
Mixturen aus Kunst und Leben
Vorschau auf die Auktion Post-War & Contemporary vom 25. Juni 2026
In «Crosstown» aus der Serie «Anagram (A Pun)» verdichtet Robert Rauschenberg seine Bildsprache zu einem vibrierenden Panorama der Grossstadt . In den 1950er-Jahren entwickelte der Künstler seine «Combines», in denen er Malerei mit Alltagsobjekten verband. Damit schuf er die Grundlage für eine Kunst, die die Grenze zwischen Bild und Wirklichkeit auflöst. Fotografische Fragmente, die weich auf die Oberfläche übertragen wurden, scheinen wie Erinnerungen durch Farbschichten hindurch. Strassenszenen, Fassaden und Fragmente wie «Coffee Bar» oder «Press» tauchen auf und verschwinden wieder. Links deutet eine Brücke Bewegung an, während sich rechts urbane Ansichten zu einem dichten Gefüge ballen. Nichts steht für sich allein, alles ist Teil eines visuellen Stroms, so als würde man auf einer rasanten Fahrt durch New York aus dem Autofenster schauen: Übergänge bleiben offen, Konturen lösen sich auf und Bedeutungen verschieben sich. Rauschenberg führt hier seine Idee fort, Bild und Wirklichkeit miteinander zu verweben. Das Werk steht exemplarisch für sein spätes Schaffen und zugleich für eine Kunst, die Wahrnehmung als multiperspektivisches Geschehen versteht.
Robert
Rauschenberg
Crosstown [Anagram (A Pun)]. 1997.
Pflanzenfarbtransfer auf Polylaminat.
152 × 310,5 cm.
Schätzung: CHF 100 000/150 000
© Robert Rauschenberg Foundation / 2026, ProLitteris, Zurich
Damien Hirst bündelt in «The Congregation for the Doctrine of the Faith» Natur und Ordnung zu einer eindringlichen Erzählung. Hunderte Schmetterlingsflügel sind in glänzendem Lack gefasst und zu einem streng symmetrischen Dreieck komponiert. Die leuchtenden Blau- und Gelbtöne entfalten eine Sogwirkung, die an Kirchenfenster erinnert und dem Werk beinahe sakrale Präsenz verleiht. Aus der Nähe betrachtet, zeigt sich jedoch die materielle Wirklichkeit dieser Pracht.
Damien
Hirst
The Congregation for the Doctrine of the Faith. 2003.
Schmetterlingsflügel und Hochglanzlack auf
Leinwand auf Holz. 158 × 183 cm.
Schätzung: CHF 400 000/600 000
© Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved / 2026, ProLitteris, Zurich
DAMIEN
hirst
The Congregation for the Doctrine of the Faith. 2003.
Schmetterlingsflügel und Hochglanzlack auf
Leinwand auf Holz. 158 × 183 cm.
Schätzung: CHF 400 000/600 000
© Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved / 2026, ProLitteris, Zurich
Die technische Ausführung zeugt von einer akribischen, beinahe klinischen Präzision. Im Bild verbindet sich wissenschaftliche Systematik mit religiöser Bildtradition. Schönheit erscheint hier als fragile Oberfläche, die auf Vergänglichkeit verweist. Damit steht das Werk exemplarisch für Hirsts künstlerisches Anliegen, existenzielle Fragen sichtbar zu machen und den schmalen Grat zwischen Faszination und Unbehagen auszuloten. Letztlich hinterfragt das Werk, ob Glaube und Kunst tatsächlich Trostspender sein können oder – angesichts der Sterblichkeit – nur glänzende Fassaden bleiben.



