Lot 3252* - Z31 Tableaux Impressionnistes & Modernes - vendredi, 09. décembre 2011, 16h00

MAGRITTE, RENÉ

(Lessines 1898 - 1967 Brussels)
La Mémoire. Circa 1940.
Gouache on paper.
Signed lower right: Magritte.
35.2 x 26.5 cm.

Provenienz: - Vor 1973 wohl in einer Sammlung in den USA. - Sotheby's London, 5. April 1973. - Acoris Gallery, London 1973, bei obiger Auktion erworben. - Christie's London, 5. Dezember 1978, Los 166. - Privatsammlung Deutschland, bei obiger Auktion erworben. Ausstellung: - London 1974: Acoris, Surrealist Masters, Kat.Nr. 45, London 1974. Literatur: - Sylvester, David. René Magritte, catalogue raisonné, Bd. IV: Gouaches, Temperas, Watercolours and Papiers Collées 1918-1967, Antwerpen 1994, S. 54, Kat.Nr. 1181 (mit Abb.). René Magritte ist in Belgien geboren und aufgewachsen, ab 1916 studiert er an der Brüsseler Akademie der Schönen Künste, wo er die kubistisch-futuristischen Strömungen der Zeit kennenlernt. Er arbeitet als Musterzeichner in der Tapetenfabrik, um für sich und seine Frau, Georgette, den Lebensunterhalt zu verdienen. Neben der Arbeit in der Fabrik malt er seine eigenen Bilder und entwickelt seinen für ihn so typischen klaren, gegenständlichen Stil. Ende der 20er Jahre zieht es ihn in die Nähe von Paris, dort erhält er zahlreiche Anregungen von den Bildern der Surrealisten, tief beeindruckt ist er von dem Werk "Lied der Liebe" von Giorgio de Chirico. Hierzu sagt Magritte selbst, dass es "einer der bewegendsten Momente in seinem Leben [war]. Zum ersten Mal haben meine Augen den Gedanken gesehen." Anfang des Jahres 1930 kehren Georgette und Magritte nach Brüssel zurück und hier entwickelt er nun seinen eigenen, für ihn so typisch sachlichen Malstil weiter. Die Gegenstände gibt er naturalistisch wieder, bringt sie jedoch in einen ungewöhnlichen Zusammenhang, so dass herkömmliche Seh- und Denkgewohnheiten erschüttert werden. Die alltäglichen und vertrauten Gegenstände oder Situationen haben plötzlich etwas Unerwartetes. Der klare und sachliche Stil, den er für die Wiedergabe von Objekten und Körpern wählt, darf nicht mit einer primitiven Malerei verwechselt werden. Martin Mariën sagt in einem Vorwort zu einer Ausstellung von René Magritte 1943 in Brüssel: "[...] l'on se leurre de tenter à ce propos un parallèle avec certains peintres primitifs:cette peinture est unique." Magrittes Malstil und seine Bilder sind einzigartig, seine Werke entstehen auf der Basis seiner Gedanken, die geprägt sind von strenger Klarheit und ironischer Frische. (Macel Mariën : " la rigueur et la fraîcheur de pensée qui président à son éclosion sont les instruments très humains de la méthode dont Magritte est l'inventeur en peinture et i'initiateur sans rival. "). Diese meist fantastisch anmutenden Werke entstammen nicht der Traumwelt, Magritte selbst sagt hierzu: "Im Hinblick auf meine Malerei wird das Wort ‚Traum' oft missverständlich gebraucht. Meine Werke gehören nicht der Traumwelt an, im Gegenteil." Sie sind vielmehr ein visuell verwirklichter Gedanke. Verschiedene Gegenstände erscheinen immer wieder auf den Werken des Künstlers wie zum Beispiel die Pfeife, der Bowlerhut, der blaue Himmel mit weißen Wolken, die Eisenschellen, die Wand, die Statue und der Fesselballon, meist beziehen sich diese Gegenstände auf Kindheitserinnerungen. In Magrittes Kindheit trugen zum Beispiel die Pferde in Brüssel oder auch in Charleroi Schellen um den Hals, diese kommen ebenso wie der Fesselballon, der auf sein Elternhaus stürzte, in unterschiedlichen Zusammenhängen und Größen in seinen Bildern vor. Meisterhaft verbindet er auch in der vorliegenden Gouache die Elemente seiner Erinnerung mit der Freude an der Verschlüsselung und es ist genau diese Freude an der Verschlüsselung zusammen mit der von ihm so geschätzten Ambivalenz zwischen Zeigen und Verbergen, die den Spannungsbogen in seinen Werken aufrecht erhält. Auf unserem Werk steht der Kopf einer Skulptur blutend und mit geschlossenen Augen vor einer Wand aus Holz. Das Rätsel geht auch hier weiter, was verbirgt sich hinter der Holzwand, was verbirgt sich hinter diesem steinernen Kopf? Der Betrachter erkennt und versteht die einzelnen wiedergegebenen Gegenstände doch der Sinn ihrer Zusammenstellung erschließt sich ihm nicht. Er muss sich auf die Suche nach einer Bedeutung begeben und möchte den Gedanken des Meisters folgen, bei dieser Suche erkennt er dann das subtile Rätselspiel des Werkes. "Jedes Ding, das wir sehen, verdeckt ein anderes, und wir würden sehr gern sehen, was uns das Sichtbare verdeckt..." (René Magritte). Die Gouache trägt den Titel "La Memoire"; möglicherweise ist dieser Titel ein Hinweis auf die Deutung des Werkes? Normalerweise wäre es falsch sich an den Bildtitel festzuhalten, sie sind für Magritte meist nur eine weitere Möglichkeit eine falsche Fährte ins Spiel zu bringen, sie dienen eher dazu innerhalb der Sprache und der Logik der Worte eine Konfrontation hervorzubringen, analog zu derjenigen, die das gemalte Bild vollzieht. Bei der vorliegenden Gouache ist der Titel dennoch ein Indiz für des Rätsels Lösung. René Magritte macht in dieser wundervoll poetischen Gouache die Erinnerung sichtbar. Er verfolgt sein Ziel einen Gedanken darzustellen und wie könnte er eindrücklicher die Erinnerung wiedergeben, als durch das in Stein gemeißelte Gesicht einer jungen Frau, von der man weiß, dass es sie nicht mehr gibt, dass sie lebendig war und nie mehr sein wird, mit einem Blutfleck an der Schläfe, der ausdrucksvoll auf dieses für immer vergangene Lebendige verweist. Wie bei vielen seiner Werke hat Magritte auch diese Komposition der "La Mémoire" einige Male variiert und neben der Gouache auch ein Öl (1948) mit demselben Titel gemalt. René Magritte der grosse Meister der Ent- und Verfremdung, der Deplatzierung und Neukombination von Menschen und Dingen schliesst in dieser uns vorliegenden Gouache eindrucksvoll verscheidende Dinge zu einem neuen poetischen und rätselhaften Bild zusammen. Er erweckt in uns die Freude am Suchen und Betrachten.

CHF 600 000 / 800 000

€ 526 320 / 701 750

Vendu pour CHF 871 000 (frais inclus)
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