Lot 395 - A176 Manuscripts & Autographs - Saturday, 19. March 2016, 02.00 PM

Giovanni d’Antonio da Bologna.

Bologna, ca. 1440.
Blatt aus einem franziskanischen Graduale mit der Initiale A und dem sich Gott hinwendenden David.
Pergament, 565 x 410 mm.
Provenienz: seit 1994 in Londoner Privatbesitz.

Das 1994 im Londoner Kunsthandel wieder aufgetauchte Blatt eröffnete den ersten Band eines Graduale (Proprium de Tempore), das die liturgischen Gesänge vom ersten Adventssonntag bis mindestens zur Epiphanie umfasste. Zwei weitere Blattfragmente gleichen Stils und vermutlich aus dem gleichen Verband, welche die Feste an Weihnachten und der Epiphanie betreffen, haben sich in der Sammlung der Fondazione Giorgio Cini in Venedig (Ms 2117, 2118) erhalten (G. Mariani Canova, 1978, S. 29-30).Das die Weihnachtsliturgie betreffende Blatt in Venedig zeigt im unteren Bereich der Initiale eine Gruppe betender Franziskaner, was für die drei Blätter auf eine franziskanische Provenienz schliessen lässt. Vorliegende mit der Seitenzahl 1 versehene Seite bildete folglich das Frontispiz des aufgebrochenen franziskanischen Graduals. Überzeugend konnte für unsere Blätter die Autorschaft des bolognesischen Buchmalers Giovanni d‘ Antonio geltend gemacht werden (Bel 1996, S. 28; A. De Floriani, 1996, S. 150-157). Seine künstlerische Identität konnte über das signierte und datierte (1432) Manuskript von Andrea da Budrio’s Commentarium super lib. II Decretalium pars II in der Biblioteca Nazionale in Neapel (MS. XIV.A. 21 erschlossen werden. (M. Medica 1987). Eine Serie stilverwandter Blätter eines franziskanischen Psalters lassen vermuten, dass dieser aufgebrochene liturgische Band aus dem gleichen Franziskanerhaus stammt wie die hier angesprochenen franziskanischen Graduale Blätter. Giovanni d‘Antonio da Bologna, dessen kultivierter Stil sich nicht allein an der lokalen Buchkunst der Nachfolge des Nicolò di Giacomo, sondern auch besonders an den spätgotischen Tendenzen der emilianischen Monumentalmalerei etwa des Meisters von Vignola oder Giovanni da Modena orientiert, gehörte im 2. Viertel des 15. Jahrhunderts zweifellos zu den führenden Buchmalern Bolognas. Es überrascht kaum, dass er zu seiner Zeit zu den gefragtesten Buchmalern der Este Stadt Ferrara gehörte, wo er für die dortigen Olivetaner Brüder einen prachtvoll illuminierten zweibändigen Psalter schuf (Ferrara, Museo Schifanoia, cod. I and O).

Bibliographie: S. Hindman, M Bollati, Illuminations, Katalog BEL, London 1996, S. 28; Anna De Floriani, in: La Spezia, Museo Civico Amedeo Lia. Miniature, Milano 1996, S. 150-157.

Zitierte Literatur: Giordana Mariani Canova, Miniature dell’ Italia Settentrionale nella Fondazione Giorgio Cini, Vicenza 1978, S. 29-30; Massimo Medica, Per una storia della miniature a Bologna tra Tre e Quattrocento. Appunti e considerazioni, in:Il Tramonto del Medioevo a Bologna. Il cantiere di San Petronio, exh. cat. 1987 (ed. R. D‘Amico, R Grandi), Bologna 1987, S. 186-188.

CHF 12 000 / 15 000

€ 10 530 / 13 160

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