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Bildwelten als Bühne


Vorschau auf die Auktionen Gemälde und Zeichnungen
Alter Meister und des 19. Jahrhunderts vom 27. März 2026

Der Zürcher Johann Heinrich Füssli fand ab den 1760er-Jahren in London seine künstlerische Heimat. Dort wurde er 1790 Vollmitglied der Royal Academy und 1799 Professor für Malerei. Seine Stellung in der Londoner Kunstszene brachte ihm zahlreiche bedeutende Aufträge ein, darunter Beiträge zur Boydell Shakespeare Gallery. Füsslis Interesse an Literatur prägte sein Werk nachhaltig: Neben Shakespeare beschäftigte er sich intensiv mit Texten von John Milton, Christoph Martin Wieland und anderen. Das nun zur Auktion stehende Gemälde entstand 1803 als Vorlage für einen Stich von William Sharp. Es illustriert eine Schlüsselszene aus einem Essay von Eustace Budgell, erschienen 1712 in der damals noch jungen Zeitschrift «The Spectator ». Budgell kritisiert darin die Neigung von Gelehrten, Wissen geheim zu halten, und verweist auf die Legende des Christian Rosenkreutz. Füssli zeigt den dramatischen Moment des Eindringens in dessen Gruft: Ein gepanzerter Wächter zerstört die «ewige Lampe», Sinnbild des verborgenen Wissens. Mit kraftvoller Figurenzeichnung und effektvoller Lichtregie verdichtet Füssli literarische Allegorie und malerische Dramatik.

Johann
Heinrich
Füssli

(1741–1825)
Das Grab des Rosicrucius. 1803.
Öl auf Leinwand. 92 × 77,5 cm.
Schätzung: CHF 150 000/250 000

Das Gemälde gehörte ab 1976 zur Sammlung Thyssen- Bornemisza. Bis 1993 war es in der Villa Favorita in Castagnola ausgestellt, bevor es in Schweizer Privatbesitz überging. Nun kehrt dieses bedeutende Werk in die Öffentlichkeit zurück.

Ein bislang unbekanntes Gemälde von François Boucher aus altem Familienbesitz stellt eine bedeutende Neuentdeckung für die französische Kunst des 18. Jahrhunderts dar. Es zeigt die Hochzeit von Ariadne und Bacchus, ein beliebtes Motiv der antiken Mythologie. Nachdem Theseus Ariadne auf Naxos verlassen hatte, fand sie im Weingott Bacchus einen neuen Gefährten. Boucher gestaltet die Szene als Bacchanal mit Satyrn, Mänaden, Putti und den ikonischen Leoparden. Die Grisaille verweist auf eine Entstehung um 1750 und steht in engem Zusammenhang mit Bouchers Entwürfen für die Königliche Teppichmanufaktur Beauvais. Das Werk zählt zu den reifen Schöpfungen des Künstlers und dürfte einst im Umfeld von Madame de Pompadour zu finden gewesen sein.

François
Boucher

(1703–1770)
Hochzeit von Ariadne und Bacchus
auf der Insel Naxos. Grisaille.
Öl auf Leinwand. 41 × 80,5 cm.
Schätzung: CHF 200 000/300 000

François
Boucher

(1703–1770)
Hochzeit von Ariadne und Bacchus
auf der Insel Naxos. Grisaille.
Öl auf Leinwand. 41 × 80,5 cm.
Schätzung: CHF 200 000/300 000

Für Jean-Honoré Fragonards «Tête de vieillard chauve» ist die Provenienz bis ins Jahr 1793 belegt. Einer der berühmten Vorbesitzer der Zeichnung war der avantgardistische Pariser Modeschöpfer und Kunstsammler Jacques Doucet (1853–1929).

Jean-Honoré
Fragonard

(1732–1806)
Tête de vieillard chauve. Nach 1767.
Pinsel in Braun über schwarzer Kreide.
35 × 27,8 cm.
Schätzung: CHF 20 000/30 000

Karoline Weser, Koller Auctions

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KAROLINE WESER

Abteilungsleiterin
Gemälde Alter Meister & des 19. Jh.

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