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KollerView 2-26

Im Wechselspiel von Nähe und Distanz


Vorschau auf die Auktion Schweizer Kunst vom 26. Juni 2026

Ferdinand Hodler und Cuno Amiet waren die Pole einer hochinteressanten Schweizer Künstlerbeziehung in den Jahrzehnten um 1900. Im Spannungsfeld von gegenseitiger Bewunderung und künstlerischer Konkurrenz waren die beiden Ausnahmetalente Wegbegleiter, die sich suchten und zugleich voneinander unterscheiden wollten. Hodler und der 15 Jahre jüngere Amiet begegneten sich 1893 in Bern zum ersten Mal. Vier Jahre später besuchten Hodler und der Sammler Oskar Miller Amiet in dessen Atelier. Aus dieser Begegnung erwuchs ein Auftrag für Amiet, Hodler zu porträtieren.

Amiet stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark unter Hodlers Einfluss, insbesondere in Bezug auf die Übernahme des «Parallelismus», einer von Hodler entwickelten Kompositionsform mit repetitiven Figuren und strenger Symmetrie. Trotz Hodlers unverkennbarem Einfluss behielt Amiet seine eigene künstlerische Identität bei. Er nahm neue, vor allem französische Impulse auf, etwa aus Pont-Aven oder von Werken Van Goghs und Cézannes, und entwickelte seine eigene expressive Farbigkeit.

Ferdinand
Hodler

Das Jungfraumassiv von Mürren aus. 1914.
Öl auf Leinwand. 63 × 86 cm.
Schätzung: CHF 1 200 000/1 800 000

«Das Jungfraumassiv von Mürren aus» zählt zu den bedeutendsten alpinen Landschaftsbildern aus dem Spätwerk von Ferdinand Hodler. Durch eine leichte Verschiebung des Blickwinkels und eine bewusst einfache Bildstruktur erreicht Hodler eine klare, monumentale Frontalansicht. Die Felsen sind streng ausbalanciert angeordnet. Erzählerische Details treten dabei in den Hintergrund. Stattdessen bestimmen Rhythmus, Wiederholung und Symmetrie den Aufbau des Bildes und bilden zentrale Elemente von Hodlers Theorie des Parallelismus. Die klare Trennung zwischen Vordergrund und Hintergrund lässt den Berg beinahe wie eine menschliche Figur wirken. So wird das Landschaftsbild zu einer Art Porträt des Berges.

Cuno Amiet schuf mit «Im Garten» von 1912 eines der eindrucksvollsten Werke seiner Brücke-Zeit. Das Gemälde zeigt seine reife, unverwechselbare Farbauffassung, in der sich Einflüsse der internationalen Moderne erkennen lassen. Es entstand in einer Phase grosser künstlerischer Sicherheit und markiert einen Höhepunkt in seinem Schaffen. Zu sehen ist Anna Amiet-Luder im Garten auf der Oschwand. Die Szene wirkt zunächst ruhig und intim. Die in sich gekehrte Figur ist in dichte Pflanzen eingebettet, was dem Bild etwas sehr Persönliches verleiht. Doch diese Ruhe täuscht, denn in dieser Malweise wird der Garten zu einem ausdrucksstarken Spiel aus Farben und Flächen. Die Natur wird nicht einfach dargestellt, sondern künstlerisch neugestaltet.

Cuno
Amiet

Im Garten. 1912.
Öl auf Leinwand. 73 × 53 cm.
Schätzung: CHF 300 000/500 000

Cuno
Amiet

Im Garten. 1912.
Öl auf Leinwand. 73 × 53 cm.
Schätzung: CHF 300 000/500 000

Ferdinand
Hodler

Bildnis Francine Meylach. 1916.
Öl auf Leinwand. 47,5 × 43,5 cm.
Schätzung: CHF 220 000/320 000

Laura Koller, Koller Auktionen

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LAURA KOLLER

Co-Abteilungsleiterin
Schweizer Kunst

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