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Lot 3037 - Z28 Swiss Art - Thursday, 24. June 2010, 02.00 PM

GIOVANNI GIACOMETTI

(Stampa 1868–1933 Glion)
In Capolago, Blick auf Corvatsch. Um 1926.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts monogrammiert: GG.
50 x 55 cm.

Literatur: - Müller, Paul und Viola Radlach: Giovanni Giacometti, Werkkatalog der Gemälde, Band II/2, Zürich 1997, S. 500. Nr. 1926.07 - Ausst. Kat. Das Portrait - als Bildnis und als Landschaft. Zum Individuellen in der künstlerischen Darstellung. Zürich 1988, S. 244f, Nr. 49, mit Abbildung Ausstellungen: Glarus 1970, Nr. 53 (Das Atelierhaus des Künstlers in Capolago, Maloja) Zürich 1988, Nr. 48, Farbabb. S. 49. Mit der Landschaft In Capolago, Blick auf Corvatsch ist Giovanni Giacometti mit uns als Betrachter aus seinem Atelier getreten, wenige Schritte auf einen kleinen Hügel gestiegen und hat sich der Landschaft zugewandt. Sein Blick folgt dem Zickzack aus Zaun, Dächern und Treppe in der kleinen Ortschaft vor ihm, erspäht zwischen den Dächern den blau schimmernden Silsersee und kommt schliesslich auf dem Piz Corvatsch im Hintergrund zur Ruhe. Die schmalen Schneefelder dieses mächtigen, 3451 m hohen Oberengadiner Bergs, das satte Grün in den Gärten von Capolago und das kurzarmige blaue Kleid der arbeitenden Frau in der linken Bildmitte geben uns den Hinweis: Es ist Sommer im Engadin, und der Maler geniesst, wie häufig seit 1901, die warmen Monate in diesem kleinen Weiler bei Maloja. 1909 hatte ein Onkel seiner Frau Annetta dort sein Haus vermacht, und zwei Jahre später baute der Maler dessen Scheune zum Atelier aus. Den Blick über Capolago zum Corvatsch hat Giacometti mehrfach eingefangen. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen dem hier angebotenen Werk und dem um 1907 entstandenen Blick über Capolago und den Silsersee (Musée d'Orsay, Paris; Müller, Paul und Viola Radlach: Giovanni Giacometti, Werkkatalog der Gemälde, Band II/1, Zürich 1997, S. 258. Nr. 1907.35 mit Abb. auf S. 259). Dieser gehört "in der ausgeprägten Stilisierung des Pinselduktus […] zu den experimentellsten [Werken] des Künstlers. Giacometti radikalisiert hier gleichsam das divisionistische Prinzip […]." Zwei Jahrzehnte später hat er längst zu seiner freien Malweise und lichtdurchfluteten Landschaften gefunden. 1928 malt Giacometti Capolago (Privatbesitz, op. cit, Band II/2, Nr. 1928.16, S. 518 mit Abb. S. 519), in dem das auch in unserem Gemälde vorhandene Bauernhaus mit der nach links unten führenden Treppe erkennbar ist. Zwei Jahre zuvor realisiert Giacometti neben unserem Bild auch Capolago (Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne, op. cit, Band II/2, Nr. 1926.08, S. 500 mit Abb. S. 501), in dem er einen leicht erhöhten Standpunkt über den Häusern einnimmt. Ausserdem fehlt im Lausanner Bild der Zaun, der in der hier angebotenen Landschaft zum wichtigen Bildelement wird. Er bietet zum Grün des Gartens einen reizvollen Farbkontrast und fängt in der trapezförmigen Verlängerung der Hausflucht den Blick der Betrachter auf der linken Bildseite auf. Abgesehen von diesen kompositorischen Überlegungen hat vielleicht ein persönlicher Grund dazu geführt, dass der Maler dem Zaun eine so dominante Stellung eingeräumt hat. Das frische orange-rötliche Holz verrät, dass die Abgrenzung erst kurz zuvor errichtet wurde. Möglicherweise hat Giacometti hier voller Stolz sein eigenes Projekt der Sommerfrische von 1926 verewigt. Folgt man dieser These, müsste im Werkkatalog das Lausanner Capolago unserem Werk in der Nummerierung vorangehen statt nachfolgen. Für unsere These spricht ein weiterer Hinweis: Häufig hat Giovanni Giacometti seine Frau Annetta bei der Hausarbeit in einem ähnlichen blauen Kleid festgehalten, wie die Frau, die sich hier neben dem Zaun über ihre Arbeit - wohl an einem Holzstapel - beugt.


CHF 350 000 / 500 000 | (€ 327 100 / 467 290)

Sold for CHF 372 000