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Lot 3216 - A215 Impressionismus & Moderne - Freitag, 28. November 2025, 16.30 Uhr

PAUL CÉZANNE

(1839 Aix-en-Provence 1906)
L'après-midi à Naples ou Le punch au rhum. 1876/77.
Öl auf Leinwand.
14,7 × 24 cm.

Provenienz:
- Ambroise Vollard, Paris.
- Alexandre Berthier de Wagram (Prinz von Wagram), Paris, 1906.
- Ambroise Vollard, Paris.
- Alphonse Kann, Saint-Germain-en-Laye, 1909.
- Ambroise Vollard, Paris.
- Reid & Lefèvre, London.
- Galerie Bénézit, Paris.
- Galerie Bernheim-Jeune, Paris, 1955–70.
- Sammlung Fanny und Bernard Watel, Lausanne, um 1970 in obiger Galerie erworben und durch Erbschaft an die heutigen Besitzer.

Ausstellung:
London 1954, French Paintings. XIX and XX Centuries, Alex Reid & Lefèvre, 1954, Nr. 3.

Literatur:
- Walter Feilchenfeldt, Jayne Warman und David Nash: The paintings, watercolors and drawings of Paul Cezanne, Nr. FWN 645 (Onlinewerkverzeichnis: https://www.cezannecatalogue.com/catalogue/entry.php?id=287).
- John Rewald: The Paintings of Paul Cézanne. A Catalogue Raisonné, New York 1996, Bd. 2, Nr. 289 (mit Abb.).
- Lionello Venturi: Cézanne. Son art, son œuvre, Paris 1936 (rev. Ausgabe San Francisco 1983), Bd. I, S. 91, Nr. 112.
- René Huyghe: Cézanne, Paris 1936, Tafel 12.
- Kurt Badt: Die Kunst Cézannes, München 1956, S. 227.
- John Rewald: The History of Impressionism, New York 1961, S. 170 (mit Abb., falsche Datierung).
- Theodore Reff: Cézanne's 'Dream of Hannibal', in: The Art Bulletin 45, Nr. 2, Juni 1963, S. 151.
- Meyer Schapiro: Paul Cézanne, Paris 1973, S. 53 (mit Abb.).
- Guila Ballas: Cézanne. Baigneuses et baigneurs. Thème et composition, Paris 2002, S. 310, Nr. 268 (mit Abb.).
- Wayne V. Andersen: Cézanne and the Eternal Feminine, Cambridge 2004, S. 129, Nr. 75 (mit Abb.).
- Bertram Schmidt: Cézannes Lehre, Kiel 2004, Nr. 65.
- Guy-Patrice und Floriane Dauberville: Paul Cézanne chez Bernheim-Jeune, Paris 2020, Nr. 264 (mit Abb.).

Wir danken Walter Feilchenfeldt für die Bestätigung der Authentizität des Werks.

Das Gemälde "L’après-midi à Naples" oder "Le punch au rhum" entsteht in den Jahren 1876/77. Es gehört zu einer kleineren Werkgruppe, in der sich Paul Cézanne mit erotischen Themen auseinandersetzt. Beim vorliegenden Gemälde handelt es sich vermutlich um die kleinere Fassung eines gleichnamigen Werks, das Cézanne rund zehn Jahre zuvor konzipiert hat und das heute als verschollen gilt.

Cézanne verbindet hier den klassischen Topos des Bacchanals und des Aktes mit einem bürgerlich-intimen Interieur. Den Anstoss zu dieser Serie von Figurenkompositionen gibt vermutlich Édouard Manets 1863 entstandenes und seinerzeit skandalös aufgenommenes Gemälde "Olympia", das Cézanne kurze Zeit später auf eigene Weise unter dem Titel "Une moderne Olympia" neu interpretiert.
In dieser Zeit malt Cézanne eine kleine Anzahl ähnlicher Werke, die sich jedoch jeweils in Komposition und Figurenanordnung unterscheiden. Allen gemeinsam ist die Auseinandersetzung mit der Anordnung des menschlichen Körpers im geschlossenen Raum sowie mit dem Verhältnis zwischen figürlicher Darstellung und malerischer Konstruktion.

Hier zeigt Cézanne zwei eng umschlungene, liegende Akte auf einem Bett, während eine dritte Figur den Liegenden eine Schale mit Rumpunsch reicht. Das Geschehen spielt sich in einem engen von schweren Draperien umschlossenen Interieur ab.
Der Aufbau der Komposition, die gedrängte Raumstruktur und die präzise Modellierung der Körper verweisen auf Cézannes intensive Beschäftigung mit den Meistern des 17. Jahrhunderts, insbesondere mit Peter Paul Rubens. Gewisse Elemente wie die zur Seite gezogene Draperie und die körperbetonte, voluminöse Figurenfügung lassen eine bewusste Bezugnahme auf barocke Vorbilder erkennen.

Zugleich löst sich Cézanne in diesem Werk bereits von der schweren, dunklen Malweise seiner frühen Jahre. Camille Pissarro, der ihm ab 1872 als Mentor zur Seite steht, ermutigt ihn, ausschliesslich mit den drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau zu arbeiten. Unter diesem Einfluss öffnet sich Cézannes Malerei einer helleren, transparenteren Palette, deren Wirkung in diesem Werk bereits deutlich spürbar ist. Auch die zuvor pastose Farbmasse weicht einem lockeren Farbauftrag, welcher der Oberfläche eine lebendige Struktur verleiht. Hier kündigt sich sowohl farblich als auch formal bereits jener "cézanneske" Stil an, der später sein Werk prägen wird.

Als erster Besitzer des Werkes gilt der bekannte Kunsthändler Ambroise Vollard, der massgeblich zum Erfolg Paul Cézannes beitrug.
Vollard trifft Cézanne 1894 in Aix-en-Provence, wo der Künstler zurückgezogen und in bescheidenen Verhältnissen lebt. Begeistert von Cézannes Malerei organisiert Vollard 1895 in einer Pariser Galerie die erste Einzelausstellung des Künstlers. Obwohl die Schau kommerziell kein grosser Erfolg ist, erweist sie sich als kunsthistorisch bedeutsam: Junge Künstler wie Picasso, Matisse und Braque besuchen die Ausstellung, sehen dort zum ersten Mal Cézannes Werke und werden von ihnen nachhaltig beeinflusst.

CHF 450 000 / 650 000 | (€ 463 920 / 670 100)

Verkauft für CHF 573 200 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr.