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Lot 3231* - A217 Impressionismus & Moderne - Freitag, 26. Juni 2026, 16.30 Uhr

GABRIELE MÜNTER

(Berlin 1877–1962 Murnau)
Gudhjem. 1919.
Öl auf Leinwand.
39,2 × 31 cm.
Unten links signiert und datiert: Münter / 8 VII 19.
Verso signiert, datiert, betitelt und mit dem Nachlassstempel: Münter 1919 / Gudhjem I.

Provenienz:
- Evelyn Hagenbeck Galerie und Verlag, Hamburg (verso mit Etikett).
- Privatsammlung Deutschland, am 20.3.1977 in obiger Galerie erworben und seither im selben Familienbesitz.

Wir danken der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung für die Bestätigung der Authentizität des Werks. Es ist im Nachlass unter der Nummer L 352 registriert.

Aufgrund des Ersten Weltkriegs begibt sich Gabriele Münter gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Wassily Kandinsky ins Exil in die Schweiz, da er als russischer Staatsbürger nicht in Deutschland bleiben kann. Nach Kandinskys Rückkehr nach Russland lebt Münter mehrere Jahre in Skandinavien. Während dieser Zeit, die als "skandinavisches Exil" bezeichnet wird, schafft Münter zahlreiche Gemälde, vor allem Landschaften und Interieurs. Gleichzeitig entwickelt sie eine intimere und vereinfachte Malweise im Gegensatz zum experimentelleren und expressiveren Stil der Vorkriegsjahre der Gruppe "Der Blaue Reiter".

1917 heiratet Kandinsky eine andere Frau, womit die Beziehung zu Münter endgültig endet. Allein gelassen, zieht Münter im Sommer 1919 nach Gudhjem, einem ruhigen und malerischen Ort an der Nordküste Bornholms, wo sie ihren Lebensunterhalt durch Malunterricht verdient und intensiv arbeitet, um die Trennung von Kandinsky zu verarbeiten.

Hier entwickelt sie einen eigenständigeren, introspektiven Stil und schafft Werke, die durch eine stille und reflektierte Atmosphäre geprägt sind, aber auch ein Gefühl von emotionaler Stabilität vermitteln – trotz der persönlichen Krise. Dies zeigt sich in einfachen, ruhigen und geordneten Kompositionen sowie in der hellen, harmonischen Farbgebung.

Das Gemälde "Gudhjem", das genau während dieser Phase entsteht, zeigt eine friedliche Küstenlandschaft mit Blick auf das Meer. Geschwungene Wege führen durch eine grüne Hügellandschaft. Hohe Bäume mit deutlich abgegrenzten Konturen rahmen die Komposition und verleihen ihr Halt.
Die Häuser des Dorfes sind in einfachen, klaren Formen dargestellt. Ihre Dächer leuchten in warmen Rottönen, während die Wände in hellen, freundlichen Farben gehalten sind. Das Blau des Meeres ist gleichmässig und sanft, der Himmel erscheint weich und lichtdurchzogen. Es herrscht eine ruhige, kontemplative Atmosphäre, die die Szene still und beinahe zeitlos wirken lässt.

Der Aufenthalt in Gudhjem war äusserst fruchtbar für die künstlerische Entwicklung Münters. Auf die schwierige persönliche Phase reagiert die Künstlerin nicht mit Chaos oder Dramatik, sondern mit Ordnung und Stabilität, indem sie eine eigene malerische Identität sowie ein starkes Gefühl von Unabhängigkeit entwickelt, die für Frauen ihrer Zeit nicht selbstverständlich waren.

CHF 120 000 / 200 000 | (€ 123 710 / 206 190)

Verkauft für CHF 150 000 (inkl. Aufgeld)