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KollerView 2-26

Auf dem Weg zum
Expressionismus


Vorschau auf die Auktion Impressionismus & Moderne vom 26. Juni 2026

In unserer Juni-Auktion präsentieren wir drei Gemälde, die alle um das letzte Jahr des Ersten Weltkriegs entstanden sind. Marianne von Werefkin und Gabriele Münter waren Freundinnen, die viele Jahre lang gemeinsam den Sommer in Murnau verbrachten, einem idyllischen Dorf am Fusse der bayerischen Alpen. Dort malten sie zusammen mit ihren Partnern, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky, und tauschten Ideen und Techniken aus. Beide Beziehungen zerbrachen, doch sie sollten die moderne Kunst nachhaltig prägen.

Münter, die von der Kunst französischer Maler wie Matisse, Gauguin und Van Gogh fasziniert war, hatte als junge Künstlerin Schwierigkeiten, schnell genug zu malen, um sich spontan ausdrücken zu können. Kandinsky brachte ihr bei, mit einem Spachtel zu arbeiten, um die von ihr gewünschte Dynamik zu erreichen. Im Gegenzug lenkte Münter Kandinsky in Richtung der expressionistischen Abstraktion, die zum Kern seines Schaffens werden sollte. Es war der Gedankenaustausch zwischen diesen vier Menschen, der den Grundstein für den deutschen Expressionismus legte. Später sollte Franz Marc offenbaren, dass es vor allem Werefkin und Jawlensky waren, die ihm die Augen für die Möglichkeiten dieser neuen Strömung geöffnet hätten.

Gabriele
Münter

Gudhjem. 1919.
Öl auf Leinwand. 39,2 × 31 cm.
Schätzung: CHF 120 000/200 000
© 2025, ProLitteris, Zurich

1909 kam Heinrich Campendonk erstmals mit der Gruppe in Kontakt, und zwar über die Neue Künstler Vereinigung München. Den Impuls zu deren Gründung gaben die Diskussionen zwischen Werefkin, Münter, Kandinsky und Jawlensky. Im Jahr 1911 beteiligte sich der damals 20-jährige Campendonk an der Gründung der Künstlergruppe «Der Blauer Reiter».

Bis 1918/19, als diese drei Werke entstanden sind, hatte sich das Leben aller drei Künstler dramatisch verändert. Campendonks Mentoren Franz Marc und August Macke waren während des Ersten Weltkriegs an der Front gefallen. Nachdem Campendonk 1915 aus gesundheitlichen Gründen aus der Armee entlassen worden war, zog er mit seiner Familie nach Seeshaupt, ganz in die Nähe von Murnau. Umgeben von der bayerischen Natur und stets beeinflusst von seinen Künstlerkollegen des Blauen Reiters malte er seine märchenhaften Bildwelten.

Marianne
von Werefkin

Landschaft. 1919. 
Tempera auf Papier auf Karton. 55,5 × 73 cm.
Schätzung: CHF 80 000/120 000

Marianne
von Werefkin

Tessiner Landschaft. 1919.
Tempera auf Papier auf Karton. 55,5 × 73 cm.
Schätzung: CHF 80 000/120 000

Die Beziehung zwischen Münter und Kandinsky begann sich um 1913 zu verschlechtern. Kandinsky kehrte nach Russland zurück, wo er 1917 Nina Nikolaevna Andreevskaya heiratete. Münter verbrachte die Kriegsjahre in Skandinavien und malte in einem Stil, der – wie die hier gezeigte Ansicht mit ihren fröhlichen Farben und dem hellblauen See belegt – trotz schwieriger Zeiten von Hoffnung durchdrungen war.

Werefkin und Jawlensky flohen bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus Deutschland in die Schweiz. Sie liessen sich in Ascona nieder, wo Werefkin die «Landschaft» aus unserer Juni-Auktion malte. Dies geschah in ihren letzten gemeinsamen Jahren mit Jawlensky, bevor er nach Deutschland zurückkehrte, um Werefkins Haushälterin zu heiraten.

Heinrich
Campendonk

Blumenbild. Um 1918. Verso: Paar. 
Öl auf Leinwand. 76,8 × 60,7 cm.
Schätzung: CHF 450 000/700 000
© 2025, ProLitteris, Zurich

WEITERE HIGHLIGHTS

HEINRICH
CAMPENDONK

Vegetabile Komposition. 1928.
Öl auf Leinwand. 95,5 × 62,8 cm.
Schätzung: CHF 80 000/120 000
© 2025, ProLitteris, Zurich

MARIANNE VON
WEREFKIN

Abenddämmerung.
Tempera on paper on cardboard.
25.7 × 34.7 cm.
Schätzung: CHF 40 000/60 000

ERICH
HECKEL

Frau am Tisch (Siddi Heckel).
1914. Öl auf Leinwand. 64 × 38,5 cm.
Schätzung: CHF 100 000/150 000

Jara Koller, Koller Auktionen

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JARA KOLLER

Abteilungsleiterin
Impressionismus & Moderne

jara.koller@kollerauktionen.com
+41 44 445 63 08