Lotto 1395 - A140 Mobili, porcellane e decorazioni - giovedì, 22. marzo 2007, 10h00
GOLDSCHEIDER, F. (Friedrich Goldscheider, 1845-1897), Vienna circa 1890. Burnished and polychrome painted terracotta figure of a seated smiling boy. H 123 cm. Provenance: Château de Vincy, West Switzerland. An exceptionally fine figure of outstanding quality. An identical model was offered at Tajan Paris on 7.4.2000 (Lot No.108.
(Friedrich Goldscheider, 1845-1897), Wien um 1890.
Terracotta brüniert und polychrom gefasst. Sitzender, lächelnder Jüngling mit Kappe. Auf Holzhocker. H 123 cm.
Provenienz: Château de Vincy, Westschweiz.R> Ausserordentlich feine Figur von hervorragender Qualität. Ein identisches Modell wurde bei Tajan Paris am 17.4.2000 (Katalognr. 108) angeboten. F. Goldscheider wurde 1845 im böhmischen Pilsen geboren. Im Alter von 20 Jahren übernahm er nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seinen Geschwistern eine Fabrik zur "Erzeugung kohlensaurer Wasser" und eine Gemischtwaren-Handlung. Beide Unternehmungen erlitten Konkurs. Friedrichs Bruder Eduard erwarb danach in der Nähe von Pilsen eine Tonwarenfabrik und stellte bis Ende des 19. Jahrhunderts Majolika, Fayence- und Sanitätsgeschirr und künstliche Bimssteine her. Friedrich Goldscheider errichtete eine Ziegelei mit Ringofenbetrieb und stellte feuerfeste Waren her. 1877 begann er mit dem Porzellanhandel in Pilsen, bis er 1885 mit seiner Gattin nach Wien übersiedelte und dort die "Goldscheider'sche Porzellan-Manufactur und Majolica-Fabrik" gründete. Anfangs konzentrierte er sich auf die Produktion und Polychromierung von Terracotta-Figuren und Plastiken, er förderte zugleich die Kreativität junger Künstler. Naturalistisch bemalte Modelle von Wollhändlern, Statuen oder dunkel patinierte Büsten von Arabern und Berbern trafen den orientalisierten Geschmack jener Zeit und brachten F. Goldscheider mehrere Auszeichnungen ein. An der Weltausstellung 1888 in Barcelona gewann das Unternehmen Goldscheider die Silbermedaille und wurde eine der einflussreichsten Firmen in der Keramikproduktion. Goldscheider arbeitete er mit verschiedenen Materialien; mit einem patentierten Bronzeverfahren erzielte er ab 1891 auf den Messen in Leipzig, Dresden und Budapest grosse Erfolge und gewann Auszeichnungen in Edinburg, Wien und Triest. 1892 gründete er mit seinem Sohn Arthur in Paris eine Werkstatt zur Bronzefabrikation, später Filialen in Leipzig und Florenz. Nach Friedrichs Tod führten die Witwe Regina Goldscheider mit ihrem Bruder und den Söhnen das Unternehmen weiter und passte die Produktion dem aktuellen Zeitgeschmack an, indem sie zunächst mit Objekten des Jugendstils und des Art Déco herstellte. 1938 wurde die Goldscheider Manufaktur arisiert, die Leipziger Niederlassung verschwand, und die Familie emigrierte über England in die USA.
CHF 8 000 / 14 000 | (€ 8 250 / 14 430)
Venduto per CHF 10 800 (incl. premio)