Lot 566 - A186 Manuscripts & Autographs - Monday, 24. September 2018, 05.00 PM

Anonymer bolognesischer Buchmaler aus der Werkstatt des Giovanni d’Antonio da Bologna
Bologna, ca. 1445-50.

Blatt aus einem franziskanischen Psalter mit der Initiale B und dem musizierend, Gott huldigenden David sowie - auf der bas-de-page - die das Christuskind anbetende Gottesmutter. Dazugehörend eine Serie von x weiteren Blättern aus demselben Verband mit Filigraninitialen.
Pergament, 563 x 406 mm
Provenienz: Privatbesitz
Bibliographie: unveröffentlicht
Zitierte Literatur: Gaudenz Freuler Italian Miniatures from the Twelfth to the Sixteenth Centuries, Cinisello Balsamo 2013, S. S 312-337; Laura Zabeo, in: Angelo Tartuferi, Francesco D’ Arelli, L’ Arte di Francesco. Capolavori d Arte Italiana e terre d Asia dal XIII al XV secolo, Ausstellungskat. Florenz, Galleria dell’Accademia März-Oktober 2015; Florenz 2015, S.402-405; Massimo Medica in: Massimo Medica, Federica Toniolo (ed.) Le Miniature della Fondazione Giorgio Cini, Pagine , ritagli, manoscritti, Cinisello Balsamo 2016, S.314-315.

Die hier angebotenen Blätter, sind Teil eines zur napoleonischen Zeit aufgelösten und erst jüngst partiell rekonstruierten franziskanischen Psalters (Gaudenz Freuler 2013, S. 312-337). Die einzige illuminierte Buchseite dieses Konvoluts, kann aufgrund übereinstimmender Blattgrösse, Kongruenz in Stil und Seitenkonzept einwandfrei als Frontispiz dieses aufgebrochenen Manuskripts identifiziert werden. 14 weitere illuminierte Blätter aus dem gleichen Psalter befinden sich in einer mailändischen Privatsammlung (fig.1) und fünf weitere Buchseiten verteilen sich auf die Sammlung der Fondazione Giorgio Cini und Privatbesitz (fig.2). Der unbekannte, stilistisch etwas heterogene Buchmaler vorliegenden Blattes und dessen 19 bisher georteten Schwesterblätter kann einwandfrei der Werkstatt des Giovanni d’Antonio da Bologna zugeordnet werden. Auf letzteren geht das reiche Dekorationskonzept der Seite aus Goldplaketten mit eingewobenen Blütenranken und darin nistenden Fantasievögeln zurück. Deshalb könnte gar Giovanni d’ Antonio für das künstlerische Konzept der hier angesprochenen Serie von Psalter-Blättern geltend gemacht werden, während für die Ausführung jedoch ein anonymer Buchmaler verantwortlich gezeichnet hat, dessen Hand auch in den Miniaturen einer Serie weiterer franziskanischer Chorbücher auszumachen ist (Bologna, Museo Civico 547, a, 553, 549 , und Florenz Bargello, Antifonario A46), die ebenfalls von Giovanni d Antonio konzipiert wurden (M. Medica 2016, S. 314-315; Laura Zabeo 2015, S. 402-405). Das künstlerische Repertoire des ausführenden Buchmalers vereint aus Giovanni d’ Antonio’s Kunst geschöpfte Aspekte mit solchen des sogenannten Meisters von 1446, einem führenden, in Bologna tätigen Illustratoren, sowie unverkennbaren Anklängen an die norditalienische Buchmalerei der Lombardei und Veneto, insbesondere an den unbekannten Buchmaler des Gonzaga Psalters in der Bibliothèque Nationale in Paris MS. Latin 772, vgl. G. Freuler 2013, S 338-345). Das am rechten Blattrand erscheinende, in den Stern von Bethlehem eingebundene Christus-Symbol des Heiligen Bernhardin von Siena weist für unsere Buchseite und die dieser zuzuordnenden Schwesterblätter auf eine Herkunft aus einem Psalter, der für die Brüder eines franziskanischen Observanten Konvents, vielleicht für jene von San Paolo in Monte in Bologna, hergestellt wurde. - Prof.emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich

CHF 5 000 / 8 000

€ 4 390 / 7 020

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