Lotto 1297 - A140 Mobili, porcellane e decorazioni - giovedì, 22. marzo 2007, 10h00
MANTEL CLOCK "AU NEGRE PORTEFAIX",Empire, after a design by J.A. REICHE (Jean André Reiche, active 1800/1830), Paris circa 1805. Matte and polished gilt bronze and burnished bronze. With figure of a striding Moor with hat and stick and bearing the clock case on his back. The clock with enamel dial and Paris escapement striking the 1/2 hours on bell. 29x10.5x36 cm. Provenance: private collection, Zurich.
Empire, nach einem Entwurf von J.A. REICHE (Jean André Reiche, tätig 1800/1830), Paris um 1805.
Bronze matt- und glanzvergoldet sowie brüniert. Schreitender Mohr mit Feldflasche, Hut und Stock, auf dem Rücken ein Traggestell mit rundem Uhrgehäuse, auf ovalem Sockel mit Bronzeapplikationen und gequetschten Kugelfüssen. Emailzifferblatt mit arabischen Minuten- und römischen Stundenzahlen. Pariser Werk mit 1/2-Stundenschlag auf Glocke. 29x10,5x36 cm.
Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Feine Pendule von hoher Qualität. Die Entwurfszeichnung von J.A. Reiche befindet sich heute im Musée des Arts Décoratifs in Paris. Die Darstellung exotischer Figuren hat ihren Ursprung in der Rousseau'schen Prämisse des "retour à la nature". Viele, meist pädagogisch intendierte Werke übten grossen Einfluss auf die bildenden Künste aus, wie z.B. das damals ausserordentlich beliebte Buch von Bernardin de Saint Pierre "Paul et Virginie" aus dem Jahr 1788, "Atala" von François Chateaubriand 1805 und vor allem der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr populäre Roman "Robinson Crusoe" von D. Defoe. Vor allem die "pendules au negre" zeugen auf markante Weise vom Interesse der noblen Welt für Motive und Figuren "exotischer" Herkunft. Die Begegnung von Robinson und Freitag, die Figur des Robinson als Schiffbrüchigen, Atala als Befreierin von Chactas oder die Darstellung von Paul und Virginie, getragen von zwei Schwarzen, wurden der Literatur entnommen und sowohl bildlich wie auch bildhauerisch umgesetzt. Dabei spielte nicht nur das kulturelle und idealisierte Interesse für die "exotische" Welt eine grosse Rolle, sondern auch die natürlich erotische Ausstrahlung ihrer Figuren. Das sich küssende "couple enlacé", die mit entblössten Brüsten dargestellte "nourice africaine" oder der "nègre chasseur" mit seinem athletischen Körperbau zeigen diesen Aspekt sehr schön. Das Sujet des "bon nègre" oder "bon sauvage" wurde während der Epochen des Directoire, Empire und Restauration weiterentwickelt und in über 20 Varianten dargestellt. J.A. Reiche, Sohn eines Leipziger Cafébesitzers, liess sich während der Regierungszeit von Louis XVI in Paris an der Rue Notre-Dame-de-Nazareth nieder, wo er bis zu seinem Tode als Hersteller und Händler von Bronzen tätig war. Im Jahre 1785 wurde ihm die Meisterwürde erteilt. Seine Entwürfe für Pendulen zählen heute zum Bestand des "Cabinet des Estampes" der Bibliothèque Nationale ("Dépôts Légaux 1788-1810 Reiche"); darunter auch die hier angebotene sowie die Pendule "Duchesse de Berry, allaitant le Duc de Bordeaux", die Serie der weiblichen Gelehrten, "Le Porte-Faix blanc et le nègre", "La Laitière" und weitere Berufe, sowie sein Entwurf "Le Char de Télémaque"-die Pendule verkauft von A. Ravrio. Lit.: B. Mura, La pendule au nègre à l'heure de Deverberie, in "L'Estampille / L'Objet d'Art (1990); S. 34/35 (mit Abb.und Zeichnungen). H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986; I, S. 379-381 (mit Abb. und Zeichnungen). H.L. Tardy, La pendule française des origines à nos jours, Paris 1961-1964; S. 356. J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 158 und 352. Ausstellungskatalog "La pendule au nègre" Musée de l'Hôtel Sandelin in Saint-Omer vom 29.4.-12.6.1978. Ausstellungskatalog "De Noir et d'Or"; Pendule "au bon sauvage" im Musée Bellevue in Brüssel, 1993. E. Niehüser, Die französische Bronzeuhr, München 1997; S. 149 (Abb. 240).
CHF 20 000 / 30 000 | (€ 20 620 / 30 930)
Venduto per CHF 39 600 (incl. premio)