea Torazza in der Mitte des 18. Jh. gefertigte mechanische Spieltisch konnte für CHF 72 500 in eine italienische Privatsammlung nach Genova vermittelt werden (Lot 1051).



Koller Auktionen versteigert Giovanni Giacomettis berühmtes Flimser-Panorama

Am 24. Juni 2016 versteigert Koller Auktionen in Zürich im Rahmen ihrer Auktion Schweizer Kunst das ebenso berühmte wie bedeutende Flimser-Panorama von Giovanni Giacometti. Das dreiteilige Werk entstand 1904 für das neu erbaute Park Hotel Waldhaus in Flims (das heutige Mountain Resort & Spa „Waldhaus Flims“) und gilt als wegweisend für die künstlerische Entwicklung Giacomettis. Im Mittelteil ist das Waldhaus Flims erkennbar, eingebettet in eine lichtdurchflutete Frühlingslandschaft mit Blick auf die das Tal umfassenden Alpenketten. Der rechte Teil zeigt den Caumasee mit der 1880 erbauten Badeanstalt, während Giacometti auf dem linken Bild eine weitere Ansicht des oberhalb des Sees gelegenen Kurhaus-Komplexes Waldhaus und Bellavista festhält.


Giovanni Giacometti. Das Flimser Panorama. 1904. Das Gemälde wird am 24. Juni 2016 bei Koller in Zürich versteigert. Die Preiserwartung liegt bei 3 und 4 Mio. Franken.
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Ein Schlüsselwerk in Giacomettis künstlerischer Entwicklung

Während sich Giacomettis Malweise bereits in der mittleren, grossartigen Panoramaansicht von demjenigen seines wenige Jahre zuvor verstorbenen Vorbildes Giovanni Segantini distanziert, entwickelt Giacometti vor allem in den Seitenbildern einen progressiven und eigenständigen Stil. Damit ist das Flimser-Panorama nicht nur ein ästhetisch herausragendes Gemälde, sondern auch ein kunsthistorisch bedeutendes Werk, das am Beginn von Giovanni Giacomettis künstlerischem Durchbruch steht.

Giovanni Giacometti

(Stampa 1868 – 1933 Glion) Panorama von Flims.

1904. Öl auf Leinwand.

Monogrammiert und datiert auf dem Mittelteil unten links:
GG 1904. 150 x 100 cm, 180 x 200 cm, 150 x 100 cm.


In Vergessenheit geraten und nach 80 Jahren wiederentdeckt

Wenige Jahre nach seiner Vollendung und Platzierung im Waldhaus Flims 1904 wurde das Werk aus bis heute nicht gänzlich geklärten Gründen wieder entfernt. Danach geriet das Bild jahrzehntelang in Vergessenheit bis es rund 80 Jahre später im August 1986 vom damaligen Direktor Josef Müller im Fundus des Waldhaus Flims wiederentdeckt wurde. In Anwesenheit von Giovannis Sohn Bruno Giacometti und begleitet von grossem Medienecho wurde das wiedergefundene Werk 1987 der Öffentlichkeit vorgestellt und blieb danach bis vor kurzem im Waldhaus Flims ausgestellt. Letztes Jahr wurde das Waldhaus Flims von der Gruppe Z Capital Partners erworben, welche das Hotel bald renovieren wird, um das historische Traditionshaus und Flims für seine zahlreichen Gäste noch attraktiver zu gestalten. Der Entscheid von Z Capital Partners zum Verkauf des Flimser Panoramas begründet sich aus der Überzeugung, dass ein so bedeutendes Werk in einer öffentlichen oder privaten Sammlung besser aufgehoben ist als in einem beliebten und stark frequentierten Hotel.


 

ÜBER KOLLER AUKTIONEN


Koller ist das führende Schweizer Auktionshaus mit Repräsentanzen in London, München, Düsseldorf, Hamburg, Genua, Beijing und Moskau. Pro Jahr führt Koller in Zürich und Genf über 30 Auktionen in 20 Fachbereichen durch. Das Spektrum an Sammelgebieten erstreckt sich dabei von Asiatica, Alter und Zeitgenössischer Kunst bis hin zu Schmuck und Wein. Regelmässig erzielt Koller Rekordpreise und kann sich eines international breit gefächerten Bieterpublikums erfreuen. Mit einem Team ausgewiesener Experten für jedes Fachgebiet sowie der Mitgliedschaft bei “International Auctioneers“ vereinigt das Familienunternehmen die Vorteile eines international tätigen Auktionshauses mit Schweizer Effizienz und Verlässlichkeit.