Lot 3621* - A215 Grafik & Multiples - Donnerstag, 27. November 2025, 10.00 Uhr
PABLO PICASSO
(Málaga 1881–1973 Mougins)
Buste de femme d'après Cranach le Jeune. 1958.
Farblinolschnitt in 5 Farben. Épreuve d'artiste, eines von 15 Künstlerexemplaren ausserhalb der Auflage von 50. Unten rechts mit rotem Farbstift signiert: Picasso. Darstellung 64,5 × 53,5 cm auf Vélin von Arches (mit dem Wasserzeichen) 76,5 × 56,5 cm. Erschienen bei galerie Louise Leiris, Paris. Gedruckt bei Arnéra, Vallauris.
Provenienz:
- Dr. Julian de Ajuriaguerra, direkt vom Künstler ca. 1960 erhalten.
- Sammlung USA, durch Erbschaft erhalten.
Werkverzeichnis:
- Bloch, Nr. 859.
In den 1950er-Jahren entdeckt Pablo Picasso den Linolschnitt als künstlerische Ausdrucksform für sich neu. Die Farblinolschnitte, die zwischen 1954 und 1963 in Zusammenarbeit mit dem Drucker Hidalgo Arnéra im südfranzösischen Vallauris entstehen, zählen heute zu den bedeutendsten grafischen Werkgruppen seines Spätwerks.
Besonders innovativ im Umgang mit dem Medium des Hochdrucks zeigt sich seine Arbeit durch die Anwendung des „verlorenen Schnitts“. Dabei schnitzt er alle Farben in einer einzigen Linolplatte, die er schrittweise bearbeitet. Nach dem Druck jeder Farbstufe wird die Platte weiter weggeschnitten, wodurch frühere Stufen unwiederbringlich verloren gehen. Diese Methode erlaubt zwar keine Korrekturen oder Wiederholungen, führt aber zu einer aussergewöhnlich präzisen Registerhaltung und einer eindrucksvollen gestalterischen Dichte. Picasso beherrscht diese Technik mit Virtuosität und schafft Werke von grosser Farbintensität, klarer Struktur und formaler Kraft.
Mit "Buste de femme, d’après Cranach le Jeune" greift Pablo Picasso im Jahr 1958 ein Motiv der deutschen Renaissance auf und interpretiert es in seiner eigenen modernen Bildsprache neu. Der Anlass für diesen Farblinolschnitt ist eine kleine Reproduktion: eine Postkarte, die sein Galerist und Freund Daniel-Henry Kahnweiler aus Wien an ihn sendet. Sie zeigt ein Damenporträt von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515–1586), betitelt "Bildnis einer Frau", das im Jahr 1564 entsteht und heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt wird (vgl. Abb. 1).
Cranach der Jüngere ist, wie sein Vater, bekannt für Darstellungen höfischer Damen, die durch ideale, dekorative Elemente, formale Strenge und klare Kompositionen geprägt sind. Charakteristisch für seinen Stil sind eine lineare Bildsprache mit klar umrissenen Konturen, feiner Modellierung sowie eine emblematische Symbolik, die den Porträts eine repräsentative und zugleich zeitlose Wirkung verleiht.
Picasso beginnt mit einem einfachen zweifarbigen Probedruck im Juli 1958. Doch damit gibt er sich nicht zufrieden. Schritt für Schritt entwickelt er eine komplexe Komposition, die aus fünf separaten Farbplatten besteht – in Ocker, Gelb, Blau, Rot und Schwarz. In zahlreichen Versuchen kombiniert er die Farben neu, experimentiert mit Überlagerungen und Transparenzen. Erst nach intensiver Arbeit entscheidet er sich für die finale Farbvariante, auf der auch das vorliegende Exemplar basiert, ein Künstlerexemplar ausserhalb der Auflage von 50, welche von Louise Leiris herausgegeben wird.
Besonders bemerkenswert ist die Wirkung der Farbschichtung: Die übereinander gedruckten Farbflächen erzeugen mit einer handwerklichen Raffinesse eine ungewöhnliche Tiefe und Dreidimensionalität, wodurch das Werk eine starke visuelle Präsenz gewinnt. Picasso transformiert das ursprüngliche Bildnis radikal in seiner eigenen Ausdrucksweise: Aus der eleganten, detailreichen Dame entsteht eine streng frontale, beinahe maskenhafte Figur. Die Züge sind geometrisch abstrahiert, die Augen weit geöffnet, der Mund geschlossen. Das Gesicht ist zugleich archaisch und modern, reduziert auf seine elementaren Formen.
Besonders innovativ im Umgang mit dem Medium des Hochdrucks zeigt sich seine Arbeit durch die Anwendung des „verlorenen Schnitts“. Dabei schnitzt er alle Farben in einer einzigen Linolplatte, die er schrittweise bearbeitet. Nach dem Druck jeder Farbstufe wird die Platte weiter weggeschnitten, wodurch frühere Stufen unwiederbringlich verloren gehen. Diese Methode erlaubt zwar keine Korrekturen oder Wiederholungen, führt aber zu einer aussergewöhnlich präzisen Registerhaltung und einer eindrucksvollen gestalterischen Dichte. Picasso beherrscht diese Technik mit Virtuosität und schafft Werke von grosser Farbintensität, klarer Struktur und formaler Kraft.
Mit "Buste de femme, d’après Cranach le Jeune" greift Pablo Picasso im Jahr 1958 ein Motiv der deutschen Renaissance auf und interpretiert es in seiner eigenen modernen Bildsprache neu. Der Anlass für diesen Farblinolschnitt ist eine kleine Reproduktion: eine Postkarte, die sein Galerist und Freund Daniel-Henry Kahnweiler aus Wien an ihn sendet. Sie zeigt ein Damenporträt von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515–1586), betitelt "Bildnis einer Frau", das im Jahr 1564 entsteht und heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt wird (vgl. Abb. 1).
Cranach der Jüngere ist, wie sein Vater, bekannt für Darstellungen höfischer Damen, die durch ideale, dekorative Elemente, formale Strenge und klare Kompositionen geprägt sind. Charakteristisch für seinen Stil sind eine lineare Bildsprache mit klar umrissenen Konturen, feiner Modellierung sowie eine emblematische Symbolik, die den Porträts eine repräsentative und zugleich zeitlose Wirkung verleiht.
Picasso beginnt mit einem einfachen zweifarbigen Probedruck im Juli 1958. Doch damit gibt er sich nicht zufrieden. Schritt für Schritt entwickelt er eine komplexe Komposition, die aus fünf separaten Farbplatten besteht – in Ocker, Gelb, Blau, Rot und Schwarz. In zahlreichen Versuchen kombiniert er die Farben neu, experimentiert mit Überlagerungen und Transparenzen. Erst nach intensiver Arbeit entscheidet er sich für die finale Farbvariante, auf der auch das vorliegende Exemplar basiert, ein Künstlerexemplar ausserhalb der Auflage von 50, welche von Louise Leiris herausgegeben wird.
Besonders bemerkenswert ist die Wirkung der Farbschichtung: Die übereinander gedruckten Farbflächen erzeugen mit einer handwerklichen Raffinesse eine ungewöhnliche Tiefe und Dreidimensionalität, wodurch das Werk eine starke visuelle Präsenz gewinnt. Picasso transformiert das ursprüngliche Bildnis radikal in seiner eigenen Ausdrucksweise: Aus der eleganten, detailreichen Dame entsteht eine streng frontale, beinahe maskenhafte Figur. Die Züge sind geometrisch abstrahiert, die Augen weit geöffnet, der Mund geschlossen. Das Gesicht ist zugleich archaisch und modern, reduziert auf seine elementaren Formen.
CHF 350 000 / 500 000 | (€ 360 820 / 515 460)
Verkauft für CHF 597 600 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.