Lot 3083 - Z41 Art Suisse - vendredi, 02. décembre 2016, 15h00

AMIET, CUNO

(Solothurn 1868 - 1961 Oschwand)
View of the Stockhorn. 1931.
Oil on canvas.
Monogrammed and dated with flame lower right: CA 31.
98 x 91 cm.

Provenienz:
Vom Vater des heutigen Besitzers bei Cuno Amiet erworben.

Nach mündlicher Überlieferung wollte Cuno Amiet dieses Gemälde dem Vater des heutigen Besitzers anfangs nicht verkaufen, da es sich um das erste Werk handelte, welches nach dem Brand des Glaspalastes entstanden sei.

In der Nacht auf den 6. Juni 1931 brennt der Münchner Glaspalast vollständig nieder. Zahlreiche Kunstwerke der Sammlung sowie alle Werke von Cuno Amiet, welche anlässlich der ihm gewidmeten Retrospektive gezeigt werden, fallen den Flammen zum Opfer. Insgesamt sind es 51 seiner Gemälde, entstanden in den Jahren zwischen 1891 und 1931. Nach diesem tragischen Ereignis sitzt der Schock tief und gleichzeitig wird dem Künstler von höchster Stelle Anteilnahme bekundet. So drückt der Gesamtbundesrat sein schmerzliches Bedauern zum katastrophalen Ereignis aus (siehe Ausst. Kat. Kunstmuseum Bern (Hg.): Cuno Amiet - Von Pont-Aven zur Brücke, Bern 1999, S. 330).

Bekanntlich zeichnet Cuno Amiet seine Gemälde, welche im Jahr 1931 nach dem Brand von ihm gemalt werden, mit einer kleinen Flamme neben seinem Monogramm, sozusagen in Gedenken an die zerstörten Werke. Es entstehen in diesem Jahr einige sehr eindrückliche Gemälde mit spürbarerer Schaffenskraft. Der Künstler kann sich in diesem Sommer im Landhaus „Monbijou“ am Thunersee, welches seinem Freund Fritz Pochon-Jent gehört, ausruhen und neue Kräfte sammeln.

Einige phantastische Ansichten des Thunersees mit jeweiligem Bergpanorama entstehen in dieser Zeit. Beispielsweise das Gemälde „Blauer See“ (55 x 60 cm) (siehe Onlinedatenbank SIKART, Lexikon zur Kunst in der Schweiz, Cuno Amiet, Nr. 1931.24.) oder „Gelber Niesen“ (90,6 x 97,7 cm) heute im Kunstmuseum Bern (Inv. Nr. G 1154). Amiet experimentiert sowohl mit Farben als auch mit Stimmungen, die in jenen Werken explizit zur Geltung kommen.

Cuno Amiet erzählt später dem Vater des heutigen Besitzers des hier angebotenen Gemäldes, dass seine Frau ihn allmorgentlich zu den Ufern des Thunersees begleitet habe aus Angst er könne sich nach dem tragischen Glaspalastbrant selber etwas antun. Als erstes Gemälde nach dem schweren Verlust vieler seiner besten Bilder habe er dann dieses Gemälde geschaffen.

So zeigt das hier angebotene Gemälde mit Sicht auf das Stockhorn eine eindrucksvolle Morgenstimmung mit dem auf den Berggipfeln flimmernden Sonnenaufgang. Morgendlicher Dunst schwebt über dem Wasser, verbindet sanft die nur angedeutete Uferpartie mit dem gewaltigen Bergmassiv und überwindet so die landschaftliche Tiefenwirkung und Perspektive zugunsten eines hochmodernen Kunstwerkes.

CHF 350 000 / 450 000

€ 327 100 / 420 560